La quadrille française – oder – Le quadrille français?

Es ist ja nicht allzu weit hergeholt, wenn ich kurz das übliche Themenfeld verlasse und mich ein wenig über Wiens Quadrille-, mehr aber noch über seine Tanzschul-Szene lustig mache. Für all diejenigen, die Wien noch nie im Ballrausch zwischen Ende November und Ende Februar erlebt haben, hier eine völlig abstrakte, weil aus dem Kontext gerissene, Darstellung einer Tour der Quadrille in Reinform.

Wer allerdings glaubt, dass der Tanz auf Bällen – dort Mitternachts-, Publikums- oder einfach nur „Quadrille“ genannt – so gesittet und sauber getanzt wird, irrt. Wie es aussieht, wenn hunderte selbsternannte Profis Quadrille tanzen, kann man auf YouTube nachsehen! Und ja, es ist ein immerwährendes Spiel, das man auf nahezu jedem Ball in Wien beobachten kann: Jedes Paar kennt meist weniger als die Hälfte der Touren nur halb so gut, wie es sollte, tanzt sie aber mit doppelt so viel Überzeugung als es eigentlich haben dürfte! Was die einen Chaos nennen, bezeichnet der gelernte Österreicher als liebenswürdige Eigenheit der Wiener Ballkultur.

Eine weniger liebenswürdige orthografische Eigenheit vor allem vieler, die dafür sorgen sollten, dass weniger als die Hälfte der Paare mehr als die Hälfte der Touren nicht kennt, ist die Schreibweise „Quadrille française“ in Bezug auf den in sechs Touren getanzten Tanz. Die im 18. und 19. Jahrhundert populär gewordene Quadrille ist im Französischen nämlich maskulin, weshalb es nicht „française“ (mit einem „e“ am Wortende), sondern auf jeden Fall immer „français“ (ohne „e“) heißt. Würde man jedoch auf dem „e“ beharren, so erführe die Quadrille einen Bedeutungswechsel und würde zur „Abordnung“ zB in einer Parade werden.

Wenn es also um den Tanz geht, so ist die korrekte Schreibweise die ohne „e“ am Schluss: Quadrille français! Und das seit 1849 als es in einer Beschreibung der Salontänze durch Cellarius („La Dance des Salons“) geheißen hat:

On a cru que la connaissance des figures du quadrille, qui peut etre acquise aisement en deux ou trois lecons, suffisait meme pour les jeunes gens en droit d’aspirer au titre d’hommes de distinction et de bonne compagnie.

Die korrekte Schreibweise und viel über die Geschichte des Tanzes kann man in der französischen Wikipedia nachlesen.

Frage ans Kinopublikum in Wien

Liebe Kinobesucher, was ist nur los mit euch? Wozu besucht ihr noch Kinos, wenn ihr gar nicht am Film interessiert seid, sondern ihn als Hintergrundrauschen für andere Tätigkeiten im Kinosaal anseht? Was auf Facebook geschieht, während wir uns fragen, warum Steven Sonderbergh seinen Film Contagion am zweiten Tag der Infektion beginnen lässt, muss für die eineinhalb Stunden doch wohl egal sein! Auch zu erklären wie eine 3D-Brille funktioniert, während Kapitän Haddock in Tim und Struppi in einer der schönsten Seeschlachten, die ich jemals im Kino gesehen habe, gegen den Piraten Sakharine kämpft, ist nicht angebracht; das kann man nachher tun. Bier im Kinosaal ist sowieso tabu und wer seinem Sitznachbarn etwas zu erzählen hat, der soll das draußen oder nachher tun!

Also, erklärt mir bitte, was los ist! Wozu geht ihr ins Kino und warum macht ihr es mir so schwer, mir im Kino einen Film in Ruhe anzusehen? Dafür ist es doch da, das Kino, oder etwa nicht mehr?

Größeres und übersichtliches Frühstücken

Ich habe die Frühstücken in Wien-Seite komplett neu gestaltet und das „alte“ Bild des Blaustern-Frühstücks durch ein ReLACHSed-Frühstück (ebenso aus dem Café Blaustern) getauscht. Das Design funktioniert einwandfrei in Firefox, Chrome und Safari. Wenn es bei Ihnen nicht funktioniert, haben Sie einen veralteten Browser.

Und ja, klar kann man das Browserfenster größer und kleiner machen…

Einst Wien, heute Prag

Hans Rauscher erklärt, warum einst Wien, heute jedoch Prag die Stadt für internationale Top-Begegnungen von Staatschefs und internationalen Organisationen ist.

Der Punkt ist, dass heute niemand Wien für solche Treffen benutzt. Gut, damals war Prag im Sowjetblock, Österreich war neutral. Aber wir hatten noch etwas: einen außenpolitisch aktiven, geschickten und an der Welt interessierten Kanzler von Format, Bruno Kreisky. Österreich betrieb eine aktive Außenpolitik und konzentrierte sich nicht nur auf innenpolitisches kleines Karo.

Höhenstraße: Pflastersteine oder Asphalt

Es gibt sie noch, die Probleme, die das schöne Wien so lebenswert machen. Momentan diskutiert man zum Beispiel darüber, ob die Höhenstraße, die mittlerweile ein Gürtel der Außenbezirke geworden ist, unter Denkmalschutz (!) gestellt oder asphaltiert und zu einer richtigen Straße (!) gemacht werden soll.

Habe ich die Höhenstraße jemals als Denkmal angesehen? Nein.

Das AKH ist das zweitgrößte Krankenhaus der Welt

Das Allgemeine Krankenhaus (AKH) in Wien ist das zweitgrößte Krankenhaus der Welt, lediglich überboten durch das Chris Hani Baragwanath Hospital in Südafrika. Der Standard berichtet heute über die Dimensionen des Energieverbrauchs im AKH.

Mehrere Backup-Systeme sorgen dafür, dass die Umstellung auf den Notstrom-Betrieb für Patienten, Personal und Besucher komplikationslos bleibt. [In den unteren Ebenen des Krankenhauses] stehen auch die Treibstoff-Quellen für die Notstrom-Aggregate: zwei Diesel-Tanks mit einem Fassungsvermögen von je 100.000 Litern, wie sie sonst auf Kreuzfahrtschiffen üblich sind. 5.000 Liter pro Stunde benötigen die Generatoren, die einzeln jeden Monat einen Testbetrieb absolvieren müssen. [...] Die meiste Energie benötigt das Krankenhaus aber nicht in Form von Strom, sondern als Fernwärme. Die Müllverbrennungsanlage Spittelau wurde einst eigens an ihrem nur zwei Kilometer entfernten Standort errichtet, um Wärme für das Neue AKH zu liefern. Rund 190.000 Megawattstunden werden es in diesem Jahr sein.

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Wien — Venedig

Oliver Scheiber stellt einen sehr schönen Vergleich auf, den ich hier nocheinmal zeigen will:

Von Paris nach Marseille (ca. 800 Kilometer) fährt ein Zug in etwa 2:50h, mehrmals täglich. Das ergibt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 275 km/h.

Von Madrid nach Sevilla (ca. 472 Kilometer) fährt ein Zug in etwa 2:30h, stündlich. Das ergibt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 188 km/h.

Wir Österreicher hinken hingegen ordentlich nach, wenn es um eine Verbindung zwischen Hauptstadt und der nächstgelegenen Stadt am Meer geht.

Von Wien nach Venedig (ca. 600 Kilometer) fährt ein Zug in etwa 8:00h, 2x täglich. Das ergibt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 75 km/h.

Fantastique, n’est pas?

Bäckerei gesucht. Ein Aufruf.

Das Statement: Es gibt keine mir bekannte Bäckerei, der es gelingt, Brot so zu backen, dass es tatsächlich gut schmeckt und haltbar ist. Sieht man sich an, was man in den Backstuben Wiens bekommt, riecht man daran und probiert man es, dann weiß man, was alles nicht passt.

Erstaunlicherweise ist das ein Problem in Wien, weniger aber außerhalb. Legt man keinen Wert auf gutes Brot in der Hauptstadt? In verschiedenen Städten und Ländern, ganz besonders in Amsterdam und Urumqi (!) gibt es fantastisches, lang haltbares, geschmackvolles Brot. Und in Österreich, dem Land das den Stolz auf seine Schwarzbrotkultur gepachtet hat, ist Brot ein Minderqualitätsprodukt. Das gilt übrigens in ganz gleichem Maße auch für alles übrige Gebäck vom Semmerl bis zum Salzstangerl!

Mein aus Erfahrungen zusammengetragener Anforderungskatalog:

  1. Brot muss nach Brot riechen, nicht nach Plastik oder Backmitteln.
  2. Brot muss, wenn man es aufschneidet, in Scheiben schneidbar sein. Häufig zerbröselt die Kruste oder der Kern ist zu mehlig oder zu feucht.
  3. Am Messer darf beim Durchschneiden des Brotes absolut nichts kleben bleiben. Das Brot ist zu feucht, wenn am Messer klebrige Brotreste zu finden sind.
  4. Die Brotrinde muss mit dem Brot eine Einheit bilden, sie darf sich beim Aufschneiden nicht vom Rest des Brotes ablösen.
  5. Das Brot muss im Inneren eine einheitliche Farbe und Struktur haben. Ist der Kern dunkel, feucht oder heller als der Rand, ist das Brot nicht in Ordnung.
  6. Ein gut gebackenes Brot muss auch noch nach 24 Stunden genauso gut riechen und schmecken.
  7. Ein gut gebackenes Brot muss auch noch eine Woche nach der Herstellung gut schmecken. (Dass es weicher ist, ist in Ordnung.)

Und nun frage ich die Leserschaft: Wo bekomme ich Brot, das diesen Anforderungen entspricht in Wien her?

Alle Supermärkte, die frisch backen, stellen zwar herrlich aussehendes und anfangs hervorragend riechendes Gebäck her, doch egal was man kauft, am nächsten Tag ist es nicht mehr genießbar. Die Bäckereien, besonders die paar großen, produzieren etwas besseres Brot, doch ist es bei ihnen keine Seltenheit, dass das Brot zu feucht ist. Brot, das erst in den Filialen gebacken wird, ist entweder voller Geschmacksstoffe oder es behält seine Qualität für weniger als 24 Stunden bei. Einige wenige Kleinstbäckereien produzieren ihr eigenes Brot, das gelegentlich ganz in Ordnung ist. Da sie jedoch meist in Konkurrenz zum nächstgelegenen Supermarkt stehen, spezialisieren sie sich auf Brot-Absurditäten, die als Tagesbasis nicht genießbar sind.

Daher nocheinmal die Frage: Wo in Wien bekomme ich gutes Brot her, das meinem Anforderungskatalog entspricht?

Update 27.10.: Die Falter-Gebäckeinkaufsempfehlungen

Ich wurde auf die Gebäck-Einkaufstipps des Falter verwiesen. Der Falter führt aber zum Beispiel die Bäckerei Mühlenbrot in der Karmeliterhofgasse an – und ich weiß nicht, warum die empfohlen wird. Als ich bei meinem letzten Besuch dort einen Laib helles Brot mitgenommen habe, war das am nächsten Tag – trotz vom Bäcker empfohlener Lagerung – nicht mehr genießbar.

Im Callshop in Wien

Für gewöhnlich genieße ich morgens den heimischen Internetanschluss. Links steht der Kaffee, auf dem Desktop sammeln sich die Morgenzeitung, der Newsreader und was gerade so anfällt. Nicht so heute. Wegen einer Besprechung musste ich in den 10. Bezirk und die Wartezeit von knapp einer Stunde wollte ich nicht völlig sinnlos hier verschwenden. Daher: Callshop. Internet, Faxen, CD/DVD kopieren. 1 Euro für 1 Stunde Internet. Das geht. Außerdem habe ich sowas in Wien noch nie gemacht.

Ich betrete den Callshop und werde sogleich an einen Computer gesetzt. Eigentlich ein ganz feiner Platz: Links von mir das Fenster, das jedes Mal, wenn ein Bus vorbeifährt, zittert, vor mir ein geschmackvoller roter Tisch mit einer kleinen Webcam drauf, gleich daneben der acer-Monitor, eine chili-green-Maus und das LG-Headset. Schreiben tu ich auf einer Microsoft-Tastatur. Es ist verhältnismäßig sauber, wenngleich zu erkennen ist, dass es hier völlig egal ist, ob man raucht oder nicht: überall vermutet man Asche.

Der Besitzer des Callshops diskutiert gerade mit einem Österreicher (der einzige, übrigens, der auch noch hier drinnen ist), doch geht es offenbar um Geldgeschäfte, denn die Worte „Bank“ und „Kredit“ fallen öfter als gewöhnlich. Von allen Seiten rufen irgendwelche Leute irgendwas irgendwelchen anderen Leuten zu. Eigentlich nicht unähnlich den Erlebnissen im Internet-Café in China). Hab ich übrigens schon erwähnt, dass die Wände in Telekom-Austria-Grün gehalten sind? Gut. Die Wände sind in Telekom-Austria-Grün gehalten.

Links von mir (also vor dem Fenster) ist bereits das tausendste Auto vorbeigefahren. Davidgasse, 1110 Wien, da geht schon einiges durch. iPod an, Ohren zugestöpselt.

Matthias in der New York Times

Matthias hat es in die New York Times geschafft.

At the dance school, Mathias Brandstetter looked over my wet boots and jeans. “You can go to the dressing room to change your clothes,” he said. I emerged in dress shoes. All around me dance students and their partners moved toward the studios. Every woman wore a skirt. “You don’t have other clothes?” Mr. Brandstetter asked me. “No matter,” he sighed. “It’s a private lesson. Let us begin.”

In 20 minutes I was whirling around the oak-paneled room to a waltz, breathless, cheeks flushed. “Head turned to the left, your hand above my bicep, below my shoulder, soften your knees,” intoned Mr. Brandstetter. “One. Two. Three. One. Two. Three. And relax!”

Mocca Club reloaded

Es gibt ihn wieder, den Mocca Club. Leider mit neuen Baristas, leider mit neuem Personal, leider mit einer Ausrichtung hin zur Cocktailbar, leider ohne Rauchverbot, zum Glück mit dem Cheesecake nach altem Rezept. Immerhin etwas.

Qualität und Quantität der Kaffees

Es gab in Österreich vor der Sommerpause des Mocca Club genau ein Café, das wohlschmeckenden und geprüft zubereiteten Kaffee in gleichbleibender Qualität servieren konnte: der Mocca Club. Die Neueröffnung hat das leider geändert, denn die Qualität des servierten Kaffees schwankt. Mal schmeckt er ganz gut, mal ist er perfekt, mal ist er nicht zu trinken. Mich erinnern diese Qualitätsschwankungen an meine ersten Versuche mit der Espressomaschine. Wie den Baristas früher diese Gleichmäßigkeit gelungen ist, weiß ich nicht, denjenigen, die jetzt hinter der Maschine stehen, gelingt es jedenfalls nicht.

Aber nicht nur die Qualität lässt stark zu wünsche übrig, auch die Menge des Kaffees im Häferl schwankt beträchtlich, je nach Barista. Ein Espresso kann ein zu einem Drittel gefülltes Häferl sein, ein zur Hälfte gefülltes oder gar, wie heute, ein nahezu volles. Irgendwas stimmt hier nicht. Und das sahen und sehen andere Besucher auch so.

Personal und Ausbildung

Liebgewonnenes Personal ist unersetzbar, das ist klar, doch freundliches Personal anzustellen, sollte oberstes Ziel des Inhabers sein. Bis auf zwei löbliche Ausnahmen wirkt das Personal im Mocca Club unfreundlich. Zwei Beispiele hierzu.

Wenn sich die Crema meines Espresso auf vier Metern Fußweg von der Maschine zu meinem Platz aufgelöst oder sehr verdünnt hat und ich ihn zurückschicke, dann gibt es nicht eine Entschuldigung für den Fehler und rasch einen neuen Espresso, sondern nur eine eiserne Miene, irgendein Gemurmel und einen neuen Kaffee hingestellt. Wo sind die Zeiten, als der Kellner selbst bemerkt hat, dass der Kaffee dieser Form nicht in Ordnung war und damit von sich aus (!) wieder zum Barista ging, um einen neuen zu ordern.

Fragt man, das Beispiel 2, einen der Kellner oder Kellnerinnen um Rat in puncto Kaffeesortenwahl, hat man keine Chance. Das Personal ist absolut nicht ausgebildet und selbst die Menschen hinter der Espressomaschine haben keine Ahnung. Kaffeesorten und Zubereitungsarten sind nicht daselbe, liebes Personal im Mocca Club. Dass jeder selbst nachlesen kann, wie welche Kaffeebohnen schmecken, ist mir auch klar, doch eine Kost-Bar, abgeleitet von Verkosten, muss auf einem anderen Level spielen!

Nichtraucherbereich und Geruchsbelästigung

Dass man im Mocca Club rauchen darf, stört mich. Das ist subjektiv und jedem Raucher sei seine Meinung dazu erlaubt, aber guten Kaffee sollte man auch riechen können. Die eine oder andere Shisha ist in Ordnung, doch wenn man ein Lokal verlässt, weil die eingeatmeten Rauchwolken Kopfweh verursachen, dann beginnt sich die Sache auch wirtschaftlich negativ auszuwirken. Starbucks hat es geschafft, Italien hat es geschafft und die Zeiten, als eine Zigarette zum Kaffee notwendig war, sind hoffentlich vorbei.

Eine funktionierende Belüftung, die zumindest durch einen konstanten Luftstrom die Gerüche der einen Gruppe vor der anderen fernhält, gibt es nicht. Es ist sogar noch schlimmer: Früher gab es auf der Herrentoilette einen mit rotem Stift auf das Fenster geschriebenen Warnhinweis, das Fenster niemals und unter keinen Umständen zu öffnen, weil – das stand aber nicht mehr da – dort wohl die Belüftungsanlage ihr Ansaugrohr hat. Nicht selten kann man seit Neueröffnung im vorderen Bereich des Lokals genau riechen, was gerade auf der Herrentoilette gesetzt wurde, doch der Hinweis am Fenster ist fort und kommt nicht und nicht wieder. Und das ist einfach nur eklig.

Resümee oder Empfehlung?

Resümee? Nein, gibt es nicht mehr! Geht auch nicht. Über die Qualität des Kaffees kann ich nur von Mal zu Mal urteilen, über die Freundlichkeit des Personals ebenso, je nachdem, ob ich am Vormittag (+) oder am Nachmittag (-) da bin und je nachdem, wie es momentan gelaunt ist (-), die Geruchsbelästigung durch Rauch ist wohl so schnell nicht zu lösen (-), die andere, da will ich gar nicht drüber nachdenken (-).

Empfehlung? Von mir aus, aber nur aus Mangel an Alternativen! Wenn der Barista gut arbeitet, das Personal gut aufgelegt, der Cheesecake frisch und das Lokal nicht mit Rauchern überfüllt ist, dann ist’s auch im Mocca Club in Ordnung.

Ansonsten? Ich weiß nicht. Ich gebe ab an Tupalo und Halfass.

Von Wien nach Bratislava

Zug oder Schiff

Von Wien nach Bratislava kommt man äußerst bequem auf zweierlei Art und Weise. Entweder, man fährt mit dem Zug von Wien nach Bratislava und unternimmt dabei eine Bahnfahrt durch die langweiligste Landschaft Österreichs auf sich und erlebt – beginnend mit dem Südbahnhof in Wien – so wundersame Haltestellen österreichischer Existenz und österreichischen Bewusstseins wie Gramatneusiedl, Gattendorf und Parma oder man reist mit dem Schiff, das man in bester deutschsprachiger Manier auf Englisch Twin City Liner nennt. Der Vorteil des Schiffs liegt in der Fahrt von Zentrum zu Zentrum, wohingegen der Zug in beiden Fällen am Stadtrand abfährt, was allerdings auch seinen Reiz haben kann.

Bratislava

Bratislava ist eine nette Stadt typisch mitteleuropäischer Kontraste. Einerseits gibt es einen sehr schönen (aber kleinen) Stadtkern, in dem sich alles findet, was auch sonst in einem Stadtkern zu finden ist (Turm, Kirche, Bürgerhaus, Hauptplatz, Allee, Gassen), andererseits gibt es die Siedlungen rundherum, die in Österreich getarnt, in der Slovakei ganz offenkundig Plattenbauten sind. Im Gegensatz zu Österreich, gibt es in Bratislava Leben auch in den Plattenbauten.

Der Stadtkern ist gepflegt, sauber und mit einer – und das ist auffällig – geringen Anzahl von Touristen angefüllt. Die meisten folgen dem Ruf des Lonely Planet und fahren eher nach Prag, wo sie sich dann in langen Schlangen durch die vorgegebene Standardtouristenroute quälen. Da ist Bratislava sympathischer: der Tourismus hat hier noch nicht kulturgeschichtliche Veränderungen hervorgebracht, daher sind die Preise, auch in Innenstadtlokalen, auf einem normalen Level, wenn auch einige findige Café-Besitzer Preise auf wesentlich höherem Niveau anbieten. Besonders gegenüber der US-Botschaft wird’s teuer.

Wer es aber auf sich nimmt, in den kleinen Gassen von Bratislava nach einem Lokal zu suchen, der kann für zwei Personen ein gutes und reichhaltiges Essen inklusive Getränke um unter zehn Euro bekommen. Schlimm wird es nur, wenn andauernd vom Nachbartisch Selbstlob von der amerikanischen Damenrunde herüberdröhnt, die das ach so putzige Lokal in der ach so putzigen Gasse in der ach so abgeschiedenen Gegend gefunden hat. Und wie toll doch nicht das Essen… Naja, wir kennen das ja.

Euro oder Kronen?

In Bratislava kann man fast überall in Euro bezahlen. Klar, man zahlt immer ein wenig drauf, aber die Summen bleiben überschaubar. Es empfiehlt sich, sein Retourgeld auch noch irgendwo loszuwerden, denn mit Kronen fängt man nirgendwo etwas an. Die einzig schlechte Erfahrung habe ich mit Eisdielen gemacht, wo man in etwa das Dreifache vom Kronenpreis zahlen würde, wenn man in Euro zahlt. Ein Gang zu McDonald’s, ein kleines Cola mit zwanzig Euro bezahlt und man hat schon einen vollen Tag des Sichgehenlassens in Bratislava in Kronen parat.

Von Bratislava nach Wien

Mehr gibt’s auch schon nicht zu sagen. Vorläufig. Zurück bin ich wieder mit der Bahn gefahren und ich stelle mir vor, dass die Bahnfahrt zurück auf jeden Fall zu empfehlen ist, da die Ankommenden der Schifffahrt ein wenig von Gelsen und Mücken zerstochen dreinschauen, wenn man sie so am Schwedenplatz beim Eisgeschäft stehen sieht. Außerdem erheitert die Rückfahrt in der Abfolge Parma, Gattendorf, Gramatneusiedl und Wien Südbahnhof ja umso mehr…

Bälle, Rituale, Tanz

Dominik schreibt über die Ballsaison und ihre Auswirkungen, er schreibt über das Flair, den jeder Ball hat, über die Eigenheiten, die jeder Ball hat und darüber, das eigentlich nicht der Ball selbst das Lustmoment ballbesuchischen Daseins ausmacht, sondern sehr wohl, wenn nicht ausschlaggebend die Begleitung, egal nun, ob es eine Dame oder ein ganzer Freundeskreis ist. Bälle sind für ihn nach wie vor von besonderer Bedeutung. Und dabei ist das ja gar nicht so!

Bälle, wie sie in Wien veranstaltet werden, sind Abglanz dessen, was sie einst waren. Ihr primärer Zweck, nämlich die Einführung von jungen Persönlichkeiten in die Gesellschaft, ist völlig weggefallen. Andere Nützlichkeiten, die Bälle so an sich hatten, gibt es auch nicht mehr, denn wer geht heutzutage auf einen Ball, um dort zu tanzen? Man tanz auf Bällen, ja, allerdings nur nebenbei, zwischen Aperitif und Vorspeise und vielleicht noch vor dem Dessert. Bälle sind vielmehr eine Zusammenkunft von Menschen, die sich über die Zusammenkunft der Menschen auslassen. Da stehen die Grüppchen in den diversen Ecken verteilt und betrachten andere Grüppchen, setzen an ihnen etwas aus und erfreuen sich so vier bis sechs Stunden lang daran. Das unterscheidet die Ballbesucher von heute sicherlich nur wenig von den Ballbesuchern von damals, nur dass damals dann ab und zu ein Herr vorbeikam und eine der Damen zum Tanze aufforderte, damit der Erstkontakt, kaschiert durch ein Minuett, erfolgen konnte. Debütieren konnte man damals halt noch in zweifacher Weise. Der erste gemeinsame Tanz, der in Form gefasst Zwang körperlicher Nähe als einzige Ausfluchtmöglichkeit emotional bedingten Wollens hat sich so aufgelöst. Tanz emanzipiert sich. Tanz erfolgt nun als Draufgabe, nicht als Primärkonstrukt, um Freundschaft zu erlangen, denn kennenlernen tut man sich außerhalb von Bällen und spezifischen sozialen Aktivitäten. Man kennt sich und intensiviert vielleicht die Beziehung am Ball.

Doch dieses Gelaber über Bälle in Wien interessiert mich weniger. Was mich tatsächlich interessiert ist, wie man es überhaupt möglich machen und schön finden kann, dass Tanz als institutionalisiertes Etwas gehandhabt wird. Ich verstehe, dass man Tanzkurse machen muss, ich verstehe, dass man sich – ähnlich einem Sport – Techniken anlernen und den Umgang mit den Tanzpartnern erarbeiten muss, aber was um Himmels Willen bringt Menschen dazu, Tanz als etwas nicht Spontanes durchzuführen, horribile dictu als geplanten Tagesausflug zur Möglichkeit des Tanzens wie es von Hunderten, ja Tausenden Jugendlichen gehandhabt wird? Tanz ist nichts Planbares, nichts Gewolltes, er muss spontan und emotional behaftet sein, frei von jeglichen Zwängen, frei von jeglichen Formalitäten, denn nur dann ist Tanz das, was er ausdrücken will. Nur dann nehme ich einem Tänzer ab, dass seine Mimik genuin und gewollt, nicht aber einstudiert und gespielt ist, nur, aber nur dann nehme ich Damen, die sich hier erstmalig trauen, sich figurbetont zu bewegen ab, dass sie das, was sie darstellen wollen, auch tatsächlich repräsentieren können.

Eingezwängt in ein Korsett irgendwelcher Regulierungen lassen die Menschen hier ihrer tatsächlichen Körperlichkeit freien Lauf. Doch wie? Abermals in einem Korsett! Brav werden hier die gelernten Abfolgen getanzt, weil man nicht Mumm hat, Neues zu probieren und wenn, dann bitte nur mit Trainer. Sechzehn-, Siebzehnjährige, die am Gipfel ihrer Körperlichkeit stehen, melden sich zu Hauf in Formationen an, in denen sie sich ein wenig gehen lassen können – selbstverständlich in gemäßigtem Rahmen und nur dort, wo es von den Eltern gut geheißen wird.

Vielleicht bin ich ein wenig von meinem Aufenthalt in Kuba geblendet, der mir zum ersten Mal die Augen diesbezüglich geöffnet hat, aber doch muss ich feststellen, dass dort Tanzen wie ein körperliches Bedürfnis zwischen Mann und Frau abgelaufen ist. Wer tanzen wollte, tanzte wer lieber einen Rum nach dem anderen in sich schüttete, der tat das und es kümmerte keinen oder jeden, je nachdem. Hier war Tanz noch spontan, hier tanzten sogar Touristen unter Bedingungen, unter denen sie in ihren Heimatländern niemals tanzen würden. Und die konnten es meist gar nicht! Es wurde getanzt, weil es Spaß machte und aus sonst keinem Grund. Und so soll es sein und ich hör jetzt hier auf.

Über den Jänner in Wien

Meierei

Jänner? Sommer? Winter?

Wien im Jänner. Und es hat daheim 25°C bei abgedrehter Heizung und geöffneten Fenstern. Nocheinmal, liebe Leserschaft: Es ist warm bei mir daheim im Jänner bei abgedrehter Heizung und geöffneten Fenstern! Das ist nicht normal, denn normal wäre es, zwanzig Euro pro Tag in Form von Gas zu verbrennen, damit man die wohlige Stimmung zuhause erhalten kann. Normal wäre, wenn es nicht nach Frühlingsblumen in der Wohnung duftete, sondern nach übriggebliebenem Weihnachtsgebäck. Normal wäre das kratzende Geräusch der Schneeschaufeln und nicht der Gesang und das Zwitschern der Vögel. Normal wäre, wenn Raben, Krähen und Tauben sich auf eine heruntergefallene Semmel stürzen würden und nicht, dass man von dieserlei Getier bei gleicher Begebenheit ignoriert wird, weil es sich am Dach des gegenüberliegenden Hauses dem intensiven partnerschaftlichen Beisammensein mit mehreren, rapide wechselnden Partnern hingibt!

Soll das ein Winter sein? Soll das ein Winter am Rande der Alpen sein? Ein Winter im Wiener Becken? Geh! Anstatt, dass der Himmel weiß vor Schnee ist, ist er klar und blau! Blauer Himmel! Sonnenstrahlen. Schulkinder rennen in Pullovern herum. Im Jänner! Und so warm bei mir im trauten Heim bei offenen Fenstern und abgedrehter Heizung! Doch zurück zum Himmel.

Ist der werten Leserschaft schon aufgefallen, dass wir momentan einem stetigen Abwechseln von bewölktem und klarem Himmel ausgesetzt sind? Es ist ganz einfach so: Wenn man fotografieren oder spazieren gehen will oder, ganz allgemein: wenn man sich draußen aufhalten möchte, ist der Himmel auf jeden Fall von einer undurchdringlichen, weißen Wolkendecke bedeckt. Es sind dies keine Regenwolken, aber Wolken. Und sie sind da, wenn man sie nicht braucht. Und wenn man daheim, in der Arbeit oder, wieder allgemein gesprochen: in einem Gebäude sein muss, dann erstrahlt er in klarstem Blau und kein Wölkchen trübt den Blick. Schon aufgefallen? Es lohnt sich ein Blick nach oben! Guter Himmel oder böser Himmel. Man hat’s schnell heraußen. Es ist jeden Falls das falsche Wetter. Egal, ob’s schön oder bewölkt ist.

Kaffee? Wien? Gut?

Weil wir gerade bei gut und böse sind. Guten Kaffee erhält man in Wien kaum. Wirklich! Er wird einfach nicht serviert. Die Stadt des Kaffees und der Kaffeehauskultur lässt einen aber sowas von abblitzen, wenn man seine Qualitätsansprüche mit der Neugier nach diesem Unicum „Kaffeehauskultur“ gleichsetzt und sich daher etwas Besonderes erwartet.

In den meisten Cafés ist der Kaffee schlichtweg eine Zumutung und nur wenige, sehr wenige, sehr sehr wenige Kaffeehäuser legen Wert darauf, guten Kaffee zu servieren. Guter Kaffee, das ist nämlich nicht nur qualitativ hochwertiges Rohmaterial (die Bohne), sondern auch professionelle Zubereitung (der Barista), Starkstrom (die Maschine) und der nötige Aufwand an Pflege (die Reinigung) sowie klares und gutes Wasser (Hochquellwasserleitung). Erst dann folgt Ambiente, Service, etc. Also wenn die werte Leserschaft das nächste Mal im Kaffeehaus sitzt und dieses Irgendwas in sich hineinschüttet, wäre vielleicht doch ein Kommentar dem Kellner gegenüber angebracht. Der wird zwar kaum was ändern, „wäui do komma eh nix mochn, is hoit a so“, aber irgendwann einmal wird auch der abgebrühteste Ober den Kaffee selbst probieren und merken, dass er einfach nix kann. Der Kaffee, nicht der Ober.

Oder man besucht eines dieser Lokale.

Wieder Wien

Delayed

Zurück in Wien, dieser alten Stadt im alten Europa. Der Flug von Schanghai nach Frankfurt hatte vier Stunden Verspätung und dauerte dann auch noch elf Stunden (und sie haben Narnia gespielt… Narnia!). Der Anschlussflug nach Wien hat gewartet und war es beim letzten Mal so, dass mich die bittere Realität schon im Flugzeug von Schanghai nach Frankfurt eingeholt hat, so hatte ich diesmal Glück und bekam den Österreichschock erst im Flugzeug von Frankfurt nach Wien, dafür aber dann „voi“. Glücklicherweise war es mir vergönnt, wenig von diesem Wahnsinn mitzubekommen, da der Schlaf mich gnädig überkam. Ich wurde erst durch die Ansage des Kapitäns zur Landung wieder munter und die fand in einem Wien voll nächtlicher Kühle statt. Der Koffer war, wie schon im letzten Jahr, in Frankfurt geblieben und wurde später nachgeliefert. (Ach ja, hab ich erwähnt, dass die Waage in Shanghai nicht funktioniert hat? ;-)

Erstes Flickrtreffen in Wien

Mourning and Sensuality

Heute fand das erste Flickrtreffen in Wien statt. Es ist eh klar, dass sich die ganze Welt an Plätzen trifft wie Cafés, Bars oder Restaurant, aber wir Österreiche müssen natürlich weit darüber hinaus schießen und uns gleich am Zentralfriedhof in Wien treffen. Was auch immer man vom Ort des Treffens halten mag, interessant ist der Zentralfriedhof auf jeden Fall. Vor allem, wenn man zum Fotografieren da ist!

Nicht nur die Toten und deren letzte Behausung war interessant, auch die Menschen, die kamen entbehrten nicht meiner Interessensbekundung: Ein bunt zusammengewürfelter kleiner Haufen an Flickr-Addicts, namentlich: knipsereder, dan65, niklens, cilest und ich.

Lernt man die Gesichter hinter den Buddy-Icons und die Persönlichkeiten hinter den Kommentaren kennen, kurzum den Hintergrund der Menschen, mit denen man nahezu tagtäglich verkehrt, so ist das schon etwas Besonderes. Man lernt soviel Neues kennen, Neues über sie, über Flickr, wie und wo und warum sie überhaupt dabei sind, wie lange schon, warum sie fotografieren, wie sie fotografieren, wieso sie fotografieren, welches Equipment sie verwenden… Was ich beispielsweise nicht wusste, war, dass die meisten der heutigen Gruppe sich bereits von einem anderen Photoservice her kannten.

Ich kann das nächste Treffen kaum mehr erwarten!

Von der Stadtwerdung Wiens

Wer Doderers Strudlhofstiege, Die Dämonen, Die erleuchteten Fenster oder die Werke von Stefan Zweig oder Joseph Roth gelesen hat, dem ist ein bestimmtes Bild der Stadt Wien bekannt, das sich weniger aus Eingrenzungen durch Straßennamen oder aus der Benennung von Vierteln zusammensetzt, sondern durch Örtlichkeiten, die nach den in ihnen ansässigen Unternehmungen oder nach ihrer Funktion benannt werden. Wer allerdings vor zehn Jahren ein solches Bild Wiens erwartet hat, der wurde enttäuscht. Bis auf die Kriegsgeneration konnte kaum jemand all die belebten Stellen nennen, die vor den beiden Kriegen alltagsnotwendiges Wissen waren. Diverse Märkte, Gast- und Kaffeehäuser, die damals ihrer Umgebung Namen verleiht haben, waren plötzlich unbekannt. Und auch heute tun sich viele schwer, wenn sie Kohl- oder Fleischmarkt, Hohen Markt und Lände auf der Karte rasch finden sollen. Diese Namen, diese Bezeichnungen haben an Aktualität verloren. Die Flohmärkte, die am Kohl- oder Fleischmarkt abgehaltet werden, verkaufen sowieso nur mehr Bockwurst á la tyrolienne oder kitschige Kristall-Schwäne, der Hohe Markt ist sowieso nurmehr ein riesiger Parkplatz und die Lände wird von manchen sogar für den Kai gehalten. – Es ist also nahezu unmöglich einen Ort zu finden, der einem durch die Beschreibung seiner Funktion oder seines Lebens vergegenständlicht wird.

Ganz im Gegensatz dazu ist es auf internationalem westlichen Parkett üblich, nach wie vor Gegenden aus ihrer Bedeutung für die Menschen heraus Namen zu geben. Paul Auster kann in seiner New York-Trilogie von Örtlichkeiten sprechen, deren Namen von Geschäften, Bars und Restaurants näher definiert werden. Das Private hielt vor langer Zeit Einzug in das Alltagsvokabular und es ist nach wie vor – siehe Sex and the City, Ally McBeal oder Desperate Housewives im englischen Sprachraum als Ortsbezeichnung vorhanden.

Ob es nun vorteilhaft ist, seine Stadt so zu benennen, wie es sich darin lebt, sei dahingestellt. Tatsache ist, dass nahezu alle mir bekannten Städte – außer die deutschsprachigen – durch das Vokabular der in ihr lebenden Menschen benannt sind und nicht durch ein von oben draufgesetztes Etwas, dass sich aus Straßennamen, Plätzen und Promenaden zusammensetzt, deren Namen an Helden, Staatsmänner und Freiheitskämpfer erinnern, welche vom hier und jetzt lebenden Volk entweder gar nicht oder nur sehr spährlich gekannt werden. (Sicherlich gibt’s auch Ausnahmen.)

Doch heute geschah etwas, das mich nun wieder hoffen lässt. Auch Wien wird wieder zu dem, was es einst war: Wien wird wieder in Einflusszonen von Geschäften, Restaurants, Bars, Konzerthallen, Diskotheken und dergleichen eingeteilt. Die Menschen benennen ihre Stadt wieder. Sie stützen sich nicht mehr auf Geplantes und Gemachtes, sie agieren selbst indem sie benennen.

Im Radio hat heute eine Moderatorin den Weg über die Mariahilfer Straße – ohne den Namen der Straße selbst je zu nennen – als „das Vergnügen“ beschrieben, sich „vom Westbahnhof beim Benetton über den Bortolotti am H&M vorbei bis zu den Museen“ durchzukaufen. Sie ist aber nicht der einzige Mensch, bei dem mir das aufgefallen ist. Angelika Hager (a.k.a. Polly Adler) hält sich in ihrer Kurier-Freizeit-Kolumne auch an diese Art, Orte zu beschreiben. Auch Kollegen bezeichnen Orte mit Geschäftsnamen oder Plätze nach den dort ansässigen Kaffeehäusern, Eisdielen werden Synonyme für kleinere Parks und U-Bahn-Stationen bezeichnen teilweise schon ganze Gegenden.

Was nun noch fehlt sind die Bezeichnungen nach Vierteln. Der Wiener hält sich eigentlich noch brav an die Bezirksbezeichnungen, obwohl auch da schon starke Einbrüche festzustellen sind: die Immobilienwirtschaft hält sich sowieso nicht daran – hier ist es offenbar en vogue von Cottagevierteln, Industrievierteln oder in k.u.k. – verherrlichendem Ton von Alt-Wiener Wasauchimmer zu sprechen. Monte Laa, Mons Vienensis (Wienerberg! – zu sehen neben den Twin Towers!), etc. bilden auch Bezeichnungen, die nichts mehr mit Computerstraße oder Heldenplatz gemein haben.

Mir persönlich gefällt diese Tendenz, Mons Vienensis ausgeschlossen!, ich hoffe hier einen Wandel mitzuerleben. Einen Wandel zu internationalen Standards, zurück zu dem, was es einmal war, wenn ich das salopp so formulieren darf. Die in der Stadt lebenden Menschen fangen nichts (mehr) an mit einer überbordenden Anzahl an Helden, Staatsmännern und Künstlern. Ihnen soll im ersten Bezirk gehuldigt werden, im Regierungsviertel oder an verschiedenen anderen in Wien verteilten Stellen (á la Paris), aber das alltägliche Verhalten der hier lebenden Menschen, ihr regelmäßiges Zusammenkommen in Cafés, Restaurants, Bars und in Geschäften soll die Namensgebung verschiedener Gegenden weiterhin beeinflussen. Wien wird wieder eine Stadt, eine plastische!