Just write-Oberfläche

Screenshot der Just Write-Oberfläche von WordPress

Kann die Benutzeroberfläche eines Programms Einfluss auf die Art und die Qualität von Artikeln nehmen? Ich denke, dass die Oberflächen verschiedener Content Management Systeme und Blogservices sehr wohl großen Einfluss auf die meisten der damit veröffentlichten Artikel nehmen. Wenn auch nicht überprüft, so vermute ich sehr, dass die Oberfläche von Tumblr sehr zur Verlinkung und zur Kopie einlädt, die Oberfläche von Blogger zum klassischen Titel-Text-Blogeintrag, das Interface von Textpattern zu längeren Artikeln, etc. – darüber habe ich immer wieder geschrieben, eine nicht auf Vermutungen basierende Antwort auf diese Frage hat aber, soweit ich weiß, bislang noch niemand gefunden.

Umso interessanter wird es, die Auswirkungen der neuen “Just write“-Oberfläche von WordPress zu beobachten, die das hässliche WordPress endlich von all den Buttons und Eingabefeldern befreit – sofern man den richtigen Button anklickt.

Jedem Medium sein Interface

Jedem Medium seine Logik, sein Interface und sein Design. Ben Brooks kritisiert Apples Entscheidung, das neue Interface von iCal der papiernen Vorlage noch näher zu bringen und somit weniger auf die Möglichkeiten des Mediums Computer, iPhone bzw. iPad einzugehen. Er sieht darin einen konzeptionellen Fehler, denn gerade diese Medien könnten Kalenderübersichten ganz anders darstellen, als es Papierkalender jemals können.

Brooks hat in einem Artikel von letztem September schon einen Vorschlag gemacht, wie ein auf elektronischen Medien besser nutzbares Kalendersystem gestaltet sein könnte. Zusammengefasst: Anstatt einer Liste von 5-7 Spalten, in der die Wochentage und die dort angelegten Termine angezeigt werden, schlägt er eine Kalenderansicht vor, die aus nur 5 Spalten besteht, wobei die erste – Überschrift: Heute – breiter ist als die anderen und die Termine genauer darstellt als die restlichen vier. Letztere sind wiederum aufgeteilt in “Morgen”, gefolgt von den nächsten zwei Wochentagen und einer Spalte, in der die Termine in der nächsten Zukunft angezeigt werden.

All diesen Überlegungen liegt ein Verständnis des Mediums Computer zugrunde, das Apple mit seinem neuen Kalenderdesign nicht einbringt. Ich stimme ihm also zu, wenn er zum Schluss kommt, dass das neue iCal-Interface schlichtweg nicht zweckmäßig ist.

Letztlich ist’s das Interface

Schon bemerkt wie sehr ich mich zurückhalte? Kaum ist das neue Design da, kaum ist es nur mehr das fehlende Logo, das mich noch aufregt, interessieren mich die lästigen Kurznachrichten gar nicht mehr. Und das ist eine feine Sache, führt allerdings wieder zu der Frage, die Anne Helmond schon vor einiger Zeit gestellt hat, nämlich: Beeinflusst das Interface eines CMS wie man bloggt?. Schon im November habe ich auf den Artikel reagiert und kommentiert, dass dem meiner Meinung nach sehr wohl so sei! Und jetzt folgt die doppelte Bestätigung.

Wer mit WordPress arbeitet, neigt eher dazu kurze Artikel zu verfassen und schnell einmal sein gesammtes Bloggerdasein in Form von Asides zu fristen. Andere Systeme, wie zum Beispiel Textpattern, sind da „ergiebiger“ und machen das Verfassen längerer (und ausführlicherer) Artikel aufgrund ihrer Markupsprache (in dem Fall: Textile) wesentlich leichter.

Doch es ist nicht nur das Interface des CMS, das für die Art der Artikel verantwortlich ist. Mindestens gleichwertig in ihrer Einflussnahme ist auch die verwendete Designvorlage, die bestimmt, wie Artikel letztlich aussehen, letztlich geschrieben werden. Sicherlich werden auch Sie schon, bevor noch einen Buchstaben gelesen, erraten haben, ob es auf dem einen oder anderen Blog eher kurze oder eher lange Artikel zu lesen gibt. So meine Thesen.