Alltag rein

Es geht schon wieder los in Wien. Der Weg zum Billa-Frühstückssemmerl hat sich heute völlig anders gestaltet als in den letzten paar Monaten. War der Laden bislang von Pensionisten bevölkert, die mit einer stoisch-gemütlichen Langsamkeit den Billaverkäufern beim Warenschlichten und der Kohlensäure in den Mineralwasserflaschen beim Hochsteigen zuschauten, so war das Bild heute ein völlig anderes: schreiende Kinder, die zwischen den Alten Slalomläufe absolvierten, Mütter, die sie davon abhalten wollten und Schultaschen überall. An jeder Ecke Waren, die durch eine Rechts- oder Linkskurve eines Slalomläufers auf den Boden befördert wurden, alle Kassen waren besetzt und das Gummizeugs, das seit Monaten sein trauriges Dasein fristete, war endlich wieder ausverkauft. Wahrscheinlich hätten die beim Billa die “Ware abgelaufen, 50% ermäßigt!”-Aufkleber drauftun sollen, aber welchem Kind fällt das schon auf? Die Gummibären waren weg, ebenso Snickers, Mars und Dinge, die erst nach mir kamen, die sauren Apfelbänder natürlich und die Colaflascherln. Ach ja: Beim Billa hatten sie heute erstmals wieder genügend Kleingeld!

Es ist dann wohl die Zeit gekommen, um Urlaub zu machen.

Chinesische Sandalen

Ich habe mir in einem chinesischen Supermarkt Sandalen gekauft. Diese Schuhe kosteten 17,90 RMB, das sind etwa 1,80 EUR, sie bestehen aus einem styroporähnlichen Material, das alle Stückerl spielt, sind bequem, und ich könnte wetten, dass diese Schuhe noch mindestens zwei Jahre gut halten werden. Besonders sexy sind sie nicht, ein schmuckes Blau ziert nun meinen Fuß, besonders fest sehen sie auch nicht aus, doch haben sie heute bereits einen steinigen Weg (das ist jetzt keine Umschreibung für den Kontakt mit meinem Fuß, ja!) bravourös gemeistert.

Ich habe mir also Schuhe gekauft. Warum? Nun, hier ist es heiß. Sehr heiß. Und wie heiß! Mit geschlossenen Schuhen ist man hier aufgeschmissen. Ich passe mich natürlich den lokalen Gepflogenheiten an und steige um auf… Richtig! Sandalen. Es sind dies nicht diese Zehenvernichter mit der Schlaufe zwischen großer und Zeigezehe (nennt man die so?!?), die den Charme einer zum Schuh gepressten Altplastiksammelbehälterfüllung haben und die wenig rühmliche Nachfolge der Espandrillos antreten, sondern ein Paar ganz klassischer Sandalen, wie man sie in den 80er-Jahren getragen hat. Devon Miles und so. Der hat sie allerdings mit weißen Socken getragen. So richtig richtig halt. Fast schon urig, allerdings haben meine Schuhe keine Lederriemen und keine Schnalle, sondern sie sind anscheinend von einer Styroporpresse gefertigt worden. (Immerhin noch besser als Altplastiksam… eh schon wissen.)

Diese Schuhe (Jakob würde hier von dem Schuh sprechen) hatten heute ihren ersten großen Auftritt. Die Besteigung eines Hügels samt chinesischem Wachturm absolvierten sie in tadelloser Kooperation mit meinen Füßen problemlos, den Abstieg ebenso. Der nachfolgende Hatscher nach Hause war auch problemlos, doch einen kleinen Nachteil haben die Treterchen dann doch: Begibt man sich in einer Klimazone, die in den Sommermonaten eine Durchschnittstemperatur von etwa vierzig Grad vorweisen kann, zu Mittag ins Freie und möchte sich z.B. an einen Ort begeben, von dem aus man einen Eintrag für seine Homepage verfassen will (nichts geht übers Verfassen von Einträgen für die eigene Seite vom Ausland aus), dann kann das schon mal dazu führen, dass diese herrlich-blauen Styroporsandalen ganz einfach am Beton kleben bleiben.