Sightseeing in Samoa

Heute stand Sightseeing am Programm. Ich wurde geweckt mit den Worten, dass der Bus nur noch auf mich warten würde. Nichtsdestotrotz ging ich ins Bad, putzte mir die Zähne, duschte, ging hinunter zu den Resten des Frühstücksbuffets, bediente mich, kam zum Bus und wartete auf unseren Reiseleiter und -organisator, der erst eine Viertelstunde später kommen sollte. Der Bus war in grellen Farben lackiert und aus den Lautsprechern (Boxen?) dröhnte die ganze Zeit Musik, die ein wenig an die Hits von Shaggy erinnerte, allerdings ohne Mitteltöne. Genaugenommen war dieser Bus ein LKW, auf dem ein Holzgestell aufgebaut war, das an einen Fahrgastraum südeuropäischer Busse in der Nachkriegszeit erinnerte. Holzbänke mit herausstehenden Schrauben, keine Fenster (dafür Plastikscheiben, die man im Fall des Falles hochziehen konnte) und eine Absperrkette anstelle einer Tür. Haltegriffe, Notausgänge und splitterfestes Glas? Forget it, we are in Samoa!

Luatuanuu Spot

Nach langem Warten winkte die Hotelbesitzern dann doch endlich und der Bus fuhr los. Die Hochtöner des businternen Soundsystems ließen mein Trommelfell zerspringen, der Subwoofer zerbarst es danach total. Hinzu kam noch das Pfeifen und Zischen des Windes, das Motorengeräusch eines alten Dieselmotors und das ewig dramatische Rauschen der Brandung. Ich schlief ein.

Der Bus hielt an und das Fehlen gleichmäßiger Schmerzen in meinem Knie weckte mich auf. Ich sah mich um und stellte einerseits fest, dass der Bus mitten in einer Kurve halt gemacht hatte, andererseits, dass fast alle müde und mit verschlafenen Augen aus dem Bus taumelten. Selbst der hochmotivierte Reiseleiter quälte sich aus seiner zur Bequemlichkeit gewordenen Position im Fahrerhaus heraus und murmelte irgendetwas vor sich hin.

Ich stieg die zwei Treppen hinunter, sprang den restlichen halben Meter auf den Boden und torkelte zur erstbesten Sitzmöglichkeit, die sich mir an diesem steinigen Ort darbot. Ich wartete, bis alle ihre Fotos gemacht hatten, holte dann meine Kamera und folgte einem kleinen Pfad, der um den kleinen Vorsprung, der da ins Meer ragte, herumzuführen schien. Ich erhoffte mir ein Bild des Küstenverlaufs machen zu können, doch je weiter ich hinauskletterte, desto mehr Äste, Sträucher und sonstiges Buschwerk hing mir ins Bild. Endlich fand ich einen freien Platz, um ein Foto zu machen, schoss es und machte mich zurück auf den Weg zum Bus, der bereits wieder den Motor gezündet und die Musik angemacht hatte. Ich stieg ein, schlief ein und wurde bald wieder geweckt.

Falefa-Wasserfall

Unser Reiseleiter diskutierte etwas mit dem Busfahrer. Der Bus (mit einem Gesamtgewicht von vierzehn Tonnen) stand vor einer Brücke, deren größtmögliche Belastbarkeit bei zehn Tonnen lag. Ein dementsprechendes Verkehrsschild zeigte das unmissverständlich an. Wir fuhren los, denn es wäre zu schade gewesen, wenn wir unser Schuhwerk bei dem durch den Wasserfall äußerst feuchten Boden beschmutzt hätten. Irgendwie hat uns die Brücke doch über Wasser gehalten und irgendwie ist es auch dem Fahrer gelungen auf einer Gebirgsstraße umzudrehen. Wieder habe ich ein paar Fotos gemacht, wieder bin ich eingestiegen und habe bereits geschlafen, als das Fahrzeug abermals die Brücke überquerte.

Lalomanu Beach

Wieder wachte ich auf als der Bus stehenblieb, diesmal am Straßenrand einer gerade verlaufenden Straße. Rechts waren ein paar Hütten zu sehen und ein Tennisplatz, links ein paar Strandhütten und das Meer. Wir waren am Strand von Lalomanu angekommen. Anfangs hatte ich keinerlei Lust mich ins Wasser zu begeben, aber schon bald überzeugten mich das Wasser, die szenische Atmosphäre und die Hitze doch ins Wasser zu gehen.

Das Wasser war ganz klar und ohne Anstrengung konnte man neugierige Fische beobachten, die kurz am Bein zupften und dann davonschossen, als ob mein Bein sie attackieren würde, danach aber wieder kehrt machten, um zu sehen, ob es denn tatsächlich so sei. Am Horizont konnte man die Brandung sehen, wie sie am vorgelagerten Korallenriff brach und die Gischt meterhoch in die Lüfte hob. Dahinter eine kleine, vorgelagerte Insel, die zwar menschenleer, dafür aber voller Palmen war, die bis knapp über die Meeresoberfläche wuchsen. Auch hier war wieder die Kamera zur Stelle, diesmal jedoch nicht nur vom Strand aus, sondern im Wasser: Ich trug sie hoch erhoben über dem Meeresspiegel, bereit, jeder größeren Welle mit Trockenheit zu trotzen. Etwa dreißig Meter vom Strand entfernt begann ich Fotos zu machen, Fotos, die ich so bislang nicht gemacht habe. Ich war erstaunt, wie gut man aus dem Wasser Fotos machen konnte und ließ es mir nicht nehmen, fast die ganze Reisegruppe im Wasser zu fotografieren. Katharina hatte eine Polaroidkamera dabei und ich ließ es mir nicht nehmen, ein digitales Foto vom Polaroid eines Polaroids, das ein Polaroid zeigt, auf dem Katharina zu sehen ist, zu machen.

Togitogiga Wasserfälle

Weiter ging es. Wir fuhren einige Zeit lang, bis wir an den Togitogiga Wasserfällen ankamen, wo sich einige todesmutig von unserem Reiseleiter (weiße Jesusunterhose) zum Sprung ins Unbekannte überreden ließen. Für mich bestand der Besuch am Strand aus literweise Nobite, das mir gerade mal half, irgendwie über die Runden zu kommen und nicht von abertausenden Mücken zerstochen zu werden. Etwa eine halbe Stunde später waren auch die tatkräftigsten Tümpelschwimmer samt unserem Reiseleiter zurück und es ging weiter zur letzten Station dieser Sightseeingtour.

Ein kurzer Besuch im Dorf

Plötzlich blieb der Bus stehen und ich wachte erneut auf. Wir waren bei der letzten Station dieser Tour angelangt: dem Dorf, in dem die Mutter (oder Großmutter) unserer Hotelbesitzerin wohnte. Offenbar von den Erzählungen unseres Reiseleiters bewegt, hat die Hotelbesitzerin uns zu ihrer Großmutter eingeladen, die uns nun in einer nach Tradition und Kultur errichteten Bure (so nennt man in Samoa die Hütten und Häuser, die ohne Wände auskommen und nur aus einer Plattform und einem Dach bestehen) empfing. Gott sei Dank gab es etwas zu essen, ansonsten wüsste wirklich niemand, was wir hier tun sollten. Einige fingen an zu singen, um den Bewohnern des Dorfes, besonders aber der Hausherrin ein wenig österreichische Kultur in die Bure zu bringen, die wiederum tanzte für uns, um uns zu zeigen, was sie von ein wenig österreichischer Kultur in ihrer Bure hielt. Etwa eine Viertelstunde und viel verlegenes Wassertrinken später erschallte vom Parkplatz aus der Subwoofer des Busses. Es war, endlich!, Zeit zu gehen. Wir fuhren nachhause. Ins Blue Pacific Hotel in Apia.

Aggie Grey’s Tanzshow

http://www.flickr.com/photos/michaeeel/1599966214/

Der 12. September 2007 in Samoa. Aufstehen, Obstfrühstück. Die Löcher in den Wänden des Hotelzimmers waren, das fiel mir beim Duschen auf, nach außen hin größer als nach innen, will heißen: wer draußen an unserem Zimmer vorbeiging, konnte, wenn er genau schauen würde, dem Duschenden zusehen, vom Zimmer aus ging das allerdings nicht. Ich duschte.

Der Tag verging leer und ohne besondere Vorkommnisse. Ich verbrachte ihn teils alleine, teils mit Personen, die mir lieb und teuer waren und teils mit Menschen, mit denen ich mich zwar gut verstand, deren Gegenwart mir allerdings gleichgültig war. Klar freute ich mich, wenn sie da waren, aber es machte keinen Unterschied, ob sie da waren oder andere. Das ist nämlich der feine Unterschied: Muss jemand da sein oder muss diese bestimmte Person da sein. Und sie war nicht da, lange Zeit nicht, bis wir uns endlich, das allerdings war schon später am Nachmittag, trafen. Zufällig. Ohne Plan. Dennoch.

Aggie Grey’s Tanzshow

Während der Tag verging, diskutierte ich immer und immer wieder mit meinen Reisegefährten, ob ich tatsächlich rund 25 Euro für eine Sing- und Tanzshow ausgeben wollte. Männer und Frauen in Bananenblättern bekleidet springen vor fetten amerikanischen, neuseeländischen und australischen Touristen herum, singen ohne dabei den Ton halten zu können, traditionelle Lieder, die sie selbst erst erlernen mussten und tanzen dabei Tänze, die ihnen eine amerikanische Choreografin asiatischer Abstammung beigebracht hat, damit es echt aussieht. Sollte ich dafür Geld ausgeben? Ich gab Geld aus. Mehr aus Langeweile als aus Interesse, aber die Cocktails waren ja auch nicht schlecht.  Für den nächsten Tag stand eine Sightseeingtour durch die Insel an, ich ging früher schlafen als sonst.

So nebenbei, am Flug nach Samoa

Wir waren bereits in Los Angeles, auf Beachcomber Island und in Tonga, doch erst jetzt finden die einzelnen Mitglieder der Gruppe langsam zueinander. Jetzt erst wird klar, wer wohin gehört, wer mit wem harmoniert und wem man lieber aus dem Weg geht. Los Angeles war noch stark geprägt von Freundschaften, die man noch von früher mitgebracht hatte; Kollegen, die sich bereits aus anderen Exkursionen kannten oder aus beruflichen Gründen miteinander zu tun gehabt hatten. Auf Beachcomber Island war die Sache völlig egal, denn ich hatte Fieber und die anderen Mitreisenden hatten nicht gerade aus einem großen Angebot an Räumlichkeiten zu wählen. Tonga hatte die Sache schon verändert. Hier war man zu viert oder zu zweit in einem Bungalow, doch die Nähe der einzelnen Teilnehmer zueinander hat sich nicht nur örtlich, sondern auch in freundschaftlichem Bezug zueinander verändert. Solche, die noch in Los Angeles nicht miteinander gesprochen haben, rauchten nun gemeinsam vor ihrem Bungalow, solche, die ihre Namen auf Beachcomber Island noch nicht einmal wussten, verbrachten Tag und Nacht miteinander. Die, die viel tranken, fanden sich und diejenigen, die lieber schliefen, ebenso. Diejenigen, die ihr Schicksal duldeten, gab es natürlich auch noch. Und das sollte sich festfahren und erst in den letzten Wochen langsam wieder lösen.