Warum begang Evelyn McHale Selbstmord?

Evelyn McHaleWas war es, das die siebenundzwanzigjährige Evelyn McHale einen Monat vor ihrer geplanten Hochzeit (im Juni 1947) in den Tod getrieben hat?

I don’t want anyone in or out of my family to see any part of me. Could you destroy my body by cremation? I beg of you and my family – don’t have any service for me or remembrance for me. My fiance asked me to marry him in June. I don’t think I would make a good wife for anybody. He is much better off without me. Tell my father, I have too many of my mother’s tendencies.

Bin ich der einzige, den gerade der letzte Satz ihres Abschiedsbriefs am meisten schockiert?

Wortwahl und Persönlichkeit von Bloggern

Ja, man kann aus der Wortwahl eines Bloggers auf seine Persönlichkeit schließen.

More neurotic bloggers used more words associated with negative emotions; extravert bloggers used more words pertaining to positive emotions; high scorers on agreeableness avoided swear words and used more words related to communality; and conscientious bloggers mentioned more words with achievement connotations. These were all as expected. More of a surprise was the lack of a link between the Big Five personality factor of ‘openness to experience’ and word categories related to intellectual or sensory experience. Instead openness was associated with more use of prepositions, more formal language and longer words.

Ein Soldat, der Irak vermisst

Ein US-amerikanischer Soldat, der vor einem Jahr aus dem Irak heimgekehrt ist, stellt fest, dass er im Krieg etwas verloren hat.

I questioned my role in the occupation and whether good could come of it. I wondered if it was worth dying or killing for. The suffering and ugliness I saw disgusted me. But war twists and shifts the landmarks by which we navigate our lives, casting light on darkened areas that for many people remain forever unexplored. And once those darkened spaces are lit, they become part of us.

Wir iPhone-Geiseln

Für diejenigen, die davon noch nicht gelesen haben, hier eine Zusammenfassung der Zeit Online. Der Einleitungstext des Artikel “Wir iPhone-Geiseln” spricht Bände:

Das iPhone ist nicht so toll, wie alle sagen, so eine Studie. Dennoch werde es verbissen verteidigt – wie von Geiseln, die am Stockholmsyndrom leiden.

Login, der Nimbus des Jagens und Sammelns

Wer sich hinter Logins versteckt, braucht sich nicht zu wundern, dass er dort auch nicht wieder herauskommt.

Neulich fiel mir auf, dass N., ein lieber Freund und angenehmer Zeitgenosse, all seine kreativen Werke – Text in Form von Blog-Artikeln und Fotografien/Illustrationen auf Flickr – entfernt hat. “Bewusst!”, so seine Antwort auf meine Frage, weil er das aus beruflichen Gründen nicht mehr für jederman verfügbar lassen konnte.

So stimmt das allerdings nicht, denn schon lange davor ist es zu einem Wechsel seiner Internetpolitik gekommen: Es kam der Tag, an dem er die zugänglichen Kanäle (Blog, Flickr, Forum) verlassen und Facebook betreten hat. Nur wenig später wurden die noch abrufbaren Einträge gelöscht und mehrere Jahre seines hinterlassenen Profils sind dahin. Er ist damit, zumindest für mich, hinter einem Login verschwunden und tut dahinter, was eine Clique, nicht aber jederman sehen kann.

Ich habe, besonders geschlossenen Systemen wie Facebook gegenüber, Vorbehalte. Während Flickr, MySpace und die meisten Foren private wie auch öffentliche Bereiche haben und nur sehr wenig dafür spricht, wirklich alles auf ganz privat und für Besucher von außerhalb nicht auffindbar zu machen, ist Facebook anders. Es zwingt zur Anmeldung, um an Inhalte heranzukommen, die größtenteils problemlos auch öffentlich sein könnten. Das Login vermittelt jedoch Existenz innerhalb einer Gruppe, einer Gemeinschaft von denen, die auch dabei sind. Fälschlicherweise, denn wo liegt der Unterschied zu früher? Ja, richtig, der unbekannte Dritte (die einzige Identifikation!) kann nicht auftauchen, er wird systematisch zu einem Mitglied einer Gemeinschaft, die ihn ablehnt oder akzeptiert. Wichtig aber: er wird, da bereits mit seiner alleinigen Präsenz in einem Dialog, nicht mehr als Dritter, als Fremder angesehen.

N. hat sein gesamtes Onlinedasein bei Facebook eingesperrt. Er stellt keine seiner Fotos auf Flickr (mit Ausnahme von Urlaubsfotos und Schnappschüssen) und er verfasst keine relevanten Text-Inhalte mehr. Aus einer geometrischen Form ist eine Kugel geworden, die instabil ist und auf jede Bewegung mit Ausweichen und dem Weg des geringsten Widerstandes reagiert. Ich finde das schade.

Das Login trennt alle von uns. Wir sind dabei, wir machen unsere Regeln, so das als implizit vermittelte PR-Marketing der sozialen Netzwerke. Klar erliegt man diesen Regulativen sehr schnell, doch die Wahrheit sieht anders aus. Hunderte Kontakte bei Facebook sind keinen Pfifferling wert, ihre Anwesenheit bei der letzten Feier gleichzusetzen mit dem leeren Echo einer längst verblassten Bekanntschaft früherer Jahre. Man wird zum Sammler dieser friends, verliert den Jäger, doch wo, wenn nicht in der Konfrontation, findet die Reduktion aufs Wesentliche, das endgültige Aufeinanderprallen charakterlicher Eigenschaften statt?

Gegen den Sammler sträubt sich die Psyche und groß ist die Verlockung, Gossip zum Inhalt zu machen, Fehden aufzupauschen und den Streit – oder gar das Berichten über das Ereignis – als Mittel seiner Charakterisierung zu wählen. Viel bleibt ja nicht übrig, denn die Funktionalität hinter dem Login lässt nicht mehr zu. Tatsächlich Relevantes als Status Update? Lächerlich!

Was aber, wenn nun N. in die Mühlen eines anderen Systems gerät und viel zu spät entdeckt, wie sehr er sich auf Strukturen verlassen hat, die ihm Leichtigkeit vorgegaukelt haben, die er außerhalb des Logins nie erfahren hätte? Es ist ein ganz einfaches Prinzip, das hier zu wirken beginnt: Ein geschütztes Umfeld verhindert Evolution, fehlende Konkurrenz und liebliches Schmeicheln weichen unsere Schutzmechanismen auf und der Sammler steht vor seinem Tod bar seiner Waffen dem Wild hilflos gegenüber.

Kinder mit Ralph Lauren-Hemden

An die Eltern, die ihren Kindern Ralph-Lauren-Hemden anziehen: Moderne Eltern: Was tut ihr bloß den Kindern an?.

Kinder, die Kleinstmodelle des Burberry-Karo spazieren tragen, Barbour-Jacken-Miniaturen und so süßliche Mäntelchen und Kleidchen, die nie auch nur einmal gepflegtes Sandmatschburgbauen überleben könnten. Es sind die Kinder, die ihren Kindergartenfreunden sagen müssen: “Ich darf mich nicht schmutzig machen.” Die Armen.

Mütter und Töchter

Von Vätern und Söhnen liest und hört man andauernd, was aber mit ihrem Pendant, den Müttern und ihren Töchtern? Während ich täglich meinen Weg in und aus der Stadt mache, begegnen mir viele Mutter/Tochter-Kombinationen in verschiedensten Altersgruppen. Dazu zähle ich nicht Mütter, die ihre Töchter beim Einkaufen begleiten oder sie irgendwo hinbringen, sondern ausschließlich Mütter und Töchter, bei denen die Tochter nicht einen Dritten – den Partner – als Bezugsperson ansieht, sondern die eigene Mutter. Und diese Kombination gibt es erschreckend häufig, selbst unter solchen Menschen, die sich das nicht eingestehen würden.

War das “Hotel Mama” bislang Kampfbegriff für Söhne, die endlich den eigenen Haushalt angehen sollten, so hat sich daraus ein geschlechterübergreifender Begriff gebildet, dessen Handelsimperativ eben auch die Töchter dieser Stadt ansprechen soll. Doch allzu oft sind sie sich gar nicht bewusst, dass gerade der Zustand der Rundumversorgung durch die Mutter die süße Falle ist, in der sie zugrunde gehen.

Jedes Abhängigkeitsverhältnis (mit Ausnahme der Kindheit) ist unter normalen Bedingungen zu großen Teilen selbstverschuldet, hauptsächlich durch das vorsätzliche Verkennen der eigenen Situation, daraus die Frage im Verhältnis Mutter und Tochter: Wie kommt es – und – wann kommt es, dass die Tochter aus der kindlichen Abhängigkeit zur Mutter in eine soziale Abhängigkeit rutscht, die selbstverschuldet ist? Oder anders: Wann und wieso kann eine Tochter den Absprung versäumen? Caroline Eliacheff und Nathalie Heinich benennen das Versäumnis des Absprungs als “Identitätsproblem durch das Fehlen des Dritten”, einer Bezugsperson, an der sich die Tochter außer an der Mutter noch orientieren kann.

Auf den ersten Blick scheint es für eine Tochter leicht, sich mit seiner (sic!) Mutter zu identifizieren, denn sie ist ja ein Mensch, der dasselbe Geschlecht hat wie sie. Doch es ist komplizierter. Denn zunächst braucht ein Mädchen die Identifikation mit der Mutter, um sich einen eigenen Bezugsrahmen zu schaffen, und später dann muss es sich von ihr abgrenzen, um zu sich selbst, zu seiner (sic!) eigenen Persönlichkeit zu finden.

…und diese Abgrenzung erfolgt über eine dritte – männliche! – Person. Dies kann entweder der Vater oder ein Freund sein, an dem die Tochter den eigenen Bezugsrahmen festigen und anwenden kann. Gibt es diesen Dritten nicht, so wandelt sich das Verhältnis von Mutter zu Kind zwischen Mutter und Tochter in eine platonisch-inzestuöse Beziehung, die sich für die Tochter aus der Umwandlung der Orientierung vom Dritten zur Mutter hin als einzige Möglichkeit der Anerkennung anbietet. Resultat dieser Umorientierung? Aufgabe der Eigenverantwortung, daraus resultierend schwere Störungen im sozialen Umfeld, die sich in Partnerschaften und sexuellen Kontakten, beim Fortgehen und bei Hobbies bemerkbar machen.

Die Zuneigung eines Partners wird mit Unverständnis abgetan, die als aufdringliche Sentimentalitäten empfundenen Annäherungen werden als die “Schuld” des anderen am Scheitern einer Partnerschaft interpretiert, nicht als eigene Unfähigkeit, sich auf die Beziehung einzulassen. Aber auch das genaue Gegenteil kann eintreffen. Der Partner ersetzt die Mutter vollständig und wird innert kürzester Zeit in eine Rolle gezwungen, die eine Perversion jedweder Partnerschaft hervorruft: Der zum Beispiel sexuell attraktive Partner möchte von der “neuen Mutter” auch als “Kind” behandelt werden.

Solange die Mutter im familiären Kreis anwesend und dominant ist, ist es die platonisch-inzestuöse Beziehung, die zu funktionieren scheint. Andere Beziehungen sind, sofern überhaupt vorhanden, kurzlebig, auf die sexuelle Praxis reduziert und in ihrer Vertiefung negiert durch das (unbewusste) Argument des Eindringens eines Fremden in den persönlich-privaten Bereich, genau den Bereich, der das Spielfeld für funktionierende Partnerschaften darstellen sollte.

Die starke Fixierung auf Tätigkeiten außerhalb dieses persönlich-privaten Bereichs – Ausgehen mit Freunden, sexuelle Kontakte, Hobbies, … – erfolgt ohne eigenes Wertesystem. Lediglich die medial anerkannten Stereotypen sind Möglichkeiten der eigenen Wunsch-Ausbildung mit stark minimierten eigenen Vorstellungen, weil das eigene Bezugssystem fehlt und Vorlieben niemals ausgebildet werden konnten. Kommt es zu Fehlentscheidungen, werden sie als Schwäche des Gewählten angesehen: War der Samstagabend kein Erfolg, so lag das an der schlechten Laune der Anderen, war der Sex nicht zufriedenstellend, so war auf jeden Fall der Partner schuld, machen die Hobbies keinen Spaß mehr, hat sich das Umfeld geändert. Wird das jedoch angesprochen, ist Aggression die Lösung auf die Unfähigkeit konkrete Gründe zu nennen. Ausweichen statt Diskussion. Wie im Kindesalter.

Situationen, die normal erscheinen mögen, so lange die Tochter noch Kind ist, offenbaren ihren pathologischen Charakter plötzlich, wenn sie erwachsen wird. Sie ist dann nämlich nicht fähig, eine Frau zu werden und ihr eigenes Leben zu führen.

Das allgegenwärtige Problem des Fehlens eines Wertesystems erklärt auch, warum sexuelle Kontakte hier als außerhalb des persönlich-privaten Bereichs angeführt werden. Was zuerst als völliger Gegensatz scheint, erweist sich bei genauerer Betrachtung als logische Folge der platonischen Liebe zur Mutter. Da der Lustgewinn durch den eigenen Körper niemals mit der Liebe zu einer Person – der Mutter – gleichgesetzt wurde, wird der eigene Körper aus dem Bereich der als echt empfundenen Liebe entfernt. Er wird lediglich als Werkzeug für den triebhaften Lustgewinn mit anderen eingesetzt. Die Reaktion des Umfelds auf die rein sexuellen Aktivitäten ohne jeglichen erkennbaren Beziehungswunsch bestätigt die innere Wahrnehmung der Mutter-Tochter-Beziehung als einzig ehrliche. Zumindest in Österreich ist man mit diesem Problem oder diesem Schluss konfrontiert.

Sieht man sich mit den Auswirkungen des Problems eines fehlenden Dritten in einer Mutter-Tochter-Beiziehung konfrontiert, ist dann die Frage nach dem Wann noch von Gegenstand? Kann man einen Schuldigen ausmachen, dem man die Versäumnisse in der Entwicklung der Tochter zuschreiben kann? Das sind offene Fragen, die auch Caroline Eliacheff und Nathalie Heinich nicht beantworten. Ihr Lösung: Von drei Muttertypen sind es zwei, die diese Fehlentwicklung der Töchter verursachen können. Einerseits gibt es die “allzu mütterliche Mutter”, die ihre eigenen Phantasien in die Tochter hineinprojizieren möchte…

Es ist die typische Figur der sehr mütterlichen, sehr präsenten “Mamma”. Im Leben (der) Tochter hat der Vater überhaupt keinen Platz, weil die Mutter das Kind so vereinnahmt. Nachdem sie den Vater vertrieben hat, benutzt die Mutter unter dem Vorwand der mütterlichen Sorge das Kind, um ihre eigenen Erfolgsphantasien in es hinein zu projizieren.

Auf der anderen Seite der Schuldigen steht der Typ einer Mutter, die “mehr Mutter als Frau”, denn ihr fällt es schwer…

zu akzeptieren, dass die heranwachsende Tochter ihr eigenes Leben lebt. Auch hier fehlt der Vater. Die Tochter leidet unter dieser Situation, umso mehr als sie der Mutter, die immer sanftmütig und für sie da ist, nicht viel vorwerfen kann.

Der dritte Fall von Muttertypus ist der schlimmste Fall, der nämlich,

in (dem) mittlerweile erwachsene Töchter immer noch unter der Fuchtel ihrer Mütter stehen. (Die Mutter) spricht (der Tochter) jegliche Qualitäten ab und sorgt, indem sie die Tochter zu einem Nichts degradiert, dafür, dass eine Rivalität zwischen beiden gar nicht erst entstehen kann.

Der Schluss aus der Typisierung? Es scheint das geringste Übel zu sein, eine Mutter zu haben, die “mehr Frau als Mutter” ist, denn in diesem Fall hat die Tochter zumindest das Recht, sich über sie zu beklagen…

Eine Tochter, die unter einer allzu liebenden Mutter leidet, wird dagegen unter Umständen einfach nur still daran verzweifeln, dass sie nicht versteht, was mit ihr geschieht. Wie sollte sie sich auch darüber beklagen, dass sie geliebt wird?

Die Antwort des lesenswerten Buches der beiden Autorinnen “Mütter und Töchter. Eine Dreiecksbeziehung” kritisiert die Perzeption des Begriffs Liebe. Zu häufig wird der unbedingt positive Charakter dieses Gefühls betont, zu sehr die negativen Nebeneffekte verschwiegen, völlig die ihr innewohnende zerstörerische Kraft negiert, die sich nicht nur auf den Liebenden selbst, sondern auch auf seine Mitmenschen – sogar auf die eigenen Kinder – auswirken kann.

Erst wenn wir uns von der Vorstellung frei machen, dass der Begriff “Liebe” zwangsläufig immer positiv besetzt ist, können wir uns auch an den Gedanken gewöhnen, dass es unter den verschiedenen Beziehungsformen, die wir unter diesem Begriff subsummieren, ebenso gut destruktive wie konstruktive gibt.