Ungewolltes Guerilla-Marketing für den TSC Schwarz Gold

Marketing funktioniert ganz einfach und man braucht keine Agentur, keinen Konzeptionisten, keinen Regisseur, keinen Kameramann und kein professionelles Equipment dazu. Was man braucht sind ein paar Freunde, Kollegen oder Bekannte, die willens sind, eine Idee umzusetzen, wenn sie auch noch so abwegig sein mag.

Ich bin vor wenigen Stunden auf ein Video gestoßen, das absurder nicht sein kann und verdeutlicht, was ich meine: Eine Kaufhausszene. Die Kellnerin serviert Kaffee, zwei Männer gehen aufeinander zu. Plötzlich beginnen die beiden zu tanzen. Die Kellnerin wie auch deren Gäste gaffen die beiden an, wissen nicht, worum es hier geht, Lachen von hinter der Kamera. Ende des Clips. Das Video ist eindeutig ein Jux unter Freunden, ein Spaß auf niemandes Kosten, und dennoch nahezu gelungenes, weil ungewolltes Guerilla-Marketing.

Wird man neugierig und klickt ein wenig herum, stellt sich schon bald heraus, dass die “SG in Action”-Serie (es gibt gegenwärtig 6 Videos zu sehen) von Mitgliedern des Tanzsportclubs Schwarz Gold aufgenommen und online gestellt wurde. (Schwarz Gold ist der Tanzsportclub, der hier schon einmal im Rahmen eines Lateinformationsturniers erwähnt wurde.) Die Tänzer zeigen locker getanzte Figuren aus ihren Choreographien durch Gänge eines Supermarkts, posieren auf Rolltreppen oder rotieren mehr schlecht als recht in Aufzügen – sehr zur Verwunderung der Kunden, sehr zum Gaudium der Zuschauer.

All das geschieht im Stil des “Echt Fett”-Klamauks, schwächelt aber an ein paar Aspekten:

  • Musik. Ohne Musik kann sich kaum jemand, der nicht selbst tanzt, erklären, worum es hier geht. Ein passender Samba oder ein gewaltiger Paso Doble im Hintergrund würden sehr viel wettmachen.
  • HD. HD macht einfach alles besser.
  • Wenn es der Sinn der Clips sein könnte, tatsächlich wie Werbung zu funktionieren, sollte der Name des Tanzsportclubs und zumindest die URL am Ende gezeigt werden. Okay, die URL reicht.

Die ganze “SG in Action”-Serie gibt es auf YouTube.

Remarketing, der neueste Google-Werbegag

Vor etwas mehr als einem Jahr hat Google sein “Behavioral Targeting Ad Program” gestartet, das, vereinfacht gesagt, Werbung darauf abstimmt, wie ein User das Internet benützt.

Heute berichtet Peter Kafka von All Things Digital über eine Ausweitung des Konzepts unter dem Titel “Remarketing“. Werbungen verfolgen den Benutzer nun im gesamten Google Content-Netzwerk (das sind alle Websites, die Googles Werbeprogramm AdSense anbieten, wie zum Beispiel auch dreitehabee). Sofern der Benutzer auf einer Website Interesse an einem bestimmten Produkt gezeigt hat, es dann aber doch nicht erwirbt, kann man ihn als Werbetreibender mittels Remarketing noch eine Zeit lang verfolgen und versuchen zum Kauf zu bewegen. Googles Beschreibung von Remarketing schafft ein klares Bild:

Imagine you’re a travel company, and you’re trying to excite users during the holiday season about deals to tropical Caribbean destinations. Users may come to your website, browse the offers and think about booking a trip, but decide that the deal is still not cheap enough. Then, they continue to browse the web. If you later decide to offer discounted deals to the Carribean, how do you reach these users who have already expressed interest in travelling there?

To help you do this, this week we’re rolling out a new feature called remarketing. Any AdWords advertiser can use remarketing to reach users as they’re browsing the web on sites within the Google Content Network. Remarketing is a simple way to connect with users, based on their past interactions with your website.

Für Datenschutzbewusste gibt es eine Opt-Out-Seite für das Programm. Dort kann man übrigens auch nachvollziehen, mit welchen Interessens- und Themengebieten man bei Google aufgrund des eigenen Surfverhaltens assoziiert wird.

Fairtrade letztlich ein Marketing-Trick?

Fairtrade” hat zwar ein nobles Motto, das ist aber, so der Ökonom Tyler Cowen, letztlich nur ein Marketing-Trick. Die Organisation sichert teilnehmenden Bauern zwar faire Bezahlung zu, verhindert aber die Verbesserung ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen und vermittelt in westlichen Ländern ein falsches Bild ihrer Arbeit:

We might think of sub-Saharan subsistence economies when we think of Fairtrade, but the biggest recipient of Fairtrade subsidy is actually Mexico. Mexico is the biggest producer of Fairtrade coffee with about 23% market share. Indeed, as of 2002, 181 of the 300 Fairtrade coffee producers were located in South America and the Caribbean. As Marc Sidwell points out, while Mexico has 51 Fairtrade producers, Burundi has none, Ethiopia four and Rwanda just 10 – meaning that “Fairtrade pays to support relatively wealthy Mexican coffee farmers at the expense of poorer nations”.

Opera oder Vista – das schrittweise Herangehen fehlt!

Opera hat heute seinen neuesten Browser, Opera 9.5, veröffentlicht. Es soll, wie immer, neue Features und Funktionen geben, die das Surfen schneller, angenehmer und sicherer machen, wir kennen das ja. Doch irgendwie erinnert mich die Veröffentlichung von Opera 9.5 an Windows Vista. Im Prinzip ist jeder mit seinem Browser zufrieden (Safari funktioniert endlich ganz gut, Firefox ist praktisch ein Standard geworden und wer den Internet Explorer noch verwendet, dürfte sich auch nicht beklagen), und dann bringt Opera einen neuen Browser heraus… Unnötig, vor allem, da der Browser keine Funktionen mit Ausnahme des Mailmoduls “M2” aufweist, die spezifisch dafür sprechen würden. Ähnlich war es damals bei Windows Vista: Alle waren mit Windows XP zufrieden, denn es hat nach etlichen Servicepacks und Upgrades gut funktioniert, die Benutzerprogramme bishin zur letzten und käsigsten Kassensoftware wurden an das neue System angepasst und dann plötzlich Microsofts Kniefall vor (spekulativen) Erwartungen: Windows Vista wird veröffentlicht – und keiner mag es.

Bei beiden frage ich mich: Wozu? Nötig ist die Veröffentlichung nicht, Bedarf gibt es nicht und den Benutzern ein weiteres Upgrade einzureden funktioniert auch nicht mehr. Also was war und ist da los? Meine Meinung? Der größte Fehler bei beiden ist die Fülle an Material, die man zum Einstieg serviert bekommt. Es gibt kein schrittweises Herantasten an den Kunden. Das macht unsympathisch.

Schritt für Schritt: Apples Strategie

Sehen wir uns doch einmal Apples Strategie an, Benutzer von Windows zum Umstieg zu bewegen. Wie funktioniert der klassische Einstieg in die Apple-Welt? Apple schafft eine Marke, die für bestimmte (Alters-) Gruppen interessant ist und prompt wünscht sich Töchterchen einen iPod. Der kostet nicht viel, also warum nicht, und als Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk ist er ideal. Das Ding funktioniert einwandfrei mit Windows, vorausgesetzt man lädt sich die beste Musikverwaltungssoftware herunter, die es momentan gibt: iTunes. Wer den iPod und iTunes verwendet, lernt Apple Produkte schön langsam kennen. Schritt für Schritt. Und es geht weiter. Ist der iPod einmal da, wollen alle mal probieren und irgendwann entdeckt der Rest der Familie, dass “die EDV” problemlos und spielerisch funktionieren kann. Dem älteren Sohn gewährt man das MacBook (Microsoft Office gibt es ja auch für den Mac) und ab da ist es nicht mehr weit, bis die Familie, vom Papa und seinem iPhone nochmal überzeugt, auf Produkte von Apple umsteigt. Schritt für Schritt, langsam, mit einer immer höheren Dosis an Produktkosten – und das entspricht genau der Apple Produktpalette. (Interessant, dass selbst der Apple-Store in seiner Produktauswahl das Schema “Von klein nach groß” visuell darstellt…) Man wird an die Apple-Produktwelt herangeführt und hat das Gefühl jederzeit aussteigen zu können. Bei Windows Vista oder Opera ist das allerdings anders. Doch zuvor noch ein kleiner Ausflug zum Mozilla-Projekt, das beide Strategien durchgemacht hat.

Zuerst als großes Ganzes, dann in Einzelteilen

Vielleicht kann sich die werte Leserschaft noch an die letzten Atemzüge von Netscape erinnern. Das Flaggschiff des Unternehmens war der Netscape Communicator, der nicht nur einen Webbrowser, sondern auch ein Mailprogramm, einen WYSIWYG-HTML-Editor und einen Newsreader enthielt. Die Downloads dieses Pakets hielten sich in Grenzen und die kurz zuvor gegründete Mozilla-Foundation erkannte schnell, dass man diesen Goliath so schnell als möglich wieder in seine Einzelteile zerlegen musste. Aus dem Netscape Communicator wurde in nur wenigen Jahren mit verschiedenen Namen das, was wir heute als Firefox, Thunderbird oder Camino kennen. Und meiner Meinung nach ist es nicht nur die Fülle an Funktionen, die diese drei Programme so beliebt gemacht haben. Man konnte jedes dieser Programme (alle mit einem guten Deinstallationsprogramm ausgestattet) ausprobieren, damit herumspielen und es wieder löschen oder eben nicht. Zusätzliche Funktionalitäten waren aufgrund des offenen Plug-In-Systems auch möglich, dem schrittweisen Annähern an das Idealprogramm stand nichts mehr im Wege. Heute wird Firefox von etwa 35% aller Internetbenutzer benutzt.

Windows Vista und Opera: alles oder nichts

Gegenbeispiel zum vorher Gesagten: Opera. Weiteres Gegenbeispiel: Windows Vista. Beide haben das gleiche Problem. Will man es ausprobieren, so scheitert man, denn das Konzept beider ist die volle Übernahme. Operas Browsermodul alleine gibt es nicht, man muss folgende Programme auf einmal (!) installieren: Browsermodul, Mailmodul, Download-Manager (BitTorrent), Chatprogramm und Newsreader. Erinnert ein wenig an Netscape Communicator, oder? Wie sieht es bei Windows Vista aus? Nicht viel anders! Wer Windows Vista halbwegs gut zum Laufen bringen will, wird sich höchstwahrscheinlich einen neuen Computer zulegen müssen, wird all seine Gizmo-Programme ändern müssen und ist mehr oder weniger stark gezwungen, die komplette Bürosoftware in neuen Versionen einzukaufen. Backwards-Kompatibilität ist vielleicht nicht gerade förderlich, wenn man mit einem neuen System endlich vom alten Kern weg will, doch manchmal nötig, um nicht alle zu verschrecken. Haben Sie den Umstieg von Windows 3.1 auf Windows 95 und danach auf XP als radikal empfunden? Ich persönlich nicht. Für mich hat das alles sehr abgestuft gewirkt. Alles, was auf Windows 3.1 funktioniert hat, ging noch irgendwie auf Windows 95 und die dafür programmierte Software hat auch ohne große Probleme auf Windows XP funktioniert. Und dann Windows Vista. Und alles war vorbei.

Stufig ist die Erfolgsleiter!

Opera und Windows Vista machen denselben Fehler: Beide wollen dem User alles auf einmal verkaufen, doch der User wünscht das nicht. Apple und das Mozilla-Projekt haben verstanden, dass man nachhaltigen Wechselwillen seitens der Benutzer mit kleinen Häppchen besser erreicht als mit großen Revolutionen. Ob diese Sicht der Dinge tatsächliche Marktstrategie der verschiedenen Unternehmen ist oder lediglich meine Einbildung, weiß ich nicht, ich mache diese Vorgehensweise aber dafür verantwortlich, dass ich Browser und Betriebssystem gewechselt habe. Und das auch gerne gemacht habe.

Denn es ist nicht nur die technische Leistung eines Produkts, das uns zum Kaufen und Benutzen dieses Produkts bewegt, sondern auch, wenn nicht viel mehr, die Aura, die Stimmung und die Sympathie, die das Produkt in uns und unseren Mitmenschen hervorruft.

Für Geld oder doch nicht?

Seit einiger Zeit schon gibt es unter Bloggern die Diskussion, ob man Blogs, die auch kommerziell Bloggen, also Artikel für Unternehmen oder deren Produkte gegen Bezahlung schreiben, kennzeichnen, wenn nicht gar brandmarken sollte. Es gibt natürlich zwei Meinungen, die sich an offensichtlich völlig anderen Vorstellungen von Blog brechen. Die einen meinen, dass das Heiligste des Bloggens, nämlich die Neutralität des Autors, stets gewahrt bleiben sollte und der Leser sofort erkennen können sollte, ob es sich bei diesem und jenem Blog hier um eines handelt, das bezahlte Artikel anbietet oder ob die Artikel hier tatsächlich die Meinung des Autors widerspiegeln. Die anderen hingegen gehen davon aus, dass ein paar bezahlte Artikel zumindest die Kosten für Webspace und Domain wieder hereinbringen, insofern nichts gegen bezahltes Bloggen auszusetzen wäre, da ja bei den meisten Services, die momentan en vogue sind, sowieso redaktionelle Freiheit besteht, die es den Autoren von Blogs durchwegs möglich macht, auch Kritisches über das Produkt zu schreiben. Es ist halt keine Werbung, die man da macht, sondern Rezensionen, die man schreibt. Und dass die Neutralität eines Autors verloren geht nur weil er ein Produkt rezensiert, dass er an sich nicht rezensieren würde, das bezweifle ich stark.

Ich habe mich sowohl bei ReviewMe als auch bei Trigami angemeldet und habe für beide Services bereits Reviews respektive Rezensionen geschrieben. Während Trigami ganz klar ersichtlich eine Grafik einbettet, die dem Leser sowieso im Voraus schon klarmacht, dass der folgende Text eine Rezension eines Produktes sein wird, für die der Autor bezahlt wurde, ist das bei ReviewMe wesentlich undeutlicher oder unklarer, denn hier entscheidet der Autorselbst, wie er den Eintrag als Werbung markiert. In meinem Fall gleich doppelt, denn der Artikel wird sowohl im Titel mit einem vorangesetzten “Werbung” gekennzeichnet als auch durch die Kategorie mit dem gleichen Namen. Ich denke also, dass jeder Leser, der hier vorbeischaut, wirklich leicht erkennt, dass es sich um eine bezahlte Rezension handelt.