Wikileaks

Wikileaks kennen wir spätestens seit den Machenschaften um die Kaupthing-Bank. Die Zeit berichtet ausführlich über die Enthüllungsmaschine, die Verrat auf Nummer sicher möglich macht. Der technische Hintergrund auch nicht schlecht:

Die Server des Wikileaks-Netzes sind über mehr als ein Dutzend Länder verteilt. Öffentlich bekannt ist nur die Einstiegsadresse, die bei einem Anbieter in Schweden angemeldet ist. Schon dort ist aber eine Software installiert, die jeden Seitenabruf und genauso die versandten Dokumente mit einem gewaltigen, nach militärischen Maßstäben verschlüsselten Datenstrom tarnt. […] Wer mögliche Absender enttarnen wolle, müsste also eine gigantische Datenmenge entschlüsseln, um überhaupt etwas zu finden. Das sei selbst für […] die amerikanische National Security Agency (NSA), nicht machbar […].

Die Tarnung ist aber nur der erste Schritt. Gleichzeitig tilgt eine Softwareroutine alle digitalen Spuren in den Dokumenten selbst, die auf den Urheber hinweisen. […] Gleichzeitig werden die Daten durch mehrere Staaten geleitet, deren Rechtsprechung besonderen Schutz gegen mögliche Kläger gewährt. […] Darum sind bisher schon weit über hundert Versuche, per Klage gegen eine Veröffentlichung vorzugehen, gescheitert.

Never waste a crisis

Auf Wikileaks.org wurden Dokumente veröffentlicht, die den 300.000 Einwohnern Islands namentlich die Mitbürger nannten, welche durch dubiose Geschäfte der Kaupthing-Bank für die Nahezu-Pleite des Staates mitverantwortlich sind. Aus der Diskussion um Wikileaks.org wurde eine Gesetzesinitiative zur Errichtung eines Datenfreihafens.

Aus Belgien könnte man Gesetze zum Schutz von Journalisten nehmen, aus Schweden die bewährten Gesetze, die Provider nicht für Inhalte verantwortlich machen und aus den USA den ersten Verfassungsgrundsatz, der die Meinungsfreiheit schützt. Diese Normen würden gute Vorlagen bieten und wären in der Praxis schon erprobt. Alles zusammen schüfe einen Rahmen, der Transparenz und Informationsfreiheit verbindet. Die reichhaltigen lokalen Energie-Ressourcen böten dazu die die Möglichkeit, einen solchen Datenfreihafen, der viele Rechenzentren braucht, auch noch ökologisch zu betreiben.