Guter Kaffee, in Berlin getrunken

Berlin ist super, toll, lebendig, jung und hipp. Und die in den Kaffeeläden unserer nördlichen Nachbarn arbeitenden Neuseeländer, Australier, Briten und Amerikaner wissen nur zu gut, wie man guten Kaffee herstellt. Hier eine Auswahl, die ich im Rahmen eines Wochenendtrips zusammengestellt habe, die sich jedoch zu meiner Freude mit Empfehlungen der örtlichen Kenner der Kaffeeszene decken und sogar in der Reihung der Läden mit den am häufigsten zitierten Listen zum Thema “Guter Kaffee in Berlin” übereinstimmen.

Liebe Berlinerinnen und Berliner! Wenn ihr mir noch Tipps geben könnt, wo in der Stadt ich perfekt zubereiteten Specialty Coffee bekommen kann, schickt mir bitte unbedingt ein E-Mail oder führt die Läden in den Kommentaren an!

Godshot – The Future Urban Coffee Klub

Espresso im GodshotDen besten Kaffee der Stadt in der freundlichsten Atmosphäre erhält man im Godshot in der Immanuelkirchstraße 32, 10405 Berlin (Mo-Fr 8-18, Sa 9-18, So 13-18). Drei Mühlen, drei verschiedene Kaffees (Single Origins und Blends), hervorragende und geduldige Beratung, perfekte Zubereitung und Umbrella-Corporation-Kekse zum Kaffee. Ich kann mir nicht vorstellen, wer sich im Godshot nicht wohlfühlen kann, schließlich bietet der Kaffeeladen einen “Vorgarten” auf der – und damit auch: mit – Blick auf die Straße, einen hektisch-geschäftigen Vorraum, in dem man entweder einen der Doppelsitze für sich in Anspruch nimmt, sich auf Barhockern zum Fenster setzt oder die Vierergarnitur belegt. Im zweistöckigen Hinterzimmer gibt es mehrere bequeme Sitzgruppen, die so angelegt sind, dass auch Wienerinnen und Wiener, die allein unter vielen sein wollen, ihr gesamtes österreichisches Dasein unbehelligt ausleben können. Obwohl ich nur zwei Mal da war, hat meine Sammelkarte (Ist das ein Stück Tapete?!) bereits 5 Colts drauf. Top!

Chapter One

Im Chapter One, Mittenwalder Straße 30, 10961 Berlin bekommt man regelmäßig guten Kaffee serviert. Egal, ob Espresso, Filter, AeroPress oder Siphon – er schmeckt. Leider hat der etwas kühle Laden nur wenige und ungemütliche Sitzmöglichkeiten. Ausgeglichen wird das allerdings durch die Redseligkeit eines jeden dort angestellten Barista oder durch die Chefin selbst. Nirgendwo anders habe ich eine Siphon-Brewbar so spektakulär hergerichtet gesehen. Wow.

The Barn

The Barn in der Auguststraße 58, 10119 Berlin(Mo-Fr 8-18, Sa, So 10-18) wirkt auf den ersten, zweiten und dritten Blick wie ein lokaler Sammelpunkt für US-Amerikaner, die sich am Sonntag ihr Frühstück und ihren Kaffee holen, ein wenig amerikanischen Small-Talk miteinander führen und über sich ergehen lassen, bevor sie ihren Tag beginnen. Nichtsdestotrotz wird dort feiner Kaffee hergestellt, der The Barn zu einem Muss – am besten gekoppelt mit einem kleinen Frühstück – für jeden Berlinbesucher macht.

Café CK

In der Marienburgerstraße 49, 10405 Berlin betreiben Cory Andreen und Kerstin Winkelbauer das Cafè CK. Ich fühlte mich im Kaffeeladen nicht sonderlich wohl, der Kaffee war aber gut. Nicht besonders gut, aber gut.

Bonanza Coffee Heroes

Wenn es ein Kaffeeladen in eine amerikanische Tageszeitung schafft, dann muss etwas Besonders dran sein. Was es allerdings bei den Bonanza Coffee Heroes in der Oderberger Straße 35, 10435 Berlin (Mo-Fr 8:30-19, Sa, So 10-19) sein soll, weiß ich nicht. Ja, es stehen Röster im Laden, ja der Laden ist vollgeräumt mit Kaffeesäcken und bereits geröstetem, in Plastikcontainern abgefülltem Kaffee. Und ja, eine sauteure Espressomaschine wird von zwei Baristas bedient, die einen Kaffee nach dem anderen abfüllen, um die riesige Anfrage der vielen Touristen abarbeiten zu können. Ähnlich wie im CK war der Kaffee heir gut, aber nicht besonders gut. Sollte es stimmen, was ich auf irgendeiner Website gelesen habe, dass nämlich CK den von Bonanza gerösteten Kaffee verwendet, dann würde das meinen Eindruck nur bestätigen.

Die Autorität hinter der Kaffeeliste

Als ich heute in einem der besten Kaffeelokale der Stadt war und einen Espresso bestellte, wurde ich vom Maître gefragt, ob ich denn einen neuen Single Origin-Kaffee ausprobieren wollte – ein Vorschlag, dem ich gerne folgte. Er bereitete den Kaffee zu und wies mich an, ein wenig zuzuwarten, bevor ich ihn probierte. Der Kaffee wurde serviert, ich wartete und probierte ihn. Für gewöhnlich erklärt der Maître sogleich, was man sofort und was man erst nach einigen Sekunden oder überhaupt erst etwas später schmeckt, also fragte ich ihn, was ich denn da schmecke? Er wollte antworten als ihm seine Aushilfe ins Wort fiel.

Wenn du das nicht erkennst, welche Qualität haben dann die Bewertungen auf deiner Seite?

Österreich, willkommen zurück! Es war ja ohnehin nur eine Frage der Zeit, bis jemand die Bewertungen und Kritiken auf meiner Seite zum Thema Guter Kaffee in Wien infrage stellen und nach ihrer Qualität, vor allem aber nach der Autorität dahinter fragen würde. Und so eine Frage (wie die oben) macht genau das: Sie stellt erarbeitete, erkaufte, vererbte, nationale, … Autorität über die momentane und persönliche, ja selbst über die durch Erfahrung gebildete Wahrnehmung. Dieser Logik zufolge reicht ein erfahrener, durch vielerlei Höhen und Tiefen gegangener Geschmackssinn nicht aus, um über die Güte eines Kaffees entscheiden zu können, nein, es muss ein ausgebildeter Gaumen sein, fachspezifisch geprüft, womöglich mit Diplom! Anders gesagt: Um eine Meinung haben zu können, muss man sich den Sanktus geholt haben, sie haben zu dürfen.

Oder man ist cool. Oder über den Dingen. Und weiß alles. Besser.

Bei Kaffee ist das Bewerten, Beurteilen und Eine-Meinung-haben ohnehin schwierig, da es bei Kaffee ja nicht nur um Kaffee (das Getränk), sondern auch um Kaffee (den Muntermacher in der Früh), Kaffee (die Pause am Nachmittag), Kaffee (Motivator) oder Kaffee (das gesellschaftliche Trinken) geht. Insofern kann niemand cool und über den Dingen sein oder alles besser wissen – die Bandbreite der Wahrnehmungen, die mit Kaffee assoziiert werden, ist einfach zu groß.

Mein Liste, und damit auch die Autorität dieser Liste, versucht hier einen Mittelwert zu schaffen: Die Top-Plätze meiner Kaffeeliste werden daher den Kaffeeläden zuteil, die ich für alle Arten von Kaffeewahrnehmung empfehlen würde: Ob ich müde in der Früh, in einer Arbeitspause oder am Nachmittag mit Freunden ein Kaffee besuchen würde – das ist die Frage, um die es in meiner Reihung geht.

Hoch das Tässchen

Die Presse über Tobias Radingers Kaffeefabrik. Und sie trifft den Charakter so trefflich…

Man kann in der Kaffeefabrik auf einen schnellen Shot oder einen unverbindlichen Cappuccino vorbeischauen, wer sich aber mit Sachfragen an den Chef wendet, muss mit Antworten in ausführlicher Rede rechnen. Da mag es auf den sechs Quadratmetern noch so eng werden.

Goppion-Kaffee im Tuchlauben

Goppion Caffe' im Eissalon Tuchlauben in Wien

Im Eissalon Tuchlauben wird der herrlich rauchige Goppion-Kaffee ausgeschenkt. Laut Personal schon seit mindestens drei Jahren, mir ist das jedoch noch nie aufgefallen. Unbedingte Empfehlung für all diejenigen, die auf rauchig-kräftige Espressi stehen und ein direkter Eintrag in die Liste: Espresso in Wien.

Kaufen kann man den Kaffee dort nicht, aber wer weiß, vielleicht lassen sich die Damen ja mit der Zeit überreden, den Kennern den einen oder anderen Viertelkilo Bohnen zu verkaufen…

Fairtrade letztlich ein Marketing-Trick?

Fairtrade” hat zwar ein nobles Motto, das ist aber, so der Ökonom Tyler Cowen, letztlich nur ein Marketing-Trick. Die Organisation sichert teilnehmenden Bauern zwar faire Bezahlung zu, verhindert aber die Verbesserung ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen und vermittelt in westlichen Ländern ein falsches Bild ihrer Arbeit:

We might think of sub-Saharan subsistence economies when we think of Fairtrade, but the biggest recipient of Fairtrade subsidy is actually Mexico. Mexico is the biggest producer of Fairtrade coffee with about 23% market share. Indeed, as of 2002, 181 of the 300 Fairtrade coffee producers were located in South America and the Caribbean. As Marc Sidwell points out, while Mexico has 51 Fairtrade producers, Burundi has none, Ethiopia four and Rwanda just 10 – meaning that “Fairtrade pays to support relatively wealthy Mexican coffee farmers at the expense of poorer nations”.

Blog-Parade: Der Kaffee am Morgen

Roberto Müller ruft zur Blogparade “Der Kaffee am Morgen” auf und ich habe mich durch Monsieur Bueltge dazu hinreißen lassen mitzumachen. Die 5 Fragen:

Kochst du morgens bewusst Kaffee oder weil es einfach dazu gehört?
Bewusst. Es gibt Tage, da trinke ich keinen Kaffee, es gibt Tage, an denen der Vollautomat bemüht wird, es gibt Tage, da kommt der türkische Kaffee aus dem Topf (Cezve hab ich keine) und es gibt Tage, da mach ich mir einen Mocca in meiner Bialetti.
Kochst du normal in der Kaffeemaschine oder zum Beispiel mit einer French Press?
Siehe oben.
Marken-Kaffee oder No-Name vom Diskonter?
Passalacqua Harem oder Passalacqua Mekico. Daher Marke.
Hast du eine Lieblingstasse?
Nein. Keine Lieblingstasse. Aber keine Glas-Behältnisse (außer für den Mocca).
Milch, Zucker oder Schwarz?
Ein wenig Zucker. Verbessert angeblich die Aromen.

Freuen würde ich mich über Beantwortung der Fragen von all meinen Lesern, entweder in den Kommentaren oder auf euren Websites! Philipp? Matthias? Christian?

Espressi in Paris

Café Richard - yuck!

Man glaubt es kaum, aber in Paris bekommt man keinen guten Espresso. Und zwar weder im noblen Restaurant noch in der Kaffeeküche ums Eck. Der am wenigsten miese Kaffee während eines beinahe einwöchigen Parisaufenthalts (!) war ein Lavazza aus dem Automaten. Nota Bene: Für einen Espresso fährt man besser nach Italien. Und dann am besten nach Neapel.

Suva, Fiji

Fiji (oder Fidschi), also. Da waren wir nun. Die Insel, die in der westlichen Welt der Inbegriff des Paradiesischen ist, und wir sind da. Doch wo es ein Paradies gibt, ist Schmutz und der Alltag nicht weit: Suva, die Hauptstadt Fijis, ist eine schmutzige Hafenstadt mit ein paar sicheren, doch weitaus mehr unsicheren Vierteln. Prostitution, Drogen und durchaus vorhandene Kriminalität sind hier, wie in jeder anderen Stadt der Welt auch, präsent.

Unser Hotel mit dem klingenden Namen “Elixir” war ein Apartment Motel: Vierer-, Dreier- oder Zweiergruppen hatten ihr eigenes Apartment, getrennte Zimmer, aber auch Küche, Bad und WC vollständig von der restlichen Hotelinfrastruktur abgetrennt. Weniger erfreulich war die Tatsache, dass zum Zeitpunkt unserer Anwesenheit die Gänge des Hotels neu ausgemalt wurden und die in Suva verwendeten Farben offensichtlich ganz und gar nicht nasenfreundlich sind. Den ganzen Tag über stank es im ganzen Hotel nach Lacken, Farben und anderen Chemikalien. Klimaanlage gab es zwar eine, nicht aber in den Schlafzimmern.

USP und Nachtleben

Einen Tag nach unserer Ankunft in Suva fand bereits die erste Lecture-Sitzung an der University of the South Pacific (USP) statt. [Zeitsprung…] Kaum war der letzte Vortrag beendet, machten sich bereits einige von uns auf den Weg in die Stadt. Suva ist eine Hafenstadt, verfügt über einen ausgegliederten Hafenbereich, der weit vom geografischen Zentrum der Stadt entfernt ist, nicht jedoch vom zentralen Knotenpunkt des Stadtlebens. An der Promenade reihen sich Marktstände, Restaurants, Fast-Food-Ketten, Internetcafés, chinesische und indische Lokale, sowie Bars, Bordelle und Einkaufshäuser auf. Am ersten Tag wählten wir ein indisches Lokal aus, was sich in Suva wirklich auszahlte: Die indische Minderheit in Suva entspricht schon fast der Zahl der übrigen Einwohner. Indisches Essen ist hier praktisch zuhause. Der Abend verlief ruhig, wir gingen schlafen, keine Ausbrüche jedweder Art.

Luxus-Inder und Barbesuch

Abgesehen vom am nächsten Tag abermals stattfindenden akademischen Programm an der USP, besuchten wir wiederum ein indisches Lokal, diesmal aber den Luxus-Inder (auf der gegenüberliegenden Straßenseite). Das Essen war gleich gut, die Sitzgelegenheiten weniger bequem. Klar war, dass wir danach in eine Bar gehen mussten, die – was macht man eigentlich in Bars? – zum Glück einen Billardtisch hatte. Es wurden mehrere Runden gespielt, es wurden Gin Tonics getrunken, Fotos gemacht und letztlich wurde schlafengegangen.

Tanz-Aufführung, Heimküche und “Party”

Der nächste Tag wartete mit ein paar Überraschungen auf. Eines unserer Seminare an der USP hatte die Kultur Fijis zum Thema und solche Kultur-Seminar sind, wie jeder weiß, mühsam. Es wird von Musik, Malerei, Tanz, der Sprache und von Ritualen gesprochen – und das alles in einer Trockenheit, die das lebendigste und schillerndste Gebiet menschlicher Kommunikation grau in grau aussehen lässt. Nicht jedoch hier. Wir wurden in einen anderen Pavillon gebeten und eine Tanzgruppe, zusammengesetzt aus talentierten Studenten und Studentinnen der Universität, führte, begleitet von einer Band, die sich ihre Instrumente großteils selbst gebaut hat, eindrucksvolle, traditionelle und moderne Tänze auf. (Eine Randbemerkung: Ein chinesisches Reporterteam war auch zugegen und hat nicht nur die Tänzer und Tänzerinnen fotografiert, sondern auch uns, die interessierten Zuschauer. Dass der Fotograf mit seinem Riesenobjektiv dabei weniger auf den Gesamteindruck als auf feminine Linien fokussierte, sollte zumindest einmal gesagt worden sein…)

Der restliche Tag verlief ruhig und ohne besondere Highlights. Wir probierten ein Café aus, dessen Kaffee in die Kategorie “bottom-of-the-ashtray-level” fiel und irgendwann fanden wir uns im Elixir wieder ein. Was ich total vergessen hatte: An dem Tag kochte unsere lokale Reiseleitung für uns. Und was da kredenzt wurde, war nicht viel, aber gut. Es gab sowas Ähnliches wie Maki, überbackenen Fisch, Brotfrucht auf zweierlei Art und Weise, Toastbrot, etwas, das schmeckte und aussah wie ein Shrimpscocktail in Salatform und etwas, das aussah wie Spinat, aber nicht Spinat war, trotzdem wie Spinat schmeckte.

Das Essen fand im Rahmen einer “Party” statt, allerdings war diese Party organisiert, somit von Vornherein zum stimmungsvollen Scheitern verurteilt. Die Gruppe zerstreute sich ein wenig und mit der Bildung von Untergruppen und Präferenzdialogpartnern kam dann schnell Stimmung auf, die durch unseren Reiseleiter dadurch ein wenig gedrückt wurde, dass er diese Stimmung für ein Video wieder künstlich herstellen wollte! Nichtsdestotrotz ein netter Abend.

Colo-I-Suva und guter Kaffee

Für den nächsten Tag war ein Besuch des Colo-I-Suva, ein Regenwald in der Nähe der Stadt, geplant. Der Bus kam, wir wurden hinchauffiert und machten unseren Spaziergang. Quänglerisches Highlight dieser Tour waren die Waisila Falls, eine Reihe kleiner und größerer Wasserfälle. Bei einem der Tümpel gab es Lianen und mehrere konnten es sich nicht nehmen lassen, Tarzan zu spielen. So auch unser motivierter Reiseleiter, der, allerdings, stürzte ziemlich ab. Das nur so nebenbei.

Nachdem wir vom Regenwald zurückgekehrt waren, besuchten einige von uns den Markt und erkundeten die Stadt ein wenig bei Tageslicht. Meine Gebete wurden zudem erhört und wir fanden tatsächlich ein Café, dass halbwegs vernünftigen Kaffee servierte. Zwar hatte das Café den klingenden Namen “Headworks” und das Logo eines Friseursalons und war im ersten Stock, daher nur sehr schwierig zu finden, aber… ja. Kaffee: ganz gut.

Den letzten Tag in Suva verbrachte ich mit einer ganztägigen Erkundungstour durch die Stadt, gepaart mit vielen, vielen Fotos. Der Spaziergang war allerdings geprägt von einem mulmigen Gefühl für die kommenden Tage: Wir sollten Theorie und Praxis des akademischen Programms vermengen und in einem Eingeborenendorf leben. Die Erzählungen und Videos, die uns zuvor in Wien gezeigt wurden, verhießen in meinen Augen nicht Gutes. Morgen werden wir abfahren, morgen wird sich alles herausstellen.

Mocca Club geschlossen

Wenn es irgendwo in Wien guten Kaffee gab, dann im Mocca Club an der Linken Wienzeile Nr. 4. Dort konnte man sich immer in Bezug auf seine Vorlieben beraten lassen und die Kaffees wurden nicht nur nach Geschmack, sondern nach körperlicher und seelischer Verfassung ausgewählt; immer und immer wieder waren die Espressi, die Tees oder die heißen Schokoladen perfekt darauf abgestimmt. Und dass man hier auf qualitativ höchstem Niveau Kaffeetrinken konnte, war sogar international bekannt!

Der Mocca Club wurde unter Wienern und Wienbesuchern allmählich zum Kompetenzzentrum für die Zubereitung und für den Verkauf von Kaffee. Johanna Wechselberger, das Mastermind hinter diesem Kaffee-Projekt und anderen (wie zB der Vienna School of Coffee), hat hier Unmengen an Energie investiert.

Schluss und Schließung

In den letzten Monaten kamen Gerüchte über die Schließung des Cafés auf und tatsächlich, der Tag kam immer näher… bis ich gestern erfahren musste: der Mocca Club sperrt mit 31. Juli 2007 zu. Über die Gründe schweigt man sich aus, das weiß, so scheint es, keiner so genau. Im September soll’s mit neuem Eigentümer, neuem Team und neuem Konzept weitergehen. Mal sehen…

Na und?

Ja. “Na und?” mag eine berechtigte Frage sein, denn Cafés gehen andauernd irgendwo in Konkurs, aber in diesem Fall geht das “Na und?” mit einem essentiellen Problem einher: Wo bekommt man ab heute guten Kaffee in Österreich? Tchibo/Eduscho? Starbucks? Segafredo? Coffee Day? Gar ein abgewirtschaftees “alt-wiener” Café? Für Caffè Latte-Trinker mag das ja stimmen, wenn man aber tatsächlich Wert auf den Kaffee legt, sieht die Sache anders aus!

Und die nächste, entscheidende Frage liegt auf der Hand: Wo kann man in ähnlicher Atmosphäre bei ähnlichen Preisen mit ähnlichen Produkten bei ähnlichem Angebot ähnlichen Tätigkeiten nachgehen wie im Mocca Club? Nirgendwo, denn die Kombination aus Exklusiv-Café, Bar und WLAN-Standort war, so denke ich, in Österreich einzigartig.

Kaffee: meine Sorten

Es folgt eine semisentimentale Liste diverser Kaffeesorten, die ich ausprobiert habe. Es waren sicherlich viel mehr als diejenigen, die hier aufgezählt sind, aber darüber habe ich mir keine Notizen gemacht.

  • Äthiopien Harrar Mokka (~)
  • Äthiopien Bonga Forest (+)
  • Australien Skybury Fancy (-)
  • Brasilien “Eli” Bourbon (~)
  • China Provinz Yunnan (+)
  • Indien Monsooned Malabar AA (-)
  • Sulawesi Kalossi Grade I (+)
  • Sumatra Lintong (-)
  • Tansania Peaberry (-)
  • Mexico Chiapas BIO (+)
  • Java (~)
  • Kenia Peaberry (-)
  • Jemen Mokka Matari (~)
  • Hawaii Maui (mein absoluter Liebling: ++)
  • Kopi Luwak (der seltenste Kaffee der Welt: +)
  • Peru Cuzco BIO (+)
  • Mocca Club Blend – Espresso No. II (-)
  • Mocca Club – Espresso No. III – Der Pate (+)
  • Mocca Club – Betthupferl – Mischung (-)

Espressi, schnief, ihr werdet mir fehlen!

Weiteres zum Mocca Club

Rund um den Mocca Club gibt es ein paar Informationen im Internet zu finden. Hier eine kleine Sammlung:

Updates

Einen Copycat-Artikel gibt es bei Tisch Dreizehn mit dem Titel Das Ende des Mocca Club (ohne Verweis hierher, damit Verstoß gegen die Lizenz des Artikels, daher Beweissicherung!), einen selbstgeschriebenen Follow-Up-Artikel bei Halfass, dem es wirklich leid tut, dass der Mocca Club geschlossen wurde!

Update am 22. Juni 2009: Ich habe heute die neue Mocca Lounge besucht. Nett, aber keinesfalls vergleichbar mit der Qualität, die es vor 2-3 Jahren im Mocca Club gegeben hat. Und es gibt keinen Cheese-Cake.

Die Top 10 Kaffeemythen

Die Top 10 Kaffeemythen

Every re-thought that the best coffees in the world come from Italy, that Robusta beans are necessary in espresso to give the correct body and crema, that coffee was discovered when Khaldi, an Arabian goatherd, noticed his goats got much friskier after eating certain berries from a bush, that you can tell how fresh coffee is by looking at it, that there is a single correct roast level for all coffee, that french roast, italian roast, etc are terms which actually define roast levels, that you can keep coffee fresh with packaging, that there is a single grind level which suits most brewing methods, that it costs a fortune to “ge into” good coffee, and that you can’t (insert coffee skill here) at home as well as the professionals can? Well, think again!

Ciao Espresso

Gaggia

Heute. Morgen. Der erste selbstgemachte Espresso. Perfekte Crema, perfekte Durchlaufzeit, perfekte Temperatur. Und dass man mit der Stoppuhr dasteht und die Heißwassertemperatur mit dem Thermometer misst, ist Hingabe zum Getränk. Die Zubereitung erfolgt hier mit Liebe und jegliches Argumentieren in Richtung Schnelligkeit oder Herumgepatze ist lächerlich, denn wer die Bedienungsanleitung liest, patzt nicht und braucht auch nicht lange, um seine Maschine zu warten.

Ich bin von meiner Espressomaschine begeistert. Sie ist gar nicht so groß wie befürchtet, überhaupt nicht laut und der Stromverbrauch hält sich ebenfalls in Grenzen. Und obendrein ist sie auch unterhaltsam, denn das Handbuch ist voller Seitenhiebe auf die verschiedensten Kaffee-Verbrechen, die sich in Kaffeehäusern abspielen, beispielsweise:

Un buon caffè preparato seguendo la giusta procedura avrà la tipica “crema” marrone. In caso contrario consultare “In caso di malfunzionamento”…

(Aus der Gebrauchsanweisung meiner Espressomaschine.)

Und in welchem Kaffeehaus in Wien, frage ich die werte Leserschaft, kann man sich denn auf eine perfekte Crema verlassen? Eben! Und dabei ist es gar nicht so schwer. Mit der Maschine und ein wenig Übung wird der Espresso so richtig gut: er schmeckt gut, er hat eine wunderbar natürliche Crema, das Getränk tut gut und was, liebe Leserschaft, will man als Kaffeetrinker mehr?

Ich habe heute einen Lavazza ausprobiert und ein Illy liegt fürs nächste Mal schon bereit. Man wird ja, fängt man mit dem Kaffeetrinken in dieser Form an, sofort wieder zum Anfänger, denn spielte beim Nespresso lediglich die Wasserqualität eine Rolle, so hat man es bei diesen Maschinen plötzlich mit einer Trias aus Wasserqualität, Kaffeesorte und den Eigenheiten der Maschine zu tun – ganz zu schweigen von Durchlaufzeit, Temperatur, Druck, Röstung, etc., aber das würde hier zu weit führen.