Wie vernünftige Mac-User sichere Backups erstellen

Überzeugt von der Notwendigkeit von Backups nach dem unangenehmen Zwischenfall im September, benutze ich mittlerweile ein Setup aus Backblaze als Online-Backuplösung und SuperDuper! für lokale, also Offline-Backups. Dieses Setup läuft vollautomatisch und erstellt regelmäßig zuverlässige und komplette Backups meiner Daten online und offline. Zusätzlich speichere ich sehr wichtige Daten im Dropbox-Ordner ab, wodurch sie sofort gesichert werden. Ich brauche mich dabei um nichts zu kümmern und genieße dennoch größtmögliche Datensicherheit.

Letzte Aktualisierung: 8. Februar 2012.

Disclaimer: Dropbox und Backblaze sind mit Referrerlinks ausgestattet.

Lokales Backup

SuperDuperBevor es Time Machine gab, gab es SuperDuper!. Es gibt sehr viele Stimmen, die vor Apples Bordmittel für Backups warnen (Daten können nicht wiederhergestellt werden, werden nicht zuverlässig oder gar nicht erst gesichert!), SuperDuper! hingegen genießt einen hervorragenden Ruf. Zusätzlich zur Möglichkeit, Backups aller Daten automatisch sicher anlegen und bei Bedarf jederzeit wiederherstellen zu können, erstellt SuperDuper! eine bootfähige (!) Kopie der gesicherten Festplatte, mit der man nach einem Crash sofort weiterarbeiten kann. Das Programm kostet einmalig knappe 22 Euro, es gibt aber eine voll funktionsfähige, kostenlose und zeitlich unlimitierte Testversion, in der lediglich das inkrementelle Backup und die Scheduling-Funktion deaktiviert sind.

Time MachineApples Bordlösung zur Datensicherung heißt Time Machine. Das Programm sichert alle Daten einmalig komplett und erstellt stündliche Backups, die 24 Stunden lang aufgehoben werden, tägliche Backups, die 30 Tage lang aufgehoben werden, und wöchentliche Backups, die solange aufgehoben werden, bis die Kapazität der externen Festplatte erschöpft ist. Time Machine hat sich auf meinem Mac als ressourcenhungrig entpuppt und ihn bei jedem Sicherungsdurchgang spürbar verlangsamt, was mich umso mehr bestärkt hat, mit SuperDuper! zu arbeiten.

Online Backup

Backblaze

Ebenso wie SuperDuper! offline, sichert Backblaze meine Daten online. Im Gegensatz zu vielen anderen Online-Backup-Lösungen funktioniert Backblaze nach einem Ausschlussprinzip: Backblaze sichert von Haus aus alle Daten; Ordner und Dateien, die man nicht gesichert haben möchte, muss man explizit ausschließen. Die Daten werden vom Programm lokal verschlüsselt und anschließend über eine sichere Leitung auf die Server von Backblaze hochgeladen. Über die hochgeladene Datenmenge muss man sich keine Sorgen machen, denn der einem Benutzerkonto zugewiesene Speicherplatz ist unlimitiert und Backblaze verrechnet einen Pauschalpreis von USD 5 pro Monat bzw. USD 50 pro Jahr dafür. (Darin sind auch Backups von zB externen Festplatten egal welcher Größe und eine Lokalisierungsfunktion für gestohlene Computer inkludiert!)

Backblaze überträgt riesige Datenmengen, ist deshalb aber langsam und träge, weshalb ich sehr wichtige Dateien, zB solche, an denen ich gerade arbeite, auf Dropbox sichere. Der lokale Dropbox-Ordner wird permanent online synchronisiert, wodurch auch das kurze Zwischenspeichern eines Dokuments sofort online gesichert wird. Dropbox behält Dateiversionen 30 Tage lang im Speicher, sodass Wiederherstellungen auch auf diesem Weg leicht möglich sind. Es gibt eine ausreichend große Gratisversion von Dropbox mit 2 GB Onlinespeicher, in kostenpflichtigen Versionen sind 50 GB (USD 9/Monat bzw. USD 99/Jahr) oder 100 GB (USD 19,99/Monat bzw. USD 199/Jahr) verfügbar.

Warum ein lokales und ein Online-Backup?

Das Setup aus SuperDuper!, Dropbox und Backblaze ist ganz besonders sicher, da ich, der Benutzer und damit größte Unsicherheitsfaktor, nur wenig involviert bin: Das Backup erfolgt sowohl offline als auch online vollautomatisch, regelmäßig und vollständig; mit Dropbox sogar noch sofort. Meine doppelt gesicherten Daten sind damit gegen jede nur erdenkliche Form von Verlust (Hardwarefehler, Brand, Diebstahl, Eindringen von Nässe, etc.) geschützt. (Hier habe ich eine Anleitung zur vollautomatisierten Sicherung mit SuperDuper! bereitgestellt.)

Für die Sicherheit, die so ein System bietet, ist es auch noch kostengünstig: Eine ausreichend große externe Festplatte erhält man bereits um knappe 100 Euro, SuperDuper! kostet einmalig knappe 22 Euro, Time Machine ist bei jedem Mac sowieso dabei, Dropbox gibt es in der (völlig ausreichenden) Basisversion gratis und das Backblaze-Jahresabonnement kostet 50 USD/Jahr oder 5 USD/Monat für unlimitierten Speicherplatz.

In meinen Augen ist dieses Backupsystem einer Ideallösung schon sehr nahe. Herrje, wenn selbst Frank Helmschrott das so ähnlich macht (nur nimmt er das viel, viel ernster!), kann daran ja nicht viel falsch sein!

Alternative Programme und Services

Wie viele andere auch, bin ich nicht von Anfang an mit der Trias SuperDuper!, Backblaze und Dropbox gefahren. Ich habe etliche Backuplösungen ausprobiert, die alle ihre Vor- und Nachteile hatten. Da es sein kann, dass etwas, das für mich ein Nachteil war, für jemand anderen ein Vorteil ist oder dass etwas, was mir egal ist, für jemand anderen absolut relevant ist, möchte ich hier alternative Programme und Services aufzeigen, mit denen ich bereits gearbeitet habe.

Alternativen zu SuperDuper!

Carbon Copy ClonerEine, nein: die Alternative zu SuperDuper! ist Carbon Copy Cloner. Der Begriff “Alternative” ist hier wirklich angebracht, denn Carbon Copy Cloner funktioniert genauso wie SuperDuper!, kann das gleiche wie SuperDuper!, macht das gleiche wie SuperDuper! und ist sogar in der Bedienung SuperDuper! sehr ähnlich. Es gibt aber einen wesentlichen Unterschied: Carbon Copy Cloner ist Donationware, demnach de facto kostenlos und wird in einer uneingeschränkten Testversion ausgeliefert; wer von den Funktionen des Programms überzeugt ist, der kann die Weiterentwicklung jedoch mit Spenden finanzieren.

Es gibt noch viele weitere Alternativen zu SuperDuper! oder Carbon Copy Cloner, die beiden sind jedoch meines Wissens nach die einzigen Programme, die regelmäßig, wenn auch in riesigen Zeitspannen aktualisiert werden, einen aktiven Support haben, weit verbreitet sind und dementsprechend zuverlässig funktionieren. Von Backupsystemen, die von Festplattenherstellern quasi kostenlos mitgeliefert werden, rate ich ab! Diese Programme sind lieblos programmiert, weshalb sie bei Funktions- und Zuverlässigkeitstests meistens katastrophal abschneiden.

Alternativen zu Backblaze

Stete Weiterentwicklung, regelmäßige Aktualisierung, aktiver Support, sowie Zuverlässigkeit und Genauigkeit sind auch Kriterien, die für Online-Services gelten. Dort allerdings stehen sie in Relation zum Preis, da man hier nicht einmal kauft, sondern Bindungen ähnlich einem Abonnement eingeht. Ich werde hier nur eine kleine Auswahl an solchen Services präsentieren, da mich Anbieter, die es vor zwei Jahren noch nicht gab, oder solche, deren Preispolitik offensichtlich irre ist, nicht interessieren. Damit reduziert sich die Welt der Online-Backupservices auf… drei Anbieter.

CrashPlanCrashPlan bietet verschiedene Preisschemata an, der einzige mit unlimitiertem Datenvolumen ist “CrashPlan+ Unlimited” um USD 3 pro Monat. Hätte ich nicht schon einen 2-Jahres-Vertrag mit Backblaze, CrashPlan wäre eine ins Auge zu fassende Alternative. CrashPlan ist nicht nur billiger, sondern meiner Meinung nach auch etwas flexibler, was verschiedene Einstellungen wie zB Datenlöschung, Datenverschlüsselung und Passwortschutzebenen anbelangt. Gibt es einen Nachteil? Ja, CrashPlan sichert von Haus aus nicht alle Dateien, sondern nur die, die man explizit angibt.

MozyMozy wirbt damit, die hochgeladenen Daten nicht nur zu verschlüsseln, sondern sie auch in europäischen Rechenzentren zu speichern. Im Gegensatz zu Backblaze und Carbonite ist das Speichervolumen jedoch limitiert, weshalb der Service für mich uninteressant geworden ist: 50GB kosten EUR 4,99 pro Monat, zusätzlicher Speicher kann um EUR 2 pro Monat für 20GB dazugekauft werden. Momentan habe ich bei Backblaze um USD 5 pro Monat knapp 300GB an Daten gespeichert. Diese Datenmenge würde mich bei Mozy EUR 29,99 pro Monat kosten… (Man beachte auch die Währungsunterschiede!)

CarboniteCarbonite liegt irgendwo zwischen Mozy und Backblaze. Einerseits bietet Carbonite unlimitierten Speicherplatz, andererseits aber baut Carbonite auf einem Dreierplan auf (“Home”, “HomePlus” und “HomePremier”), bei dem man nur auf USD 59 pro Jahr kommt, wenn man auf all das verzichtet, was bei Backblaze standardmäßig dabei ist. Wählt man allerdings den “HomePremier”-Plan, so kosten die Backups bereits USD 149 pro Jahr. Da aber – mir völlig unverständlich – nur der “Home”-Plan für Macs verfügbar ist, nimmt der vernünftige Mac-User von Carbonite Abstand…

Ich habe sowohl Mozy als auch Carbonite installiert und war froh, als die Programme keine Viertelstunde später schon wieder von der Festplatte gelöscht waren.

Alternativen zu Online-Backupservices

Gänzlich anders als Backblaze, Mozy und Carbonite funktionieren Jungle Disk und Arq. Beide sind Programme mit Online-Backupfunktion, wobei weder Jungle Disk noch Arq eigene Serverfarmen betreiben. Beide setzen auf den Hochleistungsservern von Amazon S3 auf, Jungle Disk bietet noch zusätzlich die Option, seine Daten auf den nicht gerade weniger stabilen Servern von Rackspace Cloud Files zu speichern, bei Arq verweist man auf die kostengünstigeren “Reduced Redundancy Storage”-Preismodelle von Amazon S3. Wer Amazon S3 verwenden möchte, benötigt dort ein Konto, das aber kostenlos angelegt werden kann.

Jungle DiskMein erstes Online-Backuptool war das damals nicht als Service, sondern als Programm erhältliche Jungle Disk. Der Services kostet USD 2 pro Monat und inkludiert 5GB Speichervolumen. Für jedes weitere GB bezahlt man USD 0,125 (Amazon S3) oder USD 0,15 (Rackspace Cloud Files), wodurch sich allerdings mein oben schon erwähntes Backupvolumen von 300GB mit USD 36,875 (Amazon S3) bzw. USD 44,25 (Rackspace) pro Monat zu Buche schlagen würde! Das steht in keinem Vergleich zu den USD 5, die Backblaze verlangt. Der Break-Even für Jungle-Disk in Vergleich zu Backblaze liegt bei etwa 29GB.

Ähnlich Jungle Disk, momentan auch am ehesten mit dem Jungle Disk zu vergleichen, das ich vor Jahren gekauft habe (damals war Jungle Disk ein Programm und kein monatlich zu bezahlender Service) ist Arq. Arq – das Programm – kostet einmalig USD 29. Monatlich zu zahlen ist der bei Amazon S3 verbrauchte Speicherplatz: USD 0,125/GB/Monat für die höchste, USD 0,093/GB/Monat für hohe Zuverlässig- und Verfügbarkeit. Nur, um die beiden Preise wieder zu verdeutlichen: Pro Monat kosten 300GB entweder USD 37,5 oder USD 27,9.

Dolly DriveFür Mac-Puristen gibt es auch noch Dolly Drive. Dolly Drive funktioniert als Cloud-Lösung für Apples Time Machine. Bezahlt wird gestaffelt nach verbrauchtem Speicherplatz, wobei man mit ein paar Tricks sparen kann, da man bei Dolly Drive für jedes in Reihe bezahlte Monat 5GB geschenkt bekommt. Das “Inspired”-Paket mit 500GB Speicherplatz schlägt sich mit EUR 20/Monat oder EUR 180/Jahr zu Buche. Ich persönlich halte von einer Art Plugin für ein nicht so ganz zuverlässiges Backup- und Versionierungssystem nicht viel…

Automatisation, Genauigkeit und Zuverlässigkeit

Wenn man über Backups schreibt, darf man die Punkte Automatisation, Genauigkeit und Zuverlässigkeit nicht außen vor lassen. Egal, wofür man sich entscheidet, alle drei Punkte sollten möglichst immer erfüllt werden. CrashPlan, zum Beispiel, ist sicherlich ein hervorragender Online-Backupservice, es erfüllt aber den Punkt Automatisation nicht, da ich, der User, mich darum kümmern muss, dass all meine Daten hochgeladen werden. Time Machine ist auch nett, doch die schon oben verlinkten Meldungen über “vergessene” oder nicht wiederherstellbare Dateien machen das Programm nicht zuverlässig. Wer sich also für eine Backupstrategie entscheidet, sollte genau die drei Schlüsselwörter im Kopf behalten!