Design, Kaffee und ein Frühstücksupdate

Es ist was los in Österreich. Ein Kanzler geht, eine konturlose Nachfolge tritt an. Dreitehabee hat vom genialen (mt) wegen Geschwindigkeitseinbußen sondergleichen zu realtime productions gewechselt und im gleichen Atemzug ein wenig am Design gearbeitet; keine großen Änderungen, aber merklich. Ich habe versucht mit Thematic, dem ach so flexiblen Theme-Framework von Ian Stewart zu arbeiten, doch die Flexibilität ist offenbar eine selbstverherrlichende: Man kann mit dem Ding zwar vieles machen, dass es aber Menschen gibt, die nicht auf Englisch schreiben, hat man nicht berücksichtigt. Dennoch waren mir zwei Seiten, ThemeShaper und die Website von Adam Polselli, Inspiration für den typographischen Zugang auf dreitehabee, an dem ich noch immer arbeite. Die Sidebar rechts, vor allem das schicke Blau der neuesten Kommentare, habe ich mir bei Joi Ito abgeschaut und damit wohl auch das charakteristischste Element seines Designs übernommen. Doch zurück zu weltlichen Dingen.

In Hietzing gibt es ein kleines, fast schon vergessenes Juwel: Inmitten von Kaffeehäusern und Restaurants gibt es am Hietzinger Platz, eingeklemmt zwischen BAWAG und Brandauer’s das Café Bawag. Das ist nichts Neues, erstaunlich aber trotzdem, weil es dort, und nur dort, in ganz Hietzing guten Illy-Kaffee gibt. Die Frühstücksorgien im Dommayer werden seitdem um einen Kürzestspaziergang zum “Bawag” erweitert, um dann dort noch einen Kaffee zu trinken. So weit ist es also schon um Hietzing bestellt.

Apropos Bawag und Café Bawag. Warum Kaffeetrinken außer für Aficionados so überhaupt nichts mit Geschmack, Genuss oder irgendeinem nicht-sozialen Aspekt zu tun hat, beweist dieser kurze Auszug über das Café Bawag aus der Presse vom 19. September 2007:

Denn mit der Bank will man vermutlich nichts zu tun haben. Wegen des Bawag-Prozesses? “Nein, der schadet dem Café nicht mehr.” Zu Beginn des Skandals war das anders gewesen. Wie die “Presse” damals berichtete, war mit dem Bank-Desaster auch der Umsatz im Kaffeehaus stark zurückgegangen.

Aber das ist Österreich: besser so tun als ob und keine Ahnung haben als selbst denken. Und jemanden zu selbständigem Denken zwingen, das geht nicht, selbst, wenn Prinzipien aufgegeben werden. Aber der Prinzipientreue-Artikel, der kommt noch, den muss ich noch ein wenig mildern.

Wo wir gerade bei “mild” sind: Demnächst werde ich meinen Artikel “Frühstücken in Wien” einem Generalupdate unterziehen und ein paar Lokale hinzufügen, die zwar ganz und gar nicht nobel oder in sind, dennoch (oder: gerade deshalb!) mit herrlichen Angeboten aufwarten: Zum Beispiel das Kent in der Märzstraße, ein eigentümlicher Schuppen, dennoch mit hervorragenden mediterranen Speisen samt Frühstücksoption und dem wohl besten türkischen Kaffee (daher die gedankliche Verbindung zu “mild”), den man in Wien bekommen kann. Ebenso neu, neben anderen, das schon erwähnte Café Bawag in Hietzing oder das Salettl in Döbling… Man darf gespannt sein.

Alt-Hietzinger Ball 2008

Ball der Alt-Hietzinger

Entgegen all meinen Erwartungen war ich gestern dann doch für zwei Stunden dort, am Ball der Alt-Hietzinger im Parkhotel Schönbrunn. Eigentlich hat sich zum Alt-Hietzinger Ball 2007 nichts verändert, außer, dass es Alterskontrollen gab und alle bis-16-jährigen Ballgäste mit einem orangefarbenen, alle bis-18-jährigen mit einem grünen Armband markiert wurden. Bevor ich wusste, dass es sich hier um Altersbegrenzungsmarkierungen handelte, sah das alles für mich ein wenig nach All-Inclusive aus.

Ansonsten: Sturzbetrunkene Kinder, Zigaretten überall, Gäste, die sich entfernten, sobald es die Etikette erlaubte, ein paar Lehrer, eine Mitternachtsquadrille, Würstl (wann hört das endlich auf!?!!), Heurigenbänke wo normalerweise Lederfauteils standen, schwarze Hemden und weiße Maschen zum Smoking, eine von Jahr zu Jahr deutlicher sichtbare Verlagerung des Balls in die Bijou-Bar und Bier überall. Wenn’s nicht unbedingt sein muss, dann danke.

Alt-Hietzinger Ball

Through

Auf Bitten Wolfgangs hin habe ich den Alt-Hietzinger Ball (eigentlich: Ball der Alt-Hietzinger) besucht und dort Fotos gemacht. Den Eindruck, den der Ball hinterlassen hat, hier:

Das Durchschnittsalter der Besucher lag beiderseits jenseits der Altersspanne von 18-65 Jahren, die Mehrheit allerdings bei einem geschätzten Durchschnittsalter von 14,5 Jahren. (Wann war das anders?) Fraglich ist bei solch einem Event natürlich, ob bei diesem Altersschnitt nicht der Verein der Jung-Hietzinger, der eine Gegenveranstaltung schräg gegenüber am Hietzinger Platz abgehalten hat, als Veranstalter des Balles nicht passender gewesen wäre als eine bekannte und doch nie gesehene Vereinigung von Alt-Hietzingern. Süßliches Parfum, Geknutsche an allen Ecken und Enden, dazwischen stark geschminkte Lehrerinnen und genervte Lehrer. Irgendwo bei den Ehrengästen, leicht gelangweilt, die beiden Direktoren. Die Luft stickig, von billigen Zigarren der Jugend verpestet. Das Schlosshotel selbst: Heruntergewirtschaftet und renovierungsbedürftig!

Der einstige Charme des Hotels ist gegenwärtigem Graus gewichen: Die Stofftapeten im Festsaal verströmen üblen Geruch und lösen sich von den Wänden, die rote Bijou-Bar ist nur mehr ein Abklatsch ihrer selbst und erinnert auf den ersten Blick mehr an ein Puff denn an eine noble Hotelbar, das Jägerstüberl toppt die Verkehrung von Wahrnehmung und Intention noch mehr: Das Mobiliar, der Charme und vor allem der Witz der Kellner ist zur Gänze gegen einen Bierschuppen in der Nähe eines Stadions austauschbar. In Hietzing gibt es damit schon drei zugrundgehende Institutionen, die nur noch durch die Verfallsignoranz ihrer Besucher am Leben gehalten werden: Das Parkhotel, den Ball selbst und das Dommayer einen Block weiter hinten.