Wie lösche ich mein Facebook-Profil? Es gibt zwei Möglichkeiten sein Facebook-Account zu beenden: Entweder, man deaktiviert es oder man löscht es endgültig.
Facebook-Konto deaktivieren

Eine Deaktivierung entspricht, auch wenn Facebook das so nicht schreibt, de facto lediglich einer vorübergehenden Abmeldung von Facebook. Wer sich später wieder anmelden will, kann in Nullkommanix all seine Daten wiederherstellen und es geht weiter bei Facebook als ob nichts gewesen wäre.
Bei einer Deaktivierung des Facebook-Profils wird nichts gelöscht, alle Verbindungen bleiben bestehen (Freunde, Fotos, Interessen, etc.), das Konto wird lediglich stumm geschalten und die Benachrichtigungen unterdrückt. Es zahlt sich trotzdem aus, sich die Bestätigungsseite der Abmeldung anzusehen (da passiert noch gar nichts, also keine Sorge), da man dort die 5 Personen vorgesetzt bekommt, mit denen man am häufigsten interagiert hat – alle mit dem Vermerk “XY wird dich vermissen.” Krokodilstränen par excellence. Der psychologische Effekt dieser Seite ist dennoch enorm: Die meisten Menschen entscheiden sich an dieser Stelle, das Konto doch nicht zu deaktivieren. Wer dennoch stark ist: Hier geht es zum Deaktivieren des Facebook-Kontos.
Aber Vorsicht! Wenn man sich nach der Deaktivierung des Kontos wieder anmeldet (zum Beispiel, um zu überprüfen, ob das Konto tatsächlich deaktiviert wurde), so wertet Facebook das als Reaktivierung des Benutzerkontos und storniert die Deaktivierung sofort.
Facebook-Konto löschen

Die zweite Möglichkeit, die Verbindung zu Facebook zu kappen, liegt im endgültigen Löschen des Facebook-Kontos. Damit wird das gesamte vom Kontoinhaber hochgeladene Material – Statusupdates, Fotos, Verbindungen zu Freunden, Interessen, etc. – und das Benutzerkonto an sich endgültig und unwiderruflich gelöscht. Es gibt für die endgültige Löschung keinen direkten Link, man muss sich durch die Hilfedatei arbeiten, um sie zu beantragen. Meine Serviceleistung an die werte Leserschaft: Hier ist der Link zur endgültigen Löschung des Facebook-Kontos.
Doch Vorsicht auch hier! Wenn man sich innerhalb der nächsten 14 Tage nocheinmal einloggt, kann die Löschanfrage abermals zurückgezogen werden!
Die unerträgliche Situation des Facebookverlassens. Oder: Ach, wie soll ich nur?
Die Beweggründe für die Löschung eines Facebook-Kontos sind vielfältig, wenngleich immer von ernstzunehmenden Argumenten genährt. Die Vorteile, die das Netzwerk bringt, sind in Relation zum Preis, den man dafür zahlt, minimal (und das bezieht sich jetzt auf den Marktwert des Benutzerprofils und nicht auf moralische Argumentation des Ausgenutztwerdens)!
Vorausgesetzt, man hat zu seiner Familie und den Menschen, die man Freunde nennt, ein ernstzunehmendes Verhältnis, worunter ich kein Verhältnis von Impetus und Sogwirkung verstehe (zB: Ich poste ein Statusupdate, dass ich ins Café gehe, und irgendwer wird schon mitkommen…), dann fällt ein Ausstieg aus einer zusätzlichen Möglichkeit des Netzwerkens leicht. Gibt es das jedoch nicht oder ist es durch erschwerte Bedingungen unmöglich (zB Soldaten im Krisengebiet bleiben in Kontakt mit ihrer Familie), wird der Ausstieg aus Facebook praktisch unmöglich. Die New York Times zitiert die Überlegungen eines potentiellen Aussteigers:
It would be really weird. It would be me taking off and leaving a lot of friends. It’s like moving out of town to live by yourself in some small isolated town. […] It would not be so lonely if some of my friends came with me.
Und daran scheitert es. Selbst wenn man die Vorschläge des so äußerst web-affinen Wired-Magazins, das mittlerweile vor Facebook warnt umsetzt, steht man vor dem Problem, dass sie auch von Freunden und Familie umgesetzt werden müssten. Und werden es unsere Eltern und Großeltern tatsächlich schaffen, ein öffentliches Profil (mit weitaus genaueren Datenschutzeinstellungen) bei Posterous anzulegen, Statusupdates über Twitter zu posten und Bilder bei Flickr hochzuladen? Problemlos wohl kaum. Ebensowenig, übrigens, wie die 50 Einstellungen mit 170 Optionen der gegenwärtigen Datenschutzeinstellungen bei Facebook korrekt zu setzen!
Es bleibt also nicht viel mehr übrig, als Facebook neu zu erfinden und daraus ein sicheres, aber trotzdem komfortables Netzwerk zu gestalten. Schließlich gibt es Benutzer, die ihre Urteile gegen das Netzwerk nicht mehr nur mit primär emotional geprägten Argumente begründen, sondern den Dienst in krassem Widerspruch zu ihren persönlichen Vorstellungen einer Onlinewelt sehen.
Instead, the critics this time are the early adopters with developed philosophies about the online world. They see themselves as taking a principled stand on how their data is used even if it means sacrificing an easy way to see a sister’s baby photos.
Hier wird sich weisen, ob der Komfort über die persönliche Vorstellung siegen wird (und er wird, so wie es momentan aussieht!) oder ob sich eine kritische Masse selbstbewusster Web-User versammeln und konstruktiv an Alternativen zu Facebook arbeiten kann. “Diaspora” wäre zum Beispiel sowas.
Post Facebook: Wie man die Zeit danach verbringt.
Doch gehen wir einen Schritt weiter. Was, wenn Facebook zur persönlichen Vergangenheit gehört und es dabei auch bleibt? Wenn der Schritt gelingt, sich wieder auf die fleischlich-akkustischen Kommunikationsformen zu beschränken? Vielleicht werden wir wieder offener den großen Ideen gegenüber, vielleicht werden wir uns weit progressiver als zuvor Bewegungen anschließen, die den Status Quo nicht einfrieren, sondern verändern und die Situation, in der wir uns befinden, verbessern wollen.
Ein guter Einstieg hierzu wäre, sich nicht von den immer größer werdenden Wellen des Entertainment ertränken zu lassen und sich stattdessen selbst etwas zu finden, was unterhaltsam und eben nicht entertaining ist. Schließlich muss es nicht immer zwangsläufig um Ablenkung gehen, es darf auch was nützlich ist unterhaltsam sein.
Ich werde hier nicht die üblichen Verdächtigen aufzählen. Lesen, Segeln, Wandern, Fußballspielen. Das macht dann letztlich ohnehin niemand mehr. Aber warum nicht neue Hobbys mit alten Gewohnheiten verbinden? Statt einem Flashmob eine Fotografie-Session bei der Oma am Sonntag. Statt einem Tag voller Twitter, einen Besuch im Zoo. Statt einem Statusupdate nach dem anderen sich einfach mit den Eltern oder Geschwistern unterhalten und diese Zeit auch nützen. Reisen sind auch notwendig, um den verengten Horizont zu erweitern. Und solange dabei nicht das nachträgliche Berichten über die Ereignisse an Interesse das Ereignis an sich aussticht, ist alles gut. Doch zuerst ist es angebracht, sich mit seinen Verwandten und Bekannten zu unterhalten. Der dort schlummernde Wissensschatz ist gigantisch. Kennenlernen wird man ihn allerdings nicht, in dem man die Profilfelder (Aktivitäten, Interessen, Musik, Bücher, Filme, Fernsehen) der Familie studiert. Verstehen wird man ihn durch die Linse eines “Gefällt mir!” ebensowenig. Hier ist Arbeit angesagt, intellektuelle Arbeit. Hermeneutisches Denken. Das genaue Gegenteil des hirnlosen Klickens. Und das wird schwerfallen. Sehr schwer sogar.
Wenn das Leben dann aber langsam wieder einsetzt und der Blick etwas weniger trüb auf die Welt fällt, wir uns von sinnlosen Notwendigkeiten befreit und das lebhafte Sein wieder entdeckt haben, wird uns Heimito von Doderers metaphorischer ”Sechsundsechziger” umso klarer erscheinen. Und auch bei Doderer geht die Geschichte des Julius Zihal gut aus, wenngleich selbiger letztlich auch zur Einsicht gelangt und erkennt, wovon wir ohnehin allesamt ausgehen.
Es ist: das Chaos.