Das Netz muss offen bleiben

Open Web FTW” meint Matt Mullenweg. Und er hat recht:

As things like Facebook’s news feed become ever more ingrained in our lives, the knobs they turn are hugely influential. For a year now, I’ve said scripting is the new literacy. … That is, if you’re not in control of your inputs, you’re not really in control of your outputs either. You’re just a reactionary force.

It’s all part of a natural 20-year super-cycle that happens in technology. We’ll go towards AOL keywords and then we get the web. I hope this is the most closed it will ever be in my lifetime.

Du hast dich gefragt, wie Facebook Geld macht?

Die Antwort gibt es als Sammlung von zum eigenen Benutzerprofil passenden Werbungen auf Facebook. Oder aber man liest den sehr kurzen Artikel auf ReadWriteWeb, in dem das alles so zusammengefasst wird:

If you pay for a product, you’re a customer. If you don’t, you’re the product. On Facebook, you are the product. The difference between content and advertising continues to slip.

Google ist auch nicht besser, wie wir ja bereits wissen.

Abmelden bei Facebook unmöglich?

You can checkout any time you like, but you can never leave…
The Eagles – Hotel California

Was man in den letzten drei Tagen über Facebook gelesen hat, macht das soziale Netzwerk in der Tat “scary”. Am Samstag veröffentlicht David Winer einen Artikel “Facebook is scaring me“, in dem er darauf hinweist, dass mit der Neuversion des Netzwerks (“Chroniken”) auch Tätigkeiten eines Benutzers auf der Timeline geteilt werden, selbst wenn sie oder er diese nicht explizit zum Teilen freigibt.

Something like: “Bull Mancuso just read a tutorial explaining how to kill a member of another crime family.” Bull didn’t comment. He didn’t press a Like button. He just visited a web page. And an announcement was made on his behalf to everyone who follows him on Facebook. Not just his friends, because now they have subscribers, who can be total strangers.

Winer schlägt vor, sich von Facebook abzumelden, um dieses “Feature” zu umgehen. Doch genau das, so Nik Cubrilovic am darauffolgenden Tag, ist eigentlich nicht möglich, da selbst abgemeldete Benutzer von Facebook weiterhin getrackt werden.

Logging out of Facebook only de-authorizes your browser from the web application, a number of cookies (including your account number) are still sent along to all requests to facebook.com. Even if you are logged out, Facebook still knows and can track every page you visit. The only solution is to delete every Facebook cookie in your browser, or to use a separate browser for Facebook interactions.

Und heute, Montag, gibt es bereits ein Statement von Facebook im Wall Street Journal dazu.

Facebook acknowledges that it gets that data but says it deletes it right away. The company says the data is sent because of the way the “Like” button system is set up; any cookies that are associated with Facebook.com will automatically get sent when you view a “Like” button. … So why does Facebook keep cookies after you log out in the first place? Bejar said that it’s to prevent spam and phishing attacks and to help keep users from having to go through extra authentication steps every time they log in.

Wie hilfreich doch Spam sein kann.

Finde den Unterschied!

Heute wurde ich von Facebook mit einem “Walk-through” zu den neuen Datenschutz- und Filterfunktionen begrüßt. Damit hat Facebook endgültig die meisten Funktionen von Google+ übernommen. Egal, wie man zu den beiden steht, es ist auf jeden Fall spannend zu beobachten, wie sich der Wettkampf der beiden Web-Supermächte entwickeln wird.

Das Eingabefeld auf Google+:

Eingabefeld auf Google+

Und das Eingabefeld auf Facebook:

Eingabefeld auf Facebook

Finde den Unterschied!

Kinderfotos auf Facebook

Die Futurezone berichtet über die rechtlich gar nicht so einwandfreie Praktik des Hochladens von Kinderfotos auf Facebook. Und ja, ihr Mütter und Väter da draußen: Auch wenn sie noch so süß sind, uns interessieren eure Kinder nicht!

Besonders beliebt scheint bei jungen Müttern zu sein, an ihrer selbst statt Aufnahmen ihrer Babys als Profilfoto zu wählen. Nicht selten werden die Schnappschüsse auch mit den entsprechenden Namen der Kinder markiert – und schwups sind die Minderjährigen, die Facebook gar nicht nutzen dürfen (…), in dem Online-Netzwerk vermerkt.

Das Verständnis von Circles in Google+

Dhanji Prasanna über die grundlegenden Überlegungen zu Google+. Der Einblick in den Entwicklungsprozess zeigt, wie das Verständnis eines Konzepts das Projektdesign beeinflussen und sich noch viel später insofern auswirken kann, als es nicht oder nur noch mit sehr großem Aufwand abzuändern ist.

What I am saying … is that these two products are not playing on an even field. Like Microsoft and online Office, it is incredibly difficult for facebook to make fundamental changes to their product suite to answer competitive threats. It is for this reason I feel that Google+ has a genuine shot at dethroning facebook.

Facebooks Open Compute Project

Facebook veröffentlicht nicht nur die Hardwarekonfiguration seiner Server, sondern die gesamte Architektur der Rechenzentren dahinter und nennt diese Initiative “Open Compute Project”. Die Idee dahinter entspringt der Notwendigkeit, völlig neue Ausmaße an Datenmengen kostengünstig (und energiesparend) bewältigen zu können.

Das Video des Projekts wirkt ein wenig wie eine gezielte PR-Aktion zur Imagepolitur, die tatsächlich durch verschiedene Optimierungen erzielten Resultate sprechen allerdings für sich. Facebooks Ingenieuren ist es gelungen, den Energieverbrauch des Rechenzentrums in Oregon um 38% und die Kosten für den Betrieb um 24% zu senken. Es wird als Modell für zukünftige Rechenzentren gelten.

Facebooks umgehende Personalisierung deaktivieren

Heute wurde die “umgehende Personalisierung” (auf einigen Seiten nennt Facebook das auch “Sofortpersonalisierung”) für alle Mitglieder bei Facebook freigeschaltet. Umgehende Personalisierung bedeutet, dass Partnerseiten außerhalb Facebooks, selbst wenn man sie zuvor noch nie besucht hat, im Moment des (erstmaligen) Besuchs dieser Seite bereits Informationen über die eigenen Vorlieben und das soziale Netzwerk, in dem man sich befindet, haben und in ihrem Erscheinungsbild und den Inhalten, die sie präsentieren, bereits personalisiert sind.

Facebook gibt zwar an, nur Informationen über den Benutzer freizugeben, die der Benutzer in seinen Privatsphäre-Einstellungen auch als öffentlich einsehbar deklariert hat, doch die Vergangenheit hat gezeigt, dass Facebook AGB und andere Nutzungsvereinbarungen schnell und meist zu Ungunsten seiner Benutzer ändert.

Gehen wir also auf Nummer sicher und deaktivieren die umgehende Personalisierung umgehend.

  1. Bei Facebook anmelden.
  2. In die Privatsphäre-Einstellungen wechseln.
  3. Links unten in die Einstellungen für “Anwendungen und Webseiten” wechseln.
  4. In der neuen Ansicht unter “Umgehende Personalisierung” auf “Einstellungen bearbeiten” klicken.
  5. In der neuen Ansicht unten das Häkchen bei “Umgehende Personalisierung auf Partnerseiten zulassen” entfernen.
  6. Die Meldung in der Popup-Box bestätigen.

Wieso Facebook unsere Beziehungen (noch) nicht richtig abbildet

Warum es gut und natürlich ist, dass wir zu Weihnachten und bei anderen Familienfesten Stress haben und wieso Facebook diesen Stress unterstützten sollte.

“The problem with traditional social networks 1.0 is all the relationships are flat,” said Charlene Li, founder of the Altimeter Group [...] “Everyone is the same level, whether I’m married to you or you’re someone I went to high school with or somebody I met at a conference.”

That online reality does not reflect human nature, said Zeynep Tufekci, an assistant professor of sociology at the University of Maryland, Baltimore County who studies the social impacts of technology.

“Your mom and your boyfriend are rarely in the same room,” she said, “and that’s why Christmas and Thanksgiving are such a stressful time for people, because their worlds collapse. On Facebook you’re in a long extended Thanksgiving dinner with everyone you ever knew, and people find that difficult to deal with.”

Generation Why? Reduktion der Software wegen.

Zadie Smith hat eine hervorragende Rezension zu “The Social Network” geschrieben und sie mit einer Kritik auf die People 2.0 ergänzt. In dieser Kritik beruft sie sich auf die Thesen von Jaron Lanier, der auf die Unmöglichkeit der digitalen Repräsentation menschlicher Profile und auf die (für den Menschen negativen) Auswirkungen durch die Interaktion mit Software hingewiesen hat. Die Benutzung von Software, so sein Argument, ist unweigerlich mit einer Reduktion des Menschen zugunsten der virtuellen Repräsentation gekoppelt; und diese unterliegt, programmgebunden, einer Philosophie, auf die wir keinen Einfluss haben, in der wir gleichsam “eingesperrt” sind.

Is [software] really fulfilling our needs? Or are we reducing the needs we feel in order to convince ourselves that the software isn’t limited? […] “Different media designs stimulate different potentials in human nature. We shouldn’t seek to make the pack mentality as efficient as possible. We should instead seek to inspire the phenomenon of individual intelligence.”

Facebook unterliegt dieser Gesetzmäßigkeit ebenso, komme was wolle; das “soziale” Netzwerk ist eben nur so sozial, wie es sich der programmierende Geist dahinter – Mark Zuckerberg – vorstellt. Wenn seine Software auf Handeln, dessen Regeln er bestimmt hat, ausgerichtet ist und Identität (Sein) ausschließlich durch Tun definiert werden kann, dann darf man sich nicht wundern, wenn Persönlichkeit und Eigenheiten zu verlassenen Markern auf einer Facebook-Profilseite werden.

In Matrix Revolutions haben die Brüder Wachowski dieses Prinzip als Figur des Trainman dargestellt. Er hat in einem System (die Matrix) ein Subsystem mit eigenen Gesetzmäßigkeiten (die U-Bahnstation) geschaffen. Wer sich darin wiederfindet, kann zwar uneingeschränkt handeln, wie sich diese Handlungen auswirken ist jedoch den Regeln und Kausalitäten des Subsystems unterworfen. Der Trainman kann zwanglos von sich behaupten “Down here I make the rules. Down here I make the threats. Down here… I’m God.” Und nichtsdestotrotz haben die Handlungen in der U-Bahnstation Auswirkungen auf den komatös dahinsiechenden Neo an Bord der Nebukadnezar.

Mark Zuckerberg als Trainman des Internet? Vielleicht ist der Vergleich zu gewagt, schließlich sind die Interessen von Wirtschaftstreibenden (der Merowinger?) und damit der Erhalt des “sozialen” Netzwerks legitim. Dennoch wirken die Zeilen von Zadie Smith’s Rezension bedrohlich, wenn sie schreibt…

With Facebook, Zuckerberg seems to be trying to create something like a […] uniform environment in which it genuinely doesn’t matter who you are, as long as you make “choices” (which means, finally, purchases). If the aim is to be liked by more and more people, whatever is unusual about a person gets flattened out. […] To ourselves, we are special people, documented in wonderful photos, and it also happens that we sometimes buy things. This latter fact is an incidental matter, to us. However, the advertising money that will rain down on Facebook […] thinks of us the other way around. To the advertisers, we are our capacity to buy, attached to a few personal, irrelevant photos.

Facebook und Bing: Search More Social

Könnte Microsofts Schritt, seine Suchmaschine Bing mit sozialen Daten aus Facebook zu verknüpfen und den Benutzern personalisierte Ergebnisse zu präsentieren, nicht ein Schritt in die falsche Richtung sein? Cas Sunstein hat die Gefahr der “Echo Chambers” im Netz schon einmal angeführt, hier greift das Argument der “inzestuösen Amplifikation” noch viel stärker!

Facebook: Bessere Fotos

Facebook hat drei wesentliche Elemente an seinen Fotoalben verbessert: Bilder werden nun nicht mehr mit 720px, sondern mit 2048px bei Facebook gespeichert; es gibt eine Lightbox, in der man sich Alben ansehen kann und das Hochladen und Taggen von Fotos ist nun wesentlich einfacher und zuverlässiger als bisher. Mehr bei Facebook selbst.

Paul Adams: The Real Life Social Network

Paul Adams, User Experience Researcher bei Google, erklärt die Diskrepanz zwischen “friends” online und Freunden offline. Sein Punkt: Wir sind in mehrdimensionalen Netzwerken, die miteinander zum Teil unvereinbar sind, verbunden und müssen eine Lösung finden, wie wir sie online darstellen können. Datenschutz und Fragen zur Privatsphäre sind in Adams’ Modell keine “weiteren” Punkte, sondern ergeben sich aus dem mehrdimensionalen Modell sozialer Interaktion, weshalb die 224 Slides der Präsentation auf jeden Fall lesenswert sind.

Dein Facebook-Profil bei Apple, Scientology, Cisco, Deutsche Telekom, Disney, Pepsi Cola, Siemens, etc.

Link: Dein Facebook-Profil bei Apple, Scientology, Cisco, Deutsche Telekom, Disney, Pepsi Cola, Siemens, etc.

A.C. Nielsen; Agilent Technologies; Apple; AT&T, possibly Macrovision; Baker & McKenzie; BBC; Bertelsmann Media; Boeing; Church of Scientology; Cisco Systems; Cox Enterprises; Davis Polk & Wardwell; Deutsche Telekom; Disney; Duracell; Ernst & Young; Fujitsu; Goldman Sachs; Halliburton; HBO & Company; Hilton Hospitality; Hitachi; HP; IBM; Intel; Intuit; Levi Strauss & Co.; Lockheed-Martin Corp; Lucasfilm; Lucent Technologies; Matsushita Electric Industrial Co; Mcafee; MetLife; Mitsubishi; Motorola; Northrop Grumman; Novell; Nvidia; O’Melveny & Myers; Oracle Corp; Pepsi Cola; Procter and Gamble; Random House; Raytheon; Road Runner RRWE; Seagate; Sega; Siemens AG; Sony Corporation; Sprint; Sun Microsystems; Symantec; The Hague; Time Warner Telecom; Turner Broadcasting System; Ubisoft Entertainment; Unisys; United Nations; Univision; USPS; Viacom; Vodafone; Wells Fargo; Xerox PARC.

Was haben all die hier genannten Firmen gemeinsam? Sie alle haben angeblich die 2,8 GB große Datei mit den Facebook-Profilen von 100 Millionen Facebook-Benutzern heruntergeladen, behauptet Dan Nosowitz von Fast Company.

Facebook-Suche: Zeiten irrelevanter Information

Facebook steigt in den Markt der Suchmaschinen ein und wird damit zu einem weiteren Player neben Google, Bing und Yahoo. Im Gegensatz zur vollautomatisierten und auf Wertungsalgorithmen basierenden Suche der drei letztgenannten Services will Facebook die Relevanz einer Website aus der sozialen Interaktion im eigenen Netzwerk über das (selbst entwickelte) Open Graph-Protokoll bestimmen, vulgo: Je mehr Leute den “Gefällt mir”-Button einer Website anklicken, desto relevanter wird sie von Facebook eingestuft. Wir haben damit folgende Situation: Websites, die die für das Open Graph-Protokoll erforderlichen Tags in ihren Quellcode nicht einbauen, sind de facto von den Suchergebnissen der neuen Facebook-Suchmaschine ausgeschlossen. Der “Gefällt mir”-Button ist die einfachste Art, einem Inhalt Beifall zu schenken und wird sehr häufig bereits auf Basis der Überschrift ohne Kenntnis des Inhalts gesetzt. (Warum wohl sind die Facebook-, Twitter- und sonstige Buttons immer über den eigentlichen Inhalten zu finden?) Wenn aber nun häufig angeklickte “Gefällt mir”-Buttons das ausschlaggebende Kriterium für die Relevanz einer Website sind, dann können wir uns nur noch die Frage stellen: Wohin wird das führen?

Online-Profile Verstorbener

Was kann und soll man tun, wenn man auf Facebook oder einem anderen sozialen Netzwerk das verwaiste Profil einer bereits verstorbenen Person aus dem eigenen Freundeskreis oder sogar aus der eigenen Familie findet? Mit genau dieser Frage hat sich die selbst mit einem Ablaufdatum versehene Futurezone beschäftigt und untersucht, wie man Profile in Social Networks vererben oder was man mit ihnen nach dem Ableben einer Person tun kann.

Was kann man tun?

Sofern Angehörige oder Freunde nicht über die Zugangsdaten für die Onlineprofile des Verstorbenen verfügen, bleibt außer Onlineservices, die sich um die Löschung, Bereinigung und Beseitigung von Onlineprofilen kümmern, nicht viel übrig. Lediglich Facebook stellt seit dem 16. April 2007 ein Formular für die Meldung des Profils einer verstorbenen Person zur Verfügung. Alle anderen Netzwerke regeln Todesfälle über das herkömmliche Kontaktformular.

Was soll man tun?

Abseits der technischen Möglichkeiten zur Löschung der Netzwerkprofile Verstorbener stellt sich immer auch die Frage, ob man als Angehöriger oder Freund so ein Profil überhaupt fortführen oder löschen soll.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto besser gefällt mir die Idee, einen virtuellen Ort des Gedenkens für ein Familienmitglied oder einen guten Freund zu haben, der nicht nachträglich eingerichtet wurde, sondern die „natürliche” Fortsetzung eines Raumes darstellt, den schon der nunmehr Verstorbene zur Kommunikation benutzt hat. So ein Ort konfrontiert alle Hinterbliebenen und Freunde mit Wahrheiten, die der sonst so selektiven Erinnerung entgegenwirken können und ein Bild aufrechterhalten, das der Persönlichkeit eines Menschen mehr entspricht als das formalisierte „Ruhe in Frieden” kalter Grabsteine oder die metaphorischen „Gefällt mir”-Buttons diverser Onlinefriedhöfe.

Vielleicht hat Mark Zuckerberg ja recht, wenn er in der allmählichen Auflösung der Privatsphäre Einzelner eine positive gesellschaftliche Entwicklung für alle sieht. Vielleicht werden wir in Zukunft tatsächlich unsere Lieb- und Leidenschaften akzeptieren und sie nicht mehr gesellschaftlichen Konventionen unterwerfen und verleugnen müssen.

Ein erster Schritt in diese Richtung wären Onlineprofile im Gedenkstatus wie Facebook das momentan anbietet. Sie würden uns als zentraler Ort des Trauerns auch fehlgeleitetes Mitgefühl ersparen, das sich mehr und mehr auf den öffentlich einsehbaren Lifestreams der Angehörigen ereignet und die Krokodilstränen ihrer „Friends” zur Schau stellt, denen man höflich begegnet und hofft, sich niemals in der peinlichen Situation widerzufinden, sich tatsächlich auf dieses inhaltsleere Gebrabbel ohne jegliche Konsequenz einlassen zu müssen. Geweint wird seit der Digitalkamera in Einsamkeit und Freunde haben wir ohnehin keine mehr. Beileid bekundende Mitteilungen Angehöriger und Bekannter auf den Onlineprofilseiten Verstorbener tendieren wahrscheinlich zu mehr Ehrlichkeit.

Was also soll man tun? Onlineprofile im Gedenkstatus, bereinigt um die 300 „Friends”, die der Tote ohnehin nie gesehen hat. Und echte Trauerarbeit alleine am Friedhof und einsam im Park. Nicht vor dem Computer. Nicht auf Facebook.

Wieviele “Freunde” sollte man auf Facebook haben?

Nebst der berechneten Zahl von 150, einer Erklärung und einer Selbstanalyse zum Thema “Freunde” auf Facebook, spricht Ruchira Paul auch einen offensichtlichen Aspekt sozialer Netzwerke in puncto Datenschutz an.

Unlike my transactions with the bank or an internet merchant, I can actually control how much information (photos, home and email address, telephone number and other personal details) I make public on a blog or Facebook. There is always the risk that someone else may share information that we don’t necessarily wish to share. [...] I find it just a bit odd that there is so much concern and uproar about privacy by social networkers who willingly sign up and share personal data that they don’t have to. Facebook knows only what they allow it to know.

Datenschutzleck bei Facebook und MySpace

Das Wall Street Journal berichtet über die Weitergabe persönlicher Nutzerprofile an Werbekunden der großen sozialen Netzwerke (Facebook, MySpace, etc.).

Facebook, MySpace and several other social-networking sites have been sending data to advertising companies that could be used to find consumers’ names and other personal details, despite promises they don’t share such information without consent. [...] Advertising companies are receiving information that could be used to look up individual profiles, which, depending on the site and the information a user has made public, include such things as a person’s real name, age, hometown and occupation.

Weitaus ausführlicher berichtet hierüber Ben Edelman, derjenige, der das Datenleck entdeckt hat.

Wie man sein Facebook-Konto endgültig löscht und die Zeit danach verbringt

Wie lösche ich mein Facebook-Profil? Es gibt zwei Möglichkeiten sein Facebook-Account zu beenden: Entweder, man deaktiviert es oder man löscht es endgültig.

Facebook-Konto deaktivieren

Facebook-Konto deaktivieren

Eine Deaktivierung entspricht, auch wenn Facebook das so nicht schreibt, de facto lediglich einer vorübergehenden Abmeldung von Facebook. Wer sich später wieder anmelden will, kann in Nullkommanix all seine Daten wiederherstellen und es geht weiter bei Facebook als ob nichts gewesen wäre.

Bei einer Deaktivierung des Facebook-Profils wird nichts gelöscht, alle Verbindungen bleiben bestehen (Freunde, Fotos, Interessen, etc.), das Konto wird lediglich stumm geschalten und die Benachrichtigungen unterdrückt. Es zahlt sich trotzdem aus, sich die Bestätigungsseite der Abmeldung anzusehen (da passiert noch gar nichts, also keine Sorge), da man dort die 5 Personen vorgesetzt bekommt, mit denen man am häufigsten interagiert hat – alle mit dem Vermerk “XY wird dich vermissen.” Krokodilstränen par excellence. Der psychologische Effekt dieser Seite ist dennoch enorm: Die meisten Menschen entscheiden sich an dieser Stelle, das Konto doch nicht zu deaktivieren. Wer dennoch stark ist: Hier geht es zum Deaktivieren des Facebook-Kontos.

Aber Vorsicht! Wenn man sich nach der Deaktivierung des Kontos wieder anmeldet (zum Beispiel, um zu überprüfen, ob das Konto tatsächlich deaktiviert wurde), so wertet Facebook das als Reaktivierung des Benutzerkontos und storniert die Deaktivierung sofort.

Facebook-Konto löschen

Facebook-Konto löschen

Die zweite Möglichkeit, die Verbindung zu Facebook zu kappen, liegt im endgültigen Löschen des Facebook-Kontos. Damit wird das gesamte vom Kontoinhaber hochgeladene Material – Statusupdates, Fotos, Verbindungen zu Freunden, Interessen, etc. – und das Benutzerkonto an sich endgültig und unwiderruflich gelöscht. Es gibt für die endgültige Löschung keinen direkten Link, man muss sich durch die Hilfedatei arbeiten, um sie zu beantragen. Meine Serviceleistung an die werte Leserschaft: Hier ist der Link zur endgültigen Löschung des Facebook-Kontos.

Doch Vorsicht auch hier! Wenn man sich innerhalb der nächsten 14 Tage nocheinmal einloggt, kann die Löschanfrage abermals zurückgezogen werden!

Die unerträgliche Situation des Facebookverlassens. Oder: Ach, wie soll ich nur?

Die Beweggründe für die Löschung eines Facebook-Kontos sind vielfältig, wenngleich immer von ernstzunehmenden Argumenten genährt. Die Vorteile, die das Netzwerk bringt, sind in Relation zum Preis, den man dafür zahlt, minimal (und das bezieht sich jetzt auf den Marktwert des Benutzerprofils und nicht auf moralische Argumentation des Ausgenutztwerdens)!

Vorausgesetzt, man hat zu seiner Familie und den Menschen, die man Freunde nennt, ein ernstzunehmendes Verhältnis, worunter ich kein Verhältnis von Impetus und Sogwirkung verstehe (zB: Ich poste ein Statusupdate, dass ich ins Café gehe, und irgendwer wird schon mitkommen…), dann fällt ein Ausstieg aus einer zusätzlichen Möglichkeit des Netzwerkens leicht. Gibt es das jedoch nicht oder ist es durch erschwerte Bedingungen unmöglich (zB Soldaten im Krisengebiet bleiben in Kontakt mit ihrer Familie), wird der Ausstieg aus Facebook praktisch unmöglich. Die New York Times zitiert die Überlegungen eines potentiellen Aussteigers:

It would be really weird. It would be me taking off and leaving a lot of friends. It’s like moving out of town to live by yourself in some small isolated town. […] It would not be so lonely if some of my friends came with me.

Und daran scheitert es. Selbst wenn man die Vorschläge des so äußerst web-affinen Wired-Magazins, das mittlerweile vor Facebook warnt umsetzt, steht man vor dem Problem, dass sie auch von Freunden und Familie umgesetzt werden müssten. Und werden es unsere Eltern und Großeltern tatsächlich schaffen, ein öffentliches Profil (mit weitaus genaueren Datenschutzeinstellungen) bei Posterous anzulegen, Statusupdates über Twitter zu posten und Bilder bei Flickr hochzuladen? Problemlos wohl kaum. Ebensowenig, übrigens, wie die 50 Einstellungen mit 170 Optionen der gegenwärtigen Datenschutzeinstellungen bei Facebook korrekt zu setzen!

Es bleibt also nicht viel mehr übrig, als Facebook neu zu erfinden und daraus ein sicheres, aber trotzdem komfortables Netzwerk zu gestalten. Schließlich gibt es Benutzer, die ihre Urteile gegen das Netzwerk nicht mehr nur mit primär emotional geprägten Argumente begründen, sondern den Dienst in krassem Widerspruch zu ihren persönlichen Vorstellungen einer Onlinewelt sehen.

Instead, the critics this time are the early adopters with developed philosophies about the online world. They see themselves as taking a principled stand on how their data is used even if it means sacrificing an easy way to see a sister’s baby photos.

Hier wird sich weisen, ob der Komfort über die persönliche Vorstellung siegen wird (und er wird, so wie es momentan aussieht!) oder ob sich eine kritische Masse selbstbewusster Web-User versammeln und konstruktiv an Alternativen zu Facebook arbeiten kann. “Diaspora” wäre zum Beispiel sowas.

Post Facebook: Wie man die Zeit danach verbringt.

Doch gehen wir einen Schritt weiter. Was, wenn Facebook zur persönlichen Vergangenheit gehört und es dabei auch bleibt? Wenn der Schritt gelingt, sich wieder auf die fleischlich-akkustischen Kommunikationsformen zu beschränken? Vielleicht werden wir wieder offener den großen Ideen gegenüber, vielleicht werden wir uns weit progressiver als zuvor Bewegungen anschließen, die den Status Quo nicht einfrieren, sondern verändern und die Situation, in der wir uns befinden, verbessern wollen.

Ein guter Einstieg hierzu wäre, sich nicht von den immer größer werdenden Wellen des Entertainment ertränken zu lassen und sich stattdessen selbst etwas zu finden, was unterhaltsam und eben nicht entertaining ist. Schließlich muss es nicht immer zwangsläufig um Ablenkung gehen, es darf auch was nützlich ist unterhaltsam sein.

Ich werde hier nicht die üblichen Verdächtigen aufzählen. Lesen, Segeln, Wandern, Fußballspielen. Das macht dann letztlich ohnehin niemand mehr. Aber warum nicht neue Hobbys mit alten Gewohnheiten verbinden? Statt einem Flashmob eine Fotografie-Session bei der Oma am Sonntag. Statt einem Tag voller Twitter, einen Besuch im Zoo. Statt einem Statusupdate nach dem anderen sich einfach mit den Eltern oder Geschwistern unterhalten und diese Zeit auch nützen. Reisen sind auch notwendig, um den verengten Horizont zu erweitern. Und solange dabei nicht das nachträgliche Berichten über die Ereignisse an Interesse das Ereignis an sich aussticht, ist alles gut. Doch zuerst ist es angebracht, sich mit seinen Verwandten und Bekannten zu unterhalten. Der dort schlummernde Wissensschatz ist gigantisch. Kennenlernen wird man ihn allerdings nicht, in dem man die Profilfelder (Aktivitäten, Interessen, Musik, Bücher, Filme, Fernsehen) der Familie studiert. Verstehen wird man ihn durch die Linse eines “Gefällt mir!” ebensowenig. Hier ist Arbeit angesagt, intellektuelle Arbeit. Hermeneutisches Denken. Das genaue Gegenteil des hirnlosen Klickens. Und das wird schwerfallen. Sehr schwer sogar.

Wenn das Leben dann aber langsam wieder einsetzt und der Blick etwas weniger trüb auf die Welt fällt, wir uns von sinnlosen Notwendigkeiten befreit und das lebhafte Sein wieder entdeckt haben, wird uns Heimito von Doderers metaphorischer ”Sechsundsechziger” umso klarer erscheinen. Und auch bei Doderer geht die Geschichte des Julius Zihal gut aus, wenngleich selbiger letztlich auch zur Einsicht gelangt und erkennt, wovon wir ohnehin allesamt ausgehen.

Es ist: das Chaos.

Gefällt mir-Button

Wer in den letzten paar Tagen hier vorbeigeschaut hat, dem wird der “Gefällt mir”-Button von Facebook bzw. der Link zum Facebook-Sharing aufgefallen sein. Ja, ich weiß, die Hölle ist zugefroren, aber keine Sorge, es gibt wieder nur den Twitter-Link, der ganz ohne Services von Drittanbietern funktioniert, solange es keine bessere Lösung von Facebook gibt oder ich dem unsichtbaren Druck des Mitmachens nachgebe.

Wer dennoch scharf drauf ist, den Button auf seiner Seite einzubauen, findet im LoadBlog eine kurze Anleitung. Wer mit dem Hybrid-Framework in WordPress arbeitet, sieht sich lieber develop dalys ganz einfach Anleitung an.

Nachtrag 23. Februar 2011: Weg damit.

Facebooks Privacy Policy 2005 vs. April 2010

Die Electronic Frontier Foundation hat eine Zusammenstellung der verschiedenen Datenschutzhinweise von Facebook zwischen 2005 und 2010. Der krasseste Unterschied ist (natürlich) zwischen dem ersten von 2005 und dem letzten von April 2010 zu sehen.

2005:

No personal information that you submit to Thefacebook will be available to any user of the Web Site who does not belong to at least one of the groups specified by you in your privacy settings.

2010:

When you connect with an application or website it will have access to General Information about you. The term General Information includes your and your friends’ names, profile pictures, gender, user IDs, connections, and any content shared using the Everyone privacy setting. … The default privacy setting for certain types of information you post on Facebook is set to “everyone.” … Because it takes two to connect, your privacy settings only control who can see the connection on your profile page. If you are uncomfortable with the connection being publicly available, you should consider removing (or not making) the connection.

Essenz der f8: Gefällt mir!

Noch eine Zusammenfassung der Facebook-Entiwcklerkonferenz f8, diesmal auf das Notwendigste reduziert: Marc Hippler erläutert in der Zeit Online den Gefällt mir-Button.

Auf den Facebook-Seiten selbst war es bislang schon sehr einfach, seine Lieblingsartikel oder Musikvideos mit anderen zu teilen. Wer von nun an auf einer Website unterwegs ist, die den “Gefällt mir”-Knopf (englisch: “I Like”) eingebunden hat, muss ihn nur anklicken. Schon teilt man seinen Freunden mit, was man gerade im Netz gesehen hat. Die entsprechende Nachricht taucht dann auf der eigenen Facebook-Seite auf. Umgekehrt kann man künftig auch sehen, welche Freunde die betreffende Seite bereits besucht haben.

Kommentare, Tweets und den Teilen-Button von Facebook gibt es hier für jeden Artikel in der Artikelansicht schon. Gibt es jemanden, der auch einen Gefällt mir-Button möchte?