Radlager goes Gebrüder Stitch

Was ist, wenn ein von italienischen Rennrädern besessener Kaffeeliebhaber seine Waren im Beta-Store zweier ehemaliger “Marketing-Fuzzis”, die zu Jeans-Maß-Schneidern wurden, ausstellt und dabei den besten aller Kaffees ausschenkt? Dann ist das “VIVA ITALIA! der besuch unserer freunde vom radlager…” und führt zu einigen Kuriositäten, wie beispielsweise einer selbstgebauten Kapelle mitten im Wohnzimmer und Veranstaltungsbezeichnungen wie

am samstag gabs die weltpremiere von velostitch mitten auf der gumpe und danach a fette party! am sonntag das katerfrühstück… und zwischen dem eröffnen und schließen? wie vom radlager gewohnt feinste rennradln…

Was mir persönlich jedoch am wichtigsten ist: Die Gebrüder Stitch sind einem guten Kaffee nicht abgeneigt und importieren den Passalacqua Harem (!) für den Eigengebrauch gleich selbst (!!). Hoffentlich bleibt ihnen auch die Faema E61 erhalten.

Pizza Mari’

Pizza Mari'In der Leopoldsgasse 23a im 2. Bezirk befindet sich die beste Pizzeria Wiens: Pizza Mari’. Der Clou: Neben der besten Pizza, die man in der Stadt bekommen kann, serviert man hier auch Passalacqua-Kaffee!

Dazu bitte die Aktualisierungen unten lesen. Mittlerweile ist Mari’ weit davon entfernt, auch nur ansatzweise die “beste” Pizza herzustellen. Weit, weit, weit!

Über die Qualitäten der Pizzeria kann man im Standard oder in der Presse nachlesen, darüber, dass Österreicher nun mal Österreicher sind, und herummotschkern, wenn der Toastschinken nicht im Emmentaler auf dem Fladenbrot untergeht, beim Datenschmutz oder bei Katz Kulinarisch. Ich bin wohl der erste Blogger, der über Pizza Mari’ positiv berichtet.

Ich habe Pizza Mari’ zum ersten Mal an einem Samstag zu Mittag betreten. Megaphone als Lautsprecher, Tische, Stühle, Kleiderständer, ein Tresen, eine Gaggia und ein Holzkohleofen – das ist es auch schon, was man im Pizza Mari’ vorfindet. Auch die Speisekarte listet nur knapp zehn Pizzen auf, den ganzen anderen Schmafu – Salate, Pastagerichte, bla, bla – gibt es hier zum Glück nicht. Was mir sofort klar war: Bufala (Tomaten, Büffelmozzarella, Basilikum)! Und ich wurde mit der besten Pizza überrascht, die ich in Wien jemals gegessen habe. Das geschmackliche Feuerwerk dieser Pizza, dem ich mit ein wenig Chiliöl noch eine Extra-Zündung verpasst habe, steht in krassem Gegensatz zur Eintönigkeit nach Emmentaler schmeckender Lieferpizza. Wow, war das gut!

Pizza Bufala in der Pizza Mari'Wie auch im wirklichen Leben, erinnert man sich an einen Höhepunkt nur dann wirklich gut, wenn ihm auch gleich ein zweiter folgt. Und der kam in Form eines Espresso. Im Pizza Mari’ serviert man nämlich – Trommelwirbel – Passalacqua Harem-Kaffee, den wohl besten Kaffee, den man bekommen kann. Ursprünlich nur im Radlager zu finden, gibt es nun auch eine Möglichkeit, ihn in einem echten Lokal zu sich zu nehmen. Das Radlager übertrumpft die Zubereitung zwar durch den Liebhaber-Effekt (Faema vs. Gaggia!), aber für einen Espresso danach reicht der im Pizza Mari’ allenfalls!

Was auch immer ich über das Pizza Mari gelesen und gehört habe, ist mir egal: Ich habe in der Leopoldsgasse 23a die wohl beste Pizza Wiens zu mir genommen und werde das Lokal weiter- und weiter- und weiterempfehlen. Und selbst des öfteren auf einen Kaffee vorbeischauen!

Nachtrag 20. Februar 2011

Mittlerweile hat die Qualität bei Mari’ nachgelassen und ich verstehe die altbekannte oder neue Kritik. Vielleicht ist es doch so, dass ich Glück hatte, als ich da war; jedenfalls ist ein Besuch heute nicht mehr mit garantiert guter Pizza verbunden. Hoffentlich fängt Mari’ das wieder auf und produziert wieder konstant gute Pizzen, sonst bleibt einem ja nichts übrig, als zur CapaTosta zu gehen.

Nachtrag 23. Juli 2011

Heute war ich für sehr lange Zeit das letzte Mal in der Mari’. Die Pizza hat mittlerweile nichts mehr mit der gemein, die ich bei meinem ersten Besuch vor zwei Jahren bekommen habe. Hätte der Pizzabäcker anstelle des Basilikumblatts Basilikumpulver verwendet, hätte ich die Mari’-Pizza mit der Take-Away-Pizza aus der Schottentorpassage verwechseln können. Pfui Teufel! Schade um die 10 Euro, die ich für meine Bufala mit Rohschinken bezahlt habe.

Espressi in Paris

http://www.flickr.com/photos/michaeeel/3101681409/

Man glaubt es kaum, aber in Paris bekommt man keinen guten Espresso. Und zwar weder im noblen Restaurant noch in der Kaffeeküche ums Eck. Der am wenigsten miese Kaffee während eines beinahe einwöchigen Parisaufenthalts (!) war ein Lavazza aus dem Automaten. Nota Bene: Für einen Espresso fährt man besser nach Italien. Und dann am besten nach Neapel.

Café Paradise

Nach einer Umrundung der Insel Moorea mit dem Moped, entdeckten Katharina und ich ein Café mit dem klingenden Namen “Café Paradise”. Ich parkte das Moped und wir betraten einen von zwei Seiten her umzäunten Strand mit Tischen, Sonnenschirmen und einer Bure, die als Küche und Bar diente. Nur wenig später kam uns ein Mann mit der Frage entgegen, was wir hier eigentlich wollten. Seine Haut war tiefbraun gebrannt, seine Haare von der Sonne ausgebleicht, dennoch machte er einen nicht unzufriedenen Eindruck und stellt seine Frage mit einem Schmunzeln.

Ich fragte ihn, ob man im Café Paradise um die Zeit noch guten Kaffee bekommen könne, der nicht, wie sonst überall, aus Nescafé-Pulver hergestellt würde und nach gar nichts schmeckte, sondern echten Kaffee im Sinne von Kaffeebohnen, Kaffeemühle, Espressomaschine, knappe 10 Bar Druck, Laufzeit 20 Sekunden und so weiter…

Er schmunzelte, fühlte sich aber herausgefordert und öffnete einen Bretterverschlag zur Bure, in der ich einen Siebträger entdecken konnte. Doppelt? Ja. Zweimal? Ja. Und er machte den besten Espresso, den ich seit langem getrunken habe.

Mocca Club geschlossen

Wenn es irgendwo in Wien guten Kaffee gab, dann im Mocca Club an der Linken Wienzeile Nr. 4. Dort konnte man sich immer in Bezug auf seine Vorlieben beraten lassen und die Kaffees wurden nicht nur nach Geschmack, sondern nach körperlicher und seelischer Verfassung ausgewählt; immer und immer wieder waren die Espressi, die Tees oder die heißen Schokoladen perfekt darauf abgestimmt. Und dass man hier auf qualitativ höchstem Niveau Kaffeetrinken konnte, war sogar international bekannt!

Der Mocca Club wurde unter Wienern und Wienbesuchern allmählich zum Kompetenzzentrum für die Zubereitung und für den Verkauf von Kaffee. Johanna Wechselberger, das Mastermind hinter diesem Kaffee-Projekt und anderen (wie zB der Vienna School of Coffee), hat hier Unmengen an Energie investiert.

Schluss und Schließung

In den letzten Monaten kamen Gerüchte über die Schließung des Cafés auf und tatsächlich, der Tag kam immer näher… bis ich gestern erfahren musste: der Mocca Club sperrt mit 31. Juli 2007 zu. Über die Gründe schweigt man sich aus, das weiß, so scheint es, keiner so genau. Im September soll’s mit neuem Eigentümer, neuem Team und neuem Konzept weitergehen. Mal sehen…

Na und?

Ja. “Na und?” mag eine berechtigte Frage sein, denn Cafés gehen andauernd irgendwo in Konkurs, aber in diesem Fall geht das “Na und?” mit einem essentiellen Problem einher: Wo bekommt man ab heute guten Kaffee in Österreich? Tchibo/Eduscho? Starbucks? Segafredo? Coffee Day? Gar ein abgewirtschaftees “alt-wiener” Café? Für Caffè Latte-Trinker mag das ja stimmen, wenn man aber tatsächlich Wert auf den Kaffee legt, sieht die Sache anders aus!

Und die nächste, entscheidende Frage liegt auf der Hand: Wo kann man in ähnlicher Atmosphäre bei ähnlichen Preisen mit ähnlichen Produkten bei ähnlichem Angebot ähnlichen Tätigkeiten nachgehen wie im Mocca Club? Nirgendwo, denn die Kombination aus Exklusiv-Café, Bar und WLAN-Standort war, so denke ich, in Österreich einzigartig.

Kaffee: meine Sorten

Es folgt eine semisentimentale Liste diverser Kaffeesorten, die ich ausprobiert habe. Es waren sicherlich viel mehr als diejenigen, die hier aufgezählt sind, aber darüber habe ich mir keine Notizen gemacht.

  • Äthiopien Harrar Mokka (~)
  • Äthiopien Bonga Forest (+)
  • Australien Skybury Fancy (-)
  • Brasilien “Eli” Bourbon (~)
  • China Provinz Yunnan (+)
  • Indien Monsooned Malabar AA (-)
  • Sulawesi Kalossi Grade I (+)
  • Sumatra Lintong (-)
  • Tansania Peaberry (-)
  • Mexico Chiapas BIO (+)
  • Java (~)
  • Kenia Peaberry (-)
  • Jemen Mokka Matari (~)
  • Hawaii Maui (mein absoluter Liebling: ++)
  • Kopi Luwak (der seltenste Kaffee der Welt: +)
  • Peru Cuzco BIO (+)
  • Mocca Club Blend – Espresso No. II (-)
  • Mocca Club – Espresso No. III – Der Pate (+)
  • Mocca Club – Betthupferl – Mischung (-)

Espressi, schnief, ihr werdet mir fehlen!

Weiteres zum Mocca Club

Rund um den Mocca Club gibt es ein paar Informationen im Internet zu finden. Hier eine kleine Sammlung:

Updates

Einen Copycat-Artikel gibt es bei Tisch Dreizehn mit dem Titel Das Ende des Mocca Club (ohne Verweis hierher, damit Verstoß gegen die Lizenz des Artikels, daher Beweissicherung!), einen selbstgeschriebenen Follow-Up-Artikel bei Halfass, dem es wirklich leid tut, dass der Mocca Club geschlossen wurde!

Update am 22. Juni 2009: Ich habe heute die neue Mocca Lounge besucht. Nett, aber keinesfalls vergleichbar mit der Qualität, die es vor 2-3 Jahren im Mocca Club gegeben hat. Und es gibt keinen Cheese-Cake.

Ciao Espresso

Gaggia

Heute. Morgen. Der erste selbstgemachte Espresso. Perfekte Crema, perfekte Durchlaufzeit, perfekte Temperatur. Und dass man mit der Stoppuhr dasteht und die Heißwassertemperatur mit dem Thermometer misst, ist Hingabe zum Getränk. Die Zubereitung erfolgt hier mit Liebe und jegliches Argumentieren in Richtung Schnelligkeit oder Herumgepatze ist lächerlich, denn wer die Bedienungsanleitung liest, patzt nicht und braucht auch nicht lange, um seine Maschine zu warten.

Ich bin von meiner Espressomaschine begeistert. Sie ist gar nicht so groß wie befürchtet, überhaupt nicht laut und der Stromverbrauch hält sich ebenfalls in Grenzen. Und obendrein ist sie auch unterhaltsam, denn das Handbuch ist voller Seitenhiebe auf die verschiedensten Kaffee-Verbrechen, die sich in Kaffeehäusern abspielen, beispielsweise:

Un buon caffè preparato seguendo la giusta procedura avrà la tipica “crema” marrone. In caso contrario consultare “In caso di malfunzionamento”…

(Aus der Gebrauchsanweisung meiner Espressomaschine.)

Und in welchem Kaffeehaus in Wien, frage ich die werte Leserschaft, kann man sich denn auf eine perfekte Crema verlassen? Eben! Und dabei ist es gar nicht so schwer. Mit der Maschine und ein wenig Übung wird der Espresso so richtig gut: er schmeckt gut, er hat eine wunderbar natürliche Crema, das Getränk tut gut und was, liebe Leserschaft, will man als Kaffeetrinker mehr?

Ich habe heute einen Lavazza ausprobiert und ein Illy liegt fürs nächste Mal schon bereit. Man wird ja, fängt man mit dem Kaffeetrinken in dieser Form an, sofort wieder zum Anfänger, denn spielte beim Nespresso lediglich die Wasserqualität eine Rolle, so hat man es bei diesen Maschinen plötzlich mit einer Trias aus Wasserqualität, Kaffeesorte und den Eigenheiten der Maschine zu tun – ganz zu schweigen von Durchlaufzeit, Temperatur, Druck, Röstung, etc., aber das würde hier zu weit führen.