Alleinsein

Ein Video von Andrea Dorfman (Regie) und Tanya Davis (Text, Drehbuch und Hauptrolle) über das Gewöhnen ans Alleinsein.

If you are at first lonely, be patient. If you’ve not been alone much, or if when you were, you weren’t okay with it, then just wait. You’ll find it’s fine to be alone once you’re embracing it.

Schon gar nicht merry

Weihnachten ist nicht froh, nicht fröhlich und schon gar nicht merry. Weihnachten ist ruhig, besinnlich und still. Weihnachten ist nicht aktiv, nicht der Christbaum, das Schmücken, das Mahl, das SMSen, das Herrichten, das Schenken und Beschenktwerden, der Kirchgang, das Besuchen der Eltern oder das Singen, das Fernsehen oder der einsame Gang zu Bett, Weihnachten ist Einsamkeit, Nachdenklichkeit und Passivität: der nächtliche Spaziergang am Stadtrand, das gemeinsame Essen mit den Seinen, das Lesen eines Buches, die Abgeschiedenheit des Miteinander, die gelebte Passivität der Fremde zu Hause.

Wir haben mittlerweile kein Motiv mehr, normal oder herkömmlich zu sein. Wir brauchen sogar ein Alibi dafür! Im Gedenken an die traditionellen Ursprünge – und damit als Rechtfertigung aus Entstehungsgründen – ist Weihnachten das Feiern des Normalen im Gegensatz zum Beschwerlichen: Endlich einmal nicht früh aufstehen. Endlich einmal gutes und reichhaltiges Essen. Endlich einmal Ruhe und nicht das befehlsartige Brüllen da draußen. Endlich einmal Passivität! Und das ist Weihnachten: Freude im Inneren über die Möglichkeit, auch wieder einmal ein Motiv für Normalität zu haben!

Einsame Ideen

Verlässt man sein elterliches Zuhause, so verändert man sich. Das ist eine banale Feststellung, die allerdings mehr beinhaltet als lediglich das Verändern der Einstellung zum Bügeln von Wäsche. Es beinhaltet auch die Veränderung der gelebten Persönlichkeit von einem auf die Mitbewohner (Eltern, Geschwister) abgestimmten Wesen zu einem rein auf sich selbst ausgerichteten Wesen. Einsamkeit ist hier einer der besten Lehrmeister. Einsamkeit führt rasch zur eigenen Persönlichkeit.

Sicherlich sind Freunde, Wohngemeinschaften und Beziehungen in irgendeiner Form nützlich, denn sie schaffen Erfahrungen, aber ich wage zu Bezweifeln, dass die eigene Persönlichkeit direkt aus einem Bekanntschaftsverhältnis heraus geschaffen oder geformt werden kann. Im gleichen Atemzug muss ich allerdings nachhaken: Ein einzig und allein aus Einsamkeit gezüchtetes Individuum ist meist unerträglich…

Einsamkeit bedeutet nicht nur Negatives. Allein sein ist auch frei sein. Ich kann tun und lassen was ich will, ich kann mit jedem, mit jeder, zu jeder Tages- und Nachtzeit machen was ich will. Sitzt man in seinem eigenen Zimmer, in seiner eigenen Wohnung und weiß bescheid über die nicht enden wollenden Möglichkeiten, dann ist das ebenso persönlichkeitsbildend. Sowas muss man nutzen, wenn es auch anfangs schmerzlich ist.