Swift? Montag, dann!

Die Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication (Swift) mit Sitz in La Hulpe, Belgien, betreibt ein Telekommunikationsnetz für finanzielle Transaktionen zwischen Banken, Brokerhäusern, Börsen und anderen Finanzinstituten. Nahezu alle Finanztransaktionen werden über das Netzwerk der Swift vorgenommen, dessen globales Datenverarbeitungszentrum mit Sitz in Europa die Daten auf ein Rechenzentrum in den USA spiegelt, um Datensicherheit gewährleisten zu können.

Seit den Terrorattacken vom September 2001 übermittelte Swift vertrauliche Daten über Finanztransaktionen an US-Behörden. Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz in Schleswig Holstein hat diese Datenweitergabe in einer Pressemitteilung kommentiert:

Es kann und darf nicht sein, dass das Bundesverfassungsgericht zu Recht den deutschen Sicherheitsbehörden klare Grenzen bei so genannten verdachtsunabhängigen Jedermannkontrollen setzt und dass dann über den Umweg eines belgischen Dienstleisters der US-Regierung erlaubt wird, im Trüben zu fischen und Freiheiten und Bürgerrechte zu ignorieren. (ULD)

Die Reaktion der Swift auf die Vorwürfe der Missachtung datenschutzrechtlicher Grundrechte aus Europa war die Errichtung einer dezentralisierten Datenverkehrsstruktur im Swift-Netzwerk, das den Datenfluss in zwei Zonen, eine europäische und eine transatlantische, unterteilt. Ende 2009 wird diese neue Systemarchitektur in Betrieb gehen, wobei europäische und nicht-europäische Daten strikt getrennt verarbeitet werden. Zugriffe auf diese innereuropäischen Daten durch US-Behörden wären damit unterbunden.

Ende Juli 2009 wurde jedoch die Europäische Kommission durch die EU-Außenminister mit der Ausarbeitung eines Abkommens zwischen den USA und der EU beauftragt, das die Swift weiterhin verpflichten würde, Finanztransaktionsdaten an die US-Behörden weiterzuleiten. Das Vorgehen der Europäischen Kommission in diesem Punkt stimmt allerdings skeptisch, denn sie

…will das Abkommen unbedingt noch vor dem 1. Dezember verabschieden. Danach nämlich tritt der EU-Reformvertrag von Lissabon in Kraft und der sieht vor, dass bei solchen Entscheidungen des Innenressorts künftig auch das EU-Parlament gehört werden muss. Dort aber gibt es noch viel mehr Vorbehalte dagegen, vor allem Liberale und Grüne lehnen den vorliegenden Entwurf zum Swift-Abkommen ab, wie auch einige Konservative. (Zeit Online)

Besonders strittige Punkte, sowie Bedingungen, unter denen es dem von der Europäischen Kommission ausgearbeiteten Vertragsentwurf zustimmen würde, hat das Parlament in der Resolution B7-0038/2009 aufgelistet, in dem es die Sicherstellung fordert, dass (gekürzt)

  • Daten nur zur Terrorismusbekämpfung übermittelt und verarbeitet werden,
  • die Verarbeitung solcher Daten, was ihre Übermittlung (nur mittels “push”-System), Speicherung und Nutzung angeht, nicht unverhältnismäßig zum Ziel sein darf, für das diese Daten übermittelt und anschließend verarbeitet werden,
  • die Übermittlungsersuchen sich auf spezifische, gezielte Fälle stützen sollten, die zeitlich begrenzt sind und einer richterlichen Genehmigung unterliegen, und jegliche anschließende Verarbeitung auf Daten beschränkt sein muss, die eine Verbindung zu Personen oder Organisationen offenbaren, die in den USA überprüft werden, Daten, die keine derartigen Verbindungen offenbaren, sollten gelöscht werden,
  • für EU-Bürger und -Unternehmen in gleichem Maße Rechte der Verteidigung und Verfahrensgarantien sowie das Recht auf Zugang zum Recht gelten sollten, wie sie in der EU existieren, und Rechtmäßigkeit und Verhältnismäßigkeit der Übermittlungsersuchen in den USA gerichtlich überprüft werden können sollten,
  • übermittelte Daten den gleichen Rechtsmittelverfahren unterliegen sollten wie innerhalb der EU gespeicherte Daten, einschließlich Schadenersatz im Fall einer rechtswidrigen Verarbeitung personenbezogener Daten,
  • mit dem Abkommen jegliche Verwendung von SWIFT-Daten durch US-Behörden für andere Zwecke als solche im Zusammenhang mit der Terrorismusfinanzierung und die Übermittlung derartiger Daten an andere Dritte als die für die Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung zuständigen staatlichen Behörden ebenfalls untersagt werden sollte,
  • das Prinzip der Gegenseitigkeit strikt eingehalten wird, durch das die zuständigen US-Behörden verpflichtet werden, einschlägige Finanztransaktionsdaten auf Ersuchen an die zuständigen EU-Behörden zu übermitteln.

Die heutige Folge von Digital Leben (Ö1 als Podcast) beginnt mit einem Aufmacher, der die Sache verständlich macht:

Welche Zeitschriften Sie abonniert haben, wie hoch Ihre Telefonrechnung ist, was Sie an Heizkosten zahlen… All dies ist aus Ihren Kontoauszügen ersichtlich. Vielleicht geben Sie ja eine ganze Menge für Flugreisen aus, womöglich macht Sie das verdächtig. Ja, Sie! Sie könnten in Verdacht geraten, einer terroristischen Gruppe anzugehören. Vielleicht klopfen ja bald schon österreichische Terrorfahnder und ein Beamter des FBI an Ihrer Tür. US-Behörden sollen nämlich mit dem Swift-Abkommen Einsicht in Kontodaten aller europäischen Bürger erhalten, wenn das Swift-Abkommen am kommenden Montag von den EU-Innenministern unterzeichnet wird.

Wir werden sehen, wie unsere Innenminister am Montag entscheiden werden.

Aktualisierungen

Nicht ganz so anonym wie angenommen

Tracking-Firmen kennen unsere gesamte Browsing-Historie. Sie können aus ihren gesammelten Datensätzen herauslesen, welche Seiten wir wann wie oft besucht und was wir dort gemacht haben. Sie können daraus Trends ableiten, Vorhersagen treffen und sie stellen diese Daten allen Unternehmen zur Verfügung, die dafür bezahlen. Was wir nicht wissen und uns immer schon gefragt haben: Können sie diese anonymisierten Daten auch konkret Personen zuordnen? Sie können. Hier das Resultat einer Studie zum Thema:

the indirect leakage of personally identifiable information via Online Social Networks identifiers to third-party aggregation servers is happening. Online Social Networks in our study consistently demonstrate leakage of user identifier information to one or more third-parties via Request-URIs, Referer headers and cookies. In addition, two of the Online Social Networks directly leak pieces of personally identifiable information to third parties with one of the Online Social Networks leaking zip code and email information about users that may not be even publicly available within the [...] Social Network itself. We also observe that this leakage extends to external Online Social Networks applications, which not only have access to user profile information, but leak a user’s [...] Social Network identifier to other third parties. (Krishnamurthy und Willis: On the Leakage of Personally Identifiable Information Via Online Social Networks)

Diese Studie hat als personenbezogene Informationen das Profilfoto, den Wohnort, das Geschlecht, Name, Liste von Freunden und Kontakten, Aktivitäten und Statusmeldungen, Fotosammlungen, Geburtsjahr/Alter und exaktes Geburtsdatum, Grad der Ausbildung, Arbeitgeber, Postleitzahl, E-Mail-Adresse, Telefonnummer und Anschrift definiert; zu den untersuchten Sozialen Netzwerken zählen neben anderen auch Facebook, LinkedIn und MySpace.

Verschlüsselung am Mac für Dummies

Seitdem ich meine Daten immer häufiger in der Cloud (zB Dropbox) speichere und nicht zu denjenigen gehöre, die der Neudefinition von Datenschutz Vertrauen schenken (“Wir versprechen, dass wir keine Einsicht in Ihre Daten nehmen”), habe ich nach Möglichkeiten gesucht, meine Daten einfach und sicher verschlüsseln zu können. Wichtig war mir dabei, mit gängigen und weithin verfügbaren Mitteln zu arbeiten; zu hohe Komplexität oder aufwendige Verschlüsselungsverfahren erhöhen den Unsicherheitsfaktor, meine Daten später einmal nicht einsehen zu können.

Letzte Aktualisierung: 15. April 2012.

Der einzig wirkliche Datenschutzhinweis

Ich bin kein Experte für die Verschlüsselung von Daten, sondern habe mir die hier angeführten Methoden aus diversen Online-Quellen, die sich mit dem Thema Datensicherheit und Datenschutz befassen, zusammengestellt.

Ich empfehle jedem, der auf den Schutz und die Verschlüsselung seiner Daten angewiesen ist, sich regelmäßig über die aktuellsten Herausforderungen auf diesem Gebiet aus verschiedenen Quellen zu informieren, denn die Verschlüsselung von Daten und deren (vornehmlich ungewollte) Entschlüsselung sind ein fortwährender und sich immer weiter entwickelnder Prozess!

Sehr gute Startpunkte mit vielen weiterführenden Quellen sind das Blog von Bruce Schneier, die gesamte Website samt aller Services von Gibson Research, die Erläuterungen (samt Quellenverweisen) auf der TrueCrypt-Website und natürlich die unter “Quellen” angeführten Links auf den weiter unten verlinkten Wikipedia-Seiten zu verschiedenen Verschlüsselungsmethoden. Weitere Links zum Thema auf dreitehabee finden sich in Artikeln, die mit “datenschutz“, “verschlüsselung“, “privatsphäre“, “passwort” und “sicherheit” beschlagwortet sind.

Es gibt viele Verschlüsselungssysteme für Macs. Für die zwei geläufigsten, die gleichzeitig auch verhältnismäßig einfach zu bedienen sind, habe ich hier Schritt-für-Schritt-Anleitungen geschrieben.

  1. Das Festplatten-Dienstprogramm wird mit jedem Mac mitgeliefert und ist wohl die einfachste Form der einfachen und sicheren Verschlüsselung. Man kann mit dem Programm ein 128 oder 256 Bit-AES verschlüsseltes Festplatten-Image erstellen, in das man seine Daten kopiert. Fertig.
  2. Ähnlich funktioniert auch die Verschlüsselung mit TrueCrypt, wobei hier deutlich mehr Optionen (AES, Serpent, Twofish und eine Kombination der drei) zur Verfügung stehen.

Wichtig vorab: Verschlüsselte Images, die mit dem Festplatten-Dienstprogramm erstellt wurden, können nur auf Macs wieder entschlüsselt und benutzt werden; Volumes, die mit TrueCrypt erstellt (und dementsprechend konfiguriert) wurden, können, da das Programm sowohl für Mac als auch für Windows und Linux erhältlich ist, auch auf allen drei Systemen benutzt werden!

Verschlüsselung mit dem Festplatten-Dienstprogramm

Hier eine einfach Anleitung, wie man seine Daten mit dem Festplatten-Dienstprogramm einfach, schnell, unkompliziert und – sofern das Passwort gut gewählt ist – sicher verschlüsseln kann. Das Festplatten-Dienstprogramm ist auf jedem Mac standardmäßig installiert.

  • Starten Sie das Festplatten-Dienstprogramm (Programme > Dienstprogramme).
  • Klicken Sie auf “Neues Image” wie im Bild unten dargestellt.

Festplattendienstprogramm: Neues Image erstellen

  • Geben Sie einen Dateinamen bei “Sichern unter” ein und wählen Sie die im Bild ausgewählten Einstellungen aus. Die Größe und den Namen können Sie natürlich frei wählen. Ein Hinweis zur Größenangabe (im Beispiel: 2.5 GB): Der hier angegebene Wert stellt die maximale Größe dar, die dieses verschlüsselte Laufwerk erreichen kann, nicht die tatsächliche! Wenn Sie nur 100MB an Daten in das verschlüsselte Laufwerk speichern, dann ist es auch nur etwa 100MB groß!
  • Klicken Sie auf “Erstellen”.

Image-Einstellungen

  • Sie werden nun zur Eingabe eines Kennworts aufgefordert. Von der Komplexität und Länge des Kennworts ist die Sicherheit Ihrer Daten abhängig. Die Sicherheitsstufe des Kennworts sollte auf jeden Fall “sehr hoch” sein. Es bleibt Ihnen überlassen, ob Sie es als sicher empfinden, wenn das Kennwort für sensible Daten im Schlüsselbund gespeichert wird…

Sicheres Kennwort setzen

  • Das war’s. Nun können Sie sensible Daten bequem in das neu erstellte Image (es erscheint als neues Laufwerk) ablegen. Die Daten werden dort nur verschlüsselt abgespeichert!

Wenn Sie die Arbeit an den Daten beendet haben, ziehen Sie das Festplattensymbol Ihres verschlüsselten Laufwerks in den Papierkorb. Damit ist das Laufwerk geschlossen und – vorausgesetzt, das Kennwort wurde nicht im Schlüsselbund gespeichert – vor Zugriffen von Personen, die das Kennwort nicht kennen, geschützt.

Wenn Sie Zugriff zu den im Festplatten-Image gespeicherten Daten benötigen, doppelklicken Sie auf das Festplattensymbol: Ihre Daten werden erst sicht- und bearbeitbar, wenn das korrekte Kennwort eingegeben wurde!

Diese Methode ist sehr einfach und – sofern Apple keine Hintertüren eingebaut hat – sicher, aber leider nur für Mac-Benutzer interessant, da Windows mit Festplatten-Images (dmg-Dateien) nichts anfangen kann. Wer dennoch sowohl für Macs als auch für Windows- und Linux-Rechner kompatible verschlüsselte Images erstellen muss, dem sei TrueCrypt wärmstens empfohlen!

Verschlüsselung mit TrueCrypt

Während das Festplatten-Dienstprogramm mit jedem Mac-System ausgeliefert wird, muss man TrueCrypt zuerst herunterladen. Das Programm ist für Mac, Windows und Linux erhältlich. Schon beim Herunterladen fällt hier die erste Überlegung an: Es ist für den leicht paranoiden User unter Umständen ratsam, alle drei Versionen des Programms herunterzuladen, um – sollte die Website einmal nicht erreichbar sein – auf jeden Fall auf jedem System entschlüsseln zu können.

  • Starten Sie TrueCrypt (Programme > TrueCrypt). Das Hauptprogrammfenster erscheint.
  • Klicken Sie auf “Create Volume” wie im Bild unten dargestellt.

  • Der “TrueCrypt Volume Creation Wizard” erscheint, mit dem man entweder ein verschlüsseltes Image erstellen oder eine ganze Partition oder gar Festplatte verschlüsseln kann. Wir wählen “Create an encrypted file container” aus. Danach “Next”.
  • Im nächsten Fenster kann man die Art des verschlüsselten Images bestimmten. Wir wählen “Standard TrueCrypt volume” aus. Danach “Next”.
  • Im nächsten Fenster fragt TrueCrypt nach einem Dateinamen und einem Speicherort für das verschlüsselte Image. Egal, wo das verschlüsselte Image letztlich gespeichert wird (online, USB-Stick, DVD, etc.), legen Sie es vorläufig auf einer Festplatte (lokal oder extern) ab und wählen Sie einen passenden Dateinamen; erst nachdem der Container mit Daten befüllt wurde, bewegen Sie ihn gegebenenfalls auf den USB-Stick oder die DVD! (Die unter “Format” angeführte Endung “.tc” ist optional.) Danach “Save”.

  • Wieder zurück im “Volume Location”-Fenster klicken Sie auf “Next”.
  • Im nächsten Fenster können Einstellungen für die Verschlüsselung vorgenommen werden. Um ein Äquivalent zum oben angeführten Beispiel mit dem Festplatten-Dienstprogramm zu demonstrieren, wählen Sie AES als Verschlüsselungs-Algorithmus aus. TrueCrypt bietet jedoch weitaus mehr Methoden sowohl zur Verschlüsselung als auch für das Hashing in den Auswahlfeldern an. AES ist sicher (Banken verwenden diesen Algorithmus…), Information und Bescheidwissen ist jedoch sicherer. Danach “Next”.

  • Im nächsten Fenster fragt TrueCrypt nach der Größe des zu erstellenden, verschlüsselten Containers. Im Gegensatz zum mitwachsenden Bundle-Image, wie es im Festplatten-Dienstprogramm in meinem Beispiel zur Anwendung kommt, ist die in TrueCrypt angegeben Größe des Containers final: Wenn ich eine Größe von 2,5 GB angebe, werden auch sofort 2,5 GB verbraucht, egal wieviel Speicher ich mit meinen Dateien im Container belege! Danach “Next”.
  • Sie werden nun zur Eingabe eines Passworts aufgefordert. Lesen Sie den Informationstext zu sicheren Passwörtern sorgfältig durch und geben Sie ein sicheres Passwort ein. (Für unsere Zwecke reicht das vorerst, die Sicherheit der Verschlüsselung kann aber durch Keyfiles noch deutlich erhöht werden!) Danach “Next”.

  • Wählen Sie im nächsten Fenster das Dateisystem des verschlüsselten Containers aus. Wenn die Datei ausschließlich auf Macs geöffnet werden soll, wählen Sie “Mac OS Extended”, andernfalls “FAT”. Danach “Next”.
  • Im nächsten Fenster sammelt TrueCrypt Zufallswerte, um den Container formatieren zu können. Wirklich zufällig ist kein Algorithmus, Bewegungen – wie die extern gesteurte Bewegung des Mauszeigers – jedoch schon. Bewegen Sie daher den Mauszeiger im angezeigten Fenster wahllos für mindestens 30 Sekunden umher. Danach “Format”.

  • Das war’s, wenngleich es jetzt auch noch recht lang dauern kann, bis der verschlüsselte Container fertiggestellt ist. Bei ein paar MB ist die Sache in ein paar Sekunden erledigt, verschlüsselt man jedoch mehrere GB oder gar eine gesamte Festplatte, kann man die Wartezeit hier – je nach Größe und Verschlüsselungsalgorithmus – bisweilen in Tagen messen! Die Erfolgsmeldung danach quittieren wir mit “OK”, die “Volume Creation Wizard” mit “Exit.”

Um den verschlüsselten Dateicontainer benutzen zu können, muss man ihn zuerst laden:

  • Wählen Sie im Programmhauptfenster “Select File…” und wählen die zuvor erstellte Datei aus. Klicken Sie anschließend auf “Mount”.
  • Im Popup-Fenster geben Sie das gewählte Passwort ein. Danach “OK”.
  • Der Container erscheint als Festplatten-Image und kann – ganz gleich wie ein im Festplatten-Dienstprogramm erstelltes Image – benutzt werden.
  • Wenn Sie den Container wieder schließen möchten, klicken Sie im Programmhauptfenster auf den mit dem Container belegten Slot und anschließend auf “Dismount”.

Diese Methode ist weitaus komplizierter als das Verschlüsseln mittels Festplatten-Dienstprogramm, dafür aber sehr sicher und auf verschiedenen Plattformen benutzbar.

Beide Methoden der Verschlüsselung sind sinnlos, wenn die gewählten Passwörter in einer Textdatei oder auf einem Zettel neben dem Rechner zu finden sind.

Dort kritisiert man es, bei uns ist es Programm

Die New York Times berichtet über neue, still eingeführte Regulierungen in der Volksrepublik China, die Neuanmeldungen bei Onlinediensten nur noch mit dem tatsächlichen Vor- und Nachnamen sowie einem Identifikationsnachweis möglich machen. Es war wieder eine Top-Down-Aktion der chinesischen Behörden, die durch öffentliche Meinungsmache nachträglich legitimiert werden musste. Was man in China offenbar noch nicht durchschaut hat? Es geht doch viel einfacher: Wir hier im Westen verschenken unsere intimsten Daten kostenlos und freiwillig.

Ganz rasch wieder zu Gmail

Am 18. November 2008 habe ich mich von Gmail verabschiedet und das auf meinem System vorinstallierte Apple Mail zu meinem Standardmailprogramm gemacht. Mit ein paar Tricks konnte ich in Apple Mail Konversationen, wie man sie aus Gmail kennt, simulieren, ebenso wie die Archivierung von Nachrichten. Meine datenschutzrechtlichen Bedenken bezüglich Gmail sind nach wie vor nicht aus dem Weg geräumt, doch habe ich vor ein paar Tagen ganz rasch wieder zu Gmail gewechselt, denn mit Apple Mail (und anderen, dazu gleich!) zu arbeiten, ist, gelinde gesagt, ein Desaster!

Apple Mail, Thunderbird, Postbox und Outlook

Mein erster Punkt damals war, Konversationen, also thematisch zusammenhängenden Mailverkehr, in Apple Mail so darzustellen, wie es in Gmail üblich ist: E-Mails werden samt Antworten und Reaktionen darauf in einer Gruppe angezeigt. In Apple Mail geht das nur eingeschränkt. Man kann zwar Posteingang und Gesendete Nachrichten gruppiert anzeigen und E-Mail-Verläufe kombiniert darstellen, doch spätestens nach dem Archivieren (Verschieben dieser Nachrichten in einen Archiv-Ordner auf dem Server), funktioniert das System nicht mehr.

Ebenso wichtig war mir der Punkt Archivierung. Hierzu habe ich auch ein Skript gefunden und dementsprechend angepasst, doch funktioniert hat das alles nicht wirklich. Die Nachrichten wurden zwar archiviert und korrekt in die jeweiligen Ordner verschoben, doch waren sie damit einfach nicht mehr erreichbar und wurden nicht in Nachrichtenverläufe (Konversationen) integriert. Selbst wenn man diese Nachrichten wieder in den Posteingang verschoben hat – die Konversationsdarstellung hat nicht mehr funktioniert.

Außerdem, und das war besonders lästig, habe ich schon bald ein weiteres Skript benötigt, um Ordnung in Apple Mail zu halten: Duplikate auswählen gehörte zu meinen Standardtätigkeiten während der letzten Monate, es gelang dem Programm einfach nicht zwischen Verschieben und Kopieren zu unterscheiden, häufig aber auch bekam ich das Okay, dass eine Nachricht verschoben wurde, nur um am nächsten Tag zu entdecken, dass sie noch immer im Posteingang zu finden war.

Zu den weiteren lästigen Fehlern der Desktoplösung gehörten noch:

  • E-Mails, die angeblich versendet wurden, in Wirklichkeit aber im Entwürfe-Ordner gespeichert waren.
  • E-Mails, die tatsächlich versendet wurden und trotzdem zusätzlich im Entwürfe-Ordner gespeichert waren.
  • Idente E-Mails, die in mehreren Ordnern vorhanden waren.
  • Lange Wartezeiten bis zum Erstkontakt mit dem IMAP-Server.
  • Der Apple Mail To Do-Ordner, den man jeder Konfigurationsmöglichkeit zum Trotz, irgendwie nie vom Server wegbekommt.
  • Das Inbox/Inbox/Inbox/Inbox-Problem.

Auch Thunderbird war kein Hit: Neben ähnlichen Schwierigkeiten wie mit Apple Mail, missfällt mir hier, dass man auf jeden Fall mit unterschiedlichen Mailboxen arbeiten muss. Eine Gesamtdarstellung aller Nachrichten funktioniert nur über Umwege.

Postbox kam und ging wie ein frischer Wind. Die Indizierungsfunktion ist genial, aber im Grunde genommen bietet das Programm vorläufig nichts, dass es im Vergleich zu Apple Mail oder Thunderbird attraktiver gestalten würde. Zumindest die Funktion Konversationen wäre schön!

Um auch noch über Outlook herzuziehen: Ich kann nicht verstehen, wieso man freiwillig mit diesem Müllcontainer an Programm arbeiten will. Die IMAP-Unterstützung funktioniert, vor allem bei automatisierten Abläufen (Archivierung, zum Beispiel) nicht wirklich, die Darstellung der Nachrichten ist eine Zumutung, ebenso wie die Gestaltung und der Workflow innerhalb der Oberfläche. Punkt.

Eine leere Inbox zu haben – das funktioniert mit allen vier Programmen nicht wirklich oder nur, wenn man starke Einbußen an Benutzerfreundlichkeit hinnehmen will. Der einzig logische Schritt: Zurück zu Gmail, aber schnell!

Gmail importiert, Gmail verwaltet

In meinen Serverarchiven hat sich in den drei Monaten einiges an Datenmaterial angesammelt. Die galt es zuersteinmal aus dem Archiv-Ordner wieder in Posteingang oder Postausgang, Gesendet oder Entwurf zu bewegen. Das war aber nicht möglich, weil mein Archiv-Skript keinen Unterschied zwischen diesen Ordner gemacht hatte. Somit blieb mir nichts anderes übrig, als alles in den Posteingang zu verschieben. Und das auf drei verschiedenen Servern. Ich brauche hoffentlich nicht zu erwähnen, dass Spams und andere unerwünschte Nachrichten plötzlich en masse hier auftauchten und obwohl bei einer Ansicht des Ordners “Archiv” in Apple Mail, Thunderbird oder Postbox alles als gelesen markiert war, gab es nach der Verschiebung plötzlich mehrere Hundert E-Mails, die ich eigentlich nicht gelesen hatte. Naja.

In Gmail habe ich den Abruf von anderen Konten aktiviert und mich auf eine lange Sitzung vorbereitet, in der ich Duplikate aussortieren durfte oder Filterregeln erstellen musste, mit denen ich gesendete von empfangenen Nachrichten trennen konnte. Am meisten Sorge bereiteten mir jedoch die Duplikate, die entstehen würden, weil ja bei Gmail an sich schon Teile der E-Mail-Flut bereits vorhanden waren.

Nach Einrichtung des Abrufs von anderen Konten begann Gmail die E-Mails zu importieren. Alle Konten zusammengenommen warteten mit etwas über 5600 E-Mails auf, die Gmail ersteinmal schlucken musste. In Sätzen zu je 200 rief Gmail die E-Mails ab und gliederte sie in sein System ein. Über Nacht war alles importiert, nur einige wenige Nachrichten, die zip-Anhänge enthielten, wurden nicht abgerufen.

Ein Blick in den Posteingang verwunderte mich allerdings: Gerade mal 40 E-Mails wurden keiner Konversation zugeordnet, alle anderen wurden korrekt verknüpft und in die richtigen Ordner gestellt: Gesendete, Empfangene, Archivierte. Keine Probleme damit.

Spams wurden erkannt und gefiltert, ebenso wie – meinen Nachrichtenfiltern folgend – die E-Mails verschiedener Konten verschiedenen Labels zugeordnet wurden. Auch stichprobenartige Kontrollen bewiesen das. Die wenigen nicht importierten Nachrichten habe ich per IMAP auf Gmail hochgeladen. Der Import ist gelungen.

Warum zurück? Gmail geht den richtigen Weg!

Abgesehen von datenschutzrechtlichen Bedenken gegenüber Gmail ist der Service allen anderen Webmailanbietern wie auch allen Desktopapplikationen haushoch überlegen. Die Ansicht der E-Mails in Form von Konversationen, die Möglichkeit zu archivieren, der hervorragende Spamfilter, die blitzschnelle Suche sowie die unaufdringliche und durchdachte Oberfläche machen Gmail zum besten E-Mailservice überhaupt.

Ich stimme Alex Payne vollinhaltlich zu, der zum Thema Konversationen behauptet

Anyone who’s given Gmail a fair shake will quickly find conversations indispensable. Going back to any other email client is agonizing and disorienting […]. In desktop email clients, new messages arrive completely bereft of context. The only way to orient yourself is to either remember what the conversation was about or read through the mess of quoted text that may or may not be present at the bottom of the message, depending on what kind of email client or prefences the sender has. You could try searching to re-orient yourself, but good luck with that in Outlook or Mail.app.

Und die Zukunft sieht für Alternativen zu Gmail auch nicht rosig aus, sofern die Entwickler nicht endlich kapieren, worauf es wirklich ankommt: Niemanden interessieren Designvorlagen für E-Mails, niemanden Nachrichtenregeln, die die Nachrichten von Familienmitgliedern farblich darstellen. Die wichtigen Punkte sind

  • Integration (in den Workflow mit Kalender und Dokumenteverwaltung),
  • Archivierung (unter Beibehaltung des Konversationsverlaufs) und
  • eine starke Suchfunktion, mit der man sich blitzschnell innerhalb einer großen Masse an E-Mails bewegen kann.

Ich bin gerne sofort bereit auf ein lokales Mailprogramm umzusteigen, das diese Anforderungen erfüllt. Ich werde auch jede neue Version von Postbox ausprobieren, um zu sehen, ob die Entwickler verstanden haben, was wirklich nötig ist, ebenso wie jede neue Version von Thunderbird, Entourage/Outlook oder Apple Mail. Ich fürchte jedoch, dass der Umstieg sehr lange auf sich warten wird lassen.

Digital Immigrants, Digital Natives, Schule und Web 2.0

Erinnerungen an die Schulzeit: Es gibt Lehrer, die den Unterrichtsstoff gut, leicht und verständlich vermitteln können und es gibt Lehrer, denen das nicht gelingt, obwohl sie teils wirklich interessante Fachgebiete betreuen. Woran liegt das? Warum gelingt es einigen, den Unterricht spannend und motivierend zu gestalten, anderen wiederum nicht; sie sind prädestiniert dafür, mit Copy-Paste-Hausübungen abgespeist zu werden. Wieso? Die Sprachbarriere ist’s, derer manche Lehrkräfte nicht mehr Herr werden, die Sprachbarriere zwischen Digital Natives und Digital Immigrants.

Völlig anders denken

Das Problem des Dialogs zwischen Schüler und Lehrer liegt im fundamentalen Unterschied ihrer beiden Wahrnehmungsformen bestimmter Inhalte: Die Schüler von heute sind nicht die Menschen, für die das Bildungswesen konzipiert wurde, sie sind (im Vergleich zu Schülern früherer Generationen) grundlegend anders: Sie sind mit digitalen Technologien groß geworden und sie benutzen sie als alltägliches Werkzeug.

Für diese Generation bilden Computer- und Videospiele, iPods, Videokameras, Mobiltelefone, PDAs und WLAN die Norm und nicht das Besondere. Für sie sind digitale Technologien das Werkzeug, mit dem man Probleme löst, daher nutzen und benutzen sie es andauernd. Der statistische Maturant hat in seinem Leben weniger als 5.000 Stunden gelesen, hat aber in etwa 10.000 Stunden Videospiele gespielt und mehr als 20.000 Stunden ferngesehen. Computerspeiele, E-Mails, das Internet, Mobiltelefonie, Chat und SMS sind integrale Bestandteile seines Lebens.

Aber auch Lehrere, vor allem junge, sind mit diesem fundamentalen Problem konfrontiert: Sie selbst haben bereits Erfahrung mit digitalen Technologien, einige von ihnen gehören bereits zu den Early Adopters der oben genannten Generation, ihre Kompetenz in diesen Dingen ist gegeben. Sie wurden allerdings durch ein nach alten Schemata durchgeführtes Studium gepresst und in ihren Möglichkeiten in Bezug auf den Einsatz digitaler Technologien stark eingeschränkt. Das Bildungssystem, dem sie nun abermals unterworfen sind, hat sie zurückversetzt in eine Zeit, in der digitale Technologien wenig bis kaum Bedeutung hatten.

Der Umgang mit digitalen Technologien schafft innerhalb dieser Generation einen neuen Typus von Denken und Informationsverarbeitung, sowie eine Art und Weise mit Informationen umzugehen, die es früher nicht gegeben hat. Diese Änderung des Denkens ist weitreichender und tiefergehend als es sich die meisten Eltern und Lehrer (älterer Generationen) vorstellen können. Einige Wissenschaftler wie beispielsweise Timothy VanSlyke behaupten sogar, dass diese Änderung des Denkens auch physische Änderungen des Gehirns mit sich bringt, dass sich die physische Struktur bestimmter Gehirnregionen aufgrund des erhöhten digitalen “Grundrauschens” in der Umgebung eines Heranwachsenden im Vergleich zu den Generationen davor verändert hat.

Diese neue Generation von Schülern nennt Marc Prensky “Digital Natives“. “Natives”, weil sie in der digitalen Sprache von Computern, Videospielen und Internet aufgewachsen sind und mit digitalen Technologien ganz beiläufig und selbstverständlich umgehen. Im Gegensatz dazu gibt es die “Digital Immigrants”, also diejenigen von uns, die zu einem späteren Zeitpunkt, außerhalb der prägenden Phasen ihres Lebens, von den neuen (digitalen) Technologien fasziniert wurden und erst dann begonnen haben, sie anzuwenden. Sie sind, weil nicht damit aufgewachsen, stets “Einwanderer” in der digitalen Welt. Obwohl sie die neue Umgebung schnell adaptieren und sich in ihr teilweise sehr gut zurechtfinden, verrät sie dennoch ihr Akzent aus vergangenen Zeiten. Ein paar Beispiele:

  • Das Internet wird erst zweitrangig zur Informationsfindung genutzt, das Lexikon bietet “seriösere” Informationen.
  • Digital Immigrants gehen nicht davon aus, dass sich ein Programm selbst erklärt oder selbsterklärend ist. Die Frage nach dem Handbuch ist Norm und nicht Ausnahme.
  • E-Mails werden als nicht gleichwertig mit anderen Formen der Kommunikation wie Fax, Brief oder Anruf angesehen.
  • Asynchrone Kommunikation fühlt sich nicht “echt” an, daher der Anruf nach Versand einer E-Mail: “Hast du mein E-Mail erhalten?”
  • Die Bearbeitung von Texten findet nicht am Bildschirm, sondern auf einem Ausdruck statt, den die Sekretärin danach wieder abtippen muss.
  • Die Tätigkeit am Computer wird noch immer irgendwie als “Spiel” und nicht als Arbeit verstanden, sofern nicht Tabellen und Dokumentseiten den Bildschirm zupflastern.
  • Eine interessante Website zeigt man Kollegen, indem man sie ins Arbeitszimmer ruft und sie auf den Bildschirm sehen lässt. Dass man das auch mit einem E-Mail und mit der URL der Seite machen könnte, kommt als Möglichkeit gar nicht in Betracht.
  • Ganz besonders Digital Immigrant: Hört man eine Radiosendung auf Ö1 und es wird über eine Website gesprochen, so wird zwar am Ende der Sendung darauf hingewiesen, dass es eine Ö1-Homepage gibt, die URL der in der Sendung vorgestellten Website erfährt man allerdings beim Ö1 Kundenservice unter der Telefonnummer (01) 50170371!

So könnte man hunderte Beispiele aufzählen, die Digital Immigrants gegenüber Digital Natives entlarven. Das ist zwar witzig auf der einen Seite, im Grund genommen aber ein fundamentales Problem: Nicht nur sind Digital Immigrants in starker Abhängigkeit von Digital Natives, wenn es um die Benutzung neuer Technologien geht, sie können in bestimmten Gebieten kaum mehr mit Digital Natives kommunizieren, ganz zu schweigen davon, ihre Gedankengänge verstehen, weil sich die Sprache, Art und Weise des Kommunizierens dieser neuen Gruppe verändert hat und mit der Sprache der Vorgängergenerationen kaum kompatibel ist. Die Wort sind gleichgeblieben, die Bedeutung ist eine andere.

Dieses fundamentale Generationenproblem wirkt sich vor allem im Bildungswesen, besonders bei den heute noch tätigen Lehrern älterer Generationen aus. Sie selbst sind – wenn überhaupt! – Digital Immigrants und unterrichten mit ihnen vertrauten Mitteln und der ihnen vertrauten Sprache – der Sprache des vor-digitalen Unterrichtswesens -, mit der sie ihre Schüler motivieren und zu Leistungen erziehen wollen. Für Digital Natives ist das aber ein Problem: Sie werden in einer nahezu fremd erscheinenden Sprache mit auf sie anders als beabsichtigt wirkenden Schlussfolgerungen unterrichtet! Ihre Art zu Informationen zu gelangen ist völlig anders und folgt einer anderen Herangehensweise:

  • Digital Natives sind es gewohnt, Informationen äußerst schnell zu erhalten und zu verarbeiten – Wörterbuch vs. LEO – ihre Geduldsfaden reißt schnell, wenn die Beschaffung der Information mehr Zeit in Anspruch nimmt als die Verarbeitung und die Lösung des Hauptproblems.
  • Digital Natives bevorzugen Parallelprozesse und Multi-Tasking; sie lehnen die schrittweise und betreut-geführte Annäherung durch eine Person an ein Problem ab.
  • Sie denken in Bildern, Grafiken und Animationen, bevorzugen eine grafisch aufbereitete Form der Inhaltsvermittlung und lehnen eine rein auf Texten basierte Vermittlung von Lehrinhalten ab. Diese Ablehnung erfolgt nicht in Form des Nicht-Lesen-Wollens, sondern in einem emotional gebündelten Ablehnungsverhalten dieser Art und Weise der Vermittlung von Inhalten.
  • Lernen erfolgt bei ihnen nicht linear nach vorgegebenem Schema, sondern objektorientiert und projektbezogen: Das Problem wird in Wissen und Unwissen zerlegt und das Unwissen zielgerichtet in Form von inhaltlichen Verbindungen (wie zum Beispiel Hypertext) erarbeitet. Ein Digital Immigrant analysiert den Motor, nachdem er Mathematik-, Physik- und Maschinenbaustunden genommen hat, ein Digital Native verlässt sich darauf, dass er die konkrete Antwort auf seine konkrete Frage im Internet oder einem anderen Informationsmedium erhält, selbst auf die Gefahr hin, die Fachbegriffe nicht zu verstehen. Dagegen hilft dann das Online-Lexikon oder eine Animation, die den Begriff erklärt.
  • Digital Natives arbeiten am besten, wenn sie in Netzwerken arbeiten, in denen sie sich häufig und unmittelbar loben oder ausbessern. They thrive on instant gratification and frequent rewards.
  • Der Unterschied zwischen Spiel und Lernen verschwindet: Lernen kann auch Spaß machen, wenn die Form der Präsentation passt. “Seriöses Arbeiten” wie es die Elterngeneration noch tun musste, ist für sie unerträglich. Die Motivation zum Lernen muss von innen, nicht von außen kommen.

Diese Eigenheiten der Digital Natives stoßen bei Digital Immigrants auf nur wenig Verständnis. Immer wieder probieren sie, trotz negativem Feedback und immer stärker sinkenden Erfolgszahlen, ihr althergebrachtes Unterrichtsschema im Unterricht dieser neuen Generation von Schülern umzusetzen. Schritt für Schritt, alles zu seiner Zeit, Ernsthaftigkeit und allgemeines Verständnis vor Detailwissen. Sie scheinen nicht zu verstehen, dass es nicht der Unwille mancher Schüler ist, sich nach diesem Schema Wissen zu erarbeiten, sondern die physische Unfähigkeit und emotionale Ablehnung dieses Typus von Unterricht. Er wirkt fremd auf sie.

Unaufmerksam und unkonzentriert

Unaufmerksam und unkonzentriert wirken die Schüler nach nur wenigen Minuten Unterricht. Liegt es am Vortrag des Lehrers? An den Inhalten? Oder ist es doch der Schüler selbst, der beruhigt werden muss? Überflüssige Fragen, berücksichtigt man das Vorhandensein völlig anderer Denkweisen.

Eine Generation von Schülern, die mit rasch wechselnden Inhalten von Videospielen zu tun hat oder Kürzestbeiträgen auf MTV und VIVA noch so viel Inhalt abgewinnt, hat ein Problem damit, dem 50-minütigen Monolog eines Lehrers zu folgen und die von ihm präsentierten Inhalte zu verarbeiten. Querverbindungen zu relevanten Inhalten, rasch wechselnde Herangehensweisen und das Miteinbeziehen der Schüler in die Erarbeitung der Inhalte ist die Lösung gegen Unaufmerksamkeit. Intelligent sind sie ja: Wenn es diesen Schülern gelingt, in der Freizeit die Prüfung zur Privatpilotenlizenz eines Flugsimulators zu meistern, wenn es diesen Schülern gelingt, hunderte Namen, Lebensweisen und kulturelle Leistungen wie technische Fähigkeiten verschiedener Zivilisationen eines Rollenspiels auswendig zu lernen, und das ganz ohne Aufwand und Zwang, dann werden sie sich bei dementsprechender Präsentation auch nicht schwertun, die Hauptstädte, Einwohnerzahlen und geografischen Begebenheiten der Länder Europas zu merken.

Zudem sind Digital Natives in der Menge des Wissens unterfordert. Sie sind es gewohnt, sich durch teils deutlich voneinander unterscheidende Inhalte zu arbeiten, mit denen sie durch Hypertext oder Zappen am Fernseher konfrontiert werden, während sie Musik herunterladen, Kurznachrichten auf ihren Handys beantworten, die Bibliothek auf ihrem Laptop durchsuchen und Chatten. Sie haben ihr ganzes Leben lang in Netzwerken gelebt und wurden von Informationen regelrecht zugedeckt; sie haben wenig Verständnis für Lektionen, Schritt-für-Schritt-Logik, Arbeitsblätter und Frontalunterricht. Stete Informationszufuhr auf vielen verschiedenen Kanälen gleichzeitig bringt mehr Erfolg als das Fokussieren auf einen Lerninhalt, den die Schüler nur zu geringen Teilen aufnehmen.

Von Lehrenden diagnostizierte Unaufmerksamkeit und der Mangel an Konzentration, den sie feststellen, führt nicht selten auch dazu, dass Schüler den traditionellen Bildungsweg verlassen und in alternativen Bildungswegen (im Endeffekt meist autodidaktisch) deutlich erfolgreicher und produktiver sind. Wenn der als “neue Unterrichtsform” getarnte “Frontalunterricht mit der Möglichkeit nachzufragen” durch die Bemerkung eines Schülers gestört wird, der vor Langeweile Hunger verspürt und diese Bemerkung “www.hunger.com” lautet, dann ist das wohl der krasseste Gegensatz, mit dem sich Schüler und Lehrer begegnen können. Auf den Punkt bringen es allerdings Aussagen von Schülern, die Kritik an den Lehrern üben: “Der Vortrag ist so langweilig, das kann ich mir zuhause selbst durchlesen.” Das allerdings, ist nur die eine Seite.

Die Langeweile der Schüler kann allerdings auch nicht durch die Art des Vortrags zustande kommen, sondern durch die Inhalte oder die Anwendung der Inhalte selbst. Bestimmte Inhalte sind für die Anforderungen des Lebens an einen Heranwachsenden weniger wichtig als andere: Alte Sprachen bilden zwar einen Schatz an Lebenserfahrung und machen bestimmte Bildungstypen überhaupt erst möglich, notwendig sind sie aber, im Gegensatz zu anderen Fachgebieten wie Mathematik, Fremdsprachen oder EDV, nicht. Die Diskussion, ob der Taschenrechner verwendet werden sollte, ist obsolet und aus der Sicht der Digital Natives sinnlos, viel nützlicher wäre die Demonstration der Möglichkeit einer Notwendigkeit, Rechnungen auch ohne Taschenrechner lösen können zu müssen; und wenn das auch im Rahmen eines World-of-Warcraft-Spieles geschieht, in dem der Spieler rasch die Kampfstärken der Feinde addieren und den anteilsmäßigen Wert, mit dem seine Figur konfrontiert werden könnte, errechnen muss! Der Unterschied? Nur der Blickwinkel. Am Ende müssen die Schüler das Einmaleins auswendig können.

Was nun? Wer muss sich ändern: Schüler oder Lehrer?

Die Frage, die aus der Spaltung in Digital Natives und Digital Immigrants resultiert, ist: Wer muss sich ändern? Muss es den Schülern gelingen, einen Gang zurückzuschalten und die Sprache der Lehrergeneration zu lernen, um sie in ihre Welt übersetzen zu können oder muss es den Lehrern gelingen, sich in die Welt neuer digitaler Technologien zu integrieren? Will man die Entwicklung der Schüler nicht bremsen, müssen sich die Lehrer dazu aufraffen, die neue Sprache so gut wie möglich zu lernen! Das bedeutet nicht, dass sie Lehrinhalte ändern müssen oder bestimmte, immer schon als wichtig erachtete Themen vom Unterricht ausschließen, nein, viel mehr geht es um die Art und Weise des Vermittelns solcher Inhalte und um die Fokussierung auf bestimmte Bereiche dieser Inhalte; das ist es, was sich ändern muss.

Das Schritt-für-Schritt-Schema sollte durch ein stark inhaltsorientiertes und konkret problemlösungsbezogenes Unterrichten ersetzt werden: Die Kategorisierung aller Tiergruppen mag wichtig sein, doch Sinn macht sie erst, wenn der Schüler versteht, wofür sie nötig ist. Bei Turnübungen wird diese Form der Erkenntnis seit Jahren angewendet und entspricht dem natürlichen Verlauf: Ziehst du deine Knie nicht an den Oberkörper, schlägst du dir die Schienbeine am Kasten an – ein logischer und einleuchtender Schluss! Warum ein an Religion interessierter Schüler wirklich verstehen muss, wieso diese Moleküle sich mit jenen Molekülen verbinden, bleibt ihm immer ein Rätsel, zumal der Grundtenor der Allgemeinbildung allein schon aufgrund der Masse an Fachgebieten realistischer Weise nicht mehr erreichbar ist.

Der zweite Punkt ist ein Überdenken der Lerninhalte. Es gibt Fachgebiete, die notwendig sind, solche, die nützlich sind und solche, die interessieren können. Aus dieser Unterteilung ergibt sich ein neu ausgelegter Lehrplan, der es vielen Schülern leichter macht, ihre späteren Ausbildungsphasen besser bestimmen zu können und sich darin zurecht zu finden. Wie viele Lateinvokabel haben irgendwem in der Kostenrechnung geholfen? Wie viele altgriechischen Phrasen dazu motiviert, das Physikstudium durchzuziehen? Wie sehr hat die EDV-Ausbildung beim ersten Excel-Sheet gefehlt? Wie viele haben noch immer nicht den Unterschied zwischen Formatierung, Formatvorlage und Strukturformatierung in Word kapiert? Wie sehr hat die Kenntnis von Gesteinsgruppen in Mitteleuropa das Leben eines Marketingexperten beeinflusst? Doch wie unterteilt man die verschiedenen Fachgebiete in die drei Gruppen?

Fachgebiete, die notwendig sind: Kenntnisse des Lesens, Schreibens, der Arithmetik, des logischen Denkens und des Verstehens von Inhalten auch nach hermeneutischen Aspekten. Unter die Fachgebiete, die notwendig sind, fallen die als “klassische Bildungsinhalte” geführten Gebiete. Besonders auch die Art und Weise des Unterrichts dieser Gruppe ist entscheidend: Nicht als Selbstweck sollen die Fremdsprachen beispielsweise unterrichtet werden, sondern als Werkzeug, um andere Aufgaben damit lösen zu können!

Fachgebiete, die nützlich sind: Unter diese Inhalte fällt alles, was es dem Großteil der Schüler erleichtert, die höheren, auf anderen Wissenschaften aufbauenden Probleme ihre Lebens lösen zu können. Das Verstehen aktueller Software, sowie das Verständnis grundlegender Prinzipien von Nutzeroberflächen, Grundlagen der Hardware, der Robotik, der Nanotechnologie, Mechatronik und Genomik, ein Ethikunterricht, der sich aus den Bildungsinhalten Religion, Geschichte und Philosophie zusammensetzt und den herkömmlichen Religionsunterricht ersetzt, die Ausbildung in Politik, Wirtschaft und Recht unter besonderer Berücksichtigung internationaler Beziehungen und der Relativität dieser Begriffe, der Unterricht von Fremdsprachen, auch solcher, die man in Mitteleuropa wenig bis kaum unterrichtet (Russisch, Chinesisch, Hindi, Arabisch), die Vermittlung von grundlegenden Kenntnissen in bis dato nicht einmal erwähnten Fachgebieten wie zum Beispiel der soziologie, um gesellschaftliche Vorgänge in Politik und Wirtschaft besser verstehen zu können. In diese Gruppe gehören allerdings auch Fachgebiete, die es zwar bereits schon lange in den Bildungskanon geschafft haben, diesmal jedoch leicht abgewandelt präsentiert werden. Die Mathematik, beispielsweise, sollte sich stärker auf Wahrscheinlichkeitsrechnungen, die korrekte Auswertung von Statistiken und auf Praxisbezogenes (zum Beispiel Wirtschaftsmathematik) konzentrieren.

Fachgebiete, die interessieren können: Hierunter fallen alle Lehrinhalte, die nur in bestimmten Fällen nützlich sein können, darunter zum Beispiel die euklidische Geometrie, die Lehre alter Sprachen wie Latein oder Griechisch, der Unterricht von nicht objektorientierten Programmiersprachen, der Unterricht einer bestimmte Religion.

Die entscheidende Frage, die man sich allerdings vor so einem Wechsel in der Unterrichtspolitik stellen muss, ist: Wie viele der Digital Immigrants können diese Fächer qualitativ hochwertig und den Ansprüchen der Digital Natives gerecht erfolgreich vermitteln? Wie viele Lehrer, das als provokative Frage dahingestellt, sind überhaupt befähigt, Grundlagen von zum Beispiel Politik, Wirtschaft und Recht tatsächlich zu vermitteln? Wer kann das hier Skizzierte tatsächlich unterrichten?

Grundlegende Änderungen im Bildungswesen

Grundlegende Änderungen im Bildungswesen, sei es schulisch, universitär oder in Form von Museen, Veranstaltungen und Themenwochen, sind notwendig, denn es sind nicht nur die Digital Natives die Probleme mit der Verarbeitung von nach alten Methoden präsentierten Inhalten haben, auch die Digital Immigrants haben sich schon weit von ihren Wurzeln entfernt und verstehen die “neue” Sprache oft besser als die alte.

Denken Sie doch einfach an ihren letzten Museumsbesuch oder ihren letzten Versuch, politische Ereignisse tatsächlich zu verstehen. Wer sich nicht schon zuvor mit den Exponaten oder den (historischen) Zusammenhängen befasst hat, scheitert daran, Interesse für die Dinge aufzubringen und läuft Gefahr, sein Wissen über diese Welt mit von Laien zusammengestückelten, qualitativ minderwertigen Erklärungsmodellen aufzubauen. Ein Beispiel?

Es ist Kunsthistorikern, Architekturprofessoren, Politikern und Tourismusmanagern über Jahre hinweg nicht gelungen das Interesse für die Kunstsammlung des Louvre, für die Stadt Paris und das Land Frankreich so sehr und so stark zu wecken, wie es dem Autor Dan Brown mit dem Da Vinci Code gelungen ist. Abertausende haben sich nach Veröffentlichung des Buches, noch viele mehr nach dem Erscheinen des Kinofilms auf die Reise gemacht, um sich das alles vor Ort anzusehen. Ihr Interesse an den Dingen wurde geweckt und hat sie sogar motiviert, dafür Geld auszugeben. Es ist unbestritten: Wissensvermittlung funktioniert, sofern sie auf die Lernenden/Interessierten abgestimmt ist.

Weitere Beispiele könnte man noch viele aufzählen, ein Blick auf die Amazon-Bestsellerlisten zum Thema Politik zeigt jedoch, dass es findigen Autoren und Populärwissenschaftlern mit teils zweifelhaften Thesen wesentlich besser gelingt Wissen zu vermitteln als Menschen, die sich mit diesen Themen auf akademischem Niveau auseinandersetzen; ist das Ignoranz? Am 19. November 2008 fanden sich in dieser Bestsellerliste unter anderem Titel von Guido Knopp, der scheinbar alle paar Wochen ein Buch publiziert, Hans Weiss mit seinem Bericht über korrupte Mediziner und die “Kurze Weltgeschichte für junge Leser” (ein Buch, das offenbar seit Jahren die Fehler und das Versagen des Geschichteunterrichts in Schulen ausgleichen muss) oder der “Baader-Meinhof-Komplex” von Stefan Aust. Was ist der Punkt der ganzen Sache? Schüler sind aufnahmefähig, und sie gieren regelrecht danach, mehr wissen zu wollen, doch wird ihnen das Lernen und Erforschen von Inhalten durch völlig verfehlte Methoden schwer gemacht, die Schule vermiest und das Interesse verläuft sich im Frust.

Auch das klassische Edutainment, wie man es seit ein paar Jahren krampfhaft versucht, ist gescheitert; wer die Verpackung, nicht aber das Produkt selbst ändert, wird früher oder später damit klarkommen müssen, dass die Änderung unnötig und sinnlos war. Nur neue Methoden, eine neue Art und Weise von Wissensvermittlung kann Schüler zu Höchstleistungen motivieren. Wie schon oben erwähnt: Gibt es irgendeinen Grund für eine Generation, die sich mehr als 100 Pokémon-Figuren mit all ihren Charakteristika merken kann, die Geschichte, die Bevölkerungszahlen, die Hauptstädte und die Beziehungen der Länder dieser Welt untereinander nicht zu merken? Es kommt nur darauf an, wie man dieses Wissen präsentiert!

Ein Kritikpunkt an der Alternativen Vermittlung von Lehrinhalten lautet: Die Wissensvermittlung in Form von Edutainment und Computerspielen funktioniert nur für die Vermittlung von Fakten, sie scheitert aber bei der Vermittlung komplexer Systeme und Beziehungen. Das ist, so Prensky, Nonsens. Eine im Rollenspiel simulierte Wannsee-Konferenz kann die Möglichkeit des Holocaust besser vermitteln als jedes trockene Geschichtsbuch. Ebenso die Faszination für faschistische oder streng militarisierte Systeme – wie Morthon Rhue eindrucksvoll in “Die Welle” beweist. Er und andere gehören zu Vordenkern dieser Möglichkeiten, doch wann zieht der Rest endlich nach?

Web 2.0? Nicht so ganz “native” wie man sich das vorstellt, vielleicht “naiv”?

Wie beeinflussen sich Web 2.0 und die Digital Natives gegenseitig? Wie kreativ sind Digital Natives wirklich im Internet? Wie sehr benützen sie die Möglichkeiten, die ihnen geboten werden? Oder ist das alles nur die Annahme von Außenstehenden, und in Wahrheit tummeln sich sowohl Digital Natives als auch Digital Immigrants in den selben Netzwerken herum und nützen die Services auf die gleiche Art und Weise? Ist ihre Aufnahmefähigkeit für neue Inhalte tatsächlich uneingeschränkt gegeben oder ist das alles nur ein müder Erklärungsversuch das Schulsystem zu attackieren?

Das Web 2.0, eine optimale Versuchsanordnung hierfür, bietet messbare Werte für die Aufnahmefähigkeit der Natives an und zeigt – ebenso gut messbar – ob und wie die dort vermittelten Inhalte verarbeitet werden. Setzen wir den optimalen Lehrer für Digital Natives mit den Einflüssen auf die Schüler im Web 2.0 gleich, müsste sich eigentlich ein ganz bemerkbarer Zuwachs an (relevanter) Information im Web messen lassen. Mit den Mitteln digitaler Technologien, mit dem Spaßfaktor des sozialen Arbeitens und mit den Möglichkeiten des Web 2.0 müssten die Digital Natives ameisengleich an neuen Inhalten arbeiten, sie umsetzen und auf ihre Art und Weise veröffentlichen. Gehen wir davon aus, dass auch Inhalte der Kategorie “Inhaltsangabe der letzten King of Queens-Folge” relevante Inhalte seien.

Und siehe da, es sieht weniger optimistisch aus als das prolongiert wird!

“Die Produktion eigener Inhalte ist auch für die jungen Nutzer eher die Ausnahme,” so die Blogpiloten eine ARD/ZDF-Studie zitierend, und die Reichweite dieser Aussage ist größer als vorerst angenommen: Digital Natives sind zwar mit digitalen Technologien aufgewachsen und haben ihr Denken an die strenge Logik der Computerprogramme, Videospiele und ihres iPods angepasst, sind stärker vernetzt und multi-tasking-fähig, doch führt das nicht unbedingt zu einer anderen (besseren?) Art Verarbeitung von Information und zur Benutzung dieser digitalen Hilfsmittel; zwischen Digital Immigrants und Digital Natives gibt es vielleicht einen Unterschied in Bezug auf das geistige Verarbeiten von Information und in Bezug auf die Anforderungen der Informationsbeschaffung, die Umsetzung allerdings bleibt bei beiden auf der Strecke. Die Vermutung, dass es die Digital Natives sind, die sich ihren Inhalt selbst im Web erschaffen, wird im Keim nahezu erstickt. Weiter die Blogpiloten zum Thema User Generated Content:

Nur etwa ein Drittel ist laut der ARD/ZDF-Studie überhaupt daran interessiert. Auch die gute alte E-Mail ist noch längst nicht tot: Von den 20-29-Jährigen wird sie wesentlich häufiger genutzt (zu 96 Prozent) als etwa Chats oder Foren (46 Prozent) oder Instant Messaging (60 Prozent). Senden und empfangen von E-Mails und die Nutzung von Suchmaschinen gehören zu den beliebtesten Internetaktionen – bei den 14-Jährigen wie bei den 60-Jährigen. Auch Weblogs werden nur von einer Minderheit der jungen Nutzer gelesen oder gar selbst geführt. Die OECD berichtet (…), dass knapp über 20 Prozent der 16-24-Jährigen Deutschen eine eigene Website oder ein Blog betreiben würden.

Und das ist entgegen den Erwartungen an eine Generation, die damit aufwächst, nicht viel. Soweit mir bekannt, gibt es keinerlei Erklärungsmodelle dafür, warum Digital Natives weniger zur tatsächlichen Aufarbeitung von Inhalten (in Newsgroup-Diskussionen und Blogartikeln) als eher zur halb-dämlichen Diskussion der letzten Trinkorgie in sozialen Netzwerken (StudiVZ, Facebook, MySpace) und Foren tendieren. Flickr und themenbezogene Foren sind da noch die Creme de la Creme der Diskussionskultur, Nonsensforen, deren Themengebiete einfach alles von “Sportliche Aktivitäten und Events” bis hin zu “Karriere, Finanzen und Rechtliches” umspannen oder die StudiVZ-Gruppen (zum Beispiel “Vegetarier sind die Leute, die meinem Essen das Essen wegessen”) bilden das andere, das dunkle Ende dieser Skala. Woran liegt es, dass Digital Natives eher zu Flachem als zu Tiefgründigem etwas zu sagen haben?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihre Wertigkeiten sosehr verschoben sind, dass es wichtiger ist am Torunament irgendeines Onlinespiels teilzunehmen als am Wahlsonntag wählen zu gehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die funktionierende Partnerschaft durch ein von Computern erstelltes Beziehungsprofil zerstört werden kann (obwohl…). Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, dass kurzlebige, Werbebotschaften ähnliche Inhalte mehr persönliche Befriedigung erzeugen als komplexe, nur durch tatsächliches Erarbeiten (in welcher Form auch immer) verständliche Inhalte.

Doch Facebook, StudiVZ, Orkut und Co. locken die Digital Natives an, indem sie ihnen die Inhalte vorgeben, die sie verarbeiten können. Die Möglichkeit, etwas zu leisten (indem man einen Kurzfilm dreht) und die unmittelbare Belohnung auf abstrakter (Top Score-Listen, etc.) sowie persönlicher Ebene (Pluspunkte, mehr “Followers”, mehr “Freunde” in sozialen Netzwerken) zu erhalten, ist attraktiver als das womöglich ignorierte Dasein eines Blogs oder die stark abstrahierte Form der Belohnung in einer Schularbeit. Ein Beispiel, das genau diese Belohnung für Leistung und die Attraktivität sozialer Netzwerke verdeutlicht? Mitgleider eines sozialen Netzwerks wurden im Rahmen des Habbowood-Wettbewerbs dazu aufgerufen, einen Kurzfilm zu gestalten. Die Werkzeuge wurden zur Verfügung gestelltund die Belohnung erfolgte durch Kommentare und Views des selbtgedrehten Kurzfilms. Eigentlich lächerlich, für Mitglieder dieser Netzwerke jedoch persönlichkeitsbildend.

Auch Facebook und StudiVZ spielen das Spiel der Motivation von Digital Natives, sich mit vorgegebenen Themen auseinanderzusetzen, hier jedoch mit dem Hintergrundgedanken, zuerst den wenigen Mitgliedern beizubringen, wie es zu laufen hat, sich danach aber darauf verlassen, dass sie diese Überzeugungsarbeit bei den Neuen erledigen. Welches Auseinandersetzen ist gemeint? Nichts, was man nicht auch ohne Bildung erledigen könnte und alles, was diese Netzwerke brauchen, um zielgerichtete und personalisierte Werbung platzieren zu können oder die Mitglieder zu hörigen Stars umzuwandeln. Wie schnell man vom Gruppenzwang erfasst und zur Offenlegung persönlicher Informationen gedrängt wird, hat Götz Hamann ausgetestet:

Lauter weiße Felder haben die Leute von Facebook eingerichtet. Sie signalisieren: “Du hast längst nicht genug von dir aufgeschrieben.” Meine Hobbys könnte ich eintragen, welche Musik ich mag, welche Filme. Beschreiben soll ich mich auch.

Klar, dass diese Netzwerke sich selbst zu zentralen Orten der Kommunikation machen: Wer gezwungen wird, so viel von sich preiszugeben, verschwindet entweder gleich oder füllt die “weißen Felder” mit persönlichen Daten und partizipiert im oberflächlichen Alltagstratsch.

Was im Hintergrund läuft, ist bedenklich – und darin liegt auch die Gefahr, der Digital Natives ausgesetzt sind: Ihre Privatsphäre ist längst nicht mehr privat. Das Beispiel vom neuen Job und den Fragen zu intimen Details seitens des Firmenvertreters, kennen wir schon; wie sieht es aber aus, wenn ein Netzwerk misst, wie oft man bei McDonald’s isst oder sich eine Tiefkühlpizza macht? Und ja, diese Daten werden verkauft, denn schließlich muss sich der Netzspielplatz für die Digital Natives finanziell auch lohnen. Und genau in diesem Punkt setzen die Digital Immigrants, die Sponsoren und Förderer dieser neuen Spielplätze, ihren Brückenschlag zum Verständnis der Digital Natives an: Sie nutzen das Vertrauten der Natives in digitale Technologien aus und benutzen es, indem sie immer detailliertere Profile ihrer Nutzer erstellen und vorerst nur Werbung, später aber sicherlich auch (zum Beispiel medizinische und versicherungstechnische) Leistungen individuell angepasst anbieten. Digital Natives sind zwar die Herren ihrer digitalen Welt, doch es gibt auch noch Menschen, die hinter der Matrix herumwerken. Auch hier muss Schule Aufklärungsarbeit leisten, Zusammenhänge aufzeigen und den Digital Natives vermitteln, wie sie mit ihren Informationen umgehen sollten. Es reicht nicht allein, mit digitalen Technologien aufgewachsen zu sein, man sollte auch wissen, was man eigentlich im Web gerade tut!

Doch Zurück zu Natives, Immigrants und dem Mitmach-Web. Falk Lüke stellt sich die Frage, ob Digital Natives nicht in Wirklichkeit naive Tölpel sind, die zwar mit den Technologien vertraut sind, aber nicht die Hintergründe verstehen und sich lediglich von vorgegebenen Anforderungen treiben lassen. Zu Digital Natives hat er eine ganz klare Meinung:

Ja, es gibt viele Kinder/Jugendliche die spielen wollen. Aber es gibt wesentlich weniger, (…) die man als digitale Natives bezeichnen dürfte. Der Großteil sind digitale Naives, wie sich am Beispiel StudiVZ derzeit wunderbar zeigt: gut gebildete junge Menschen mit ganz wenig Gespür für das, was sie im Netz machen. Konsumenten erster Klasse.

Und keine Angst, derzeitige Schüler sind keineswegs besser. Was bei MySpace und in Weblogs (…) passiert, es zeugt nicht vom Verständnis für die Gerätschaften, die man ihnen in die Hand gedrückt hat. Sie können es meist anwenden, was sie von den zahlreichen “Oh mein Gott, mein Computer hat gepiept”-Anwendern, die heute noch in den Büros sitzen unterscheidet. Sie remixen dabei eifrig und scheren sich unbewusst nur selten um Konventionen. Und vielleicht verstehen sie irgendwann auch, dass diese Werkzeuge für mehr als die digitale Fortsetzung ihrer Power Rangers- oder Li-La-Launebär-Kindheit, ihrer GZSZ- oder BigBrother-Staffel-27-Jugend und ihrer StudiVZ et. al.-Gegenwart taugt. Und vielleicht dürfen sie dann irgendwo anders über Dinge entscheiden als im Onlineshop von Apple oder Amazon.

Ich bin mir nicht sicher, wie sehr Lüke hier recht behält, wenn man sich den Einfluss eben dieser StudiVZ-&-Co.-Jugend auf den Wahlsieg von Barack Obama in den USA ansieht. Frank Patalong vom Spiegel berichtet über Obamas Facebook-Profil, über die Aussagekraft von Unterstützern in der Onlinewelt und über die Auswirkungen von sozialen Netzwerken auf Entscheidungen, die doch anders sind als diejenigen aus dem Onlineshop von Apple oder Amazon.

  • Erstens zeigt es, wer sich hier vor allem für Obama entscheidet (junge, Social Networks nutzende Menschen mit geringem Schlafbedürfnis)
  • Zweitens, dass dies nun offensichtlich immer mehr der Social-Network-Nutzer tun (wenn die Beteiligung an Obamas Facebook-Profil von Anfang an so hoch wie in diesen Nachtstunden gewesen wäre, hätte er allein seit der ersten Wahl von Iowa rund 3,36 Millionen Facebook-Unterstützer gewinnen müssen)
  • Drittens, dass die Unterstützung für Obama also immer schneller ansteigt, während Clintons Anhängerschaft zumindest nachts nicht maßgeblich wächst: Bei dieser Rate hätte sie seit dem 3.1.2008 nur knapp 11.500 Anhänger gewinnen können.

“Der Vorwahlkampf der Demokraten hat das Netz erreicht und bewegt dort eine Menge,” so Patalong, ganz im Gegenteil zu Lüke, nicht? Und noch eins drauf: Die Zeit selbst berichtet über den Einfluss der Online-Netzwerke auf den Wahlkampf – und da fallen alle bekannten Namen: Facebook, MySpace, YouTube, Flickr, Second Life – alles da. Klar, so ganz hat selbst Lüke nicht unrecht, denn man kann von der Bereitschaft der Digital Natives, Obama zu unterstützen, zwei Punkt ableiten: Entweder, sie haben tatsächlich die politische Botschaft (?) von Barack Obama verstanden und sind, persönlich davon überzeugt, losgezogen, um auch andere davon zu überzeugen – oder – sie wurden von einer routinierten, gezielt auf solche Plattformen abgestimmten Marketingmaschinerie erfasst, die es verstanden hat Menschen zu etwas zu bringen, das sie von sich aus vielleicht gar nicht tun würden. Gruppenzwang und der Selbstversuch von Götz Hamann (siehe oben) lassen grüßen!

Nocheinmal: Digital Immigrants, Digital Natives, Schule und Web 2.0.

Dass es zwischen Menschen, die mit digitalen Technologien aufgewachsen sind und solchen, die den Umgang mit selben erst später erlernt haben, Unterschiede und Kommunikationsprobleme gibt, scheint unbestritten. Fraglich ist jedoch, woran genau das liegt? Marc Prensky sieht Digital Natives ähnlich einer nächsten Evolutionsstufe und möchte Digital Immigrants dazu erziehen, dieser neuen Generation von Schülern Inhalte auf ihre Art und Weise zu vermitteln. Er nennt spielerisches Lernen und eine Anpassung der Unterrichtsfächer an aktuelle Anforderungen die Lösung des Problems. Der Grundtenor: Die Lehrer sollen sich an die Schüler in der Art und Weise des Unterrichtens anpassen.

Was Marc Prensky nicht wissen konnte (sein Artikel “Digital Natives, Digital Immigrants” wurde 2001 veröffentlicht) hat das Web 2.0 nun deutlich gemacht. Die Skepsis so mancher Digital Immigrants diesen neuen Technologien gegenüber hat sich doch gelohnt. Digital Natives sind Gefangene ihrer selbst: Auf der einen Seite hat sich die physische Struktur ihres Gehirns verändert und damit ihre präferierten Arbeitsweisen in Netzwerke verlagert, die sie – und das die andere Seite – ausspionieren und für sich arbeiten lassen. Kein soziales Netzwerk erzwingt die Preisgabe persönlicher Daten, doch der dem System innewohnende Gruppenzwang, doch persönliche Informationen zu veröffentlichen, macht Digital Natives zu Datensätzen von Prenskys Digital Immigrants, die mit Sponsoring und Produktion hinter all dem stehen.

Hier sollten Schule und Unterricht ansetzen. Das Bewusstmachen dieser Verknüpfungen durch Vorbereitung von Schülern für das Verständnis solcher komplexen Zusammenhänge. Leichtgläubigkeit und Naivität kennzeichnen die Digital Natives, nicht klare Auffassungsgabe und kritisches Hinterfragen. Vielleicht ist ja sogar das das Kernproblem des Generationenkonflikts zwischen Natives und Immigrants: Das Vertrauen auf friedvolles und gutes Tun seitens derer, die dahinter stehen, das Unverständnis für Gewinnabsichten hinter emotional wahrgenommenen Netzwerkdiensten. Vielleicht ist das systematische und schrittweise Herangehen die bessere, kritischere Erfassung eines Problems, das die Fragestellung selbst auch in Frage stellen kann, wohingegen das chaotische und stark konkret-lösungsorientierte Vorgehen der Digital Natives ein Hinterfragen der Frage selbst nicht zulässt?

Umso mehr liegt es in der Verantwortung der Schule, den Schülern die klassischen Bildungsinhalte eines aufgeklärten Humanismus näherzubringen, völlig wurscht mit welchen Mitteln, solang sie begreifen (und begreifen wollen!), warum es wichtig ist, logisches Denken, kritisches Hinterfragen und ein gesundes Maß an Skepsis aber auch Vertrauen zu besitzen: Nicht der Digital Native, der Digital Immigrant oder der Marketingexperte sind die Maßstäbe unseres Daseins, sondern die Fähigkeit des Menschen dem Menschen nicht Wolf, sondern Mensch zu sein!

Apple Mail statt Gmail

Von Gmail immer mehr enttäuscht und vom Komfort des Spotlight-Indizierens verwöhnt, habe ich die Gmail-Oberfläche gegen Apple Mail eingetauscht und unterziehe das Programm in den nächsten Wochen einem Belastungstest. Vor allem wird für mich

  • der Import und die Verwaltung von etwa 70.000 E-Mails aus diversen Postfächern,
  • der Apple-Mail-Spamfilter (und seine Zusammenarbeit mit den Spamfiltern der verschiedenen Server, von denen ich meine Mails abrufe),
  • das Synchronisieren mit dem iPhone und
  • die Integration ins gesamte System

interessant werden.

Gmail wird frech

Abgesehen von der üblichen Gmail-Paranoia, beginnt Google, besonders durch das große Angebot von Applikationen für mobile Endgeräte langsam aber sicher nicht nur mein Verhalten im Internet, sondern auch außerhalb zu protokollieren. Das iPhone ist hierfür das perfekte Werkzeug; mit GPS und Internetzugang ausgestattet, liegt der Kompletterfassung meiner Bewegungen on- und offline nichts mehr im Weg.

Besonders bitter ist allerdings die Gmail- (oder Googlemail-) Pille. Wir haben akzeptiert, dass Google unsere E-Mails liest, um auf den Inhalt abgestimmte Werbung einzublenden. Wir haben akzeptiert, dass diese aggregierten und personalisierten Daten praktisch für immer gespeichert werden. Wir haben anderen Google Diensten oder Websites, die mit Google kooperieren (eBay, Blogger, Orkut und jede Website weltweit, die Google Analytics einsetzt), noch ein bisschen mehr Informationen über uns preisgegeben – das allerdings während wir online waren. Mit dem iPhone, wie gesagt, dehnt sich das Sammeln von Informationen noch weiter aus – und erfasst unsere Welt offline. Doch zurück zu Mail.

Was ich nicht wusste, und das hat in diesem Video endlich einmal jemand aufgezeigt: Gmail speichert auch Entwürfe, die letztlich niemals abgeschickt werden und wertet sie aus. Diese Entwürfe tauchen in keinem Ordner auf und sind auch nicht, wie sonst bei Gmail üblich, als Entwurf innerhalb einer Konversation markiert. Google, so nicht!

Das also war meine Motivation für einen Wechsel zum lokal installierten Programm. Fürs Verfassen von Artikeln auf dieser Seite verwende ich ja auch schon seit langer Zeit MarsEdit, warum also nicht auch bei E-Mails das tun, was eigentlich normal wäre.

Apple Mail

Da Apples Mailprogramm sowieso auf jedem System vorinstalliert ist und ich die Portierbarkeit der Benutzererfahrung von Thunderbird nicht brauche, probiere ich es aus. Viel Gutes, muss ich gestehen, habe ich über Apples Mailprogramm zwar nicht gehört, aber gelesen. Die Probleme, die manche offenbar damit haben, liegen wohl eher in der sehr mac-spezifischen Bedienung, nicht aber am Programm selbst. Die gröbsten Fehler der Vergangenheit, sind mit der neuesten Version ausgemerzt.

Meine größte Sorge liegt in der Spamfilterung. Gmails Spamfilter ist wohl einer der besten, die es überhaupt gibt, wie also sieht es mit dem von Mail aus? Der Spamfilter soll, besonders in Kombination mit am Server liegenden Spamfiltern ziemlich gut funktionieren, wirklich negative Berichte gibt es kaum. Hat man Probleme mit bestimmten Nachrichten, kann man ja noch immer eine Nachrichtenregel erstellen.

Gmail-Funktionalität in Apple Mail

Konversationen

Gmail bietet etwas, das mir bei Apples Mailprogramm immer gefehlt hat: Die Zusammenfassung von gesendeten und empfangenen E-Mails in Konversationen, in denen man einen kompletten Überblick über den gesamten Gesprächsverlauf hat. Zuerst dachte ich, dass das in Mail nur über “intelligente Postfächer” möglich wäre, doch weit gefehlt, es ist viel einfacher als man denkt:

  1. Unter Darstellung markiert man einmalig die Option “Nach E-Mail-Verlauf sortieren”.
  2. Bei den Postfächern links in der Übersicht wählt man nicht nur den Posteingang, sondern mit gedrückter CMD-Taste auch dem Ordner “Gesendet”.

Voila, empfangene und gesendete Nachrichten einer Konversation werden gruppiert angezeigt!

Archivierung

Apple Mail bietet von Haus aus keine Möglichkeit, gelesene Nachrichten zu archivieren, sie also nicht zu löschen, aber trotzdem aus dem Posteingang zu entfernen. Mit einem kleinen Applescript geht das allerdings ganz leicht.

John Gruber hat das ursprüngliche Script “Simple Inbox Archiving Script for Apple Mail” erstellt, ich habe es um eine kleine Abfrage für Gmail erweitert, da Gmail keinen Ordner “Archiv” besitzt, sondern, zumindest in der deutschen Version, nur einen Ordner “Alle Nachrichten”: Wenn es ein IMAP-Konto “Gmail” gibt, versucht das Script gelesene und nicht markierte E-Mails nicht in den Ordner “Archiv”, sondern in den Ordner [Gmail]/Alle Nachrichten zu verschieben. Für alle anderen IMAP-Konten ist ein Ordner “Archiv” erforderlich.

Hier das Script:

set _description to "Alle nicht markierten und gelesenen Nachrichten einer IMAP-Inbox werden in den Ordner 'Archiv' auf dem jeweiligen Server verschoben."
 
tell application "Mail"
        display alert "Archivieren?" buttons {"Abbruch", "Archivieren"} cancel button 1 message _description
       
        repeat with _acct in imap accounts
                set _acct_name to name of _acct
                set _inbox to _acct's mailbox "INBOX"
                try
                        if (_acct_name is "Gmail") then
                                set _archive_box to _acct's mailbox "[Gmail]/Alle Nachrichten"
                        else
                                set _archive_box to _acct's mailbox "Archiv"
                        end if
                on error
                        display alert "Kein Archiv-Ordner für das Konto '" & _acct_name & "' gefunden. Sie müssen zuerst einen IMAP-Ordner namens 'Archiv' erstellen!"
                        return -- Stop the script
                end try
                set _msg_list to (every message of _inbox whose flagged status is false and read status is true)
                if (_msg_list's length > 0) then
                        move _msg_list to _archive_box
                end if
        end repeat
end tell

Den Code kopiert man in den AppleScript-Editor und speichert das ganze (am besten am Schreibtisch) folgendermaßen ab: Ablage > Sichern unter… > Dateiname eingeben, eventuell “Archivieren”. Dateiformat: Programm. Hackerl bei Startdialog entfernen > Sichern. Mit dieser Option kann man in weitere Folge bei übervoller Mailbox auf “Archivieren” klicken und das Skript erledigt die Archivierung!

Das vorweg zu meinem Apple-Mail-Experiment, das hoffentlich klappen wird. Diesen Artikel werde ich von Zeit zu Zeit ergänzen oder darin Fehler ausbessern, er ist also in andauerndem Wandel!

Wie aus Gräfin Larissa Wooolt wurde

Gestern erschienen auf meiner Flickr-Galerie Kommentare eines User mit dem Namen “gräfin_larissa”, die beleidigend, verspottend und teilweise rassistisch untersetzt waren. Im Unterschied zu so manch anderem Kommentar, der ab und an bei irgendeinem Bild auftaucht, waren diese Kommentare aber gezielt auf eine Person gerichtet. Für gewöhnlich reicht es, wenn man solche Leute blockt, denn damit wird man für diese sogenannten “Trolle” unsichtbar: Alle Kommentare, die ein Troll geschrieben, alle Favoriten, die er angelegt hat… alles verschwindet mit einem Klick. Doch in dem Fall ging es noch weiter.

Der Troll hat, nachdem er von mehreren Usern gebanned wurde, seinen Benutzernamen verändert, womit klar wurde, dass es hier eindeutig um einen persönlichen Rachefeldzug irgendeines komplexbeladenen Individuums ging: Der Troll nannte sich, verwechselnd ähnlich mit dem echten Flickr-Contact “Wooolf” “Wooolt”. Ich war mit diesem Fall persönlich dahingehend konfrontiert, dass dieser Wooolt in einigen meiner Flickr-Gruppen, die ich als Administrator betreue, Bilder gestellt hat, die an Widerlichkeit kaum zu überbieten waren. Da war es dann schon so, dass man neben ein paar netten Aufnahmen von Bällen plötzlich lächelnde ältere Damen sehen konnte, in die Fäuste – im wahrsten Sinne des Wortes – hineingeschoben wurden. Macht sich nicht gerade gut in einer Gruppe zur Ballkultur Wiens und sieht auch nicht gut aus.

Am gleichen Tag, etwas später, wurde dann aus Wooolt “Wooolf.” (man beachte den Punkt) und die Profilseite des Users wurde mit einem Update versehen, einer Beschreibung nämlich, die den echten User Wooolf (also den ohne Punkt) beleidigte. Und abermals tauchten in diversen Gruppen eklige Bilder auf und abermals wurde der Troll gesperrt, gebanned und überall rausgelöscht, wo’s nur in unserem, denn zu dem Zeitpunkt machten schon einige Administratoren Jagd auf den Wahnsinnigen oder die Wahnsinnige, Rahmen des Möglichen und Machbaren stand. Und gleich in einem Aufwischen wurden auch alle anderen Benutzer, die zwar keine Bilder von sich selbst hochgeladen oder in die Gruppe gestellt, dafür aber eine große Kollektion an Favoriten haben, deren Inhalte Fotos von Kindern oder von sehr jungen Frauen sind, rausgeschmissen.

Bei Flickr gibt es eine Menge an Optionen, die man hat, wenn einem ein anderer Benutzer irgendwie nahekommt. Aber es gibt keinerlei Möglichkeit einen Benutzer zu stoppen, der es sich zum Ziel gemacht hat, mit einem ähnlichen Benutzericon und mit einem täuschend ähnlichen Namen (Wooolf – Wooolf.) in den Galerien von anderen Benutzern herumzustreunen und beleidigenden Kommentarmüll zu hinterlassen. Nicht nur ich, sondern auch die Administratoren von anderen Gruppen, sowie weitere betroffene Benutzer haben den Troll nun bei Flickr gemeldet und Flickr hat auch rasch reagiert: Gestern noch trieb er sein Unwesen in der friedlichen Flickrwelt, heute schon ist der Benutzer und seine Sammlung an schmutzigen Fotos gelöscht.