Letztlich waren alle Füße gleich…

Musicians

Gestern wurde mir eine besondere Ehre zuteil: Ich durfte meinen chinesischen Konterpart den halben Nachmittag und am Abend begleiten. Er sah es als Einladung, doch wenn man in dieser Zeit dauerhaft arbeitet, dann wird aus einer Einladung schnell ein Begleiten. Naja, was auch immer. Mir wurden drei Segnungen menschlichen Daseins in chinesischer Reinform nähergebracht: Tee, Fußmassage und Abendessen.

Das Teehaus war Segnung Nummer 1. Erstens hatte ich Durst, zweitens lag es in einer etwas ruhigeren Gegend, ein wenig außerhalb der Stadt oder zumindest am Stadtrand oder wenigstens in einem Viertel, das den Eindruck machte… Es war auf jeden Fall ruhiger als sonstwo. Mein Durst führte zur Konsumation von etwa zwei Litern Grüntee in kürzester Zeit. Mein kultureller Supervisor versuchte aus diesem Durst ein wenig Kulturbildung zu machen und behandelte ihn mit Grüntee aus allen nur erdenklichen Provinzen Chinas. Ein Hochgenuss und absolut zu empfehlen.

Nach einem dringlichen Besuch in der Halle der Inneren Harmonie fuhren wir zum angeblich besten Fußmassage-Tempel der Stadt, was sich nicht nur als “angeblich”, sondern aufgrund der davor parkenden Autos und der darin arbeitenden Masseure und Masseusen als “tatsächlich” herausstellte. Es war nicht einer dieser Massage-Tempel, dessen Personal den Erfolg der Massage in Millilitern messen kann, sondern ein gepflegter Hort traditioneller Massagetechniken, den man zwar mit leichten Schmerzen verlässt, dessen Erfolg aber in den nächsten Tagen anhaltend gemessen werden kann.

Wir wurden in einen reichlich dekorierten Raum geführt, der mich stark an ein zu groß geratenes Zimmer eines Teehauses erinnerte, dennoch gut klimatisiert und mit einem Flat-TV ausgestattet war. Auch dies eine Segnung moderner Zeiten. Waren die Masseure und Masseusen früher auch in kunstvoller (!) Gesprächsführung ausgebildet, um den Gästen unterhaltend die Füße massieren zu können, so konnten sie jetzt zwar sprechen, die Themevorgaben lieferte aber CCTV 9.

Achtzig Minuten Fußmassage pur hinterlassen ihre Auswirkungen und man wird, ob man es glauben möchte oder nicht, hungrig davon. Mein Host führte mich ins Dio Coffee aus, wo seine Freundin mit seinem Notebook am Lan-Kabel auf ihn wartete. Wir wurden vorgestellt, sie schüttelte mir lächelnd die Hand und sah ihn ein wenig verstört an. Es sollte sich herausstellen, dass sie seinen Messenger benutzt hatte und offenbar mit anderen weiblichen Online-Bekanntschaften seinerseits gechattet hatte. Kurzum, ich war mitten in eine Beziehungskrise geraten, der allerdings wiederum nicht gewisse pikante Untertöne fehlten, weil die beiden ihren Streit erstens aus Höflichkeit in englischer Sprache durchzogen, zweitens er in männlicher Brüderlichkeit mich immer wieder hilfesuchend ansah und drittens, weil die lächerlichen Probleme, mit denen ich da plötzlich konfrontiert war, so dermaßen menschlich waren, dass es schon fast wieder schmerzte.

Sollte ich also in einem Absatz zusammenfassen, was ich an diesem Abend gelernt habe, so könnte ich folgendes anführen: Chinesischer Tee kann was, die Fußmassage, sofern im richtigen Salon, auch. Das Essen im Dio ist gut und Beziehungskisten in China sind denn in Europa und anderen Teilen der Welt nicht nur ähnlich, sie bestehen quasi aus dem gleichen Material.

Sollte ich in einem einzigen Satz zusammenfassen, was ich an diesem Abend gelernt habe, dann kann ich nur meine Masseurin zitieren, die da auf meine Frage hin, ob sie irgendwelche Unterschiede zwischen Asiaten, Menschen aus dem Westen und anderen Gruppen an den Füßen spürte, antwortete: Egal, was da vor ihr im Lehnstuhl gelegen ist, letztlich waren alle Füße gleich.

Von Lanting nach Shaoxing

Aus einer Idee wurde ein Plan und aus dem Plan Realität. Wir sind von Lan Ting nach Shaoxing gegangen (Ja! Zu Fuß!), ohne dabei die vom transportierenden Schwerverkehr verdreckte Schnellstraße zu benützen, sondern den praktisch verkehrslosen Weg durch die teils malerische Hügellandschaft. Und es war, um es mit Nimbus zu sagen, gut.

Mit dem öffentlichen Bus ging es von Shaoxing nach Lan Ting, dort dann auf direktem Heimweg durch die Pampa, also an Kleinstdörfern mit Propagandalautsprechern (voll funktionsfähig, siehe Video) an den Strommasten (mäßig funktionsfähig) vorbei, am Grab von King Yues Vater (geschlossen, erst im August betreten!) vorbei, durch weitere Dörfer hindurch bishin zu dem Punkt, an dem es nicht mehr vermeidbar war, die laute und schmutzige Straße zu nehmen. Dort ins Taxi und ab nach Hause.

Das Lu Xun Museum

Bedroom

Lu Xun

Ähnlich wie Thomas Bernhard in Österreich wird auch Lu Xun (oder Lu Hsün) in China verehrt: Einerseits könnte sich der stolze Chinese andauernd über den Verriss seiner Gesellschaft durch den Autor aufregen, andererseits hat es kaum einer so gut getroffen, so gut auf den Punkt gebracht und sich so wenig um die Folgen seines Tuns im Moment des Schreibens geschert. Lu Xun zu lesen heißt sich mit dem Nationalcharacter der Chinesen, quasi dem Chinesentum an sich in seiner vollen Bandbreite von Auswüchsen, auseinanderzusetzen. Obwohl Lu Xun stets das Individuum dem Kollektiv vorgezogen hat, hat ihn Mao Tse Tung als bedeutenden Anführer der Kulturrevolution genannt und viele Autoren fühlten sich durch seine Werke dazu bewegt, die kommunistische Bewegung zu unterstützen. Lu Xun selbst trat nie der KP bei.

Das Museum

Wie die meisten Museen in China ist auch das Lu Xun Museum in Shaoxing eine langweilige Ansammlung von Häusern, in denen der Meister dies und das getan haben soll, von Gebetsstellen, in denen er in diesem und jenem Moment dies und das gebetet haben soll und natürlich von Lokalen, die genau das kochen, was er am liebsten gegessen hat. Durchzogen wird das Museum von einem zum Zeitpunkt meines Besuches stinkenden Kanal, auf dem man auf einem kleinen Boot eine Rundfahrt machen kann.

Beim Haupteingang des Museums herrscht reger Verkehr und Busse voller (chinesischer) Touristen entladen sich, die Gruppe fetzt durchs Museum, steigt wieder in den Bus ein und verschwindet zum East Lake. Wie sieht es aber nun im Museum aus?

Nun, es ist ein Freilichtmuseum, das einen Häuserkomplex beinhaltet, durchzogen von einer Art Hauptstraße (die tatsächlich vom Verkehr als Straße genutzt wird), auf der man allerlei Souvenirs und billigen Ramsch kaufen kann. Natürlich gibt es dort auch – wie auf nahezu jeder Straße in Shaoxing – getrocknete Pilze zu kaufen, getrocknete Fische, getrocknete Schweinsohren und überhaupt noch ein paar andere lukullische Herausforderungen.

Seit kurzem erst gibt es ein ins Museum gebautes neues Gebäude, das ein wenig interessanter ist als die Ansammlung von Anekdoten aus dem Leben des Schriftstellers: Hier wird die Wirkung von Lu Xuns Werk näher untersucht. Besonders interessant war hier zu sehen, dass Lu Xuns Werke ziemlich rasch ins Deutsche übersetzt wurden; zwei Exemplare dieser Übersetzungen sind auch in dem neuen Museum zu sehen. Falls jemand darüber etwas herausfindet, wäre ich für einen Kommentar hier sehr dankbar!

Empfehlung?

Nun ja. Empfehlen kann man das Museum demjenigen, der noch nie in einem chinesischen Museum war, schon, allerdings nur, damit er oder sie feststellen kann und es einmal gesehen hat, was so ein Museum ist und wie sehr man Wissensvermittlung verhunzen kann. Wer sich tatsächlich für Lu Xun und sein Werk interessiert, wird mit diesem Museum wenig Freude haben, denn die Gabe der Vermittlung von Wissen ist diesem Museum nicht eigen. Da ist es schon eher ratsam, den Xinhua-Bookstore gleich ums Eck aufzusuchen, sich dort die deutsche Übersetzung der Kurzgeschichten um knapp zwei Euro zu kaufen und diese im nahegelegenen Teehaus in aller Ruhe zu lesen.

Adresse

Lu Xun Museum Shaoxing
393 Lu Xun Middle Road, Shaoxing 312000, China

Ankunft in Lanting

Lan Ting Campus

Ich bin heute mit einem Trupp von Kollegen der Shaoxing Summer School in Lanting angekommen und bin somit wieder in China. Der neue Prestigecampus in Lanting, den wir “austesten” sollen, ist definitiv zu einem einzigen Zweck aufgebaut worden: um zu lernen und zu studieren. Sowas wie Studentenleben kann es hier einfach nicht geben, weil man auf einer Insel des Wissens hockt, die von der Außenwelt abgetrennt ist. (Google Maps beweisen das!) Das heißt also: kein Kontakt zur Außenwelt (außer durch das in jedem Zimmer vorhandene Internet), kein Einkaufen (das nächste Geschäft ist in Shaoxing, etwa 15 Kilometer vom Campus entfernt), kein Nachtleben (denn der Campus sperrt um 23:00 Uhr seine Tore) und keinerlei geplante oder geförderte Kontakte der Studenten untereinander durch das totale Fehlen von Räumlichkeiten, die sozialen Kontakten förderlich sein könnten. Es gibt zwar einen behelfsmäßig eingerichteten Tischtennisraum (an der Tür stand “Konferenzraum 3″ und die an den Rändern des Raumes aufgetürmten Büromöbel bewiesen das), einen behelfsmäßig eingerichteten Festsaal (an der Tür stand “Konferenzsaal 1″ und die Mikrofonsammlung galt Sprechern) und eine Mensa (mehr eine Art Restaurant), in der die Tische in einzelnen Räumen standen und nur durch das Öffnen der Zwischenwände (aus Stoff, Vorhängen ähnlich), wurde ein großer Raum geschaffen. Kurzum: Wer dahin will und willens ist, in Sozialaskese zu studieren, der wird ein Paradies vorfinden. Wer hin und wieder das Bedürfnis nach aktivem Sprechen hat, möge den Campus mit Vorsicht genießen. Der Ort, der geographische, ist allerdings fantastisch gewählt: die Natur hält, was der Campusfolder verspricht!

In die näheste Stadt – Shaoxing – kommt man mit dem Bus in etwa einer halben Stunde, zu Fuß geht’s auch, da dauert es allerdings knappe drei Stunden.

Magdalena krank in Xinjiang

Gegen Ende der Tour in Xinjiang mit meiner Reisebegleitung Magdalena, wir waren zu diesem Zeitpunkt in Turpan, wurde sie plötzlich und für uns aus heiterem Himmel wirkend krank. Noch in der Früh war alles in bester Ordnung, zu Mittag schon war ihr richtig schlecht und den Abend verbrachte sie nur mehr im Bett. Geschlafen hat sie in der Nacht nicht: Krämpfe, andauernde Übelkeit und Atemnot, sowie das andauernde Gefühl sich übergeben zu müssen, machten das unmöglich.

http://www.flickr.com/photos/michaeeel/44999521/

Wir hatten für den 5. September einen Chauffeur bestellt, der uns die umliegenden Sehenswürdigkeiten zeigen würde. Es war soetwas wie eine kleine Rundreise rund um Turpan, die wir beiden geplant hatten. Um 5 Uhr morgens stand Chauffeur samt Auto wie ausgemacht vor dem Hotel, wir waren pünktlich anwesend und fuhren zum vereinbarten Zeitpunkt los.

Station 1: Frühstück in Turpan

Der erste Stopp dieser Reise fand nur wenige Autominuten vom Hotel entfernt statt. Unser Chauffeur hatte bei den Preisverhandlungen des Vortages offenbar genügend für sich herausgeholt und spendierte uns großzügig ein echtes Turpan-Frühstück. Während ich die in Fett ausgebackenen Teigstangen eher argwöhnisch betrachtete, erfreute sich Magdalena ihrer in Massen. Offenbar hatte die Dame Hunger, also warum nicht?

Station 2: Tuyoq

Kaum war das Frühstück verzehrt, führte uns unser Chauffeur in das naheliegende Dorf Tuyoq, dessen Erscheinungsbild den Gedanken an einen Zeitsprung von einhundert Jahren in die Vergangenheit aufkommen ließ. Wir kletterten auf eine der naheliegenden Dünen, genossen den Ausblick und gedachten unserer Kollegen, die – etwa 5500 Kilometer von uns entfernt – an diesem Tag an einem Seminar teilnehmen mussten, das jedes Jahr und immer wieder an Langeweile nicht zu überbieten ist.

Wir verbrachten noch einige Zeit in Tuyoq und erhielten im Anschluss sogar eine Einladung zu einem zweiten Frühstück, die wir gerne annahmen: Uns wurde frisches Obst aus der Provinz kredenzt (Xinjiang ist bekannt für seine Obstexporte, vor allem für seine Weintrauben) und erfrischender Tee serviert. Mitten in einer Oase in China im Schatten eines alten Baumes zu frühstücken hatte schon etwas…

Station 3: Emin Minaret

Die nächste Station dieser Reise war das Emin Minaret, eine riesige und imposante uighurische Moschee mitten in der Wüste. Wir betraten den Turm und genossen die herrliche Aussicht. Zu diesem Zeitpunkt wirkte Magdalena bereits ein wenig müde, nicht jedoch krank.

Station 4: Die Jiaohe-Ruinen

Definitiv und urplötzlich krank war sie dann als wir bei den Ruinen in Jiaohe angekommen sind. Wir konnten zwar das Gelände noch betreten und ein bisschen herumscherzen, doch schon bald ließ mich Magdalena vorgehen und nicht viel später kam der Moment, an dem sie sich im Schatten hinsetzte und nicht mehr weiter wollte. Ich half ihr zurück in den Wagen, kaufte noch etwas zu trinken ein, damit wir zumindest den Faktor Flüssigkeitsmangel ausschließen konnten und wir nahmen direkten Kurs auf unser Hotel.

Station 5: Abend in Turpan

Wir kamen im Hotel an und Magdalenas erster Weg führte ins Bett. Kein Essen, kein Trinken, sondern Bett und Ruhe. Ich erkundigte mich nach ihrem Wohlbefinden und sie versicherte mir, dass ich bedenkenlos einen Abendspaziergang durch die Stadt machen könne. Ich hatte Glück und konnte eine Nachtaufnahme der Moschee machen. Monate später sollte ich erfahren, dass der helle Punkt im Hintergrund nicht irgendein Stern, sondern der Planet Venus war!

Station 6: Die Nacht

Was sich bei Ankunft im Hotel nach den Jiaohe-Ruinen als harmloses Husten angehört hat, war nun, ein paar Stunden später, zu heftigem Würgen in bedenklichem Ausmaß angestiegen. Magdalena bewegte sich im Minutentakt zwischen Bett und Badezimmer hin und her und an Schlafen war natürlich überhaupt nicht zu denken. Und das, obwohl wir beide für den nächsten Tag eine Reise von ein paar tausend Kilometern vor uns hatten: Wir mussten Tickets für einen der ersten drei Busse ergattern, die nach Urumqi fahren. In Urumqi mussten wir uns einen sehr guten Preis fürs Taxi aushandeln, das uns zum Flughafen bringen würde, wo wir wiederum so tun mussten, als ob nichts gewesen wäre und war, damit wir problemlos zurück nach Shanghai kommen würden. Würden wir diesen Flieger versäumen, würde Magdalena ihren Flieger zurück nach Wien versäumen. Doch zurück ins Hotelzimmer in Turpan. Ich konnte nicht helfen und Magdalena kotzte sich die Seele aus dem Leib. Gegen 4:30 Uhr in der Früh schlief sie für ein paar Minuten ein und ich begann das Gepäck zu packen.

Station 7: Turpan-Shanghai

Wir bestiegen den Bus, für den wir Tickets bekommen konnten. Nicht gemütlich, aber erträglich, obwohl ein Kriegsfilm nach dem anderen in doppelter als gewöhnlicher Lautstärke gespielt wurde. Magdalena hatte ihre Sackerln dabei – und die waren nötig! – und ich machte gute Miene zum bösen Spiel. Wir kamen in Urumqi an. Vom Busbahnhof war es allerdings doch sehr viel weiter zum Flughafen als wir befürchtet hatten. Das letzte Kleingeld wurde gezählt und wir konnten eine Taxifahrerin überreden, uns zum Flughafen zu bringen. Im Gegensatz zu unseren Erwartungen, verlief der Flug problemlos (seitens Magdalena), die Landung ebenso. Ich brachte sie ins Hotel, versicherte mich, dass alles in Ordnung sei, besorgte eine Kleinigkeit zu essen und hoffte, dass sie sich für den nächsten Tag erholen würde, denn da flog sie schon wieder heim. Der Cheeseburger war definitiv keine gute Idee gewesen, aber was wäre es gewesen?

Station 8: Wasser. Überall Wasser.

Was hätte man nach so einem Trip am liebsten gehabt? Ein ruhiges Hotelzimmer, in dem alles in Ordnung gewesen wäre. Schmeck’s! Als ich am nächsten Tag Magdalena verabschieden wollte, stand das Hotel unter Wasser. Ein Rohrbruch – just im Stockwerk über dem Zimmer von Magdalena – führte zu einer Nacht, die abermals schlaflos blieb. Wir packten Magdalenas Zeug, ich setzte sie in den Bus zum Flughafen, wünschte ihr einen schönen und guten Flug und hoffte, dass sich schon bald gesundheitlich alles zum Besten wenden würde.

Station 9: Kein Flugzeug!

Am nächsten Tag, ich war bereits ausgeschlafen und hatte schon gefrühstückt, erhielt ich einen Anruf von Magdalena. Sie war noch immer am Flughafen in Shanghai! Der Flug wurde aus irgendwelchen Gründen storniert, sie musste die ganze Nacht über am Flughafen warten, weil nicht klar war, mit welchem Flieger sie nachhause kommen würde. Erst drei Stunden nach unserem Telefonat sollte sie China verlassen. Erst knappe 36 Stunden nachdem sie hätte in Wien sein sollen, erreichte sie die Stadt.

Unvergesslich!

Gravitation: ignoriert!

Zero gravity metaphotography

Der Aufbruch von Kashgar zum hochgelegenen Karakul See gestaltete sich anders als geplant, denn wir waren nicht allein unterwegs, sondern wurden mit einem Deutschen, einem Engländer und einem Franzosen gemeinsam in den Jeep verfrachtet und dann erst hochchauffiert. Immerhin das. Glücklicher Weise wurde uns sogar vom Fahrer selbst angeboten, dass er immer dann stehen bleibt, wenn wir Fotos machen wollen, was auch mehrmals geschah. Eines der Fotos jedoch, erlangte auf flickr gewisse Berühmtheit, nämlich das Bild mit dem Titel Zero Gravity Metaphotography.

Es machte sowohl dem Franzosen, als auch dem Deutschen und dem Engländer überhaupt Spaß, diese Fotos herzustellen. Da wurde einzeln gesprungen, in Gruppen, doch irgendwie hat es nicht und nicht hingehaut, dass endlich einmal eines der Bilder was wird. Bis zu diesem Foto, das auch das einzige bleiben sollte…

Lange Zeiten

First impressions of hostility

Eine Reise nach Xinjiang bedeutet eine Reise in ein Stück Erde, das man als Europäer einfach nicht kennen kann. Man weiß nichts darüber, weil es kaum in den Medien erwähnt wird, man kann sich keine genauen Vorstellungen machen und diejenigen, die man sich macht, werden bei weitem übertroffen oder sind total falsch.

Xinjiang ist ein wildes Land, voller Wüsten, Naturwunder, noch im ursprünglichen Wortsinn einzigartiger Menschen, nicht enden wollender Landschaften, die so langsam ihre Ausprägungen von Wüste zu Gebirge, von Gebirge zu See und von See zu Wald ändern, dass es dem Auge schwerfällt, hier Grenzen zu entdecken. Xinjiang ist eine Reise wert, eine mühevolle, langsame, nicht organisierte. Planen ist hier unpässlich, Organisation bringt die Natürlichkeit ins Schwanken und lässt keine Zeit, sich hier zur Genüge umzusehen.

Sicherlich kann man Xinjiang besichtigen, wie man Paris, Peking oder Prag besichtigt, mit dem Plan in der Hand, von einem Ort zum nächsten, doch eben wie es auch bei den drei Städten das Ganze ist, das zählt (denn was wäre Paris, würde man sich nicht darin verlaufen, was wäre Peking, würde man nicht in einem Hinterhof landen und was wäre Prag ohne auskunftgebende Einwohner, die einen in den nächsten Gasthof zerren?), so ist auch die Provinz Xinjiang nicht geplant zu bereisen. Aber eben eine Stufe weiter.

Anreise nach Urumqi (auszusprechen wie “Ürümtschi”), dort entschließen, mit dem Zug nach Kashgar zu fahren, dort einen See nahe der Grenze irgendwo im Gebirge mit einem Deutschen, einem Franzosen und einem Engländer besuchen, danach nach Turpan (sprich “Turfan”) fahren und so weiter und so fort… All das, ohne vor der Ankunft in Urumqi je in den Plan gesehen zu haben. Das ist Xinjiang, das ist Reisen, das müde macht!

Kraman Restaurant in Urumqi

Suoman

In Urumqi gibt es zwei Möglichkeiten, vernünftig, billig und gut zu essen. Einerseits den Wuyi Nachtmarkt, andererseits das Kraman-Restaurant, das im Lonely Planet Erwähnung findet. Damit war es das aber auch schon, denn sogar eine Internetsuche nach diesem Restaurant brachte nur eine einzige Erwähnung in einem Travelblog (Get me out of here. Now.): “I was aiming to walk to Kraman, a restaurant that is among China’s top ten according to the Lonely Planet where you can get a delicious four course Uyghur meal for 10RMB.” – das war’s aber auch schon. Darum opfere ich mich und berichte über das Kraman Restaurant in Urumqi.

Die Abfahrt unseres Zuges nach Kashgar war mit 15:51 Uhr anberaumt, daher war noch genug Zeit, um sich in Urumqi zu langweilen. Wir standen spät auf, frühstückten eigentlich gar nicht, packten schon mal unsere Sachen und klärten mit dem Hotel eine nach hinten versetzte Check-Out-Zeit ab. Frühmittags war dann der Hunger da und ein Blick in den Lonely Planet offenbarte uns, dass es hier in Urumqi eines der Top-Ten-Restaurants in ganz China geben soll: das Kraman-Restaurant. Bestes uighurisches Essen in angenehmer, ja fast schon nobler Atmosphäre. Also nichts wie hin. Vor allem, weil das Restaurant nicht weit von der Straße entfernt war, die wir bereits kannten: Ging man die Straße entlang, die in der Nacht zum Wuyi-Nachtmarkt mutiert, bog man dann links in eine Querstraße ein, stand man praktisch direkt vorm Kraman.

Wir treten ein, werden von einer Kellnerin doch ein wenig überrascht begrüßt und tatsächlich gelingt es der Belegschaft eine englische Karte aufzutreiben. Das Restaurant ist ein länglicher Raum, der von drei Tischreihen durchzogen wird, wobei es großteils runde Tische sind, an denen ganze Familien Platz haben können. Der Tee wird – wie ganz selbstverständlich in China – serviert. Im Lonely Planet wird empfohlen, hier ein paar Kebabs zu probieren, ebenso wie Suoman, das sind die Nudeln, die man oben im Bild sehen kann. Wir bestellen also Brot, Suoman und Kebabs. Und das funktioniert auch.

Es wird serviert, die Portionen sind größer als man das aus Shanghai gewohnt ist, das Essen ist besser, wenn auch nicht so schön präsentiert wie in Shanghai und vor allem ist das Essen billiger als in Shanghai. Wahrscheinlich ist das Essen so billig, wie nirgendwo auf der Welt es bei dieser Qualität billig sein kann. Insgesamt bezahlten wir für einige Kannen Tee, Brot in Unmengen, ein paar Kebabs und die Nudeln umgerechnet knappe eineinhalb Euro. Das muss man einmal unterbieten.

Was aber macht das Kraman Restaurant so besonders? Nun, es ist, was ganz Urumqi besonders macht. Die Stadt – und das Restaurant als pars pro toto – ist ein einziger Melting Pot. Nur halt nicht von Spaniern, Amerikanern, Europäern, Inselbewohner der Karibikstaaten und Kanadiern wie in New York, sondern halt Chinesen, Uighuren, Russen, Mongolen, Indern, Pakistani, Afghanen, Tadschiken, Kirgisen, Kasachen, Usbeken und Turkmenen – diese Mischung erklärt auch, warum im Norden Xinjiangs alles in chinesischen, russischen und arabischen Schriftzeichen angeschrieben steht. In Urumqi wird gehandelt, in Urumqi trifft man sich, hat man doch hier ein relativ stabiles Dasein. Und so auch im Kraman Restaurant. Wir waren uns nicht sicher, welche Sprache wir häufiger vernehmen konnten: Chinesisch oder Russisch. Alles war da. Und genau dieser für westliche Touristen äußerst ungewöhnliche Zugang zu Multikulturalität, genau diese Ansammlung an Völkern, die in den Medien immer auf die eine oder andere Weise negativ dargestellt werden, saß nun da und erfreute sich an Kebabs, an Brot, an Tee, irgendwelchen Alkoholika und dergleichen. Und wir: mittendrin.

Ankunft in Urumqi

Im Taxi nach Urumqi

Etwa fünf Stunden nach Abflug aus Shanghai, erreichten wir Urumqi in Xinjiang/China. Dort lässt man sich reiche Ausländer natürlich nicht entgehen und prompt sind wir in eine Falle getappt, an die wir hätte denken sollen: Wir stiegen in ein Taxi ein, fuhren los und erst nach der Hälfte des Weges fiel mir auf, dass der Fahrer das Taxameter nicht eingeschaltet hatte. Ich merkte das an, er ignorierte meine Anmerkung. Ich merkte das mit erhobener Stimme nochmal an, er ignorierte wieder. Als ich dann begann an dem Taxameter herumzuwerken, begann er irgendwas daherzureden, das nichteinmal der Ursinologe aus Peking verstanden hätte. Klar war, jedenfalls – er hat das Gerät nicht und nicht aufgedreht -, dass der Preis trotzdem in Ordnung gehen würde, denn wir hatten nicht nur einen Vergleichswert von Kollegen, die vorher da waren, sondern wir haben eben schon unseren Unmut geäußert. Das Taxi war schlussendlich okay… nimmt man allerdings den Preis des Hotelzimmers her, sauteuer.

Magdalena und ich haben uns geeinigt, dass wir den Trip nach Xinjiang so gestalten, wie ein Trip nach Xinjiang gestaltet werden muss. Die Grundregel ist einfach, die Umsetzung schwierig: Wir wollten so viel wie möglich authentisch erleben und nicht der Verwestlichung (in dem Fall gilt das für die stark chinesisch beeinflussten Gebiete) verfallen. Also nahmen wir ein Hotel in Urumqi nahe am Bahnhof (Xinjiang Fandian, 107 Changjiang Lu, Nankou), damit wir am nächsten Tag sogleich unseren Trip nach Kashgar beginnen konnten – und wie jedes Bahnhofshotel, war auch dieses ein Sammelsurium an skurilen und eigenartigen (d.h. interessanten) Gestalten: Erstens erhielt man keinen Zimmerschlüssel, was auch nichts ausmachte, denn diese Wellpappe, die das Hotel als Tür vor die Zimmer gestellt hat, hat man mit einem Tritt offen. Zweitens gab es Dusche und Toilette nicht im Zimmer, aber das war eh klar. Drittens muss man sich die Toiletten wie diese hier vorstellen, jedoch drei Mal schmutziger. Und die Klapptür, die man hier sehen kann, gab es auch nicht. Alles war offen und voll einsehbar.

Auch die Duschen waren interessant. Hier gab es zwar Türen, doch das, was dort als Dusche bezeichnet wurde, war eher das, was bei uns einem Nassraum entspricht: Ein Abfluss in einem verfliesten Raum, irgendwo zwei Rohre und ein Duschkopf. Die zwei Wasserhähne waren jeweils für ein Rohr bestimmt, das entweder Heiß- oder Kaltwasser transportierte. Woran man als Westler überhaupt nicht denkt: Nachdem man lange geduscht hat und das Wasser nun abdrehen will, kann es bisweilen schon passieren, dass man sich die Finger am Wasserhahn des Heißwasserrohres verbrennt, denn auch der Wasserhahn wird heiß! Das Fenster, welches dieser Nassraum hatte, eröffnete mir einen Blick über die ganze Stadt, denn unser Zimmer lag im fünften Stockwerk auf einem ohnehin schon hoch gelegenen Hotel. Beim Duschen Sightseeing betreiben – das muss mal einer nachmachen!

Wuyi Nachtmarkt

Hell's Kitchen

Urlaub in China. Kaum in Urumqi angekommen und das Hotel bezogen, ging es schon daran, die Tickets für die Fahrt nach Kashgar zu kaufen und gleich danach, dem Wuyi Nachtmarkt einen Besuch abzustatten, denn hier gab es, und zwar nur hier in der näheren Umgebung, etwas zu essen. Jetzt ist das Essen aber gerade ein äußerst problematischer Bestandteil magdalenscher Existenz, noch dazu, wenn es noch im Rohzustand präsentiert wird. Für den Feinschmecker, der sich nicht auf die Freuden der optischen Anrichte, sondern mehr auf die des lukullischen Genusses bezieht, war so ein Markt, auf dem Frisch gekocht und gebraten wurde, ein Schmaus.

Wir entschlossen uns, Shish-Kebabs zu essen. Das sind Spieße mit Fleischteilen drauf, die über glühenden Kohlen zubereitet werden. Uns beiden war nicht recht wohl zumute, vor allem, weil das Zeug ja direkt neben einer vielbefahrenen Straße lag und auch dort zubereitet wurde, aber mit dem ersten Bissen, mit dem ersten Fleisch, das tatsächlich nach Fleisch schmeckte und nicht so, wie das Zeug in Shanghai aus irgendeiner Farm in den USA hertransportiert wurde und man förmlich die Antibiotika schmecken konnte, so ein Fleisch also überzeugte selbst Magdalena. Fleisch allein macht aber noch kein Abendessen, daher musste Brot her. Und was mir niemand gesagt hat, war: In Xinjiang gibt es Brot (das einmal überhaupt) und was für eines (das noch dazu)!

Ich ließ mein Essen liegen und ging zum Bäcker, der gerade diese herrlichen Fladenbrote frisch zubereitete. Die konnte man entweder pur oder mt Zwiebeln oder mit anderen Gewürzen haben und ich entschied mich für eine Flade, wie sie die meisten dort einkauften: Mit einer leichten Gewürzmischung und ein wenig Zwiebel. Und es war die richtige Entscheidung. Dieses Brot sollte in Zukunft noch eine wichtige Rolle spielen, würde es uns doch nicht nur in ganz Xinjiang begleiten, nein, es war auch unser lukullischer Gefährte im Zug, in Kashgar, in den Bergen, wieder im Zug, in Turfan, im Bus und abschließend sogar im Flugzeug.

Auffinden chinesischer Freunde

Es ist nicht unbedingt leicht innerhalb kurzer Zeit in einem fremden, kulturell völlig andersartigen Land Freunde zu gewinnen. Bekanntschaften, flüchtig, freundlich, aber auf neutralem Level: ja, aber Freunde mit denen man streiten, lachen, heulen und denen man Dinge anvertrauen oder sie um etwas bitten kann: nein. So würde ich die Aussage für Österreich stehen lassen. Wie sieht es in China aus? Eigenartig, wirklich eigenartig, denn in China, soweit ich das jetzt beurteilen kann, verschwimmen die Grenzen unserer westlichen Vorstellungen von Freundschaft: Da kann man schon mal eine flüchtige Bekanntschaft um einen Gefallen bitten, der dann mit der Qualität erledigt wird, die bei uns Freundschaft an den Tag legen würde, andererseits fühlt man sich im Hafen der Freundschaft sicher ruhend, kann es sein, dass sich selbige plötzlich als flüchtige Bekanntschaft entpuppt. Mit diesem Hin und Her bin ich also momentan konfrontiert und muss mich wirklich an diesen Zustand gewöhnen. Kultur und Eigenart, ich hätte eure Einflüsse niemals so stark geschätzt!

Österreicher? Oder doch lieber Chinesen?

Zu meiner Lage gesellt sich noch ein persönlicher Wunsch dazu: ich möchte nämlich meinen Freundeskreis nicht im Umfeld westlicher Bars und westlichen Lebens hier in Shanghai machen, sondern womöglich den Spagat zum chinesischen Leben schaffen und genau dort so angenommen werden, dass eine Freundschaft entsteht, die gemischten (nämlich chinesisch-österreichischen) Ursprungs ist und nicht rein westlichen Ursprungs. Es genügt mir auf der Straße westliche Männer mit chinesischen Frauen herumspazieren zu sehen, deren einziges Ziel, auf das sie sich auch tatsächlich durch das Studium der Sprache und der gängigen Rituale vorbereitet haben, es ist, China gen Westen zu verlassen. Das ist Benutzen und keine Freundschaft (und genauso verabscheue ich jene westlichen Männer, die genau das ausnutzend in Asien eine angenehme Zeit verbringen und sich dann, posierend mit ihren “Eroberungen” auf unendlich vielen Fotos prahlerisch darstellen). Es ist das Ganze eine Sache, die man vielleicht unter Aspekten saidschen Orientalismus sehen muss, damit es Sinn macht, aber was soll’s. Außer, dass ich Verachtung zeige, kann ich auch schon nicht mehr tun.

Ich habe Kollegen (und Kolleginnen), deren erstes Ziel, sobald sie in Shanghai waren, es war, Österreicher in Shanghai zu treffen! Für mich bricht bei einem solchen Gedanken die Welt und der Inbegriff des Urlaubmachens zusammen, aber bitte, macht doch was ihr wollt!

Anonymisierung: die andere Seite

Die Schwierigkeit, nämlich das Auffinden chinesischer Freunde, kann schnell zur Unmöglichkeit werden, vor allem, wenn man in einem Umfeld wie Shanghai, einer Großstadt, die sowieso zur Anonymisierung neigt, lebt. Unter Aufgabe einiger Gewohnheiten, die man aus dem Westen mitbringt, kann es doch gelingen in das Chinesentum einzudringen und irgendwann so behandelt und akzeptiert zu werden, dass man zwischen einem selbst und anderen Chinesen keinen Unterschied mehr merkt (mit Ausnahme der etwas deutlicheren Sprache, die man zu hören bekommt, wenn man nicht sofort pariert)! Und dann bekommt man plötzlich intime Details zu hören, die genau das von mir beschriebene Problem von der anderen Seite her beleuchten, von chinesischer nämlich. Und hier stellt sich eine Eigenschaft der Besucher zu den Problemen dazu, die es Chinesen sehr schwierig macht, sich so zu verhalten, wie sie es Freunden gegenüber tun würden. Diese Schwierigkeit ist der (unvermeidbare und teilweise unbewusste) Chauvinismus, den Besucher an den Tag legen, wenn sie nach China kommen. Und jeder, der schon einmal da war, möge jetzt in sich gehen und darüber nachdenken, ob es da nicht vielleicht irgendwann einen Moment gegeben hat, in dem man mit dem Hintergedanken einer prinzipiellen Superiorität der Heimat (oder der eigenen Person) seinen Wunsch, seine Beschwerde oder seine Aussage einem Chinesen gegenüber getätigt hat.

Kaff

Da habe ich doch heute glatt mit einer Kollegin telefoniert, die noch vor zwei Wochen mit ihren Freunden und mir durch Shanghai gezogen ist. Ein eigenartiges Telefonat, vor allem, weil die österreichische Provinz natürlich voll durchschlagen muss. Sie hat mir erzählt, dass sogar ihre Frau Mama nicht sehr erfreut war, dass sie ein wenig das Hochdeutsche angenommen hat. Nun ja, man ist halt stolz auf sein Nest und verteidigt es, wenn es auch noch so unbedeutend ist. Kulturelle Eigenheiten oder Provinzcharme… man weiß es nicht, Hauptsache: unser’s!

Nun, peinlich ist die Situation dann, wenn man sich gegen ein Drittweltland stellt. In China gibt es ja offenbar immer Schwierigkeiten und die Chinesen sind ja zu gar nichts fähig und so weiter und so fort (zumindest ist das österreichischer Unterton), aber da werde ich während unseres Telefonats doch glatt mit dem Faktum konfrontiert, dass es im Nest kein Wasser gibt. Hmm.

Nun ja. So sind diese Menschen, so die anderen Leutln. Von Shanghai nach Froschberg (ohne Wasser). So hamma’s gern.

VIP Room

Der Eingang liegt irgendwo in einem Hinterhof, schmuddelig und von Slumbewohnern bewohnt – umgeben von Ferraris, BMWs, Mercedes, Aston Martins und Unmengen an Prostituierten. Ich muss da durch, betrete den Eingang, an dem mich zwei in schwarze Anzüge Gepferchte von oben bis unten mustern. Die Tür wird von einem der beiden geöffnet, dahinter ist es dunkel. In der Wand eingelassene Lichter weisen den Weg durch einen Tunnel, der an den Seiten mit Sitzmöglichkeiten ausgestattet ist. Er ist ja auch circa zehn Meter breit… Ich betrete die Hauptkammer, ein ziemlich großes unterirdisches Etwas, das sich da vor mir erstreckt. In der Mitte die Bar, rundherum lederbezogene Stühle auf denen sich gerade reich gewordene Chinesen und Chinesinnen tummeln. Sie trinken all die Cocktails, die sie aus dem Fernsehen kennen ohne zu wissen, ob das, was ihnen serviert wird, irgendetwas taugt. Ich werde an diesem Abend neben anderen noch einen B-52, einen Tequila Sunrise und einen Mojito trinken. Alle drei schmecken nicht so, wie sie schmecken sollten. Besonders der Tequila Sunrise enttäuscht: Fanta mit irgendeinem Alkohol!

Farewell-Party

Jane kontaktiert mich gegen 15:00 Uhr und teilt mir mit, dass die Rede, die ich eigentlich als kabarettistische Programmeinlage geplant hatte, ein offizielle werden sollte, die ich, als Vertretung für die Uni Wien, halten sollte. Einverständnis meinerseits. Einstampfung des “alten” Texts, Schreibung des neuen. Daniel durfte die Studenten vertreten. Er hat seine Rede allerdings erst während der Party geschrieben… Dennoch, beide Reden, die zwei Reden von der chinesischen Seite folgten, waren ein Erfolg, beide werden in der Campuszeitung veröffentlicht und dem Direktor vorgelegt – als Zeichen der intensiven organisatorischen Zusammenarbeit zwischen dem lokalen Vertreter der Uni Wien, mir, und den chinesischen Kollegen aus dem International Office. Ein Hoch auf die Presse!

Gegen Ende

Gegen Ende gibt es immer einige, die schon früher gehen, einige, die es dem Rest noch reindrücken müssen und einige, die der Zeit schon im Vorhinein nachtrauern. Nicht ganz so krass gruppiert, aber nicht unähnlich, läuft es auch jetzt am Campus ab. Die chinesischen Partner lechzen schon nach den Fahrrädern, die sich einige gekauft haben, die verschiedenen Gruppen treffen sich zusammen, um sich gemeinsamen Abenden hinzugeben und der eine oder andere Student geht den Weg des Gipfelstürmers – im Großen und Ganzen das allgegenwärtige Übliche. Nichts ist neu hier in China. Wie es schon Erica treffend formuliert hat:

The people are the same, their characters are the same, the only difference is their bodies.

Und da hat sie eigentlich Recht. Hier herrschen die gleichen Probleme vor, die gleichen Gruppen finden zueinander, die gleichen Verhälnisbeziehungen tauchen immer und immer wieder auf.

Ein paar Wetten wurden aufgenommen, die wohl eigenartigste ist eine, deren Wettmoment in der Geschwindigkeit des Austrinkens einer Fantaflasche liegt. Suum cuique, mein Senf dazu, obwohl ich durchaus am Einsatz beteiligt bin. Chinacampus’sche Blödheiten, aber was soll’s.

Sein Abendessen

Es liegt niemandem fern, auch in China nicht-chinesisch gut zu essen. Ein solches, exquisit, geformt und fast schon kolonialen Standards entsprechend, hat es ihm gestern angetan. Im Dio bestellt man zwar an sich Kaffee, doch er macht bekanntlich keine halben Sachen und ordert einfach nur ein Steak. Ein Steak. Daraus wurde dann das…

Die Fuwuyuan (Kellnerin) brachte einen Aperitif zur genehmen Verkostung für den gesamten Tisch. Es muss eine süße Variante des “Great Wall of China”-Weines gewesen sein, die aber dem anwesenden Publikum durchaus mundete. Anschließend servierte sie ihm eine kardinale Salatmischung, perfekt aufgedeckt mit richtigem Salatbesteck (kennt das noch jemand in Österreich?), gleich im Anschluss eine orientalisch gewürzte Tomatensuppe, angereichert mir rotem Pfeffer, einem Sahnehäubchen und getoastetem Weißbrot; ein leicht angeröstetes Tramezino, wie sich später herausstellen sollte. Nix Toaster: Pfanne! Mit leicht gesalzener Butter! Perfekt mit der Suppe harmonierend.

Im Aschluss wurde die Hauptspeise serviert. Es war nicht das Pfeffersteak, das man als Europäer erwartet, es waren gegrillte Fleischstückchen auf einem Spieß, die hier als Pfeffersteak durchgingen, aber… aber (!) das Fleisch war butterweich, perfekt gewürzt, mit einem Hauch, nein, der berühmten Idee Chrysantheme (hier in China parfümiert man gerne) auf mit ein wenig Käse überbackenen, hausgemachten Pommes Frittes, Gemüsevariationen und einem – der Amerikafaktor – Spiegelei. Über der Komposition eine dunkelbraune Pfeffersauce. Nicht zu kräftig, dennoch würzig, sämig und dezent nach schwarzem Pfeffer duftend. Dazu wurde eine Flasche “Great Wall of China”-Wein serviert, diesmal jedoch nicht süß, fruchtig und leicht, sondern trocken und kräftig, passend zum Steak. Ihm hat’s gefallen. Definitiv. Mir auch; allein das Zuschauen.

Als Dessert wünschte er sich zwar Herders Haselnussparfait, doch konnte man ihm im Dio damit nicht dienen. Das Banana-Boat jedoch erfreute den Gaumen mit frischen südasiatischen Köstlichkeiten. In kunstvoller Weise wurden hier Lychees, Bananen und viele Früchte mehr, deren Namen mir noch nie untergekommen sind, teilweise mit Honig, teilweise mit anderen süßen Beilagen garniert, zu einem Boot angeordnet, das von der Fuwuyuan präsentiert – und nicht serviert – wurde! Das Dio!

Regen

Ich trete vor den Speisesaal und vor mir eine Wasserwand. Wenn es hier in Shaoxing regnet, dann ordentlich, dann trübt das Wasser den Blick schon auf zwanzig Meter. Die gigantischen Wassermassen, die hier in kürzester Zeit aus den Wolken kommen, erklären, warum die Abflüsse hier so tief und so groß sind. Für die lokale Bevölkerung ist das Wasser ein Segen, denn es hat schon seit über zwei Monaten nicht geregnet. Endlich gelangt der Fluss an seinen üblichen Wasserstand, endlich können schwerbeladene Schiffe wieder passieren; endlich werden die Kohlelieferungen wieder das Kraftwerk erreichen und somit die andauernden Stromausfälle ein Ende haben; endlich werden die vom Sand schmutzigen Straßen gewaschen.

Ich kehre um und die Xiaojies basteln mir aus den billigen Plastiktischdecken eine Regenhaut. Die Hose nass, den Oberkörper trocken, kehre ich ins Hotel zurück und nehme ein Vollbad. Unter glühenden Heizlampen.

Zwei Sekunden: Ein Fahrrad in China

Der Händler sieht mich skeptisch an, er steigt jedoch auf mein Angebot ein: Das Fahrrad und die Absperrkette um 210 RMB. Er will noch einmal Luft holen, aber ein Blick auf die Uhr, es ist elf Uhr nachts, lässt ihn einwilligen. Ich habe gerade eben ein Fahrrad samt Absperrkette um knappe 21 EUR gekauft. Das Gefühl, in einer fremden Stadt mit dem eigenen Fahrrad unterwegs zu sein, ist ein eigenes, ein gutes Gefühl. Distanzen verändern sich, Wege sind keine mehr. Der Horizont wird erweitert um nicht nur Wohnblöcke, sondern um ganze Landstriche.

In Shaoxing gibt es auf nahezu jeder Straße eigene Fahrradspuren, auf denen es zwar auch, nicht aber so arg zugeht wie auf der Spur für Autos, Busse, etc. Die ersten Blickkontakte mit chinesischen Radlern, Mopedfahrern und Elektro-Bikern sind von Verwunderung geprägt, nach einiger Zeit jedoch werde ich als einer von ihnen akzeptiert und nicht mehr nur Duldung, sondern Neutralität oder gar Freundlichkeit werden mir entgegengebracht. Man nickt mir lächelnd zu und kleine Kinder, die auf den Lenkstangen der Fahrräder ihrer Eltern sitzen, winken, rufen in chenglisch “hallou!” und kichern vor sich hin.

Die Klingel ist ein essentieller Bestandteil des Fahrrads und das Klingeln ein wichtiges Element der chinesischen Radfahrmentalität. Wer nicht klingelt, wird übersehen — von Autos, Bussen, LKWs, Fußgängern, Polizisten, etc. Klingelt man jedoch einmal, so wirkt es zumindest so, als ob für ein, zwei Sekunden niemand grob seine Spur ändern würde, niemand plötzliche Bewegungen einleitet, alles irgendwie für kurze Zeit berechenbar wird. Zum Überholen, Vorbeifahren oder Abbremsen hat man maximal zwei Sekunden Zeit, bevor der Taumel unüberblickbaren und daher unvorhersehbaren Tuns weitergeht. Zwei Sekunden, in denen sich zwar alles bewegt, aber nichts geschieht. Dann: Ein Taxi hupt, dahinter versucht ein anderes zu überholen während ein LKW die Kreuzung überqueren will; der LKW macht eine Vollbremsung, weil gerade ein Fußgänger nicht rechtzeitig genug aus dem Fahrbereich verschwunden ist, da er von einem Rikschafahrer blockiert wird. Ein Polizist pfeift irgendwo und brüllt anschließend irgendwen an. Die Ampel wechselt auf Rot und die Zähluhr (in Shaoxing weiß man genau, wieviele Sekunden man nun auf einen Farbwechsel der Ampel warten muss) beginnt zu zählen. Sechzehn Sekunden Wartezeit. Normalerweise. Der LKW rollt ganz langsam vor, bis er die querkommenden Autos so sehr aufhällt, dass der Polizist ihn über die Kreuzung lotsen muss. Orangefarbene Fähnchen wehen im Wind und werden von Hilfspolizisten vergeblich dazu benutzt, den Verkehr zu ordnen. Überall wird gehupt, das Geräusch von quietschenden Bremsen dringt an mein Ohr. Die Radfahrer machen sich für die Abfahrt bereit, die Rikschafahrer ebenso. In den Autos links und rechts neben mir heulen die Motoren auf, der LKW hinterlässt eine dichte, schwarze Rußwolke. Ich trete in die Pedale und fahre zur nächsten Kreuzung. Hinter mir klingelt jemand.

Reise nach Hangzhou

Die Abfahrt erfolgt um 8:30 Uhr, nachdem am Vortag lange darüber diskutiert wurde, ob man sie nicht vielleicht um eine halbe Stunde (bzw. eineinhalb Stunden) früher ansetzen sollte. Die Einigung hat sich, dies schon vorweg, nicht als negativ erwiesen: Wir haben die ärgste Hitze beim Mittagessen unter Dach überwunden. Die Gruppe ist müde, aber frohgemut und erwartet Besonderes. Einen Garten sollen wir besichtigen, den See selbst und im Anschluss, auch das wurde gestern ausdiskutiert, einen Seide-Markt. Lucia begleitet uns als Dolmetscherin, alle sind anwesend. Der Busfahrer nimmt sogar, verspätet und im letzten Moment – aber doch, Rücksicht auf plötzlich auftretende dringende Bedürfnisse anwesender Kursteilnehmer. Die Fahrtzeit nach Hangzhou war schon im Vorhinein unberechenbar, letztlich waren es dann eineinhalb Stunden hin und eineinhalb Stunden wieder zurück. 60 Kilometer.

Hangzhou ist eine äußerst lebendige chinesische Großstadt, Hauptstadt der Provinz Zhejiang, bevölkert jedoch vom sowohl chinesischen als auch nicht-chinesischen Tourismus. Wo man nicht hinsieht, kommen einem kleine Touristengrüppchen bishin zu fahnengeführten Touristenkohorten entgegen. Irgendwie erinnert das alles hier an das Treiben vor Schönbrunn…

Der Garten umrundet den West-Lake und setzt sich darauf in Form von Inseln fort. Tausende Menschen sind hier. Japaner, die sich fotografieren lassen, Chinesen, Deutsche, Amerikaner, Engländer, Franzosen, Menschen aus Kanada, aus arabischen Ländern und auffällig viele, die ich als indisch einschätzen würde – der Garten ist Sammelpunkt für Touristen, dennoch nach wie vor sehenswert. Die Gruppe sieht das mit gemischten Gefühlen: Auf der einen Seite hat man das schon geahnt, auf der anderen Seite ist es gerade auch ein gutes Zeichen.

Der See ist zwar bereits im Garten präsent, doch erst eine Bootsfahrt schafft Klarheit über die Besonderheit des Gewässers. Der Ausblick auf Hangzhou in die eine, auf (unberührte) Natur in die andere Richtung beruhigt und die stille Hektik auf dem Boot, das uns von den Gartenanlagen der einen Seite zu den Gartenanlagen der anderen Seite bringt, trägt ihres dazu bei, dass man nicht vergisst, dass man in China ist.

Das Mittagessen war, wie schon das Mittagessen am Tag davor, vom Reiseveranstalter organisiert. Es fand in einer Art Kantine statt und bedarf keines weiteren Kommentars. An dem Tisch, an dem ich saß, wurde fast alles wieder zurückgeschickt: die Meeresfrüchte rochen faulig, das Gemüse war schmutzig und in meinem Reis, normalerweise Garant für die Beseitigung jeglichen Hungergefühls, fand ich Fischgräten. Dass dieser Reiseveranstalter allerdings keine wirklich guten Restaurants in seinem Programm hat, dafür kann die Universität nichts – das habe ich schon mit den hiesigen Verantwortlichen besprochen. Die uns folgende Gruppe sollte diese Probleme nicht mehr haben… Das Abend- und Mittagessen an der Universität selbst, das sei hier erwähnt, hat sich in den letzten Tagen immer mehr vom Guten zum Sehr-Guten gewandelt. Normalerweise waren vier von acht Speisen innert kürzester Zeit aufgegessen, heute waren es sieben!

Ein Tag, der ohne nennenswerte Probleme (Ausnahme: Mittagessen, aber dafür kann die Uni nichts!) anfängt braucht natürlich auch Probleme, die nennenswert sind. Schließlich müssen ja Ying und Yang im Gleichgewicht und wir auf Trab gehalten werden. Bei der Besprechung des Hangzhou-Trips am Vortag habe ich den Verantwortlichen erklärt, dass die Gruppe gerne den Seidenmarkt (die berühmte Seidenstraße in Hangzhou) besuchen will. Man gab mir eindeutig zu verstehen, dass das kein Problem sei. Man wisse, wo diese Straße sei, wir könnten also ohne Schwierigkeiten da hinfahren. Schmeck’s. Der Bus blinkt und biegt in die Einfahrt eines Seidemuseums ab. Raunen der Gruppe. Mehr Raunen. Ich werde in meiner Funktion tätig, interveniere und doch, nach einiger Zeit hat man dann auf chinesischer Seite verstanden, worum es uns geht: Nicht das Interesse für die chinesische Seidekultur leitet uns ins Seidemuseum, sondern der Konsumwille leitet uns in den Seide-Markt! Alles wieder einsteigen, Abfahrt nach Hangzhou-Zentrum, dort zweistündiger Freigang im Seide-Viertel! Einkäufe wurden getätigt, die Gesichter aufgehellt und die Rückfahrt gestaltete sich angenehm müde. Tag Ende.

Teehaus, 19:30 Uhr

Die Xiaojie bittet uns herein, führt uns an zwei Dutzend mit Köstlichkeiten gefüllten Gefäßen vorbei in den ersten Stock des Vollholzbaus und bittet uns im Raum Platz zu nehmen. Die Gruppe setzt sich und nimmt die Teekarte entgegen. Es gibt eine englischsprachige Karte. Eine, wohlgemerkt. Irgendwann ist die Bestellung erfolgt. Eine Kollegin bestellt Oolong-Tee. Dieser wird von der Xiaojie in einer Zeremonie vor Publikum zubereitet, dann erst zum Genuss ausgegeben. Offenbar schmeckt er. Äußerst gut sogar. Mein King-Jasmin-Tee schmeckt nach dem achten Aufguss vorzüglich und so manch anderer Tee entwickelt nach mehreren Aufgüssen – entgegen unserer Erwartungen – Aromen, die mehrere zu durchaus philosophischen Auseinandersetzungen mit dem Thema Tee anregen. Es gefällt der Gruppe. Die Stimmung konvertiert aus dem Kaffee- ins Teehaus.

Hunger kommt auf und Abhilfe folgt. Wir sprechen hier nicht (nur) von Vorspeisen, Süßigkeiten, gekochten, dann gebratenen Fisch-Backbones, in Schokolade und Honig getränkten oder gerösteten Erdnüssen, Miniwackelpuddings in verschiedenen Geschmäckern, getrocknetem Bambus in verschiedenen Ausführungen, Lychees, süßen Tomaten, diversen Reisspeisen (süß, salzig, pikant und mild), Weintrauben, Bananen, Maulbeeren, Mandeln, getrockneten Ananas, Wasser- und Honigmelonen, Lotus, Sonnenblumenkernen, Haselnüssen, Äpfeln, getrockneten Äpfeln, Pfirsich- und Marillenstückchen, sondern auch von hungerstillenden Miantiaor verschieden zubereitet, Teigtaschen mit süßer, saurer oder pikanter Füllung, wahlweise mit Fleisch oder Gemüse gefüllt, gedünstet, gekocht, in der Suppe oder gebraten (Jiaozi, Baozi und Mantou lassen grüßen!), Frühlingsrollen (!), Fisch, Krebse, Shrimps, Suppen (ebenso in süßer oder pikanter Zubereitung) – und all das gratis zum Tee!

Ein wenig später erscheinen Jane, Geoffrey und Harry (ihres Zeichens die Laoshis bzw. Organisatoren dieser Tour) und helfen nicht nur bei der Speisenauswahl, sondern geben zu den gewählten Speisen sogar Erläuterungen und (teilweise sogar dringend nötige) praktische Esshilfetipps ab. Ich sitze an ihrem Tisch und werde beim Teetrinken, Lycheeessen, Miantiaor-Schlürfen und Nussknacken gefilmt. Komödie? Tragödie? Abenteuerfilm oder Drama? Es wird sich weisen.

Expert-Building, 6:55 Uhr

Ein Skandal. Erwachen ohne von der Sonne geblendet zu werden. Frühstück ohne Probleme. Verdauung in Ordnung. Sogar das Wasser schmeckt nur halb-faul. Es ist heiß und feucht hier in Shaoxing. Die Gruppe leicht gereizt, was sich im Laufe des Tages noch auswirken wird: das Essen wird zur Zumutung, das Ausloggen am Rechner während ein E-Mail geschrieben wird zum berechtigten Grund die Tastatur zu vernichten.

Der Parteienverkehr in den Konferenzräumlichkeiten muss minimiert werden. Der erste Antrag des heutigen Tages hat das Freiheits-Package der Studenten zum Thema: Sind sie versichert? Ist mir klar, dass die Universität keine Haftung übernimmt, falls etwas passiert? Weiß ich, dass gestern in der Nacht noch eine Gruppe in Richtung Stadtzentrum marschiert ist? – Antrag wegen Unklarheit (oder Sowieso-Klarheit) abgelehnt. Nächster Antrag: Modifikation des Stundenplans. Aus eineinhalb Stunden Internet sollen zweieinhalb Stunden gemacht werden. Genehmigt. Verschieben des Parkbesuchs um eine Stunde (dritter Antrag). Genehmigt. Abänderung des Servicemodus beim Mittagessen (vier). Genehmigt, probeweise. Antrag auf Klärung der Verfügbarkeit von Versicherungen bei den Teilnehmern. Genehmigt. (…)

Der Vormittag verläuft bis auf obig Genanntes ruhig. Das Mittagessen gestaltet sich aufgrund des neuen Servicemodus als Zumutung. Der Unmut der Gruppe darüber ist zu spüren. Die ersten Teilnehmer sehen kränklich aus. (Anmerkung: Ein Hoch auf Supradyn!) Der Besuch im Computerraum gestaltet sich ebenso als Zumutung an Nerven, Schweißdrüsen und Gewand: Susanne klebt am Sessel (seit wann klebt Schweiß so gut?) und flucht über ihr mieses Mailkonto, das nach der literarischen Leistung (Nachtrag Susanne: Fast eine DIN A4-Seite!) kurzum abgeschmiert ist!

Nachtrag: Susannes Mail wurde abgeschickt. Sie freut sich, Endorphine steigen auf. Sie scrollt am Bildschirm auf und ab, um mir ihr Werk (Opus Susanne!) vorzuführen. Super. Echt.

Für heute: Wahnsinn Ende. Ach ja. Ich hab mir ein Rad gekauft. 21 EUR.

Musik im Internetcafé

China, Shaoxing, ein Internetcafé: Ich sitze am Primatenrechner, an dem sonst nur der Boss (ein schmieriger, fetter Typ) seinen Luxuskörper ablegt. Man erkennt das an den Ascheresten, am Spezialstuhl, an der einzigen Maus mit Mausrad, etc… Um mich herum sitzen junge und alte Chinesen, die entweder irgendwelche Viel-Blut-Spiele spielen oder sich Filme übers Internet anschauen (was hier in China übrigens legal ist!). Sie sitzen da, benutzen die Computer, reden miteinander, trinken Tee, rauchen, …

Einer, der hier kommentiert, hat was gepostet, dass einen Link zu einer Musikdatei enthält. Ich quatsche die zuständige Xiaojie an, ob denn die Möglichkeit bestünde, sich das Lied anzuhören sobald es fertig heruntergeladen ist; ob sie vielleicht Kopfhörer habe? Sie scheint zwar zu verstehen, worum es mir geht, jedoch verstehe ich ihre Antwort nicht. Aber offenbar dürfte das Anhören des Lieds kein Problem sein.

Nachdem sie mir zugelächelt hat und ich den letzten zwanzig Prozent der Datei beim Herunterladen zugeschaut habe, öffnet sich auf meinem Bildschirm der RealPlayer und die Anzeige flackert als ob die Musik bereits zu hören wäre. Ich sehe die Xiaojie fragend an, sie gibt eine erkennende Bewegung von sich, winkt meine Bedenken ab und bückt sich unter ihren Schreibtisch, um dort einen Schalter zu betätigen. Die Hintergrundmusik des Cafés wird ausgeblendet, ein kruzer Knacks in den Lautsprechern und plötzlich höre ich über die großen Lautsprecher des Cafés das Lied.

Ich versinke in meinem Stuhl. Tunnelblick. Ein paar Chinesen sehen mich an – offenbar wissend, dass die Musik nur vom Primatenrechner kommen kann. Ich werde knallrot. Mehr Chinesen sehen mich an. Sie heben ihre Körper so, dass sie mich über den oberen Bildschirmrand hinweg erkennen können. Ich versinke noch mehr im Sessel. Ich blicke die Xiaojie an und deute ihr, sie möge doch bitte wieder abdrehen, doch sie klopft mit dem Finger im Takt des Liedes auf die Tischplatte, blickt in die andere Richtung und scheint sichtlich zufrieden zu sein. Mittlerweile wird der Refrain wiederholt und einige Chinesen summen bereits mit. Ich versinke vor Schande endgültig in meinem Stuhl. Abdrehen geht nicht, denn offenbar hat die Melodie einen Schnappi-Effekt. Ich blicke mich um, ob nicht vielleicht irgendein Tourist sich hierher verirrt hat. Glück gehabt! Die Xiaojie klopft mit dem Finger auf der Tischplatte…

Aber nicht China selbst…

Die Anreise

Der Flug dauerte unangenehm lange: Wien-Frankfurt, vier Stunden Wartezeit (wieviel Kaffee kann ein Mensch eigentlich trinken?), Frankfurt-Shanghai in einem nicht voll besetzten Flugzeug (ergo freundliche Stewardessen), Ankunft in Shanghai ohne Schwierigkeiten mit dem Gepäck, problemloser Empfang durch die Universitätsbelegschaft (natürlich war er auch dabei, weshalb es gleich einmal mit einem “Gen wo lai” zum Bus ging!), Bustransfer nach Shaoxing (dreieinhalb müde Stunden und viel Hupen!), dann ein noch nie gesehenes solches: neue Gebäude überall, zusätzlich zur westlichen KFC-Präsenz des letzten Jahres haben sich ein McDonald’s, ein Pizza-Hut und Unmengen an mariahilferstraßetypischen Shops hier angesiedelt. Außerdem angesiedelt wurden gleich neben dem Expert Building eine Baustelle (wie schon im letzten Jahr, nur dass diesmal die zwei Studentenheime fast fertig sind) und eine Arbeiterbaracke auf dem Teil, der hier noch eine Wiese ist!) Wer ist mir gleich am Anfang über den Weg gelaufen? Richtig!

Das Umfeld

Einiges hat sich, wie gesagt, verändert, so kann man beispielsweise jetzt bei fast jedem Bankomaten mit fast jeder Karte Geld abheben. Sogar der Bankomat der Bank of China, der gleich neben dem Haupteingang zur Uni angesiedelt ist, versteht sich mit Bankomatkarten, Visa, MasterCard, American Express und sonstigen gängigen Kreditkarten. Die Öffnungszeiten des Hotels entbehren – wie auch schon früher – jeder Vernunft und dieses Mal gibt’s sogar noch ein wenig mehr: chinesische Studenten als Sprechpartner wurden allen (1:1!) per Liste zugeteilt und weichen fast nicht von der Stelle. Auf der einen Seite hat das einen riesengroßen Vorteil, denn es gibt keinerlei Fragen, die nicht sofort beantwortet werden, egal, ob sie sprachlicher, organisatorischer oder lokaler Natur sind, andererseits den Nachteil, dass bereits jetzt schon der Wunsch nach zumindest ein bisschen Privatsphäre bei den Studenten auftaucht. Ich habe die Lösung dieses Problems in meiner verantwortungsvollen Rolle bereits in Angriff genommen und es fehlt nur mehr die bestätigte Antwort der chinesischen Fraktion.

Zusammenfassung o.ä.

Hier hat sich viel geändert. Nicht nur der shaoxingsche Lokalkolorit muss neu geschrieben werden, auch die Art und Weise wie mit den Studenten umgegangen wird, ist neu. Vieles hat sich hier in Shaoxing respektive China gewandelt und viel Altes musste Neuem weichen, doch noch ist dieses Land als China zu erkennen; vieles hat sich in China geändert, aber nicht China selbst…

Nachtrag

Ich war gestern noch unterwegs auf der lokalen “Strandpromenade” (das ist sowas wie die Donauinsel in Wien in chinesischer Abwandlung in Shaoxing) – auch hier hat sich viel verändert: Ein McDonald’s und ein KFC haben gerade Eröffnungsfeier gehabt, die Stadt ist um sieben Blöcke ins Hinterland gewachsen und um 23:00 Uhr kann man bei den Textilindustriearbeiterinnen vorbeischauen und ein “Ni hao” loswerden…

Shanghai Int’l Airport, 10:44 Uhr

Vor einigen Jahren war es noch eine beschwerliche Reise, die tatsächlich eine Überwindung darstellte: Schiff, Zug, eventuell Busse. Langsam durchquerte man verschiedene Kulturkreise und das andauernde Neue machte eine Anpassung an die gewohnten Verhältnisse leicht möglich.

Shanghai, Flughafen: Einchecken der kleinen Menge an Menschen, die dieses Datum als Abflugtermin gewählt hat, trotzdem ist das Flugzeug voll. Einige wollten schon lange nach Hause, andere bedauern, dass sie nicht länger geblieben sind. Durchschrauben der Pass- und Visumskontrolle, Gepäckskontrolle, dann Frühstück in einem kleinen Laden kurz vor dem Gate. Mein Club Sandwich bitte ohne Thunfisch. Die Bedienung beeilt sich, trotzdem dauert es ein wenig. Ein Aufruf in perfektem Chinesisch, danach auf Englisch – wir werden gerufen. Mein Sandwich kommt. Noch ein Aufruf. Ich esse trotzdem fertig, noch ein Aufruf, und hetze anschließend zum Gate. Dort macht mir schon von weitem ein chinesischer Beamter wild gestikulierend klar, ich möge mich doch bitte beeilen. (Pünktlichkeit hat großen Wert. Es ist unhöflich, unpünktlich zu sein.)

Er ist sehr korrekt gekleidet, die Krawatte sitzt perfekt, die Hose ist maßgeschneidert, die Uniform schein neu zu sein. Ich gehe noch schneller, gebe ihm meine Boarding Card; in dem Moment beruhigt er sich, er verneigt sich als ich ihm meine Karte gebe und nimmt sie mit beiden Händen entgegen; er lächelt mich an und weist mir den Weg in diesen einen Gang, der zu meinem Flugzeug führt, gibt mir meine Boarding Card wieder, wünscht mir mit ruhiger Stimme eine gute Reise, aber ich möge mich doch bitte beeilen, damit der Start pünktlich erfolgen kann.

Ich eile durch den Schlauch in Richtung Flugzeug, drei Gelenke hat er, jedes Mal eröffnet sich mir ein neuer, ein schmälerer Horizont, dann – das Wagerl mit den Zeitungen. Standard, Presse und Spiegel sind noch da, hinein ins Flugzeug, dort: “Grüß Sie, Se brauchn eana net so hetzn, es passt scho, mir wortn no a wengerl zua, do fehln no a poar. Nehmen’s daweil platz. De Chinesn hetzn imma a so. Wegen de paar Minuten.”

Vorbei

Shanghai, es regnet. Das Wasser donnert förmlich auf die benachbarten Häuser. Öffnet man das Zimmer und blickt hinaus, so wird man nass. Die Koffer werden schon gar nicht mehr wirklich ausgepackt, gerademal das Nötigste steht vor, neben und unter dem Bett. Auf dem Tisch vor dem Spiegel stapeln sich die Geschenke, daneben eine Regenjacke, die viel zu heiß ist für diese Jahreszeit. Das Bild einer kitschigen Winterlandschaft taucht vor meinem geistigen Auge auf.

Ein letztes Mittagessen auf der Nanjing Road, Espressotrinken in einer Seitengasse, Fotos, bereits besuchte Plätze und Straßen. Mittlerweile weiß man, wo es was gibt und wer’s billig verkauft. Man geht die Straße entlang und weicht den Pfützen aus. Es regnet auf einen herab, Ziellosigkeit. “Essen!” schießt es mir durch den Kopf. Nicht schon wieder, haben wir gerade erst.

Vor mir sitzen der Ire und die Deutsche. Wir machen Späße und verdecken das Bevorstehende ungeschickt mit unseren Kameras und ihren Funktionen. Die Getränkeauswahl im Kaffeehaus beschränkt sich auf Tee (linke Seite der Menükarte) und Kaffee (rechte Seite der Karte). Wien ist schon präsent und lässt uns über diese Auswahl reden. Die zuckersüßen Bindungen der kleinen Gruppe sind schon schwer angeschlagen, nun lösen sie sich langsam auf.

“Hast du den Wecker gestellt?” Wir dürfen auf keinen Fall den Zug versäumen! Gestalten, die in ihren Betten liegen. Jeder hat mit jedem abgerechnet, es ist spät, niemand schläft. Man erinnert sich an seine eigene, kleine, kurze, schöne Geschichte und vermeidet es, Aussagen darüber zu machen, was folgen wird.

Shaoxing-Shanghai

Den Weg von Shaoxing nach Shanghai hat fast die gesamte Gruppe mitgemacht. Einige wenige sind schon weiter in den Westen oder Süden gefahren, einige wenige davon wiederum, hat man dann später im Norden wieder gesehen. Wie auch immer, oder, wie jemand auf der Reise zu sagen pflegte, however, der Abschied von den hiesigen Studenten wurde herzlicher als man es sich vorgestellt hat. Geschenke wurden überreicht, E-Mail-Adressen ausgetauscht, es wurde fotografiert und Hände wurden geschüttelt.

Der naturgemäß unterkühlte Bus war zwar pünktlich, die Abfahrt allerdings zu spät, somit auch die Ankunft in Shanghai – nach einigen hundert Kilometern Busfahrt quer durchs südliche China. Das, was wir in Europa gemeinhin “Land” nennen, ist in China eine durchgängig bebaute Fläche, die keinen Blick bis zum Horizont frei lässt. Immer ist irgendwo irgendwas. Hier die fünfstöckigen Häuser in hässlichen Farben, rundherum Reisfelder, dann wieder eine Ziegelbrennerei, dahinter eine Lagerhalle; ein Häuschen, in dem der Schleusenwart seinen Dienst tut versperrt den Horizont ebenso wie das wiederum darauffolgende fünftstöckige Gebäude umgeben von Reisfeldern. Hübsch ist’s nicht wirklich. Hübsch wird’s erst im Landesinneren.

Upstairs, 2:00 Uhr

Die Treppen hinab, Frischluft dringt durch die gläserne Flügeltüre ins Rauminnere, links den Durchgang bis zum Ende, an den leichten Mädels vorbei, dann stickige, von Parfums und Deos schwere Luft, die nur langsam von Ventilatoren an der Decke durchmischt wird. Hier bewegen sich Körper gegeneinander, miteinander, hier wechselt Geld seine Besitzer schnell, hier ist die Musik laut. Hier tanzen die Rothaarige, die Deutsche, die Gepiercte und der Ire, hier suchen Nutten ihre Kunden, hier ist es rot und dunkel, hier rauchen Männer Zigarren, Burschen ergötzen sich an den Titten ihrer Freundinnen und mehr an denen anderer Frauen. Die Stimmen einiger Touristen dringen bis herüber, sie wollen noch mehr Tequila. „Let’s make friends, very cheap!”, quatscht mich eine 1,60m große, zierliche Dame aus Bangkok an, ich lehne ab, sie raunt und lächelt dem fetten Amerikaner mit der Montecristo No. 2 zu, er grinst zurück. Er lehnt dort schon seitdem ich da bin. Ich suche meinen Wodka Martini, die Brille der Deutschen steckt in meiner Brusttasche. Von links nähert sich ein kleiner Koreaner der Gruppe, hinter ihm zwei jüngere, die sich geradewegs auf die Rothaarige zubewegen, die nichts dagegen hat, zwischen ihnen zu tanzen. Drei Hüften bewegen sich zur Musik, hinter mir küssen sich die kleine und eine große Blonde, neben mir scheint der Ire irgendwas zu suchen.

Shangri-La, 1:00 Uhr

Im Bats fließt der Alkohol, sie ist schon lange fort, die Kollegin vergnügt sich mit einem schwulen Franzosen. Er fragt sie nach ihrer Lieblingsfarbe, ihrem Lieblingsphilosophen, ihrem Alter, ihrem Lieblingsfilm, ihrem Lieblingssänger, ihrem Freund… Sie sieht das anders, für sie ist es der Abschied von der Gruppe, ein Ausgleich dafür, dass hier keiner tanzen will. Nonchalant umgeht sie alle Regelungen, noch unbekümmert erfreut sie sich an der Einladung zum Cola.

Das habe sie doch nicht ernst gemeint, wird sie später sagen, sie wollte doch nur tanzen. Niemand hier wollte mit ihre tanzen, was sollte sie denn anderes machen als einen anderen, der sie anspricht, nicht fortzuschicken? Über das, was man macht, kann man ja später nachdenken. Später, wenn die Wirkung des Alkohols nachgelassen, der Wind wieder Frischluft in die Lungen gepumpt hat, wenn die Welt wieder grell und unnachgiebig wird. Wenn der Kontinent ein anderer ist.

Astor House, 20:10 Uhr

Wieder einmal stellt sich mir die Frage: Moralisch handeln oder so, wie ich mir wünschen würde, dass es jeder andere Mensch auch macht! Schwierige Situation. Ehrt das Alter, etc. ist in diesem Fall nicht gültig, denn ist das biologische Alter auch das gelebte? Wann ist die Diskrepanz zwischen beiden zu groß? Wann muss sich das biologische Alter auf das gefühlte auszuwirken beginnen, damit sich die Handlungen noch in einem normalen (ist relativ, klar!) Rahmen bewegen? Wann wird aus liebevollen Eigenheiten nervendes Getue, wann werden aus Erfahrungen störende Geschichten, wann bricht die Realität mit der Vorstellung?

Nun ja, was soll ich mir eigentlich Gedanken darüber machen. Für mich ist es ein temporäres Problem, für einige andere Mitleidende ein langwierigeres. Ich leide mit euch, Freunde! Haltet durch und schweigt!

Astor House, 12:30 Uhr

Es gibt keine Hot Chocolate mehr, die Kreditkare ist doppelt belastet, und einige Leute arbeiten sich gerade – im wahrsten Sinne des Wortes – an die Kriegsfront vor! Ich hatte soeben ein English Breakfast, habe gestern den Barkeepern erklärt, wie man einen Martini zu servieren und einen Wodka-Martini zu mischen hat – er kam dann im Eisbecher, doch das tat dem Geschmack (und vor allem der Wirkung) nicht wirklich weh. Optisch nicht ganz ausgereift, aber… “er foart!”, wie die ehrenwerte Gu Tong es formulieren würde! Tag 2 hier…