Bald keine neuen Blogs mehr?

Blogs sind ein Auslaufmodel. Und sobald Facebook einen Sprachraum mit einer darauf angepassten Version betritt, geht die Anzahl der aktiven Blogs in diesem Raum massiv zurück.

People are not tiring of the chance to publish and communicate on the internet easily and at almost no cost. Experimentation has brought innovations, such as comment threads, and the ability to mix thoughts, pictures and links in a stream, with the most recent on top. Yet Facebook, Twitter and the like have broken the blogs’ monopoly. [...] Facebook, despite its recent privacy missteps, offers better controls to keep the personal private. Twitter limits all communication to 140 characters and works nicely on a mobile phone.

Am besten nur noch Listen

Vor drei Jahren hat das Upload-Magazin erfahrene Blogger dazu aufgerufen, “Blogtipps für Einsteiger” zu verfassen. Wenn ich mir meine eigenen Vorgaben von damals ansehe, müsste ich dreitehabee eigentlich sofort einstellen; vor allem die Punkte 3, 6 und 11 rücken gefährlich nahe an den Ist-Zustand.

Die Artikel der Kategorie Asides, mein größtes Laster!, nehmen hier definitiv Überhand. Bloggen hat sich geändert. Selbst die Futurezone schreibt von der Vertwitterung des Webs, das schon demnächst nur noch aus Listen bestehen wird.

Neues Linkverhalten? Neue Themen!

Martin Weigert von netzwertig.com plädiert für ein neues Linkverhalten deutschsprachiger Blogger, um damit die (deutschsprachige) Blogosphäre wieder zu beleben. Er schlägt vor, mindestens 1x in der Woche anstatt auf einen US-Blog, den Link auf ein deutschsprachiges Blog zu setzen.

Ich finde Martins Idee ja ganz gut, doch sehe ich das Problem der “anhaltenden Talfahrt des Verlinkungsgrads” deutschsprachiger Blogs weniger bei den drei von ihm genannten Gründen (Aktualität, Gewohnheit und Auffindbarkeit) als viel mehr in der Sache der Berichte an sich.

Wenn wir uns fragen, worüber wir eigentlich berichten, dann sind das meist Produkte, Services und Leistungen, die aus nicht deutschsprachigen Ländern kommen: Twitter, Google oder Facebook nennt Martin selbst, Digitale Bücher, das iPad, die damit einhergehende Datenschutzdebatte und viele andere Themen, die in den USA großen Anklang finden, werden hierzulande kaum oder wenn, dann nicht in dieser Intensität diskutiert.

Es gibt aber auch das Gegenbeispiel: Die Zensurdiskussion unter dem Stichwort “Zensursula“, die WLAN-Datenschutzpanne bei Google Street View oder Jeff Jarvis’ Sauna-Sager sind nur zwei Beispiele genuin deutscher Themen, die weitgestgehend auch innerhalb der deutschsprachigen Blogosphäre verlinkt wurden. Wenn es konkret (und interessant) wird, kann man sogar in noch kleineren Einheiten denken: Selbst das kleine Österreich hatte mit dem Auftritt von Frank Schirmacher im Club 2 eine Serie intensiver Verlinkung innerhalb der österreichischen Blogosphäre zu verzeichnen, da hier explizit österreichische Beispiele (und Themen) angesprochen wurden.

Was will ich also damit sagen? Es sind nicht nur Aktualität, Gewohnheit und Auffindbarkeit, die uns dazu verleiten, primär US-Blogs zu verlinken, sondern auch und vor allem die Themen, über die wir schreiben, an sich. Und wenn diese Themen im amerikanischen Raum generiert werden, dann ist es nur natürlich, auch dorthin zu verlinken. Ebenso sollte es aber auch natürlich sein, deutsche, österreichische und schweizer Themen bei deutschen, österreichischen und schweizer Bloggern zu verlinken. Selbst wenn sie mit einer .be-Domain daherkommen.

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Ein Kommentar-Trend?

Alex Payne meint, wirklich vernünftige Diskussionen kommen bei herkömmlichen Kommentaren nicht zustande, ebenso sieht das John Gruber. Jason Kottke ist überzeugt davon, dass Reaktionen auf einen Beitrag am besten auf der eigenen Website stattfinden sollten und Daniel Sandler schlägt Twitter als Kommentaralternative vor. Auch bei Tumblr hält man vom herkömmlichen Kommentieren nichts und bereitet ein System vor, mit dem man in Form von Artikeln oder Hinweisen auf Artikel kommentieren kann. Alle fünf bieten keine Möglichkeit an, Kommentare auf ihre Einträge hinterlassen zu können. Ist das ein Trend?

10 Tipps für den idealen Blogbeitrag

Was macht den idealen Blogbeitrag aus?

  1. Er ist topaktuell.
  2. Er vermittelt die persönliche Meinung des Bloggers.
  3. Er hat eine spezifische und feste URL.
  4. Er kann kommentiert werden.
  5. Er besteht aus weniger als 250 Wörtern.
  6. Er ist mit einer dynamisch wirkenden, peppigen Überschrift betitelt.
  7. Er enthält Listen mit Aufzählungen.
  8. Er ist von Keywords übersät.
  9. Er wird vor Veröffentlichung nochmals überarbeitet.
  10. Er ist leicht zu überfliegen.

…schreibt Geert Lovink in “Zero Comments” den Problogger zitierend. Aber was sag ich, das wusste ich ja schon 2005. Und nun ganz ehrlich, liebe Leserinnen und Leser: Wer ist hierher gekommen, weil er sich tatsächlich neue und relevante Hinweise erhofft hat? Wiedereinmal auf eine dämliche Überschrift hereingefallen!

Aber es ist okay so, man ist solche Überschriften gewöhnt und sieht sicherheitshalber nach, ob da nicht doch der eine oder andere Hinweis steht, mit dem man seine AdSense-Einnahmen erhöhen könnte. Aber leider biete ich hier nichts, was es nicht woanders schon gibt, ich verweise lediglich. Doch halt! Verweisen ist gut, oder etwa nicht?

Lassen Sie es bleiben!

Es kann vielleicht auch nur Einbildung sein, aber mir kommt vor, dass die Anzahl der aktiven, deutschsprachigen, selbst gehosteten Blogs endlich sinkt. “Endlich” deshalb, weil die Auslese hier äußerst positive Nachwirkungen hinterlässt: In meinem Feedreader finden sich zwar auf die Frequenz bezogen immer weniger Artikel, auf die Qualität bezogen hingegen immer mehr. Ein netter Nebeneffekt: Die “Immer-vorne-mit-dabei-Blogs” (wie beispielsweise Basic Thinking) nehmen an Bedeutung stark ab; sie haben ein Level an Nachrichtendurchsatz und Unpersönlichkeit erreicht, das von automatisierten Systemen wie beispielsweise dem hervorragenden Rivva.de genausogut abgedeckt werden kann.

Wo aber sind sie nun hin, die Autoren ohne Blogs? Die Frage ist leicht beantwortet: Man zieht um zu wordpress.com, Blogger, Tumblr oder – im allerübelsten Fall – Twitter. Ist man allerdings bei letzterem angelangt, kann man’s eigentlich gleich sein lassen. Vielleicht aber nimmt man sich unter Bloggern doch zu Herzen, was Lorelle Van Fossen in einem ihrer letzten Artikel gefragt hat: “Warum bloggt man überhaupt“? Die Referenz auf einen Vorgängerartikel könnte nicht passender sein: Wann weiß man, dass man mit dem Bloggen aufhören soll?

Ich blogge, also bin ich

Ein Interview mit Geert Lovink: Ich blogge, also bin ich.

Blogging ist ein unverstandenes Massenphänomen. In den fünf Jahren seines Aufkommens ist in der akademischen Literatur bislang nur ein einziger Aspekt hervorgehoben worden: die journalistischen, meinungsbildnerischen Blogs. Man kann nicht bestreiten, dass sie erfolgreich gewesen sind, bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2004 etwa. Mein Verständnis des Bloggens ist trotzdem ein anderes, es orientiert sich an dem, was Michel Foucault “Technologien des Selbst” nennt. Das Entscheidende im Netz von heute sind nicht Nachrichten und Meinungen, sondern Selbstdarstellung und Selbstreflexion: Wer bin ich? Was mache ich? Wer befindet sich in meiner Gegend?

Lass es bleiben! Blogtipps für Einsteiger

Blogtipps für EinsteigerDas Upload-Magazin hat ein interessantes Projekt ins Leben gerufen, das mit Blogtipps für Einsteiger aufwarten soll. Mit meinem Eintrag möchte ich ein paar Indikatoren aufzählen, die dem potentiell gescheiterten Blogger vorweg zeigen, wann er oder sie am besten aufhören sollte!

  1. Wenn du dein Content Management System (CMS) aufgesetzt hast und vor dir die Eingabemaske länger als dreißig Sekunden weiß bleibt, weil du erst überlegen musst, was du jetzt schreiben wirst, lass es bleiben!
  2. Wenn du dich mit deinem Blog an den Designs anderer Blogs orientierst oder wenn du dich mit deinen Einträgen an den Einträgen anderer Blogs orientierst, lass es bleiben!
  3. Wenn du zwei Mal hintereinander nur YouTube-Videos oder Flickr-Bilder gepostet hast und die inhaltliche Leere immer wieder auftaucht, lass es bleiben! – oder – Wenn du Zitate bloggst, weil du nicht weißt, was du schreiben sollst, lass es bleiben!
  4. Wenn du, ohne bereits mindestens 50 Blogeinträge zu haben, dich fragst, ob ein bisschen Werbung nicht schaden könnte, lass es bleiben!
  5. Wenn du öfter deine Statistiken auf neue Referer oder Besucherzahlen überprüfst als deine Artikel auf Tippfehler, lass es bleiben!
  6. Wenn deine letzten fünfundzwanzig Artikel im Schnitt weniger als fünf Sätze haben, lass es bleiben!
  7. Wenn du noch nie einen Roman bis zum Ende fertiggelesen hast, lass es bleiben!
  8. Wenn du genauso bloggen willst wie…, lass es bleiben!
  9. Wenn du in Diskussionen lieber zuhörst als mitredest, lass es bleiben! – oder – Wenn du keine eigene Meinung hast, lass es bleiben!
  10. Wenn dich nichts/alles interessiert, lass es bleiben!
  11. Wenn du bereits fünfundzwanzig Einträge verfasst, aber nur drei bis fünf Artikel auf anderen Seiten kommentiert hast, lass es bleiben!
  12. Wenn du Kommentare, die Gegenmeinungen zu deinen Artikeln enthalten, löschst, lass es bleiben!

Hoffe, geholfen zu haben!