Wen interessiert’s nächstes Jahr?

Marco Arment in der Blog-Sinnkrise. Wenn ich mir allerdings ansehe, was ich in letzter Zeit geschrieben und wie sich diese Seiten verändert haben, dann…

Most of my favorite writing over the last few years was about specific products or technology companies. There’s a place for that, but in one year (…), who’s really going to care about the politics of technology and the nuances of gadgets in 2012?

Calepin

Calepin ist wohl die einfachste, sicherste und reduzierteste Art des Bloggens. Calepin ist ein Generator, der aus in Dropbox gespeicherten Markdown-Dokumenten eine Website erstellt und sie auf den Hochleistungsservern von Amazon veröffentlicht.

Der Kopf hinter Calepin, Jökull Sólberg Auðunsson, ermöglicht es dem User dabei bewusst nicht, mehr als nur Inhalte bereitzustellen. Seine Philosophie hinter Calepin ist äußerst interessant, vor allem, weil er damit den qualitativen Aspekt von Onlineveröffentlichungen betonen will.

Steven Franks Blog

Das klingt schon sehr nach dem, was auch ich immer und immer wieder mache… Steven Frank on rebooting his blog.

Then there’s the issue of my tendency to delete everything periodically. … I used to worry about this behavior sapping away at my reader base, but then I realized: there really isn’t a truer reflection of myself. A restless, flighty, bee-in-the-bonnet site mirrors my real-life personality with an embarrassing accuracy.

Das Tumblr-Konzept

Wer braucht noch WordPress oder andere hochtrabende Content Management Systeme (CMS) wenn sowieso alle auf die eine oder andere Weise “tumbln”? Auf dreitehabee wie auch auf fast allen Blogs, die ich per Newsfeed abonniert habe, gibt es mal lange Artikel, mal kurze, mal nur Videos, manchmal nur Lieder oder Bilder! Auch der andauernde Bedarf nach Asides ist überall groß und jeder halbwegs talentierte Autor einer Designvorlage berücksichtigt das auch gleich. Ja, selbst wirklich große Namen in der Bloggerszene tumbln ab und an (oder reduzieren ihre Artikel sowieso auf die Qualität eines Tumblr-Eintrags). Kurzum: Wozu sich die Mühe mit WordPress oder anderen CMS antun, wenn man es mit den Features, die Tumblr anbietet, ebenso bewerkstelligen kann? Keine Ahnung. Das, was bei Tumblr fehlt, kann man schnell mit einem einfachen Eingriff in den Quellcode der Seite ausbessern, die Kommentarfunktion holt man sich von disqus, ja selbst gegen Werbung haben die Betreiber von Tumblr nichts, es darf nur nicht der Eindruck entstehen, der Sinn und Zweck der Seite sei es, alle Aufmerksamkeit auf den einen oder anderen Online-Shop zu lenken (Im E-Mail, in dem mir das bestätigt wurde, wurden zum Beispiel Google AdSense-Werbungen wörtlich als “völlig in Ordnung” dargestellt).

Nun? Was spricht also für den Durchschnittsblogger noch für das mühsame Aufsetzen, Warten und Betreiben eines CMS? Ja, was spricht sogar für höchst erfolgreiche Blogger mit unvorstellbaren Besucherzahlen für ein CMS?

Kann man ein WordPress-Blog erkennen?

Ausgehend von einer merkwürdigen Beobachtung Joe Trotters, der behauptet, ein WordPress Blog ohne Blick in den Quellcode erkennen zu können, stellt John Gruber fest, dass es nicht das System ist, das für das Erscheinungsbild einer Website verantwortlich ist, sondern das Design. Was als Plattitüde durchgehen könnte, hat einen doch tieferen Grund.

What makes Design Observer so good isn’t that it feels Movable Type-y, but that it feels Design Observer-y. Zeldman uses WordPress, and the result is pure Zeldman-y goodness. The same goes for WordPress creator Matt Mullenweg — nothing about his Photo Matt weblog looks or feels WordPress-y to me.

Wie man den Traffic seines Blogs erhöht

Das renommierte seomoz gibt 21 Tipps, wie man den Traffic auf seinem Blog erhöhen kann. Neben den üblichen Hinweisen (“Wähle die richtiges Blog-Software”, “Benutze eine eigene Domain”, …) gibt es auch Tipps, die etwas komplizierter umzusetzen sind, weil sie direkt auf den Zugang des Menschen hinter einem Blog zielen.

Charisma is a valuable quality, both online and off. Through a blog, it’s most often judged by the voice you present to your users. People like empathy, compassion, authority and honesty. Keep these in the forefront of your mind when writing and you’ll be in a good position to succeed. It’s also critical that you maintain a level of humility in your blogging and stick to your roots. When users start to feel that a blog is taking itself too seriously or losing the characteristics that made it unique, they start to seek new places for content. We’ve certainly made mistakes (even recently) that have cost us some fans – be cautious to control not only what you say, but how you say it. Lastly – if there’s a hot button issue that has you posting emotionally, temper it by letting the post sit in draft mode for an hour or two, re-reading it and considering any revisions. With the advent of feeds, once you publish, there’s no going back.

Für Geld oder doch nicht?

Seit einiger Zeit schon gibt es unter Bloggern die Diskussion, ob man Blogs, die auch kommerziell Bloggen, also Artikel für Unternehmen oder deren Produkte gegen Bezahlung schreiben, kennzeichnen, wenn nicht gar brandmarken sollte. Es gibt natürlich zwei Meinungen, die sich an offensichtlich völlig anderen Vorstellungen von Blog brechen. Die einen meinen, dass das Heiligste des Bloggens, nämlich die Neutralität des Autors, stets gewahrt bleiben sollte und der Leser sofort erkennen können sollte, ob es sich bei diesem und jenem Blog hier um eines handelt, das bezahlte Artikel anbietet oder ob die Artikel hier tatsächlich die Meinung des Autors widerspiegeln. Die anderen hingegen gehen davon aus, dass ein paar bezahlte Artikel zumindest die Kosten für Webspace und Domain wieder hereinbringen, insofern nichts gegen bezahltes Bloggen auszusetzen wäre, da ja bei den meisten Services, die momentan en vogue sind, sowieso redaktionelle Freiheit besteht, die es den Autoren von Blogs durchwegs möglich macht, auch Kritisches über das Produkt zu schreiben. Es ist halt keine Werbung, die man da macht, sondern Rezensionen, die man schreibt. Und dass die Neutralität eines Autors verloren geht nur weil er ein Produkt rezensiert, dass er an sich nicht rezensieren würde, das bezweifle ich stark.

Ich habe mich sowohl bei ReviewMe als auch bei Trigami angemeldet und habe für beide Services bereits Reviews respektive Rezensionen geschrieben. Während Trigami ganz klar ersichtlich eine Grafik einbettet, die dem Leser sowieso im Voraus schon klarmacht, dass der folgende Text eine Rezension eines Produktes sein wird, für die der Autor bezahlt wurde, ist das bei ReviewMe wesentlich undeutlicher oder unklarer, denn hier entscheidet der Autorselbst, wie er den Eintrag als Werbung markiert. In meinem Fall gleich doppelt, denn der Artikel wird sowohl im Titel mit einem vorangesetzten “Werbung” gekennzeichnet als auch durch die Kategorie mit dem gleichen Namen. Ich denke also, dass jeder Leser, der hier vorbeischaut, wirklich leicht erkennt, dass es sich um eine bezahlte Rezension handelt.

Was wir Blogger nicht kapieren

Mit der Partizipation im Internet ist das so eine Sache. Sehe ich mich in meiner virtuellen Nachbarschaft um, so kann ich im deutschsprachigen Raum das Blogsterben feststellen. Ein Blog nach dem anderen macht zu und die Autoren behalten sich lediglich die Option vor, eventuell und vielleicht irgendwann einmal wieder was zu schreiben, was dann ab und an auch geschieht, jedoch in stark verminderter und verkürzter Form, schlimmstenfalls als eine Sammlung von kommentierten Links oder Kürzestartikeln, geschmückt mit dem Begriff Tumblelog. Doch das ist nicht, was Bloggen einst war und das ist nicht, was uns Leser befriedigt.

Bloggen, das war das Veröffentlichen von selbst geschriebenen Artikeln auf der eigenen Website. Und diese Artikel hatten immerhin den einen oder anderen Wert: Sie waren entweder informativ und Wissen bringend oder einfach nur unterhaltsam. Solche Artikel kommentierte man als Leser auch ab und zu, vor allem, wenn man die eigene Erfahrung in den Kommentar einbringen konnte. Jeder Blogger weiß, dass plötzlich alle zu Experten werden, wenn es in den Artikeln um Dinge geht, die ein jeder tagtäglich bestreiten muss: Essen, Wohnen, Schlafen, Beziehungen und dergleichen. Bei diesen Themen besteht fast eine hundertprozentige Garantie auf Feedback. Bei anderen Themen, die ein Wissen oder eine Spezialisierung voraussetzen, also im Feedback nach einer Form von Experten verlangen, erscheint es ja nur logisch, dass sich das Feedback drastisch reduziert, qualitativ aber stark verbessert.

Und dennoch: Ich meine, dass das Level der Partizipation, vor allem die Kommunikation durch Kommentare und Anmerkungen zu Artikeln auf Blogs im Allgemeinen dramatisch gesunken ist. Vor allem im deutschsprachigen Raum. Das wundert mich aber, denn ganz im Gegenzug dazu ist es bei anderen Inhalten und anderen Angeboten sehr wohl vorhanden. Das Kommentarvolumen und die Kommunikation per Mail innerhalb eines Services sind, nehmen wir Flickr oder YouTube her, enorm. Und wenn es auch ein einfaches Gefällt oder Gefällt nicht ist, die Leute kommentieren und geben Feedback. Woran liegt das? Warum kommentieren die Besucher dieser Seiten die diversen Inhalte, die Besucher unserer Blogs aber nicht? Sind wir so dermaßen schlecht? Liegt es am Lesen? An der Herkunft? Woran liegt es?

Das Geheimnis des Erfolges dieser Seiten liegt darin, das Unvereinbare vereinbart zu haben, ein zuvor als Gegensatzpaar in Erscheinung Getretenes, nunmehr als Gemeinsames vorzulegen: Die Spezialisierung auf das Alltägliche. Diese Kombination macht alle Menschen zu Experten auf dem Gebiet und jeder, der irgendeine Form der Meinung besitzt, kann seine “Expertenmeinung” kundtun. Und diese wird durch weitere Experten unterstützt und wieder und wieder und wieder und wir haben hier schon das, was man gemeinhin Web 2.0 nennt ohne eigentlich zu erkennen, dass Web 2.0 die Spezialisierung auf das Alltägliche ist.

Im deutschsprachigen Raum gibt es aber solche spezialisierten Services nicht. Es gibt als einzig partizipatorisches Element der Bewohner dieser Lande lediglich Weblogs. Und die Anzahl derer hält sich – im Vergleich zu anderen Ländern – auch sehr stark in Grenzen. Wir sind halt keine Experten. Offenbar nicht einmal im Alltag. Oder doch?

Doch, ein wenig sind auch wir Experten, denn es gibt sehr wohl einige spezialisierte und offensichtlich ganz gerne gelesene Seiten, bei denen der Wissenskonsum seitens der Leserschaft scheinbar ganz gut funktioniert. Diese Seiten sind hochspezialisiert, allerdings nicht auf Alltagsthemen. Wie sieht es bei solchen Seiten mit der Teilnahme der Leserschaft an der Diskussion aus? Erfolgt sie? Wohl kaum, denn das Gros der Leserschaft eines solchen Blogs ist konsumierende, nicht aber partizipierende Leserschaft. Es wird nicht kommentiert, denn das meiste ist womöglich neu, also existiert die eigene Meinung noch nicht; es wird nicht kommentiert, denn das eigene Unwissen darf nicht ausgestellt werden; es wird nicht kommentiert, denn es ist doch schon alles gesagt und… wir sind ja keine Experten, wenn es nicht um Alltägliches geht! Und diese drei Punkte haben alle einen gemeinsamen Nenner: Unwissen.

Kommunikation auf Blogs erfolgt meist dann, wenn, wie ich schon sagte, beide Seiten eine Ahnung von der Materie haben, egal nun, ob diese auf akademischem Wissen beruht oder als Alltagserfahrung daherkommt. Das zieht sich bis in den kleinsten Bereich fort: Nur wenn beide eine Ahnung haben, wird kommentiert, weiß einer mehr als der andere, bleibt die Partizipation in Form von Kommunikation aus. Freunde, die einen auffordern, diesen oder jenen Artikel zu kommentieren, erhalten aus Freundlichkeit irgendein allgemeines Bla Bla, wenn man nicht selbst über den Inhalt des Artikels noch vor dem Lesen bescheid weiß. Ebenso funktioniert das aber auch auf höchstem wissenschaftlichen Level: Es kommentiert nur, wer Ahnung hat.

Warum aber schweigt sich der deutschsprachige Raum aus, der englischsprachige aber nicht? Dort wird ein Kommentar nach dem anderen abgegeben und es entsteht der Eindruck, dass irgendwie alle von allem Ahnung haben. Stimmt nicht, dort gibt es mittlerweile etwas, was im deutschsprachigen Raum wenn, dann nur marginal vorhanden ist: Die Wissensvermittlung über die Kommunikation der Experten im Medium Blog.

Eine Gemeinsamkeit erfolgreicher Blogs – und das gilt für alle Blogs weltweit – ist die Kommunikation mit anderen Blogs oder zumindest die Kommunikation mit anderen Experten auf der eigenen Seite, denn dieser Dialog der Experten erklärt sehr viel und verdeutlicht das Geschriebene sehr viel mehr als es ein einfach so ins Netz gestellter Artikel es jemals könnte. Experten sind hier gemeint als Menschen, die sich mit dem Inhalt des Geschriebenen auskennen, seien dies nun Freunde, die gemeinsam etwas erlebt haben oder wissenschaftliche Mitarbeiter, die ein bestimmtes Thema diskutieren. Mit der Zeit beteiligen sich in solchen Dialogen immer mehr Menschen am Gespräch und die Expertendiskussion verdünnt sich immer mehr zu Gunsten derjenigen, die zuvor noch keine Ahnung hatten. Doch das ist nichts Schlechtes. Es ist, ganz im Gegenteil, gut so, denn nur so kann der Rest sein Wissen vermehren und auch auf anderen Gebieten Experte werden! Doch das kapieren wir Deutsche, Österreicher und Schweizer offenbar nicht, dass Lernen über Teilnahme und nicht über stillen Konsum erfolgt.

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