Alltag rein

Es geht schon wieder los in Wien. Der Weg zum Billa-Frühstückssemmerl hat sich heute völlig anders gestaltet als in den letzten paar Monaten. War der Laden bislang von Pensionisten bevölkert, die mit einer stoisch-gemütlichen Langsamkeit den Billaverkäufern beim Warenschlichten und der Kohlensäure in den Mineralwasserflaschen beim Hochsteigen zuschauten, so war das Bild heute ein völlig anderes: schreiende Kinder, die zwischen den Alten Slalomläufe absolvierten, Mütter, die sie davon abhalten wollten und Schultaschen überall. An jeder Ecke Waren, die durch eine Rechts- oder Linkskurve eines Slalomläufers auf den Boden befördert wurden, alle Kassen waren besetzt und das Gummizeugs, das seit Monaten sein trauriges Dasein fristete, war endlich wieder ausverkauft. Wahrscheinlich hätten die beim Billa die „Ware abgelaufen, 50% ermäßigt!“-Aufkleber drauftun sollen, aber welchem Kind fällt das schon auf? Die Gummibären waren weg, ebenso Snickers, Mars und Dinge, die erst nach mir kamen, die sauren Apfelbänder natürlich und die Colaflascherln. Ach ja: Beim Billa hatten sie heute erstmals wieder genügend Kleingeld!

Es ist dann wohl die Zeit gekommen, um Urlaub zu machen.

Alltag

Der Tag beginnt gut. Ich bin ausgeschlafen und bestens gelaunt. Ich habe Glück, da mein Frühstück, im Gegensatz zu Patricks, nicht verdorben, alt oder schlecht ist. Nach dem Frühstück, pilgere ich in den Computerraum der Universität. Ich kriege Hunger, doch Walli sagt ab, Blanca kann nicht essen, Magdalena will nicht, Jakob ist nicht zu erreichen, Patrick ist weg, etc., etc.. Ich beschließe der Mensa, die sich in letzter Zeit bewährt hat, abermals mein Vertrauen zu schenken. Ich scheitere damit am gratinierten Gemüseauflauf, der ja gut aussah, nicht aber so schmeckte. Meine Güte, so ein Graus dieses Ding. Oben total verbrannt, im Inneren kalt, das Gemüse teilweise noch tiefgefroren. Pfui Teufel!

Portion stehengelassen, zum Billa gepilgert. Um den Geschmack des gekosteten Stücks wieder schleunigst wegzubekommen (und im gleichen Atemzug noch Nahrung zu sich zu nehmen), beschließe ich eine Leberkässemmel zu essen. Schon lange nichts Deftiges mehr gehabt, geschmacklich mega-intensiv, in irgendeiner Form doch irgendwie nahrhaft, vor allem aber warm. Beschluss gefasst, doch: Schmeck’s! Der Leberkäse liegt völlig unmotiviert außerhalb des Ofens, weil der gerade gereinigt wird. Auf meine Frage, ob er denn noch warm sei, der Leberkäs’, kommt ein überzeugtes Ja, weshalb ich, wiederum mein Vertrauen inflationär verschenkend, bestelle. Ergebnis: Die Gurkerln in der Leberkässemmel sind wärmer als der Leberkäs’ selbst! Naja, den kann man bekanntlich auch kalt essen, daher wird er auch gegessen. Dennoch: Enttäuschung pur. Das Projekt Wohlfühlen, dass heute so gut begonnen hat, ist also in kulinarischer Hinsicht absolut gescheitert. Mal sehen, was der Abend bringt!

Ein Skandal.