Es ist ganz einfach, die Dinge funktionieren

Gerade eben stelle ich fest, dass die Dinge ganz einfach geworden sind, denn sie funktionieren: Ich erwache, schalte meine Kaffeemaschine ein und völlig geräuschlos macht sich das Ding heiß und wartet, bis ich den kleinen Espressoknopf drücke. Inzwischen fährt der Computer ohne Macken hoch und checkt E-Mails aus drei verschiedenen Protokollen mit unterschiedlichen Servern aus aller Welt. Im Newsreader sammeln sich Nachrichten an, die nur noch auf die J-Taste warten. Die elektrische Zahnbürste surrt im Mund herum während der Geschirrspüler sein Werk erledigt. Das Telefon hat sich soeben vom Nacht- in den Tagmodus umgeschaltet.

Ich starte meinen Browser und die Seiten, die ich sehe, sind valides XHTML, werden richtig dargestellt und das letzte “Site under Construction” habe ich vor ein paar Jahren gesehen. Content Management System leisten ihre Arbeit und die Dinge funktionieren. Eingebundenes Multimedia? Funktioniert. Kommunikation aus China mit einer Qualität, die ich nicht einmal in Potzneusiedl habe? Jawohl! Das Griensteidl ist ein Nichtraucherlokal geworden und beim Heissenberger gleich gegenüber gibt es endlich vernünftigen Kaffee! Die Temperaturen momentan sind perfekt, ebenso die Wirksamkeit von Xyzall. Ich denke, es ist momentan ganz einfach, denn die Dinge funktionieren.

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Alltag

Der Tag beginnt gut. Ich bin ausgeschlafen und bestens gelaunt. Ich habe Glück, da mein Frühstück, im Gegensatz zu Patricks, nicht verdorben, alt oder schlecht ist. Nach dem Frühstück, pilgere ich in den Computerraum der Universität. Ich kriege Hunger, doch Walli sagt ab, Blanca kann nicht essen, Magdalena will nicht, Jakob ist nicht zu erreichen, Patrick ist weg, etc., etc.. Ich beschließe der Mensa, die sich in letzter Zeit bewährt hat, abermals mein Vertrauen zu schenken. Ich scheitere damit am gratinierten Gemüseauflauf, der ja gut aussah, nicht aber so schmeckte. Meine Güte, so ein Graus dieses Ding. Oben total verbrannt, im Inneren kalt, das Gemüse teilweise noch tiefgefroren. Pfui Teufel!

Portion stehengelassen, zum Billa gepilgert. Um den Geschmack des gekosteten Stücks wieder schleunigst wegzubekommen (und im gleichen Atemzug noch Nahrung zu sich zu nehmen), beschließe ich eine Leberkässemmel zu essen. Schon lange nichts Deftiges mehr gehabt, geschmacklich mega-intensiv, in irgendeiner Form doch irgendwie nahrhaft, vor allem aber warm. Beschluss gefasst, doch: Schmeck’s! Der Leberkäse liegt völlig unmotiviert außerhalb des Ofens, weil der gerade gereinigt wird. Auf meine Frage, ob er denn noch warm sei, der Leberkäs’, kommt ein überzeugtes Ja, weshalb ich, wiederum mein Vertrauen inflationär verschenkend, bestelle. Ergebnis: Die Gurkerln in der Leberkässemmel sind wärmer als der Leberkäs’ selbst! Naja, den kann man bekanntlich auch kalt essen, daher wird er auch gegessen. Dennoch: Enttäuschung pur. Das Projekt Wohlfühlen, dass heute so gut begonnen hat, ist also in kulinarischer Hinsicht absolut gescheitert. Mal sehen, was der Abend bringt!

Ein Skandal.

Warten

Ich komme nach Hause, streife die Schuhe mit den Füßen ab, werfe die Jacke auf den Stuhl, wasche mir die Hände, das Gesicht, gehe ins Wohnzimmer, nehme die CD aus dem Regal und lege sie in den Spieler. Das Air von Bach erklingt in gedämpfter Lautstärke, der Tee ist mittlerweile fertig, ich schenke mir ein. Beruhigung kehrt ein. Ich setze mich auf meine Couch. Ich warte und schließe die Augen. Ich warte darauf, dass es aufhört. Das Adagio von Edward Elgar erfüllt majestätisch den Raum, zehn Minuten sind vergangen, der Tee ist zur Hälfte getrunken und es hat endlich aufgehört, das Warten.