TED Talks: Warum sind wir glücklich? Und warum nicht?

Der Psychologe Dan Gilbert über unser psychologisches Immunsystem.

Sonntagsarabesken #142

Könnte ich Dich lieben? Ohne Dich zu begehren? Wie wäre das möglich? Wäre es überhaupt möglich? Die Stunde ist vorbei, die Minute, in der Du an meiner Seele vorbeigestreift bist, flüchtig und schön, unfaßbar und doch zugleich so greifbar wie nie zuvor und nie danach. Du bist wie ein im Licht verrinnender Schatten, eine Mischung aus Heute und Gestern, eine Göttin zwischen Einst und Jetzt. Unsere Bewegungen, so oft vereint. Ich bin aus Deiner Vergangenheit in meine Zukunft gefallen, oder umgekehrt, Du kanntest mich, in all meinen Details, und wußtest um meine Schwächen, meine unbekehrbare Seite, meine irregeleiteten Sehnsüchte Bescheid. Mit dem wissenden Lächeln einer Sibylle hast Du mich zur Seite geschoben, sanft aber bestimmt. Und jetzt? Geliebt und geträumt und ersehnt; ich habe das Paradies geahnt, den Duft der Ewigkeit gerochen, die Silhouette der Seligkeit gesehen. Deine Milde war Grausamkeit. Deine Geduld nichts anderes als berechnendes Vorausschauen. Zu den traurigen Klängen eines Kaffeehausklaviers hast Du mir das Herz gebrochen; im flackernden Schein schneeumflockter Straßenbeleuchtung hast Du mich in Verzweiflung gestürzt; und an Tagen allzu frühen Tauwetters habe ich Dich gehaßt. Bis die Befreiung und das Erstaunen kamen: Warum nicht früher? Warum konntest Du mir nicht schon früher einfach gleichgültig sein? Oder: Warum bist Du es aber trotz allem nach wie vor nicht? Darin liegt die Ironie der ganzen Geschichte. Darin, und in der Tatsache, daß ich jetzt, Jahre später, die Sonne in einer fremden Stadt genieße, den Herzschlag dieser Stadt spüre, ihren Asphalt unter meinen müden Füßen, ihren Kaffee wie schwarzes Blut in meinen Adern, ihre Launen in meinen Eingeweiden, und wieder an Dich denken muß, obwohl dieses Kapitel doch längst abgeschlossen ist. Doch andererseits bleibt die Erinnerung wach, nagt sich einen Weg durch das Fühlen, bis sie schließlich durch das Fühlen und Begreifen an die Oberfläche stößt. Es sind Melodien und Gerüche, Stimmungen und Gefühle, die lange Zeit durch ein unbewußtes Zusammenspiel Geist und Körper geformt haben; so wie die zerplatzten Orangen im Rinnstein kehren sie zurück, Bilder vor dem inneren Auge, und gewinnen dadurch zwar wieder an Frische, nicht jedoch an Leben. Daran kann nicht einmal die Aura der wundersamen Stadt etwas ändern. Denn tot sind sie. Und werden es immer sein.

Kann man ein WordPress-Blog erkennen?

Ausgehend von einer merkwürdigen Beobachtung Joe Trotters, der behauptet, ein WordPress Blog ohne Blick in den Quellcode erkennen zu können, stellt John Gruber fest, dass es nicht das System ist, das für das Erscheinungsbild einer Website verantwortlich ist, sondern das Design. Was als Plattitüde durchgehen könnte, hat einen doch tieferen Grund.

What makes Design Observer so good isn’t that it feels Movable Type-y, but that it feels Design Observer-y. Zeldman uses WordPress, and the result is pure Zeldman-y goodness. The same goes for WordPress creator Matt Mullenweg — nothing about his Photo Matt weblog looks or feels WordPress-y to me.

Sonntagsarabesken #141

Die Stadt ist ein Gefühl, das langsam wieder in meinem Körper erwacht. Sie kriecht mir unter die Haut, sie breitet sich aus in meinem Blut, sie füllt meine Nase mit ihrem Duft. Kühler Wind vom Meer, der manchmal Regenwolken mit sich trägt. Doch die Dachziegel sind noch warm von der Vormittagssonne. Die Hecken blütenüberwuchert. Und die Katzen in spätsommerlichem Schlummer versunken. Vier Jahre entwirren sich vor den spiegelnden Fensterscheiben, ihre Verschlingungen und Irrwege verschwimmen in einer transparenten Wolke goldenen Lichtes. Dazu Musik, die ich schon lange nicht mehr hörbar glaubte. Und hinten, in der dunklen Höhlung des Stehparterres, lehne ich mit glühenden Wangen, neben mir die Wärme eines frischen jungen Körpers. Mein Applaus zerrinnt im Enthusiasmus der anderen. Jetzt, sechs Jahre später, hallt er mir wieder in den Ohren. Und was kam danach? Wieviele Stunden und Tage und Wochen sinn- und hoffnungslosen Sinnens und Hoffens? Wieviele gute Gedanken, die einem einzigen falschen Gedanken geopfert wurden? Und wieviele Worte, die sich zu endlosen Kaskaden in einer gebetsmühlenartigen Fontäne formten, gespeist von verschmähter liebestoller Sehnsucht? Schnee und Blüten, Schokolade und Wodka, Bier und Äpfel. Tausende Sonnenuntergänge über sanfter Hügellinie, Autofahrten durch dunkle Wälder, morgendliche Spaziergänge zwischen Orangenbäumen bei San Giovanni, geträumte und erhoffte und doch nie Realität gewordene Tänze, Pfeifenrauch und italienischer Kaffee, schmiedeeiserne grün lackierte Gartenzäune, schwere Fliederblüten und entwurzelte Bäume. Ich glaube, die Sohlen meiner längst zerfallenen Lederschuhe am Fußballen zu spüren, während ich hier sitze, in die samtschwarze Nacht hinausstarre, die orangefarben beleuchtete Fassade der Villa Giulia vor mir, und rieche das nasse Herbstlaub, das den Asphalt eines längst vergangenen Gehsteiges bedeckt. Die Vergangenheit weitet sich zu einem Tunnel mit silbrig schimmernden Wänden, an dessen Ende sich scharf umrissene Schatten versammeln und zu mir herüber winken. Ich will die Hand heben, um ihnen Antwort zu geben. Die Finger fühlen sich bleiern an. Unmöglich, sie zu heben. Trotz der klammen Kälte steht Schweiß auf meiner Schläfe. Die Melodie brennt sich in mein Gehirn. Warme Lippen in meinem Nacken. Eine herrlich süße, herrlich schreckliche Stimme murmelt beruhigende Worte. Ein Nachtgespenst. Ich weiß es genau. Und doch schließe ich halb die Augen und lasse es geschehen. Die Schatten warten noch immer. Ein letzter Blick. Dann wende ich mich auf dem Absatz um. Die Lichter der Stadt vor mir. Das Jetzt. Die Welt. Ich fülle meine Lungen mit der frischen Nachtluft, gehe los, meine Schritte schneller, immer schneller. Die Musik verklingt. An der Ecke steht eine junge Frau, an den Zaun gelehnt, und wartet. Meine Augen streifen über ihren schlanken, schönen, zerbrechlich wirkenden Körper. Ein letzter Nachhall der Ewigkeit. Sie sieht mich an. Ich weiß, daß sie es tut. Drehe den Kopf zur Seite. Und gehe weiter.

Café Paradise

Nach einer Umrundung der Insel Moorea mit dem Moped, entdeckten Katharina und ich ein Café mit dem klingenden Namen “Café Paradise”. Ich parkte das Moped und wir betraten einen von zwei Seiten her umzäunten Strand mit Tischen, Sonnenschirmen und einer Bure, die als Küche und Bar diente. Nur wenig später kam uns ein Mann mit der Frage entgegen, was wir hier eigentlich wollten. Seine Haut war tiefbraun gebrannt, seine Haare von der Sonne ausgebleicht, dennoch machte er einen nicht unzufriedenen Eindruck und stellt seine Frage mit einem Schmunzeln.

Ich fragte ihn, ob man im Café Paradise um die Zeit noch guten Kaffee bekommen könne, der nicht, wie sonst überall, aus Nescafé-Pulver hergestellt würde und nach gar nichts schmeckte, sondern echten Kaffee im Sinne von Kaffeebohnen, Kaffeemühle, Espressomaschine, knappe 10 Bar Druck, Laufzeit 20 Sekunden und so weiter…

Er schmunzelte, fühlte sich aber herausgefordert und öffnete einen Bretterverschlag zur Bure, in der ich einen Siebträger entdecken konnte. Doppelt? Ja. Zweimal? Ja. Und er machte den besten Espresso, den ich seit langem getrunken habe.

Wananavu Beach Resort

Wananavu Beach Resort in Rakiraki/Fiji

Nach den Anstrengungen und Strapazen der nicht mit Hotels ausgestatteten Welt übernachteten wir im Wananavu Beach Resort, genauer gesagt in den “Dreamview Villas“, drei Häusern, die auf einem Hügel an der Küste gelegen sind und einen wunderschönen Ausblick aufs Meer bieten. Diese Villen sind kleine Luxushäuschen, besonders, wenn man zuvor im Meer geduscht hat und das sauberste Wasser einen leichten Dreckschleier hatte. Der Infinity-Pool bot was er versprach, auch das Essen war ein Fest. Nicht mehr Schildkröte stand am Speiseplan, sondern Burger, gemischte Salate und alles was das Zivilisationsherz begehrt.

Andererseits waren nicht alle zufrieden damit. Noch vor wenigen Stunden haben wir die Herzlichkeit eines Stammes von Ureinwohnern erleben dürfen, jetzt die sterilen Freuden der Hochzivilisation: Fernsehen, Cocktails, Duschen. Die Unentschlossenheit über die Bewertung dieses Hotelausflugs konnte man bei allen spüren. Die Reise hatte offenbar Wirkung gezeigt.

Delfine!

Dolphins

Tacileka hatte nicht viel außer die Grundbedürfnisse zu befriedigen. Die Frauen warteten auf den Fisch, den die Männer fingen, die Kinder spielten und tollten herum, die Männer selbst lagen auf ihren Booten und fischten und der Stammeshäuptling — der “Chief” — saß vor seinem Windows-Vista-Rechner (!) und surfte im Internet. Ein Prediger spazierte am Strand entlang, verschwand jedoch schon bald hinter dem Horizont.

Ich hatte gefrühstückt und stellte mich auf einen Tag voller Verpflichtungen ein: Singenmüssen hier, Helfenmüssen da, Fischen im Meer und was weiß ich was wo noch. Es kam allerdings ganz anders. Als ich mich zum Strand begab, um dort ein wenig das Kanu für ein paar Stunden zu entführen, fielen mir drei Transportboote auf, die tags zuvor noch nicht dagewesen waren. Und siehe da, das Schicksal fügte sich und es gab ein angenehmes Programm. Ich erfuhr, dass wir in wenigen Minuten zu einem Riff aufbrechen würden, wo sich für gewöhnlich Delfine aufhielten. Delfine also. Na das wird ja spektakulär werden, so meine ernüchterte Reaktion.

Wir fuhren los und fuhren und fuhren, bis wir ein paar Kilometer vor der Küste Fidschis beim Riff anlangten. Die Delfine planschten herum und beachteten uns nicht. Selbst als sich das Boot näherte, wurden wir ignoriert. Ein paar Meter unter der Meeresoberfläche gingen sie ihren Beschäftigungen nach als ob nichts wäre. Fuhr man allerdings mit vollem Karacho mit dem Boot übers Wasser, tauchten sie auf: Sie versuchten stets vor dem Boot zu bleiben, sprangen aus dem Wasser und ihr Verhalten glich einem Spiel mit dem Boot. Man fühlte sich wie mitten in ein freundschaftliches Wettrennen versetzt. Die positive Ausstrahlung, die ich zuvor noch nie an einem Tier empfand, wurde mir hier, vor der Küste Fidschis, bewusst. Ja, man kann Tiere, die man nie zuvor in der Natur gesehen hat, lieben.

Tacileka, Fiji

Bevor wir uns auf die Reise in den Südpazifik machten, gab es in Wien Seminare und Vorlesungen zu verschiedenen Themen der Länder, die wir bereisen würden. Auch war klar, dass eines der Kapitel auf unserer Reise der Besuch in einem “Eingeborenendorf” auf Fiji werden würde. Menschen, die tote Tiere in Erdöfen zu Nahrung zubereiteten, Menschen, die in bereits gebrauchten Kleidern auf Lehmböden herumgingen, Menschen, die Wasser von der nahegelegenen Quelle holten, Menschen, die sobald sie eine Kamera sahen, sich unbedingt fotografieren lassen wollten; Menschen in großen Schlafzelten; kochende Frauen; jagende und erntende Männer – das waren die Eindrücke aus dem Video, das uns gezeigt wurde, bevor wir nach Tacileka – das “Eingeborenendorf” – kamen.

Anreise

Wir verließen Suva mit dem Bus. Ein ganz schön großer Haufen Westeuropäer saß mit seinen Samsonite-Koffern, iPods und Digitalkameras in einem heruntergekommenen Bus und fuhr nach Tacileka, einem Ort, der nichts außer klein und unbedeutend war. Ich sah mich schon am Abend umringt von hunderten Kindern, Fotos machen, Lieder singen und so tun als ob ich mich mit Leuten unterhalten konnte, die keine der Sprachen sprechen, die ich mühevoll erlernt hatte. Gekochte niedere Tiere zu Mittag, Gewürm rund um meinen Schlafsack, kein Strom, ekelhafte Toiletten wenn überhaupt.

Der Bus verließ die asphaltierte Straße und bewegte sich nur mehr auf abgefahrenen Wegen mit Schlaglöchern so groß, dass man sie bereits komfortabel ausfahren konnte, weiter. Ich stellte mir vor, wie eine wenig auf Körperpflege bedachte Gruppe von Menschen mit einer Gitarre, die ein Fotograf, Volkszähler oder Wissenschaftler einst vergessen hatte, dastehen würde, um uns zu begrüßen; in dem Moment, in dem sich die Türen des Busses öffneten, würde sie lossingen und uns willkommen heißen. Knallbunte Kleidung und Fisch als Willkommens-Mahl. Alles natürlich begleitet oder nach einer vorgelagerten Cava-Session.

Wir fuhren über eine Behelfsbrücke und der Bus quälte sich eine vom Schlamm überlagerte, darunter aber sowieso nicht vorhandene Straße hoch. Häuser tauchten nur mehr selten links und rechts der Straße auf, Stromleitungen wichen Generatoren und die etwas später der Natur. Ich begann mich vorzubereiten auf das, was mich da erwarten würde, indem ich all die Befürchtungen und Vorurteile versuchte abzulegen. Warum sollten sie denn so 1950 sein? Es kann doch nicht sein, dass eine Gruppe von Menschen schlichtweg die Weiterentwicklung der restlichen Menschheit verschlafen hat!

Der Bus bog ab und den Weg, den er nun wählte, gab es eigentlich nicht. Hier war weniger Gras als gleich daneben, aber eine Straße konnte man das nicht nennen. Wir fuhren an einem Haus vorbei. Wir waren da!

Tacileka

Der Bus blieb mitten im Dorf stehen. Links und rechts der Straße gab es ein paar Hütten, ein aus weiß lackierten LKW-Reifen umzäuntes Stück Rasen bildete, samt Kirche, den Hauptplatz. Daraf stand, hab ich’s nicht vermutet!, eine Gruppe knallbunt gekleideter Menschen, die mit einer klapprigen Gitarre als Begleitinstrument ein Begrüßungslied sang. Unsere Koffer wurden von den “jungen Männern” des Dorfes bereits ausgeladen und im Schatten abgestellt. Die Türen des Busses gingen auf und ein Kind nach dem anderen huschte vorbei, um die Weißen zu sehen. Unter dem Dach eines großen (Fest-?) Zeltes wurde bereits das Cava-Ritual vorbereitet.

Ein Bub, der sich mir angenähert hatte, fragte mich nach meinem Namen und ich nannte ihm die fidschianische Version: Michaeli. Das wird wie das englische Michael ausgesprochen, nur mit einem I hinten dran. Er grinnste mich an und lief davon. Wir wurden ins Zelt gebeten und ich sah mir – bewusst ein wenig weiter hinten sitzend – an, wie die ersten Reihen Cava schlürften. Man hatte für uns ein Buffet vorbereitet und es war wesentlich besser und zivilisierter als das, was ich erwartet habe. Ob’s davor oder danach war, dass wir den Familien zugeteilt wurden, weiß ich nicht mehr; was ich aber weiß, ist, dass Flo, Tini und ich Glück hatten. Wir wohnten praktisch am Graben von Tacileka (das ist, für Nichtösterreicher, die nobelste Adresse, auch wenn der “Graben” in Zusammenhang mit Tacileka auch anders verstanden werden könnte) und ich hatte das doppelte Glück, ein Zimmer (!) für mich alleine (!!) mit direktem Blick aufs Meer (!!!) zu haben. Tacileka war nämlich, und das wurde mir erst in diesem Moment bewusst, in puncto Lage luxuriöser als jedes Luxushotel: Tacileka lag direkt am Strand (an der Nordostküste Fijis).

Ich setzte mich auf mein Bett, fühlte dass es hart war, sah das Moskitonetz und erfuhr nicht viel später, dass mein Zimmer ursprünglich ein Geschäft für Fischkonserven gewesen war. Na toll. Ich schlafe in einem ehemaligen Geschäft für Fischkonserven. Und während ich vor mich dahinsinierte und nicht wusste, was ich nun tun sollte, hörte ich, wie draußen mehrmals mein Name genannt wurde. “Michaeli, Michaeli”, dann von einer anderen Person: “Michaeli…”, und noch eine: “Michaeli”. Es freute mich, dass man mich kannte, bedenklich war allerdings eine Sache schon: Keine der Personen, die meinen Namen offensichtlich wussten, mit dem Haus und diesem Zimmer in Verbindung brachten und aussprachen, kannte ich! Was war da eigentlich los?

Suva, Fiji

Fiji (oder Fidschi), also. Da waren wir nun. Die Insel, die in der westlichen Welt der Inbegriff des Paradiesischen ist, und wir sind da. Doch wo es ein Paradies gibt, ist Schmutz und der Alltag nicht weit: Suva, die Hauptstadt Fijis, ist eine schmutzige Hafenstadt mit ein paar sicheren, doch weitaus mehr unsicheren Vierteln. Prostitution, Drogen und durchaus vorhandene Kriminalität sind hier, wie in jeder anderen Stadt der Welt auch, präsent.

Unser Hotel mit dem klingenden Namen “Elixir” war ein Apartment Motel: Vierer-, Dreier- oder Zweiergruppen hatten ihr eigenes Apartment, getrennte Zimmer, aber auch Küche, Bad und WC vollständig von der restlichen Hotelinfrastruktur abgetrennt. Weniger erfreulich war die Tatsache, dass zum Zeitpunkt unserer Anwesenheit die Gänge des Hotels neu ausgemalt wurden und die in Suva verwendeten Farben offensichtlich ganz und gar nicht nasenfreundlich sind. Den ganzen Tag über stank es im ganzen Hotel nach Lacken, Farben und anderen Chemikalien. Klimaanlage gab es zwar eine, nicht aber in den Schlafzimmern.

USP und Nachtleben

Einen Tag nach unserer Ankunft in Suva fand bereits die erste Lecture-Sitzung an der University of the South Pacific (USP) statt. [Zeitsprung…] Kaum war der letzte Vortrag beendet, machten sich bereits einige von uns auf den Weg in die Stadt. Suva ist eine Hafenstadt, verfügt über einen ausgegliederten Hafenbereich, der weit vom geografischen Zentrum der Stadt entfernt ist, nicht jedoch vom zentralen Knotenpunkt des Stadtlebens. An der Promenade reihen sich Marktstände, Restaurants, Fast-Food-Ketten, Internetcafés, chinesische und indische Lokale, sowie Bars, Bordelle und Einkaufshäuser auf. Am ersten Tag wählten wir ein indisches Lokal aus, was sich in Suva wirklich auszahlte: Die indische Minderheit in Suva entspricht schon fast der Zahl der übrigen Einwohner. Indisches Essen ist hier praktisch zuhause. Der Abend verlief ruhig, wir gingen schlafen, keine Ausbrüche jedweder Art.

Luxus-Inder und Barbesuch

Abgesehen vom am nächsten Tag abermals stattfindenden akademischen Programm an der USP, besuchten wir wiederum ein indisches Lokal, diesmal aber den Luxus-Inder (auf der gegenüberliegenden Straßenseite). Das Essen war gleich gut, die Sitzgelegenheiten weniger bequem. Klar war, dass wir danach in eine Bar gehen mussten, die – was macht man eigentlich in Bars? – zum Glück einen Billardtisch hatte. Es wurden mehrere Runden gespielt, es wurden Gin Tonics getrunken, Fotos gemacht und letztlich wurde schlafengegangen.

Tanz-Aufführung, Heimküche und “Party”

Der nächste Tag wartete mit ein paar Überraschungen auf. Eines unserer Seminare an der USP hatte die Kultur Fijis zum Thema und solche Kultur-Seminar sind, wie jeder weiß, mühsam. Es wird von Musik, Malerei, Tanz, der Sprache und von Ritualen gesprochen – und das alles in einer Trockenheit, die das lebendigste und schillerndste Gebiet menschlicher Kommunikation grau in grau aussehen lässt. Nicht jedoch hier. Wir wurden in einen anderen Pavillon gebeten und eine Tanzgruppe, zusammengesetzt aus talentierten Studenten und Studentinnen der Universität, führte, begleitet von einer Band, die sich ihre Instrumente großteils selbst gebaut hat, eindrucksvolle, traditionelle und moderne Tänze auf. (Eine Randbemerkung: Ein chinesisches Reporterteam war auch zugegen und hat nicht nur die Tänzer und Tänzerinnen fotografiert, sondern auch uns, die interessierten Zuschauer. Dass der Fotograf mit seinem Riesenobjektiv dabei weniger auf den Gesamteindruck als auf feminine Linien fokussierte, sollte zumindest einmal gesagt worden sein…)

Der restliche Tag verlief ruhig und ohne besondere Highlights. Wir probierten ein Café aus, dessen Kaffee in die Kategorie “bottom-of-the-ashtray-level” fiel und irgendwann fanden wir uns im Elixir wieder ein. Was ich total vergessen hatte: An dem Tag kochte unsere lokale Reiseleitung für uns. Und was da kredenzt wurde, war nicht viel, aber gut. Es gab sowas Ähnliches wie Maki, überbackenen Fisch, Brotfrucht auf zweierlei Art und Weise, Toastbrot, etwas, das schmeckte und aussah wie ein Shrimpscocktail in Salatform und etwas, das aussah wie Spinat, aber nicht Spinat war, trotzdem wie Spinat schmeckte.

Das Essen fand im Rahmen einer “Party” statt, allerdings war diese Party organisiert, somit von Vornherein zum stimmungsvollen Scheitern verurteilt. Die Gruppe zerstreute sich ein wenig und mit der Bildung von Untergruppen und Präferenzdialogpartnern kam dann schnell Stimmung auf, die durch unseren Reiseleiter dadurch ein wenig gedrückt wurde, dass er diese Stimmung für ein Video wieder künstlich herstellen wollte! Nichtsdestotrotz ein netter Abend.

Colo-I-Suva und guter Kaffee

Für den nächsten Tag war ein Besuch des Colo-I-Suva, ein Regenwald in der Nähe der Stadt, geplant. Der Bus kam, wir wurden hinchauffiert und machten unseren Spaziergang. Quänglerisches Highlight dieser Tour waren die Waisila Falls, eine Reihe kleiner und größerer Wasserfälle. Bei einem der Tümpel gab es Lianen und mehrere konnten es sich nicht nehmen lassen, Tarzan zu spielen. So auch unser motivierter Reiseleiter, der, allerdings, stürzte ziemlich ab. Das nur so nebenbei.

Nachdem wir vom Regenwald zurückgekehrt waren, besuchten einige von uns den Markt und erkundeten die Stadt ein wenig bei Tageslicht. Meine Gebete wurden zudem erhört und wir fanden tatsächlich ein Café, dass halbwegs vernünftigen Kaffee servierte. Zwar hatte das Café den klingenden Namen “Headworks” und das Logo eines Friseursalons und war im ersten Stock, daher nur sehr schwierig zu finden, aber… ja. Kaffee: ganz gut.

Den letzten Tag in Suva verbrachte ich mit einer ganztägigen Erkundungstour durch die Stadt, gepaart mit vielen, vielen Fotos. Der Spaziergang war allerdings geprägt von einem mulmigen Gefühl für die kommenden Tage: Wir sollten Theorie und Praxis des akademischen Programms vermengen und in einem Eingeborenendorf leben. Die Erzählungen und Videos, die uns zuvor in Wien gezeigt wurden, verhießen in meinen Augen nicht Gutes. Morgen werden wir abfahren, morgen wird sich alles herausstellen.

Ankunft in Fiji

Wiedereinmal Fiji. Diesmal allerdings nicht auf Beachcomber Island, einer Nebeninsel, um nach kurzer Zeit wieder weiterzufliegen, sondern wirklich und tatsächlich Fiji. Fiji pur. Und es begann schon einmal nicht schlecht. Die Landung erfolgte sehr früh in der Früh (wenn ich mich recht erinnere, gegen 3:00 Uhr morgens), dementsprechend war auch meine Laune. Was nämlich offenbar einige können, ich aber ganz und gar nicht, ist das Schlafen auf Flughäfen bzw das Schlafen auf Sesseln. Und das führt dazu, dass man gegen 4:30 Uhr mit halb offenen Augen, einem müden Körper, der aber unfähig ist einzuschlafen, in Fiji am Flughafen sitzt und einem klar wird, dass der hyperaktive Reiseleiter ja einen Bus bestellt hat, der uns um 9:00 Uhr abholen soll, um gleich darauf eine ganztägige Sightseeingtour durchzumachen. Aber das war alles egal, Hauptsache, ich würde diesen Duselzustand noch weiter aufrechterhalten können.

Gegen 6:00 Uhr kam mir die Idee, Geld zu holen. Der Bankomat war auf der anderen Seite der Halle, also praktisch gegenüber von mir und lediglich ein paar Menschen standen dort, um Geld zu holen. Ich stellte mich an und bemerkte, dass offenbar mehrere Leute die gleiche Idee hatten. Hinter mir positionierte sich der Osten und gleich dahinter noch ein paar Kollegen. Als ich endlich dran war, die Karte schon im Schlitz, den PIN eingetippt und gerade die Summe aus dem Angebot wählen wollte, fragte mich der Osten “Wieviel Geld kann man abheben?”, und ich antwortete: “Zwischen 50 und 500 Dollar, jeweils in Zehnerschritten!” “Was für eine blöde Antwort!”, war die Reaktion. Der Osten war damit für mich unten durch und es würde sich schon noch erfüllen, was ich mir zu dem Zeitpunkt wünschte.

Es wurde 9:00 Uhr und der Bus kam. Wir fuhren zur Sugarcane-Train, einer Schmalspurbahn, mit der Zuckerrohr auf der ganzen Insel transportiert wird. Und die Sightseeingtour mit dem Bus ging mit der Bahn weiter. Pervers wurde es jedoch, als der Guide uns aufforderte, Bonbons und Zuckerl zu kaufen, denn die könne man den Kindern, die schon darauf warten würden, vom Zug aus zuwerfen. Und tatsächlich. Die Touristen aus Australien kauften fleißig ein und warfen, das allerdings ein wenig später und schön verteilt auf die ganze Fahrt, Zuckerl aus dem Zug auf die Straße und erfreuten sich daran, wie die Kinder sie aufklaubten und sammelten. Ich fand das widerlich, andere Gäste offenbar amüsant. Der Tag endete an einem schönen, aber langweiligen Strand und der Ankunft im Hotel in Suva. Auch nicht gerade einladend, aber doch gemütlich. Ganz wichtig: keine Kakerlaken!

Ein Tag in American Samoa

Für einige wurde am 14. September 2007 wahr, was wir schon gar nicht mehr für möglich gehalten haben: Unserem fleißigen Reiseleiter ist es gelungen, ein Flugzeug (der Inter Island Airways in Samoa) zu chartern, das uns von Samoa nach American Samoa bringen würde; ein Flug von einer knappen Stunde. In Samoa sollten wir ein Seminar besuchen, einen kurzen Sightseeing-Trip mitmachen und anschließend wieder zurückfliegen. So war es auch. Zumindest so ähnlich.

Flughafen

Wir verließen das Hotel pünktlich und erreichten den Flughafen ebenso pünktlich. An der Gepäcksaufgabe war schon der Inter Island Airways-Flug nach American Samoa ausgeschrieben, ansonsten war am Flughafen gar nichts los. Die Geschäfte hatten ihre Rolläden noch geschlossen, der Beamte, der die Pässe kontrollierte, war noch ziemlich verschlafen und der Duty Free-Bereich, der an sich schon sehr klein war, war größtenteils ebenso noch geschlossen. Plötzlich, eine Durchsage für uns, die Passagiere des Flugs mit der Nummer Irgendwas. Über die Lautsprecher der gesamten Flughafens wurde uns vorgelesen und erklärt, wie man eine Schwimmweste anlegt, wo sich die Notausgänge befinden, welche Sicherheitseinrichtungen das Flugzeug besitzt und wie unser Pilot heißt. Ein Vertrauen erweckender Beginn eines noch langen Tages!

Als die zwei Beamten erschienen, die unsere hangeschriebenen Boardingpässe kontrollierten, die Türen zum Flugfeld geöffnet und wir zu einem noch kleineren als dem befürchteten Flugzeug geführt wurden, das da parkte, wurde schnell klar, dass jeglicher Fall von Problem in dieser Büchse sehr schnell sehr ernst werden würde. Hinein also, Kopf an der Decke angeschlagen (man konnte nämlich nur stark gebückt seinen Sitzplatz erreichen!), hingesetzt und gewartet.

Flug

Das Flugzeug rollte los und die tiefe Sitzposition tat ihres dazu bei, dass ich ständig ans Autofahren denken musste. Viel höher als in einer A-Klasse saß man hier nämlich nicht. Die Kiste erhob sich in die Luft und gewann an Höhe. Im Gegensatz zu meiner ursprünglichen Vermutung, dass die niedrige Startgeschwindigkeit und die Propeller an sich die Maschine wesentlich unruhiger machen würden, war die Maschine völlig ruhig, solange wir nicht durch Wolken flogen. Gemütlich, nicht fürchterlich, war der Beginn. Gemütlich bis zu dem Moment, als es im Passagierraum unruhig wurde. Ich erhob meinen Blick aus einem idiotischen Airline-Magazin und wusste sofort, was los war: In der Kabine war Rauch! Was tun?!? Hier hinten war alles sehr nervös, der Pilot flog aber seelenruhig weiter als ob nichts wäre. Er musste doch den Rauch sehen oder zumindest riechen! Gar nichts! Die Gesichtsausdrücke der Passagiere waren zwischen Horror und verkrampftem Lächeln angesiedelt, doch Mucksen tat keiner. Der Pilot flog ruhig weiter. Aus der Belüftung kam Rauch? Oder war’s irgendeine Form von Kondenswasser? Nebel? Angesaugte Wolken? Keine Ahnung. Die Feuchtigkeit im Flugzeug machte mir sowieso genug zu schaffen, also lehnte ich mich zurück und hoffte, dass mich die herunterfallenden Sauerstoffmasken schon irgendwie aufwecken würden und wenn nicht, dann zumindest das Gekreische meiner Sitznachbarn.

Pago Pago

Wir landeten in Pago Pago (das spricht man aus, als ob ein N vor den Gs wäre!) in American Samoa. Toll, die Sache mit dem Rauch war also nicht so bedrohlich gewesen und Husten musste ich auch nicht. Da nahe beim Ausgang stand ich auf, schlug mir den Kopf wieder an und kroch aus dem Flugzeug. Hinter, neben, unter und über mir quoll der Rauch aus der Kabine, doch der asphaltierte Boden ließ mich dieses Problem vorerst vergessen. Ich war nun hier, in Pago Pago, in American Samoa, einem Land, das Teil von Amerikanisch-Ozeanien ist und somit ein US-amerikanisches Außengebiet. Was wußte ich über American Samoa? Gar nichts, außer dass American Samoa der Rekordhalter der höchsten Niederlage in der internationalen Fußball-Geschichte ist: Am 11. April 2001 verlor man im Rahmen der Qualifikation zur Fußballweltmeisterschaft 2002 in Coffs Harbour gegen Australien mit 0:31. Amerika, also, zumindest auf die eine oder andere Art.

Kultur, Wasser und Alltag

Wir wurden von Taxis in ein Parlamentsgebäude geführt und der starke Kontrast zu Samoa (dem ehemaligen “Western Samoa”) wurde schnell klar: Hier war man in einem Außenbezirk der USA und nicht in einem eigenständigen Staat. Alle fuhren mit großen Autos, McDonald’s, Burger King, KFC und Pizza Hut waren vor Ort, es gab kaum Gehsteige, dafür breite Straßen und die Motoren liefen weiter, auch wenn die Autos geparkt waren.

Unsere Fahrer brachten uns zu einem ausgelagerten Parlamentsgebäude, wo ein Seminar stattfinden sollte. Wir wurden in einen Raum für Audienzen gebeten und sogleich fielen die drei Kübel von KFC auf. Später würden wir erfahren, dass die für uns vorbereiteten Snack ein Stück KFC-Hendl und Kaffee nach Belieben war. Auf meine Frage hin, ob es denn auch ganz normales Wasser gäbe, sah mich die Sekretärin/Assistentin/Wasauchimmer ganz verdutzt an und wusste zuerst gar nicht, wie sie reagieren sollte, brachte dann aber doch ein paar Plastik- oder Styroporbecher, die mit Wasser angefüllt waren.

Der Berg

Nach der Rede des Vortragenden fuhren wir mit den Taxis auf einen Hügel, von dem man aus die schönste Aussicht über die weitläufigen Buchten von American Samoa haben sollte. Unser Reiseleiter hatte sich erkundigt, wie man dahin kommen würde und instruierte die Taxifahrer, wohin sie genau fahren und wo sie haltmachen sollten. Nach mehrmaligem Verfahren klappte es dann auch. Wir waren mitten im Nirgendwo und marschierten los. Ganz vorne er, der Reiseleiter, mindestens einen halben Kilometer weiter hinten die Nachzügler, die aus gesundheitlichen oder konditionellen Gründen nicht im vorgegebenen Tempo mithalten konnten. Auf sie wurde aufgrund der begrenzten Zeit nicht Rücksicht genommen und ein kleiner Trupp von knapp zehn Leuten setzte sich vom Rest der Gruppe ab. Wir wollten uns den Blick nicht nehmen lassen, vor allem ich nicht, da ich bislang noch kaum Fotos von American Samoa gemacht hatte. Noch dreißig Minuten würden es noch zum Gipfel sein, noch dreißig Minuten.

Eine gute Stunde später keuchte plötzlich einer der Taxifahrer hinter mir. Er war vom Abstellplatz bis hierher nachgelaufen. Offiziell, damit er uns den Weg zeigen konnte, inoffiziell, weil er Sorge hatte, dass wir, ohne die Rechnung fürs Taxi zu bezahlen, auf der anderen Seite des Berges hinuntergehen würden. Da der Gipfel des Berges (oder der Aussichtspunkt) noch immer nicht zu sehen war, fragten wir ihn, wie lange es denn noch zu eben dem besagten Aussichtspunkt sei und die Antwort konnte positiver nicht ausfallen: Es wären nur noch wenige Kurven, die man gehen müsse, dann würde man den ersehnten Ort finden. Wir gingen motiviert weiter.

Wieder eine halbe Stunde später platzte unserem Reiseleiter der Kragen: Er fragte den Taxifahrer mehrmals hintereinander, wie lange man noch gehen würde oder wie weit der Aussichtspunkt noch sein würde und dieser gab drei Antworten: noch zwei Kurven, 15 Minuten, eineinhalb Stunden. Ober denn schon jemals dagewesen wäre? Natürlich, vor drei oder vier Jahren! Gab es da schon die Straße, auf der wir uns befinden? Nein, er war ja auch nicht auf diesem Berg, sondern auf einem anderen! Also noch nie hier? Nein! Das Gespräch nahm absurde Formen und Themen an und wir beschlossen nur noch fünfzehn Minuten weiterzugehen und dann, egal wie weit wir kommen würden, umzudrehen, da das Flugzeug pünktlich abfliegen würde. Nicht der Flug zurück nach Samoa war das Problem, sondern der Flug zur nächsten Station, nach Fiji, denn diesen gibt es nur ein Mal pro Woche!

Irgendwann war es vorbei, die Zeit war abgelaufen. Wir hielten an, schossen ein paar “Siegerfotos”, um den Unmut zumindest in ein irgendwo gemachtes Foto umzuwandeln und kehrten um. Erst am Rückweg fiel mir auf, dass wir diese Bergtour nicht geplant hatten, dass sie sinnlos war, da nicht gut organisiert und dass wir alle aufgrund des Besuchs im Parlament gut gekleidet waren. Man muss sich das in etwa so vorstellen: Eine gut angezogene Gruppe gepflegter Menschen lässt sich von im Verhältnis noblen Taxis bei Nieselwetter mitten am Kahlenberg aussetzen, um dann dort auf einem von Schlamm durchsetzten Forstweg nach einem Punkt zu suchen, den es vielleicht, vielleicht aber auch nicht gibt. So in etwa kann man diese Situation vergleichen. Ich habe ein dazu passendes Foto auf Flickr hochgeladen: Eine Freundin, Karoline, posiert hier in einem schwarzen Kleid mitten im Regenwald vor einer Küstenlandschaft; die Füße waren von Erde verschmiert, die Schuhe innen und außen voll Schlamm und Matsch.

Es wird knapp

Wir kamen später als befürchtet bei den Taxis an. Inzwischen wurde auch klar, dass der Rest der Gruppe die ganze Zeit hier verbracht hatte und ab dem Moment des Abbrechens nicht etwa versucht hat, weiterzumarschieren, sondern sofort kehrtmachte und sich dem Smalltalk am Taxistandplatz hingab. Gut. Die paar Leute, die irgendwo im Nirgendwo waren, von leichten Regengüssen und der Feuchtigkeit des tropischen Waldes gezeichnet, von der Müdigkeit durch den Auf- und Abstieg zermürbt und von der Enttäuschung der Sinnlosigkeit der Unternehmung geprägt, stanken. Nach faulen Gewässern, Schlamm und Matsch, sowie dem Schweiß, der getrocknet und durch frischen wieder nass wurde. Dann wieder getrocknet, dann wieder nass.

Unser Reiseleiter instruierte die Taxifahrer schnurstracks zum Flughafen zu fahren. Würden sie rasch fahren und keinerlei Probleme haben, wären wir 15 Minuten nach der geplanten Abflugzeit ankommen, was noch in Ordnung wäre, da wir als einzige Passagiere, dieses Recht haben. Wir kamen rechtzeitig an (das Wort “irgendwie” schwebt vor meinen Augen), wir flogen mir Rauch im Passagierraum zurück, landeten, fuhren zurück ins Hotel und machten uns für den nächsten Flug an diesem Abend fertig: In weniger als drei Stunden würden wir Samoa verlassen und nach Fiji fliegen. Eine Kollegin hatte im Hotelzimmer des Blue Pacific Hotel eine Ratte gesichtet. Es war Zeit zu gehen.

Sightseeing in Samoa

Heute stand Sightseeing am Programm. Ich wurde geweckt mit den Worten, dass der Bus nur noch auf mich warten würde. Nichtsdestotrotz ging ich ins Bad, putzte mir die Zähne, duschte, ging hinunter zu den Resten des Frühstücksbuffets, bediente mich, kam zum Bus und wartete auf unseren Reiseleiter und -organisator, der erst eine Viertelstunde später kommen sollte. Der Bus war in grellen Farben lackiert und aus den Lautsprechern (Boxen?) dröhnte die ganze Zeit Musik, die ein wenig an die Hits von Shaggy erinnerte, allerdings ohne Mitteltöne. Genaugenommen war dieser Bus ein LKW, auf dem ein Holzgestell aufgebaut war, das an einen Fahrgastraum südeuropäischer Busse in der Nachkriegszeit erinnerte. Holzbänke mit herausstehenden Schrauben, keine Fenster (dafür Plastikscheiben, die man im Fall des Falles hochziehen konnte) und eine Absperrkette anstelle einer Tür. Haltegriffe, Notausgänge und splitterfestes Glas? Forget it, we are in Samoa!

Luatuanuu Spot

Nach langem Warten winkte die Hotelbesitzern dann doch endlich und der Bus fuhr los. Die Hochtöner des businternen Soundsystems ließen mein Trommelfell zerspringen, der Subwoofer zerbarst es danach total. Hinzu kam noch das Pfeifen und Zischen des Windes, das Motorengeräusch eines alten Dieselmotors und das ewig dramatische Rauschen der Brandung. Ich schlief ein.

Der Bus hielt an und das Fehlen gleichmäßiger Schmerzen in meinem Knie weckte mich auf. Ich sah mich um und stellte einerseits fest, dass der Bus mitten in einer Kurve halt gemacht hatte, andererseits, dass fast alle müde und mit verschlafenen Augen aus dem Bus taumelten. Selbst der hochmotivierte Reiseleiter quälte sich aus seiner zur Bequemlichkeit gewordenen Position im Fahrerhaus heraus und murmelte irgendetwas vor sich hin.

Ich stieg die zwei Treppen hinunter, sprang den restlichen halben Meter auf den Boden und torkelte zur erstbesten Sitzmöglichkeit, die sich mir an diesem steinigen Ort darbot. Ich wartete, bis alle ihre Fotos gemacht hatten, holte dann meine Kamera und folgte einem kleinen Pfad, der um den kleinen Vorsprung, der da ins Meer ragte, herumzuführen schien. Ich erhoffte mir ein Bild des Küstenverlaufs machen zu können, doch je weiter ich hinauskletterte, desto mehr Äste, Sträucher und sonstiges Buschwerk hing mir ins Bild. Endlich fand ich einen freien Platz, um ein Foto zu machen, schoss es und machte mich zurück auf den Weg zum Bus, der bereits wieder den Motor gezündet und die Musik angemacht hatte. Ich stieg ein, schlief ein und wurde bald wieder geweckt.

Falefa-Wasserfall

Unser Reiseleiter diskutierte etwas mit dem Busfahrer. Der Bus (mit einem Gesamtgewicht von vierzehn Tonnen) stand vor einer Brücke, deren größtmögliche Belastbarkeit bei zehn Tonnen lag. Ein dementsprechendes Verkehrsschild zeigte das unmissverständlich an. Wir fuhren los, denn es wäre zu schade gewesen, wenn wir unser Schuhwerk bei dem durch den Wasserfall äußerst feuchten Boden beschmutzt hätten. Irgendwie hat uns die Brücke doch über Wasser gehalten und irgendwie ist es auch dem Fahrer gelungen auf einer Gebirgsstraße umzudrehen. Wieder habe ich ein paar Fotos gemacht, wieder bin ich eingestiegen und habe bereits geschlafen, als das Fahrzeug abermals die Brücke überquerte.

Lalomanu Beach

Wieder wachte ich auf als der Bus stehenblieb, diesmal am Straßenrand einer gerade verlaufenden Straße. Rechts waren ein paar Hütten zu sehen und ein Tennisplatz, links ein paar Strandhütten und das Meer. Wir waren am Strand von Lalomanu angekommen. Anfangs hatte ich keinerlei Lust mich ins Wasser zu begeben, aber schon bald überzeugten mich das Wasser, die szenische Atmosphäre und die Hitze doch ins Wasser zu gehen.

Das Wasser war ganz klar und ohne Anstrengung konnte man neugierige Fische beobachten, die kurz am Bein zupften und dann davonschossen, als ob mein Bein sie attackieren würde, danach aber wieder kehrt machten, um zu sehen, ob es denn tatsächlich so sei. Am Horizont konnte man die Brandung sehen, wie sie am vorgelagerten Korallenriff brach und die Gischt meterhoch in die Lüfte hob. Dahinter eine kleine, vorgelagerte Insel, die zwar menschenleer, dafür aber voller Palmen war, die bis knapp über die Meeresoberfläche wuchsen. Auch hier war wieder die Kamera zur Stelle, diesmal jedoch nicht nur vom Strand aus, sondern im Wasser: Ich trug sie hoch erhoben über dem Meeresspiegel, bereit, jeder größeren Welle mit Trockenheit zu trotzen. Etwa dreißig Meter vom Strand entfernt begann ich Fotos zu machen, Fotos, die ich so bislang nicht gemacht habe. Ich war erstaunt, wie gut man aus dem Wasser Fotos machen konnte und ließ es mir nicht nehmen, fast die ganze Reisegruppe im Wasser zu fotografieren. Katharina hatte eine Polaroidkamera dabei und ich ließ es mir nicht nehmen, ein digitales Foto vom Polaroid eines Polaroids, das ein Polaroid zeigt, auf dem Katharina zu sehen ist, zu machen.

Togitogiga Wasserfälle

Weiter ging es. Wir fuhren einige Zeit lang, bis wir an den Togitogiga Wasserfällen ankamen, wo sich einige todesmutig von unserem Reiseleiter (weiße Jesusunterhose) zum Sprung ins Unbekannte überreden ließen. Für mich bestand der Besuch am Strand aus literweise Nobite, das mir gerade mal half, irgendwie über die Runden zu kommen und nicht von abertausenden Mücken zerstochen zu werden. Etwa eine halbe Stunde später waren auch die tatkräftigsten Tümpelschwimmer samt unserem Reiseleiter zurück und es ging weiter zur letzten Station dieser Sightseeingtour.

Ein kurzer Besuch im Dorf

Plötzlich blieb der Bus stehen und ich wachte erneut auf. Wir waren bei der letzten Station dieser Tour angelangt: dem Dorf, in dem die Mutter (oder Großmutter) unserer Hotelbesitzerin wohnte. Offenbar von den Erzählungen unseres Reiseleiters bewegt, hat die Hotelbesitzerin uns zu ihrer Großmutter eingeladen, die uns nun in einer nach Tradition und Kultur errichteten Bure (so nennt man in Samoa die Hütten und Häuser, die ohne Wände auskommen und nur aus einer Plattform und einem Dach bestehen) empfing. Gott sei Dank gab es etwas zu essen, ansonsten wüsste wirklich niemand, was wir hier tun sollten. Einige fingen an zu singen, um den Bewohnern des Dorfes, besonders aber der Hausherrin ein wenig österreichische Kultur in die Bure zu bringen, die wiederum tanzte für uns, um uns zu zeigen, was sie von ein wenig österreichischer Kultur in ihrer Bure hielt. Etwa eine Viertelstunde und viel verlegenes Wassertrinken später erschallte vom Parkplatz aus der Subwoofer des Busses. Es war, endlich!, Zeit zu gehen. Wir fuhren nachhause. Ins Blue Pacific Hotel in Apia.

Aggie Grey’s Tanzshow

Mirrored again

Der 12. September 2007 in Samoa. Aufstehen, Obstfrühstück. Die Löcher in den Wänden des Hotelzimmers waren, das fiel mir beim Duschen auf, nach außen hin größer als nach innen, will heißen: wer draußen an unserem Zimmer vorbeiging, konnte, wenn er genau schauen würde, dem Duschenden zusehen, vom Zimmer aus ging das allerdings nicht. Ich duschte.

Der Tag verging leer und ohne besondere Vorkommnisse. Ich verbrachte ihn teils alleine, teils mit Personen, die mir lieb und teuer waren und teils mit Menschen, mit denen ich mich zwar gut verstand, deren Gegenwart mir allerdings gleichgültig war. Klar freute ich mich, wenn sie da waren, aber es machte keinen Unterschied, ob sie da waren oder andere. Das ist nämlich der feine Unterschied: Muss jemand da sein oder muss diese bestimmte Person da sein. Und sie war nicht da, lange Zeit nicht, bis wir uns endlich, das allerdings war schon später am Nachmittag, trafen. Zufällig. Ohne Plan. Dennoch.

Aggie Grey’s Tanzshow

Während der Tag verging, diskutierte ich immer und immer wieder mit meinen Reisegefährten, ob ich tatsächlich rund 25 Euro für eine Sing- und Tanzshow ausgeben wollte. Männer und Frauen in Bananenblättern bekleidet springen vor fetten amerikanischen, neuseeländischen und australischen Touristen herum, singen ohne dabei den Ton halten zu können, traditionelle Lieder, die sie selbst erst erlernen mussten und tanzen dabei Tänze, die ihnen eine amerikanische Choreografin asiatischer Abstammung beigebracht hat, damit es echt aussieht. Sollte ich dafür Geld ausgeben? Ich gab Geld aus. Mehr aus Langeweile als aus Interesse, aber die Cocktails waren ja auch nicht schlecht.  Für den nächsten Tag stand eine Sightseeingtour durch die Insel an, ich ging früher schlafen als sonst.

So nebenbei, am Flug nach Samoa

Wir waren bereits in Los Angeles, auf Beachcomber Island und in Tonga, doch erst jetzt finden die einzelnen Mitglieder der Gruppe langsam zueinander. Jetzt erst wird klar, wer wohin gehört, wer mit wem harmoniert und wem man lieber aus dem Weg geht. Los Angeles war noch stark geprägt von Freundschaften, die man noch von früher mitgebracht hatte; Kollegen, die sich bereits aus anderen Exkursionen kannten oder aus beruflichen Gründen miteinander zu tun gehabt hatten. Auf Beachcomber Island war die Sache völlig egal, denn ich hatte Fieber und die anderen Mitreisenden hatten nicht gerade aus einem großen Angebot an Räumlichkeiten zu wählen. Tonga hatte die Sache schon verändert. Hier war man zu viert oder zu zweit in einem Bungalow, doch die Nähe der einzelnen Teilnehmer zueinander hat sich nicht nur örtlich, sondern auch in freundschaftlichem Bezug zueinander verändert. Solche, die noch in Los Angeles nicht miteinander gesprochen haben, rauchten nun gemeinsam vor ihrem Bungalow, solche, die ihre Namen auf Beachcomber Island noch nicht einmal wussten, verbrachten Tag und Nacht miteinander. Die, die viel tranken, fanden sich und diejenigen, die lieber schliefen, ebenso. Diejenigen, die ihr Schicksal duldeten, gab es natürlich auch noch. Und das sollte sich festfahren und erst in den letzten Wochen langsam wieder lösen.

Nuku’alofa und Ende

Where once a supermarket was

Nuku’alofa

Den heutigen Tag habe ich mir mit einem Spaziergang durch Nuku’alofa, der Hauptstadt (der einzigen Stadt!) von Tonga, gegönnt. Leider ist von Nuku’alofa nur mehr ein unwesentlicher Teil übrig, denn die erst kürzlich ausgebrochenen Aufstände und Demonstrationen haben dazu geführt, dass fast alle im Lonely Planet (Lonely Planet Samoan Islands and Tonga) angeführten Spots nicht mehr existierten – mit ein paar Ausnahmen.

Ein paar Highlights:

  • In einem Hafenbecken schwamm ein halb aufgefressener Hundekadaver.
  • Der Hauptplatz der Stadt wird von einem der größten Bäume überschattet, die ich jemals gesehen habe.
  • Die Post in Tonga verschickt auf Wunsch frankierte Kokosnüsse in die ganze Welt.
  • Die halbe Stadt ist niedergebrannt. Selbst der einst populäre Supermarkt blieb von den Flammen nicht verschont.
  • Cruella betreibt in Tonga einen Friseurladen.
  • In Nuku’alofa gibt es eine runde Kathedrale.
  • Die einzige tonganische Radiostation, ihre Sende- und Aufnahmeanlagen passen in die Scheune eines Schrebergartenhäuschens.
  • Die öffentlichen Toiletten an Busstationen sind widerlich.
  • Der Sonnenuntergang in Tonga, wenn auch auf einer der am stärksten befahrenen Straßen fotografiert, ist beeindruckend.

Abgesehen davon, habe ich endlich einen vernünftigen Kaffee getrunken. Der Spaziergang von Nuku’alofa bis hin zu Papiloas Hotel war angenehm und von bester Gesellschaft geprägt.

Abschied, Hochzeit und Ende

Traditional wedding costumes

Heute war der letzte Tag in Tonga. Papiloa (am Bild ganz rechts zu sehen) hatte aber noch eine Überraschung für uns parat: Sie kramte ein knapp 800 Jahre altes Set an Hochzeitsgewändern hervor, das sie prompt zwei Kollegen überzog. Ein angenehmer Abschied von einer angenehmen Frau, die es sich nicht nehmen ließ als Mutter der Braut, ebenfalls traditionell gekleidet, mit aufs Foto zu kommen. Ihre Tochter, wie schon erwähnt, hat es sogar geschafft am letzten Tag Schwierigkeiten zu machen: Bezahltes wurde – trotz Rechnung! – als nicht bezahlt deklariert. Doch diese Dinge gingen unter, weil:

Ab in den Bus, ab zum Flughafen, ab nach Samoa, wo heute morgen sein wird!

Sightseeing in Tonga

Ein Bus hat uns von Papiloa’s Hotel abgeholt und mit uns die wichtigsten Ausflugsziele in Tonga abgefahren. Ich mag diese Bustouren ganz und gar nicht, wenn es aber anders nicht geht, weil alles schon verplant ist, dann schwimme ich mit dem Fluss mit und hänge mein Fähnchen in den Wind.

Cook’s Bay

Cook's Bay

Cook’s Bay (Google Maps, Wikipedia) ist die Bucht, an der James Cook 1773 landete. Interessant ist, dass James Cook – wie so oft – gar nicht der erste Europäer war, der Tonga betreten hat. 1616 und 1643 waren bereits holländische Entdecker dagewesen (1616: Willem Schouten und Jakob Le Maire, 1643: Abel Tasman), doch ist James Cook der einzige, nach dem eine Bucht benannt wurde.

Queen Salote Tupou III

Bei dieser Gelegenheit kann natürlich nicht die Geschichte der Queen Salote Tupou III (Wikipedia) erzählt werden: Sie war von 1918 bis 1965 die Königin Tongas und mit ihren 1,91 Metern Größe die größte Königin des kleinsten Königreichs. Während der Krönungszeremonie der Queen am 2. Juni 1953, fuhr Salote bei Regenwetter in einem offenen Landauer vor und weigerte sich, das Verdeck schließen zu lassen – aus Respekt und aus Ehrerbietung vor der Königin von Großbritannien. Diese Geschichte hat jeder der Teilnehmer der Reise sehr, sehr oft gehört, daher musste ich sie hier erwähnen.

Ha’amonga

Ha'amonga

Ha’amonga (Google Maps, Wikipedia) ist das Stonehenge des Pazifiks. Keiner weiß, was es genau sein soll, keiner weiß, wozu und wie man es gebaut hat und keiner weiß vor allem, wie man den querliegenden Stein hochgehoben haben könnte!

Mapu’a Vaea (Blowholes)

Blow holes

Die Blowholes in Tonga (Google Maps, Wikipedia) sind ein spektakuläres Naturschauspiel, das sich über einen großen Teil der Südküste Tongas zieht. Die Brandung des Meeres wird durch natürliche Kanäle im Vulkangestein gepresst, wodurch Fontänen entstehen, die nicht nur in ihrer Optik, sondern vor allem auch in ihrer Akustik beeindruckend sind.

Königspalast

The palace of the King of Tonga

Der Königspalast des Königs von Tonga (Google Maps, Wikipedia) ist ein kleines amerikanisches Einfamilienhaus mit einer großen Ummantelung durch Terrassen. Ob darin tatsächlich jemand wohnt oder regiert, sei dahingestellt, denn das Bauwerk erscheint baufällig und unspektakulär. Auch die drei Sicherheitsbeamten scheinen nicht gerade vor Diensteifer zu strotzen. Viel wahrscheinlicher ist, dass der momentane König Georg Tupou V (Wikipedia) in einer in den 1990er Jahren vom Kronprinzen Tupouto’a neu errichteten Villa ( Google Maps) residiert. Die neue Villa ist stark bewacht, eher abgelegen und sieht, vor allem im Vergleich zum Palast in Nuku’alofa, wesentlich besser aus.

Mit dem Königspalast wurde unsere Rundreise durch Tonga beendet und der Abend des Tages wurde im Billfish zelebriert. Ich hatte einen Snapper mit Kokosmilchsauce (1A!), ein paar Bier und guten Schlaf.

Zuerst in die Kirche, dann nach Pangaimotu

Der 9. September 2007 war ein Sonntag. Wir wurden ziemlich früh geweckt, denn es stand einiges am Programm: Wir wurden zur Kirche gebracht, um dem Gesangsteil der Messe beizuwohnen, danach abgeholt und wieder ins Hotel gebracht, damit wir uns für die Badeinsel Pangaimotu fertigmachen konnten. Für den Abend war am Morgen noch nichts geplant.

Kirchengesang in Tonga

Als Europäer ist man den Kirchgang zwar im Kindesalter gewohnt, später jedoch nutzt man den freien Sonntag, um auszuschlafen oder die Dinge zu erledigen, für die man von Montag bis Samstag keine Zeit hatte. Geht man allerdings zur Kirche, dann ist man dort meist mit alten Menschen konfrontiert, die halb dabei, halb verschlafen in der Messe sitzen und etwas praktizieren (zelebrieren?), dessen Wert mehr in der Tradition als im Glauben liegt. Kommt es zu den Liedern und Gesängen, die in Österreich zum Glück in nur geringen Quantitäten abgespielt werden, laufen selbst marodeste Hähne davon. Genau das ist das Gegenteil in Tonga.

Aus dem, was ich beurteilen kann, ist der durchschnittliche tonganische Kirchenbesucher jung und bringt seine ganze Familie mit. Am Anfang der Messe gibt es lange Gesänge, die im Treffen der Töne und in ihrer Komplexität (für normal Sterbliche) insgesamt ein beeindruckendes Bild schaffen, das ich zumindest ein wenig mit dem obigen Video einfangen konnte: In Nähe zum Alter gibt es einen Chor, der die Gemeinde unterstützt, diese beteiligt sich aber selbst ebenso am Gesang, nur eben richtiger als in heimatlichen Gefielden.

Die Tore zur Kirche waren offen und auf den Treppen spielten Kinder oder saßen Mütter mit Kleinkindern, um der Messe beiwohnen zu können ohne aber die Kleinen aus den Augen lassen zu müssen. Ich versucht lange mit Hilfe eines einheimischen Jungen auf den Kirchturm zu gelangen, der war aber, wohl aufgrund des Besuchs des Königs, fest verschlossen, was Fotos aus der Vogelperspektive nicht möglich machte. Gut, es sollte sein, stattdessen fotografierte ich ein paar Zeitgenossen vor der Kirche.

Papiloa führt ins Hotel

Nachdem die Gesänge zu Ende waren, entfernten wir uns dezent aus der Kirche. Die bestellten Taxis und Chauffeure warteten vor dem Eingang und ich hatte das Glück mit Papiloa im Wagen fahren zu dürfen. Glück deshalb, weil sie, nebst der Fahrt an sich, auch gleich eine Führung durch Nuku’alofa, die Hauptstadt Tongas, gab. Wir besuchten das Königsgrab, eine weitere, jedoch wesentlich fester gebaute Kirche und Papiloa erklärte uns, warum die Stadt so leblos und ausgestorben war, wieso Tonga Soldaten in den Irak geschickt hatte und warum ihr Menschen auf die Nerven gingen, die sich nicht an die Gesetze und Regeln des Landes hielten. Wahrscheinlich haben wir während dieser Fahrt mehr von Papiloa und Tonga gelernt als in allen lectures, die noch folgen sollten, zusammen. Aber das ist jetzt nicht das Thema des Eintrags.

Pangaimotu

Pangaimotu war die erste Badeinsel, die ich ohne krank zu sein erlebt habe und ja, ich bin, obwohl keine Wasserratte, auf den Geschmack gekommen! Warmes, klares und an der Oberfläche türkis schimmerndes Wasser, ein schier endloser Sandstrand mit schattenspendenden Palmen, ein vorgelagertes Riff, das die Wellen schon im Vorhinein bricht, Hängematten, genügend Natur, um sich von der badenden Masse abzusetzen… So geht das auch für mich in Ordnung.

Von Nuku’alofa nahmen wir ein Fährboot auf die Insel, das uns in etwa 15 Minuten von hier nach dort brachte und am einzigen Pier der Insel anlegte, das wiederum direkt zum Big Mama Yacht Club führte, dem einzigen Ort, an dem man Speisen und Getränke kaufen konnte, beides nicht viel teurer als auf der Hauptinsel selbst. Der Big Mama Yacht Club war quasi die Basis-Station des restlichen Sonntags und die meisten hielten sich hier oder in der näheren Umgebung auf. Und die hatte einiges zu bieten: bei meiner Inselumrundung stapfte ich nicht nur vorbei an bereitgestellten Strandliegen und Hütten, die ich zuerst für Hütten von Ansässigen hielt, später aber dann von einer in Neuseeland studierenden Französin, die sich so eine Hütte gemietet hatte, darüber aufgeklärt wurde, dass diese Hüttenlandschaft Teil eines Hotels sei, sondern auch über einen Nistplatz (nennt man das bei Krabben so?) für Krabben und allerlei anderes Meeres-Strand-Getier. Dort, übrigens, auf der Nordostseite der Insel war niemand mehr, dorthin verloren sich die Menschen nicht. Dort waren der Wind und die Brandung zu stark, um den Strand attraktiv zu machen. Außerdem konnte man von diesem Teil der Insel den Schiffsfriedhof sehen, mit dem sich Tonga einen Teil seiner Staatskasse (offenbar regelmäßig) aufbesserte. Kein Ausblick also – im Vergleich zum endlosen Blau der anderen Seite.

Abendessen nach Sozialisation im Reef Café

Gegen Abend wurde klar, dass sich die meisten ins Reef Café begeben würde, um ein Abendessen zu einem vernünftigen Preis zu erhalten; und so geschah es. Nahezu die ganze Gruppe war da. Es waren so dermaßen viele für den Aussteiger aus Neuseeland, dass er kurzerhand das Lokal für andere Gäste sperrte, indem er jedem, der sich in Erwartung eines Abendessens niederließ, mitteilte, dass selbiges mindestens eine Stunde dauern würde. Das dazu. Die meisten gingen, einige blieben, wir waren auf jeden Fall da.

Die Kommunikation innerhalb der Gruppe war bislang nicht wirklich vorhanden gewesen. In Los Angeles waren wir allein schon durch die Zimmeraufteilung und die unterschiedlichen Interessen aufgeteilt, auf Beachcomber Island gingen die Teilnehmer der Selbstbeschäftigung nach oder hatten – ich! – Fieber und schliefen. Ja selbst der erste Tag in Tonga war fürs gegenseitige Kennenlernen nicht wirklich nützbar. Da war der Sonntag auf Pangaimotu schon wesentlich sozialer: Ich habe mich mit einigen der Reisenden unterhalten und schnell meine Präferenzlinien (erfragt? beantwortet!) gefunden. Es gab niemanden, den ich nicht leiden konnte (zumindest noch nicht) und ein paar, die ich schon bald ins Herz schließen würde.

Tonga

Tonga ist ein eigenes Ding. Tonganer essen gerne, viel und fett, dementsprechend ist es als schön angesehen, fett zu sein, so zumindest die Wikipedia und meine Erfahrung. Und daran halten sich die Tonganer auch gerne. Kaum sieht man soviele so dicke Menschen auf einem Fleck wie in Tonga. Um ihre beleibten Hüften hängen, sofern sie eine offizielle Positione innehaben, spezielle Grasmatten, die Teil der Uniform im Inselstaat sind. Haben diese Matten ein schwarzes Band herumgewickelt (und so war das bei allen offiziellen Tonganern, mit denen wir zu tun hatten, und bei ein paar zivilen auch), so trauerten sie (in unserem Fall um den erst unlängst verstorbenen König Taufa’ahau Tupou IV). Das dazu.

Der chinesische Prachtbus

Vom Flughafen wurden wir mit einem chinesischen Bus abgeholt, der einst ein Prachtmobil von KP-Bonzen niedrigsten Ranges gewesen sein musste: Miniaturkronleuchter an den Seitenwänden des Busses, deren Kristallkettchen beim Kurvenfahren nervtötend schepperten, eine gut getarnte Minibar im vorderen Teil und ein für die Verhältnisse eines Autobusses großer Spiegel gleich daneben. Ein ehemaliges Prachtgefährt, für das man sich wohl noch zur Hochblüte dieses Stils bereits geniert hatte, daher ab nach Tonga damit! Dieses Gefährt brachte uns jedenfalls ins Hotel zu Papiloa.

Papiloa’s Friendly Islander Hotel

Papiloa’s Friendly Islander Hotel wird geleitet, geführt und betreut von Papiloa Bloomfield Foliaki, einer ehemaligen Parlamentsabgeordneten zum tonganischen Parlament. Sie ist eine angenehme, wenn auch inhaltlich direkte Zeitgenossin, die schnell einmal klarmacht, was Sache ist und warum man sie nicht mit diesen und jenen Fragen belästigen sollte. Papiloa selbst weiß über die Grundregeln der Höflichkeit bescheid und das kann man ihr hoch anrechnen. Ihre Tochter hingegen ist ein Drachen. Entweder sie regt sich darüber auf, dass man als Gast überhaupt kommt oder sie beschuldigt zahlende Gäste nicht bezahlt zu haben oder sie kommandiert lustlos aber lauthals herum… An alle, die in diesem Hotel in Zukunft wohnen sollten: Freundet euch mit Papiloa an, nehmt euch allerdings in Acht vor ihrer Tochter!

Das Hotel besteht aus mehreren Gebäuden, wobei das größte den Speisesaal, ein Wohnzimmer und die Rezeption beherbigt, in einem anderen Einzel- und Doppelzimmer untergebracht sind und in mehreren kleinen Bungalows jeweils vier Personen (in zwei Zimmern) übernachten können. Ich kann nur über das große Gebäude und die Bungalows sprechen, aber ich vermute es gab überall Ventilatoren und Klimaanlagen, die nicht funktionierten. Wie auf allen südpazifischen Inseln ohne nennenswerte Erhebung, ist auch in Tonga der Wasserdruck bei Dusche und Wasserhahn sehr niedrig, was das Duschen zu einer leidvoll langen Tätigkeit werden lässt. Ich brauchte schon meine zwanzig Minuten, um gänzlich wieder vom Shampoo befreit zu sein, aber das ist eine andere Geschichte. Ebenso wie die vom Klavierspielen im Hauptgebäude des Hotels.

Die Sauberkeit des Hotels, jo mei. Also: Offensichtlichen Schmutz gab es nicht und die Betten wurden täglich gemacht außer an Sonntagen; es wurde auch gesaugt und im Bad geputzt, trotzdem tauchten ab und zu Kakerlaken, Spinnen oder sonstiges Gewürm auf. War man ganz besonders empfindlich (siehe am Bild ganz rechts), sah man zwischen den Matratzen lieber nochmals nach, bevor man sich ins Bett legte. Nichtsdestotrotz haben wir alle bei Papiloa gut geschlafen.

Ein Unfall, das Reef Café und der Billfish

Gleich am ersten Abend die Highlights. Für das Abendessen standen einige Lokale zur Wahl, die allesamt nicht besonders weit weg vom Hotel waren: Der Billfish, mehr eine Bar mit Restaurantfunktion im mittleren Preissegment, das Reef Café, eine Hafenbude mit günstigen aber groß portionierten Speisen mitten im Hafengelände und noch ein drittes Restaurant, dessen Namen ich mir nicht gemerkt habe, was aber völlig egal ist, da sowieso nur ein paar von uns einmal reingeschaut haben, sonst aber nie wieder dort waren. Reef Café oder Billfish, also. Das war die gängige Frage.

Der Unfall

Das Reef Café war zwar am weitesten von Papiloas Hotel entfernt, ich wollte trotzdem hin und mit mir ein ganzer Haufen von Menschen. Am Billfish ging man vorbei, dann noch knappe dreihundert Meter und da war es auch schon, das Café. Knapp davor, jedoch, (und das ist jetzt sowohl zeitlich in Bezug auf die Ankunft als auch örtlich in Bezug auf den Standplatz der Hafenbude gemeint) geschah ein Unfall.

Ich war gerade mit meinem GPS-Gerät beschäftigt und versuchte die Position des Lokals Billfish, das wir gerade passiert hatten, zu speichern, als mir ein paar betrunkene Tonganer auffielen, die zwischen Gehsteig (Gras) und Straße (Beton) hin- und herschwankten. Einer der beiden, der mir nähere, lief plötzlich über die Straße. Dem Anderen gelang das nicht so gut:

Das Auto, das von links kam, muss ihn schon ordentlich erwischt und weit vom Boden gehoben haben, denn das Auto von rechts schleifte ihn nach vor, bis er neben mir auftauchte. Ich blickte nach rechts auf die Straße und ein Fiat mit eingeschlagener Frontscheibe machte gerade eine Vollbremsung. An der Beifahrerseite (in Tonga herrscht Linksverkehr) hing ein menschlicher Körper außen dran: der zweite Betrunkene.

Sobald das Auto zum Stillstand kam, klatschte der Körper zu Boden und unter seinem Kopf (Gesicht nach unten) trat ein Blut hervor. Der Fahrer stieg aus und wollte nach dem Verletzten sehen als sich die wütende und tobende Masse der Freunde der Betrunkenen, die offenbar in der Zwischenzeit vom Lärm angelockt aus dem Billfish gekommen waren, in Bewegung setzte. Der Fahrer packte gerade noch ein paar Dinge in seine Hosentaschen und lief davon. Das Auto und das Unfallopfer blieben am Ort des Geschehens zurück. Der erste Unfallwagen war offenbar weitergefahren, denn auch von dem gab es keine Spur mehr.

Reef Café

Wir gingen weiter als jegliche Form von Hilfe unnütz erschien, da sich sofort Einheimische um den Körper (und das Auto) zu kümmern begannen, und erreichten schließlich das Reef Café. Einigen war der Appetit vergangen, andere hatten nachwievor Hunger. Ich gehörte zur zweiten Kategorie und bestellte einen Reef Burger (siehe Reihenbild), der nicht nur gut aussah, sondern auch gut schmeckte.

Mit der Zeit lockerte sich die Stimmung wieder und man begann sich bei Tisch einzureden, dass es schon nicht so schlimm gewesen sein konnte, denn schließlich war es ja nur ein wenig Blut und nicht… Naja. Irgendwann waren dann alle soweit, dass wir dem Billfish, besser gesagt: dem Billfish in Funktion einer musikspielenden Bar, einen Besuch abstatten wollten.

Billfish

Im Billfish angekommen und das Bier gekauft, ging es auch schon weiter. Offenbar war man in Tonga streit- und prügellustig, denn kaum waren wir anwesend, gab es auch schon eine Prügelei mit ein paar Beteiligten. Ich hätte wiedereinmal gar nichts mitbekommen, wären mir die vielen Zuschauer nicht aufgefallen, die gebannt auf einen Punkt schauten. Als ich jedoch hätte sehen können, was da vor sich ging, war die Security schon da und hatte die Streithanseln hinausbefördert. Nach zwei Flaschen irgendeines Pazifikgebräus war es dann Zeit schlafen zu gehen. Wir gingen.

Nach ein paar getöteten/verjagten Kakerlaken schlief man dann doch ganz gut. Und beichten konnte man ja gleich am nächsten Tag: Am Sonntag stand ein Besuch in der Kirche bevor!

Beachcomber Island

Beachcomber Island

Den 6. September 2007 habe ich nie erlebt. Der Flug von Los Angeles startete am Mittwoch, den 5. September 2007 um 23:15 Uhr, in Nadi/Fiji bin ich am 7. September 2007 um 5:55 Uhr gelandet. 6. September 2007, es wird dich nie geben!

Wie dem auch sei. Der 7. und 8. September waren Inseltage auf Beachcomber Island, der Party-Insel der Südsee. Hier werden keine Mühen gescheut, das Publikum bei Laune zu halten; entweder der Alkohol wird verbilligt ausgeschenkt oder das Abendprogramm zieht sich lange in die Nacht hinein. Was auch immer am 7. September angeboten wurde, ich habe es nicht mitgekriegt, denn ich lag ab dem späten Nachmittag mit Fieber im Bett.

Wir kamen an, packten unsere Koffer unter das jeweilige Bett (klar, dass ich mehrmals Betten tauschen musste, damit die ganze Rasselbande endlich zueinanderfinden konnte!) und erkundeten die Insel. Zwanzig Minuten später – nun kannte man alles – hatte ich meinen Lieblingsplatz gefunden und verbrachte einige Zeit einerseits damit, die Insel zu umrunden und ein paar Fotos zu machen, andererseis damit, im Whirlpool am Strand zu liegen und dem Meer beim branden zuzuschauen. Brandung gab es in dem Sinne keine, da auch Beachcomber Island von einem Riff umgeben ist, aber diese kleinen, putzigen Wellen können einen schon erfreuen. Irgendwann wurde mir kalt und ich wurde müde – das Fieber war da.

Ich legte mich ins Bett und hoffte auf Stille, die eintrat. (Es folgten Stunden der Erholung und des Schlafes. Zeit verging ohne dass ich etwas tun konnte, denn mein Körper brauchte die Ruhe. Der werten Leserschaft kann ich die Ruhe leider nicht gönnen, sondern muss sie mit einem Video strapazieren, das, sozusagen als Füllobjekt für meine Absenz während der Abend- und Nachtstunden auf Beachcomber Island, ein paar Dinge zeigt, die es auf der Insel so gegeben hat!)

Am nächsten Morgen erzählte man mir von einem großen Abendessen und einer Tanzvorführung – es war mir alles egal, denn ich hatte Hunger. Und Hunger zu haben zahlte sich auf Beachcomber Island schon aus, denn das Frühstück war reichhaltig und gesund, da fruchtig. Ich aß gemeinsam mit meinen Kollegen und machte eine abschließende Fotorunde.

Viel Zeit blieb nicht, denn schon bald hieß es Kofferpacken! An Bord gehen! In den Bus! Ins Flugzeug! Und ab nach Tonga!

Los Angeles

Red hat

Während sich ein Großteil der Gruppe die Universal Studios in Los Angeles ansah, sich danach im Getty Museum mehr über die Architektur und den Garten als über die Bilder und Ausstellungsstücke freute und sich, abermals danach, wiedereinmal am Strand einfand, bestand mein Programm (und das von zwei mich begleitenden Kollegen) aus völlig anderen Stationen: Zuerst musste ein CF(Compact Flash) Karte gekauft werden, damit die nächsten Wochen fotografisch festgehalten werden konnten, danach würde es mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Downtown LA gehen und abermals danach wiederum zum Hollywood Boulevard. So der Plan. Wer allerdings glaubt, in Los Angeles mit den öffentlichen Verkehrsmitteln soetwas durchführen zu können, der irrt, und zwar gewaltig, denn den Luxus von U-Bahn, Bus und Bim gibt es in Los Angeles bei weitem nicht.

Die CF-Karte: Fry’s Electronics

Nimbus hat mich vor meiner Abreise ermahnt, meine Speicherkarten nicht vor eben jenem besagten Dienstag zu kaufen, denn da würden die Preise sinken. Der besagte Dienstag war vorbei und ich machte mich mit meinen Gefährten auf den Weg zu Fry’s Electronics, dem Media-Markt-Äquivalent in Los Angeles. Zuerst musste man mit dem einen Bus ein paar Kilometer fahren, dann mit einem anderen wiederum ein paar Kilometer und dann, irgendwo, war das Geschäft. Von außen konnte man es kaum erkennen, beim Anblick hätte ich eher an ein mexikanisches Restaurant gedacht, doch kaum trat man ein und wurde auf technische Geräte gefilzt, wusste man: hier würde es die Speicherkarte geben.

Es gab sie. Und sie kostete genausoviel wie sie mich in Österreich auch gekostet hätte. Und es wurde irgendeine Lexar 08/15-Karte. Nach Bezahlung – Gottseidank hatte ich Dollar in Banknotenform mit, denn meine österreichische Kreditkarte wurde bei Fry’s Electronics nicht akzeptiert! – machten wir uns auf den Weg zur Schnellbahn, die ja da irgendwo in der Nähe sein müsste…

Öffentliche Verkehrsmittel in Los Angeles

Wer nach LA fährt, sollte als erste Reisehandlung ein Auto mieten, denn jegliche andere Form von Transportmittel ist unmöglich.

Wir mussten mindestens eine Stunde lang gehen, bis wir die Station der Schnellbahn gefunden hatten, dann wieder lange warten, bis sie daherkam und als wir dann im Zug waren, wurde klar, dass sich der Tagesplan, wie ursprünglich gedacht, niemals ausgehen würde, da die Strecken einfach zu groß und weit waren, die wir mit diesem Zug zurücklegen mussten. Downtown wurde gestrichen.

Gab es eine andere Möglichkeit sich zu bewegen? Nein.
Gab es eine andere Möglichkeit den Tag zu verbringen? Nein.
Gab es irgendwas, das man hätte ändern können? Nein.

Nichtsdestotrotz war Los Angeles aus den öffentlichen Verkehrsmitteln betrachtet, eine völlig neue Erfahrung, denn beifahren kann man ja nicht, um die Eigenheiten der Menschen hier zu dokumentieren, außer eben in öffentlichen Zügen oder Bussen.

Am Hinweg zum Hollywood Boulevard (Sind wir 2 Stunden gefahren? Oder waren es 3? Ich weiß es nicht mehr!) gab es kaum interessante Dinge zu berichten. Lediglich eine Bombendrohung oä, sonst aber keine nennenswerten Vorkommnisse. Der Rückweg, um das gleich vorwegzunehmen, gestaltete sich schon wesentlich interessanter. Das aber auch, vielleicht, weil wir mit Bussen und nicht mit Zügen heimfuhren.

An der Busstation trafen wir ein paar Typen, die sogleich (siehe Bild oben) für ein Foto posierten. Im Bus selbst wurde unsere weibliche Begleitung andauernd angebraten und mit Komplimenten überhäuft. Wir wurden Zeugen einer durch Fast-Food angezüchteten Fettleibigkeit, die fast schon unvorstellbar schien. Wir stellten fest, dass öffentliche Verkehrsmittel einzig für die Unterschicht der Stadt vonnöten waren und waren dadurch mit Leuten eines ganz bestimmten Schlags konfrontiert. Äußerst interessant das alles…

Hollywood Boulevard

Hollywood Boulevard

Mein lieber Kollege wollte unbedingt das Kodak Theatre besichtigen und sich dem filmischen Gipfel des Olymp hingeben. Wir anderen zwei willigten ein und besuchten das Kodak Theatre wiederum. Während Kollege und Kollegin eine 20-Minuten-Führung durch das Gebäude besuchten, schlug ich meine Zeit mit Fotografien und dem ekligsten Espresso bis zu jenem Zeitpunkt tot. Wer im Coffee-Bean and Tea Leaf Kaffee trinken will, der sollte es besser bleiben lassen.

Zum Hollywood Boulevard: Die Oscarverleihungen sind ein Spektakel sondergleichen. Stars kommen an, steigen aus ihren Limousinen aus, Menschenmassen winken ihnen zu und Heerscharen an Journalisten und Fotografen versuchen einen guten Treffer zu landen. – Schmeck’s! Das Kodak Theatre ist vielleicht das höchste Gebäude der Straße, doch langweilig ist es trotzdem. Die Straße selbst, und bitte, liebe Leserschaft, wir sprechen hier über den Hollywood Boulevard!, entspricht einer österreichischen Landstraße, die von einem Dorf umgeben ist. Einzige Ausnahme: In den USA gibt’s auf dieser Straße auch Pizza Hut und Friday’s, bei uns nur McDonald’s! Dieser Hollywood Boulevard war eine Enttäuschung der allergrößten Sorte: der größte Schmarr’n überhaupt!

Rückreise

Der Tag endete, wie ich schon geschrieben habe, in einer stundenlangen Busfahrt und sozialkritischen Betrachtungen. Angekommen im La Quinta stand aber nun das echte Zielgebiet unserer Reise bevor: der Sprung in den Südpazifik. Südhalbkugel, Jahreszeitenwechsel und Paradies ohne Ende waren die vorgesehene Zukunft. Alles, aber auch alles sollte anders kommen.

Wien – London – Los Angeles

London Heathrow ist ein großer Flughafen, den man als Reisender nicht mögen kann. Ich zumindest mag ihn nicht. Als Passagier wird man über Hintergänge zur Sicherheitsprüfung geschoben, dort lässt man dann seine Zahnpastatuben kritisch beäugen, räumt den ganzen Koffer wieder ein und wird ins Nichts entlassen, denn die Terminals des Flughafens sind so weit voneinander entfernt, dass Busse die Passagiere von hier nach dort bringen. Der letzte Flughafen in Europa, bevor man zum großen Sprung ansetzt, und dann das!

Mit Air New Zealand ging es dann von London nach Los Angeles und Wien war schon vergessen. Vergessen die Abschiedstränen der Mitreisenden, vergessen die Alltagssensationen wie gestohlene Handtaschen und ungültige Tickets. Was jetzt zählte, war Los Angeles. Die Müdigkeit nach dem Flug wollte in einem angenehmen, vom Reiseleiter versprochenen Kingsize-Bett aus dem Körper entlassen werden.

Los Angeles

Der Flughafen in LA ist zwar genauso hässlich wie der in London, aber nicht ganz so groß. Man kommt heraus, nimmt ein Taxi und ist weg. Doch nicht bei uns. Aus irgendwelchen Gründen warteten wir mehr als eine Stunde auf irgendwas, das ich bis heute noch nicht weiß. Egal.

Im La Quinta, so der Name des Hotels, wurde schnell klar, dass die geforderten Kingsize-Betten eigentlich nur ganz normale Betten waren. Zimmer wurden getauscht, Doppelbelegungen geduldig akzeptiert. Der Schlaf, der geruhsam sein sollte, war es nicht. Am nächsten Tag stand eine Rundfahrt bevor.

Downtown, Hollywood und Venice Beach

Wer schon einmal in LA war, weiß, was das für ein Dorf ist. Wer nicht, der hat es hiermit gelesen. Downtown ist eine Ansammlung ehemals sicherlich protziger Hochhäuser, die, wenn nicht abgerissen, zu Lagerhallen und Hotel umfunktioniert wurden. Der Großteil der Innenstadt besteht aber aus Parkplätzen. Irgendwo fand ich ein Café (Angelique Café), wo ich einen Espresso zu mir nehmen konnte. Das war zwar eine geschmackliche Qual, aber zumindest das Drumherum war angenehm! Das zu Downtown.

Hollywood, der Hollywood Boulevard respektive Beverly Hills enttäuschen noch mehr. Was im Fernsehen gezeigt wird, erinnert an eine glamouröse Luxusmeile, die mit einem schwarzen Bürgersteig und seinen eingelassenen Sternen und Stars aufwarten kann; Was ist es wirklich? In Österreich würde man dazu Landstraße mit Gebäuden dran sagen. Gegenüber vom ach so großartigen Kodak Theatre ist ein McDonald’s, gleich daneben ein Scientology Test Center und das war’s. Der Rest entspricht Gramatneusiedl im Sommer (nur dass die in Gramatneusiedl keine Klimaanlagen haben)!

Der Gott-sei-Dank! krönende Abschluss der Rundfahrt durch LA war dann der Strand Venice Beach. Der Strand, der gleich an den Baywatch-strapazierten Strand von Malibu anschließt, konnte mit einigen beeindruckenden Szenen aufwarten. Nicht nur war der Strand einfach schön, auch die Einkaufs- und Barmeile erfreute das Gemüt. Das lag aber weniger an den hiesigen Lokalen, sondern wesentlich mehr an den Menschen, die dort ihr Dasein fristeten. Einige von ihnen verkauften Drogen, die anderen trainierten, wiederum andere brachten Kunst an den Mann, die meisten aber – Asiaten – versuchten die Promenierenden zum Essen zu bewegen. Nicht aufdringlich, aber fordernd.

Abendessen und ab ins Bett

Das Abendessen wurde getrennt voneinander eingenommen. Meine Homies (das Wort wird in Zukunft noch eine Rolle spielen!) fanden sich bei einem Griechen ein, bei dem ich den ekligsten Salat gegessen habe, den man dort bekommen konnte. Irgendwie wurde ich den Eindruck nicht los, dass mir alle Beilagensalate serviert wurden. Den Homies hat es geschmeckt und wieder angekommen im La Quinta versuchten wir wieder zu schlafen, was natürlich eine Qual war. Für den nächsten Tag hatte ich gänzlich Anderes als die Gruppentour geplant.

Alltag rein

Es geht schon wieder los in Wien. Der Weg zum Billa-Frühstückssemmerl hat sich heute völlig anders gestaltet als in den letzten paar Monaten. War der Laden bislang von Pensionisten bevölkert, die mit einer stoisch-gemütlichen Langsamkeit den Billaverkäufern beim Warenschlichten und der Kohlensäure in den Mineralwasserflaschen beim Hochsteigen zuschauten, so war das Bild heute ein völlig anderes: schreiende Kinder, die zwischen den Alten Slalomläufe absolvierten, Mütter, die sie davon abhalten wollten und Schultaschen überall. An jeder Ecke Waren, die durch eine Rechts- oder Linkskurve eines Slalomläufers auf den Boden befördert wurden, alle Kassen waren besetzt und das Gummizeugs, das seit Monaten sein trauriges Dasein fristete, war endlich wieder ausverkauft. Wahrscheinlich hätten die beim Billa die “Ware abgelaufen, 50% ermäßigt!”-Aufkleber drauftun sollen, aber welchem Kind fällt das schon auf? Die Gummibären waren weg, ebenso Snickers, Mars und Dinge, die erst nach mir kamen, die sauren Apfelbänder natürlich und die Colaflascherln. Ach ja: Beim Billa hatten sie heute erstmals wieder genügend Kleingeld!

Es ist dann wohl die Zeit gekommen, um Urlaub zu machen.

Wie man den Traffic seines Blogs erhöht

Das renommierte seomoz gibt 21 Tipps, wie man den Traffic auf seinem Blog erhöhen kann. Neben den üblichen Hinweisen (“Wähle die richtiges Blog-Software”, “Benutze eine eigene Domain”, …) gibt es auch Tipps, die etwas komplizierter umzusetzen sind, weil sie direkt auf den Zugang des Menschen hinter einem Blog zielen.

Charisma is a valuable quality, both online and off. Through a blog, it’s most often judged by the voice you present to your users. People like empathy, compassion, authority and honesty. Keep these in the forefront of your mind when writing and you’ll be in a good position to succeed. It’s also critical that you maintain a level of humility in your blogging and stick to your roots. When users start to feel that a blog is taking itself too seriously or losing the characteristics that made it unique, they start to seek new places for content. We’ve certainly made mistakes (even recently) that have cost us some fans – be cautious to control not only what you say, but how you say it. Lastly – if there’s a hot button issue that has you posting emotionally, temper it by letting the post sit in draft mode for an hour or two, re-reading it and considering any revisions. With the advent of feeds, once you publish, there’s no going back.

Sommerfrische in Südtirol

Squared hut

Wer sich schon einmal mit Südtirolern unterhalten hat, dem ist sicherlich ein etwas eigentümliches Bewußtsein über die Herkunft des Gesprächspartners aufgefallen. Man weiß nicht so recht, ob man es mit einem Italiener, einem Österreicher oder einem Südtiroler an sich zu tun hat; womöglich schwingt von allem ein wenig mit. Bereist man Südtirol selbst, so wird es im persönlichen Eindruck nicht gerade klarer. Einerseits hängt an so manchem Hof die Tiroler Fahne, andererseits kommt in weiteren Gesprächen doch der Wunsch zum Ausdruck, auf die eine oder andere Art und Weise Italiener zu sein.

Die letzte Woche bereiste ich eben dieses Südtirol, und diesmal war es nicht um Ski zu fahren, sondern um sich einer Sommerfrische samt einheimischer Begleitung hinzugeben. Was als Dauerwandern und Naturdenkmälerbesichtigung geplant war, wurde schließlich zur Reise durch die Psyche (und die Psychosen) der Italiener, die sich Südtiroler nennen.

Wien – Neunhäusern

Man findet wesentlich leichter von Wien weg nach Neunhäusern in Südtirol als man denkt: Von Wien aus geht es auf der Südautobahn (A2) in Richtung Villach, kurz davor auf die A10 und von dort immer der E66 (das ist das grün unterlegte Schild auf den Verkehrstafeln) bis nach Neunhäusern. Schon auf der A2 ist die E66 angeschrieben.

Neunhäusern, Bruneck, Olang

Über Neunhäusern zu schreiben zahlt sich eigentlich gar nicht aus. Es ist eine Fraktion, ein Weiler bzw. eine Ansammlung von ein paar Häusern (ob’s neun sind, weiß ich nicht), die zwischen den “Städten” Olang und Bruneck liegt. Olang ist ein aufgrund des Wintertourismus vom Dorf zur Stadt aufgestiegenes Phänomen, Bruneck als die Hauptstadt der Region beansprucht das Stadtsein schon seit längerem für sich. Dort geht man, wie unsere einheimische Reiseleitung das trefflich formuliert hat, mit der Nase ein wenig höher.

Dennoch: Während Olang sich nachwievor als großes Dorf gibt, vermeint man in Bruneck zwar mit einem obrigkeitlichen Willen zur Stadtwerdung konfrontiert zu sein, der allerdings einerseits durch die dort ansässige Bevölkerung, die nachwievor dem ländlichen Leben zugetan scheint, andererseits durch die Ahnungslosigkeit “der da oben” nicht wirklich durchgesetzt werden kann. Und genau das scheint das Problem der Stadtwerdung Brunecks zu sein, die ganz offensichtlich in der Gegend voran getrieben wird.

Stadtwerdung Brunecks

Das Radio als subtiles ideologisches und propagandistisches Medium verrät einiges über die Denkweise (und über die Denkfehler) derer, die nicht nur im Radio das Sagen haben. Radio Holiday, beispielsweise, brachte ein Interview mit dem Bürgermeister von Bruneck (oder einer ähnlich gearteten Person; da kann ich mich nicht mehr erinnern!), das die Stadtwerdung Brunecks, seine Internationalität inmitten einer schönen tiroler Natur zum Thema hatte. Das Interview wirkte beinahe so, als ob jener Bürgermeister (oder wer auch immer) um jeden Preis die Schlagworte “Internationalität” und “Schönheit der Natur” kommunizieren wollte. Jedes Argument, jede Antwort, jede selbst getroffene Aussage war mit diesen beiden Schlagwörtern durchsetzt. Internationalität. Schönheit der Natur.

Mit den beiden Stichwörtern war allerdings nichts anderes gemeint als die Forcierung der Stadtwerdung Brunecks, das sich international und in Mitten einer heilen Natur präsentieren will. Das Schlagwort Internationalität stand, wie im Laufe des Interviews klar wurde, für den Bau eines neuen Kongresszentrums, die Schönheit der Natur stand für den von Umweltsünden noch nicht zerfressenen Baugrund. Mit dem Kongresszentrum will man international tätige Veranstalter von Konferenzen, Diskussionen, Messen und eben Kongressen locken, die Schönheit der Natur sollte dem Ganzen Nachdruck verleihen, denn wo sonst ließe sich besser konferieren als inmitten eines natürlichen “Paradieses”.

Natürlich ist die Eigenwerbung für Leute wie den Bürgermeister (oder wen auch immer) das A und O der Arbeit, doch bitte, es geht auch weniger plump. Und vor allem: Wenn auch die Natur schön und das Kongresszentrum modern ist, es fehlt Bruneck schlichtweg am sonst üblichen städtischen Treiben und an der städtischen Mentalität der Bevölkerung. Wenn Gastronomiebetriebe zwischen 14:30 Uhr und 18:00 Uhr zusperren, wenn die auf an zu Fußgängerzonen deklarierten Einkaufsstraßen ansässigen Geschäfte ausgedehnte Mittagspausen abhalten, wenn so Kleinigkeiten wie Mistkübel an eben diesen Straßen nicht zu finden sind, wenn die Parkplätze im Schnitt maximal 20 Autos aufnehmen, wenn es keine vernünftige Zugverbindung, keine Autobahn und sonst nur schwerliche Möglichkeiten gibt die Gegend zu erreichen, wenn die Bevölkerung mehr damit beschäftigt ist (egal ob mit hoher Nase oder nicht) sich vom Land abzutrennen als eine eigene Stadt im kulturellen und selbstbewussten Sinn aufzubauen, wenn die Tradition (die ländliche!) eine größere Rolle spielt als neue kulturelle und urbane Phänomene, dann ist es für mich schwierig zu verstehen, wie man hier Stadt werden will.

In meinen Augen und aus meinen bescheidenen Erfahrungen, sind es die Menschen, die eine Ansammlung und Verdichtung von Häusern, Bürogebäuden, Einkaufs-, Kongresszentren und sonstigen stadtbaulichen Attributen zu dem machen was sie darstellen sollen: Eine Stadt. Das wäre eine Herangehensweise an die Stadtwerdung, die ohne Schlagworte wie Internationalität und Schönheit der Natur mit den gleichen, wenn nicht sogar einem besseren Effekt, zum Ziel führen würde.

Ambiguität der Heimat

Nach einigen Gesprächen mit einer allerdings sehr begrenzten Zahl von Einheimischen, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass der Begriff Heimat einer gewissen Mehrdeutigkeit zu heim gefallen ist. Man weiß nicht so recht, wie schon anfangs gesagt, ob man nun Italiener, Österreicher, Südtiroler, Tiroler oder gar Deutscher ist. Von jedem ein bißchen was, von keinem genug, eine Ambiguität von Heimat, wie man sie häufig von Vertriebenen oder im Exil Lebenden kennt. Selbst die Formulierung von Präferenzen fällt schwer. Das mein primärer Eindruck.

Hinzu kommt noch eine weitere Feststellung, die allerdings ebenso wie das vorher Gesagte, auch von keiner Bedeutung sein muss, da die Anzahl derer, mit denen ich mich unterhalten habe, an einer Hand abzuzählen ist. Lebt man zwischen den Ländern und zwischen den Nationen, gehört zu den einen nicht mehr und zu den anderen noch nicht dazu, dann würde man, so meine Meinung, etwas Eigenständiges schaffen und auch danach leben. Das allerdings ist in dem Bereich von Südtirol, den ich besucht habe, nicht so. Ob es am Fernsehen, dem Radio oder den Medien als meinungsbildenden und kulturschaffenden Instrumenten liegt, das so etwas Eigenständiges wie eine “Südtiroler Kultur” noch immer nicht wirklich existiert, kann nur vermutet werden; diese Vermutung liegt allerdings sehr nah, denn ein Südtiroler hört Ö3 und sieht sich im Fernsehen Filme auf RAI an.

Mal sehen, ob ich diese Eigenständigkeit des Südtiroler Daseins noch erleben werde.

Zum Schluss

Gegen Ende dieser Reise durch Südtirol noch ein paar trockene Fakten des durchgeführten touristischen Programms (siehe auch die dazugehörige Galerie auf Flickr):

  • Antholzer Wildsee,
  • Pragser Wildsee,
  • drei Wasserfälle, an deren Name ich mich nicht mehr erinnere,
  • die Erdpyramiden zu Neunhäusern,
  • Stadtbesichtigung Bruneck,
  • Stadtbesichtigung Olang,
  • Pizza,
  • Pasta,
  • Schlutzkrapfen und andere Südtiroler Unaussprechlichkeiten, sowie
  • das neu errichtete Cron4, ein Wellness- und Sporttempel bei Bruneck (Internationalität, Schönheit der Natur!), in dem man oben Genanntes wieder abbauen konnte.

Die Rückfahrt – E66, dann A2 – gestaltete sich in Folge eines ausgedehnten Abendessens in Graz etwas länger als erwartet, doch nicht nur die lukullischen Genüsse bremsten das Vorankommen, sondern auch die verkehrspolitischen Idiotien der Steiermark, die sich in 100km/h-Zonen auf der perfekt ausgebauten Autobahn manifestierten. Nach Ankunft in Wien, wurde wieder klar, und auch das, es ist mir bewußt, ein Schlagwort: Wien ist anders!

Lesen wir eigentlich?

Ausgehend von einer Befragung beim PR Blogger Wie viele Blog-Artikel lesen Sie?, habe ich die Statistiken und Trends meines Google Readers ausgewertet und bin zum ernüchternden Ergebnis gekommen, dass die Anzahl der Artikel, die ich tatsächlich lese, im Verhältnis zu den Artikeln, die mir der Reader anzeigt, verschwindend klein ist. Außerdem ist ein Großteil der Artikel, die ich mir ansehe, aus Zeitungen und Online-Magazinen, nicht jedoch aus Blogs u.ä. neuen Medien.

Von 2487 Artikeln, die ich mir in den letzten 30 Tagen laut Google Reader angeschaut habe, habe ich 28 Artikel gelesen! Mein Lesetrend liegt eindeutig bei Onlinemagazinen, Zeitungen und Blogs von mir persönlich Bekannten, gefolgt von abermals Zeitungen und erst in weiterer Folge von englischsprachigen, dann erst von deutschsprachigen Blogs.

Persönlich gehaltene, dafür aber meiner Meinung nach qualifizierte Blogs lese ich wesentlich öfter als Blogs, die Inhalte gerne kopieren und wiedergeben. Onlinemagazine, die von (ehemaligen) Bloggern aufgebaut wurden und nun von ihnen mit Inhalten befüllt werden, häufiger als Blog-Ableger von etablierten Medienhäusern (Ausnahme: die äußerst gelungenen Blogs der Zeit).