Flickrtreffen in Wien

http://www.flickr.com/photos/michaeeel/401698130/

Gestern fand (wieder) ein Flickrtreffen statt. In Wien, nicht in Shanghai, wie letztes Mal. Der Treffpunkt wurde mehrmals verschoben, vor allem, weil wir ursprünglich am Wienerberg bei den Twin Towers und dort auch den Wasserturm fotografieren wollten. Wie dem auch sei, das Treffen fand dann am Südbahnhof beim Lindwurm statt. Und dieser Lindwurm hat es ja in sich, denn es gibt ihn gar nicht. Der Vorschlag, sich beim Lindwurm zu treffen, wurde erst durch weniger Wienkundige angezweifelt, weil es da nämlich keinen Lindwurm gäbe, im Südbahnhof. Da gibt es nur einen „Markuslöwen“, der es dann auch war. Man traf sich also beim Markuslöwen am Südbahnhof und völlig entgegen meinen Erwartungen, die sich aus vorigen Flickrtreffen begründeten, fanden sich hier nicht vier oder fünf Menschen ein, die sich gemeinsam einen netten Nachmittag machen wollten, nein, letztendlich waren wir einundzwanzig an der Zahl. Und das, obwohl das Wetter weniger einladend war als erhofft! (Und irgendjemand hat auch noch Flickr-Buttons und -Sticker mitgebracht! Meine Güte, wo kamen die denn plötzlich her?)

Der Südbahnhof gab optisch und olfaktorisch wenig her, daher wurde die dortige Fotografierzeit stark herabgesetzt auf knappe fünfundzwanzig Minuten. Danach ging es zum Schloss Belvedere, das auch, weil Schlechtwetter, nicht unbedingt zur vortrefflichsten Fotolocation zählte. Trotzdem konnte man seinen Trieben nachgehen und die anderen Mitglieder näher kennenlernen.

Der Abschluss des Treffens fand im Mocca Club (hat sogar eine eigene Gruppe) statt. Das Team hat sich dort gut um uns gekümmert und einen flickr-shot (was auch immer es war) gab es dann von Johanna Wechselberger spendiert. Scott Partee, der Mann aus Atlanta, der die Guess Where Wien-Gruppe (hier das Adminfoto) gegründet hat, war auch anwesend – samt Ehefrau, samt Tochter Maple. Aristide und Daniel kamen auch noch vorbei und wer nicht fehlen durfte und auch gleich in Damenbegleitung erschien, war natürlich Scotty_DT. Hier im Mocca Club fand wieder einmal eine Gruppengründung statt: es wurde die Flickr Meet Vienna-Gruppe gegründet.

Es war ein großes Treffen mit für mich vielen neuen Gesichtern und das Wissen um die Personen hinter den Buddy-Icons macht die Bilder umso interessanter und teilweise neu interpretierbar. Jedenfalls war es für mich äußerst interessant mit Menschen in einer Gruppe unterwegs zu sein, die man bislang lediglich durch Kommentare, Fotos und Diskussionsbeiträge kannte. Auf ein Weiteres. Und da ist ja schon die flickrdisco geplant!

Diesmal mit dabei waren: shadowclown, scottpartee, rattina, maxst001, Mad_T, kees0r, Julian Turner, h_dps, gSquare, dnl, actually (sic!), coolchair, aristide, aal & leo14, sibi, saschaaa (Blogeintrag), Wooolf, spanaut (Blogeintrag), roetzi24, schani, H.KoPP, Verena V., Scotty_DT, Jen Salik, pokpok313 und ich.

Bälle, Rituale, Tanz

Dominik schreibt über die Ballsaison und ihre Auswirkungen, er schreibt über das Flair, den jeder Ball hat, über die Eigenheiten, die jeder Ball hat und darüber, das eigentlich nicht der Ball selbst das Lustmoment ballbesuchischen Daseins ausmacht, sondern sehr wohl, wenn nicht ausschlaggebend die Begleitung, egal nun, ob es eine Dame oder ein ganzer Freundeskreis ist. Bälle sind für ihn nach wie vor von besonderer Bedeutung. Und dabei ist das ja gar nicht so!

Bälle, wie sie in Wien veranstaltet werden, sind Abglanz dessen, was sie einst waren. Ihr primärer Zweck, nämlich die Einführung von jungen Persönlichkeiten in die Gesellschaft, ist völlig weggefallen. Andere Nützlichkeiten, die Bälle so an sich hatten, gibt es auch nicht mehr, denn wer geht heutzutage auf einen Ball, um dort zu tanzen? Man tanz auf Bällen, ja, allerdings nur nebenbei, zwischen Aperitif und Vorspeise und vielleicht noch vor dem Dessert. Bälle sind vielmehr eine Zusammenkunft von Menschen, die sich über die Zusammenkunft der Menschen auslassen. Da stehen die Grüppchen in den diversen Ecken verteilt und betrachten andere Grüppchen, setzen an ihnen etwas aus und erfreuen sich so vier bis sechs Stunden lang daran. Das unterscheidet die Ballbesucher von heute sicherlich nur wenig von den Ballbesuchern von damals, nur dass damals dann ab und zu ein Herr vorbeikam und eine der Damen zum Tanze aufforderte, damit der Erstkontakt, kaschiert durch ein Minuett, erfolgen konnte. Debütieren konnte man damals halt noch in zweifacher Weise. Der erste gemeinsame Tanz, der in Form gefasst Zwang körperlicher Nähe als einzige Ausfluchtmöglichkeit emotional bedingten Wollens hat sich so aufgelöst. Tanz emanzipiert sich. Tanz erfolgt nun als Draufgabe, nicht als Primärkonstrukt, um Freundschaft zu erlangen, denn kennenlernen tut man sich außerhalb von Bällen und spezifischen sozialen Aktivitäten. Man kennt sich und intensiviert vielleicht die Beziehung am Ball.

Doch dieses Gelaber über Bälle in Wien interessiert mich weniger. Was mich tatsächlich interessiert ist, wie man es überhaupt möglich machen und schön finden kann, dass Tanz als institutionalisiertes Etwas gehandhabt wird. Ich verstehe, dass man Tanzkurse machen muss, ich verstehe, dass man sich – ähnlich einem Sport – Techniken anlernen und den Umgang mit den Tanzpartnern erarbeiten muss, aber was um Himmels Willen bringt Menschen dazu, Tanz als etwas nicht Spontanes durchzuführen, horribile dictu als geplanten Tagesausflug zur Möglichkeit des Tanzens wie es von Hunderten, ja Tausenden Jugendlichen gehandhabt wird? Tanz ist nichts Planbares, nichts Gewolltes, er muss spontan und emotional behaftet sein, frei von jeglichen Zwängen, frei von jeglichen Formalitäten, denn nur dann ist Tanz das, was er ausdrücken will. Nur dann nehme ich einem Tänzer ab, dass seine Mimik genuin und gewollt, nicht aber einstudiert und gespielt ist, nur, aber nur dann nehme ich Damen, die sich hier erstmalig trauen, sich figurbetont zu bewegen ab, dass sie das, was sie darstellen wollen, auch tatsächlich repräsentieren können.

Eingezwängt in ein Korsett irgendwelcher Regulierungen lassen die Menschen hier ihrer tatsächlichen Körperlichkeit freien Lauf. Doch wie? Abermals in einem Korsett! Brav werden hier die gelernten Abfolgen getanzt, weil man nicht Mumm hat, Neues zu probieren und wenn, dann bitte nur mit Trainer. Sechzehn-, Siebzehnjährige, die am Gipfel ihrer Körperlichkeit stehen, melden sich zu Hauf in Formationen an, in denen sie sich ein wenig gehen lassen können – selbstverständlich in gemäßigtem Rahmen und nur dort, wo es von den Eltern gut geheißen wird.

Vielleicht bin ich ein wenig von meinem Aufenthalt in Kuba geblendet, der mir zum ersten Mal die Augen diesbezüglich geöffnet hat, aber doch muss ich feststellen, dass dort Tanzen wie ein körperliches Bedürfnis zwischen Mann und Frau abgelaufen ist. Wer tanzen wollte, tanzte wer lieber einen Rum nach dem anderen in sich schüttete, der tat das und es kümmerte keinen oder jeden, je nachdem. Hier war Tanz noch spontan, hier tanzten sogar Touristen unter Bedingungen, unter denen sie in ihren Heimatländern niemals tanzen würden. Und die konnten es meist gar nicht! Es wurde getanzt, weil es Spaß machte und aus sonst keinem Grund. Und so soll es sein und ich hör jetzt hier auf.

Wie man E-Mails schreibt

Es ist erstaunlich, wie viel man beim Schreiben von E-Mails falsch machen kann. Kulturelle Befindlichkeiten, Prestige und alte Gewohnheiten führen zu Problemen an unerwarteter Stelle, weshalb ich mir zum Ziel gesetzt habe, missionarisch gegen diese Eigenheiten vorzugehen, sodass ein einfaches Ziel erreicht wird: Jede E-Mail, die nach den hier vorgestellten Richtlinien geschrieben wird, soll auf jedem Computersystem in egal welchem sprachlichen Umfeld korrekt angezeigt und vom Empfänger gelesen werden können.

Ergänzungen und/oder Kritik sind immer willkommen. Die Kommentarfunktion für diesen Artikel bleibt offen, ebenso wie mein Kontaktformular.

Letzte Aktualisierung: 15.08.2011.

Konfigurieren des E-Mailprogramms

Vieles von dem, was letztlich „falsch“ ist, beginnt schon bei einem schlecht oder falsch konfigurierten E-Mailprogramm. Ich kann und werde hier nicht Konfigurationsanleitungen für alle verfügbaren E-Mailprogramme vorstellen, sondern auf einige Eckpunkte hinweisen, die so oder so ähnlich in allen E-Mailprogrammen verfügbar sein sollten.

Die Screenshots in dieser Anleitung zeigen Thunderbird 5.0 auf einem Mac-System (Apple). Ich kann das Programm nur empfehlen, da es einerseits für alle gängigen Plattformen (Windows, Mac, Linux) verfügbar und andererseits standardkompatibel ist.

Die hier angeführten Einstellungen muss man nur ein einziges Mail durchführen!

Name und Signatur

Beginnen wir mit einem der größten Probleme: der Name.

Konfiguration E-Mailprogramm: Name

Es ist, besonders für Österreicher, schwer, im Feld „Ihr Name“ tatsächlich nur den Namen im Format „Vorname Nachname“ einzutragen. Magister-, Doktor- und Professorentitel haben hier nichts verloren. Keine Sorge, wir werden sie noch hinzufügen, nicht aber in diesem Feld. Im Feld „Ihr Name“ gehört wirklich nur der Vorname und der Nachname hinein. Groß- und Kleinschreibung sind dabei von Bedeutung.

Titel oder die Formatierung des Namens im Format „Nachname, Vorname“ führen durch die automatisierte Verarbeitung dieser Daten zu Problemen. Für einen Asiaten wird der Vorname „Maximilian“ im Beispiel „Dr. Maximilan Mustermann“ nicht als solcher erkannt. Entweder ist der Vorname dann „Dr. Maximilian“ oder aber, und so habe ich es häufig erlebt, nur „Dr.“ Maximilian wird dann als Namenszusatz gewertet.

Aber keine Sorge, Titel und weitere Bezeichnungen kommen zur Geltung. In der Signatur.

Um all die Titel, Namenszusätze und mehr auch dem Empfänger einer E-Mail aufzudrängen, gibt es die Signatur. Dort kann man alles hineinpacken, was einen wichtig macht. Gute E-Mailprogramme (wie Thunderbird) haben hierfür ein eigenes Eingabefeld.

Konfiguration E-Mailprogramm: Signatur

Hier kann man sich ausleben. Das geläufigste Format, in dem Signaturen geschrieben werden, sieht wie im Bild oben angezeigt aus.

Titelsammlung, Vorname Nachname, Titelsammlung
Adresse (beruflich oder privat, je nach E-Mailadresse)
Postleitzahlangabe je nach Formalvorgabe
Optional: Telefonnummer
Optional: Weitere Informationen

An einem Beispiel dargestellt:

Prof. Maximilian Mustermann, Ph.D
Mustergasse 47/2
A-1010 Wien

Das E-Mailprogramm hängt diese Informationen nun automatisiert an jede ausgehende Nachricht an und setzt – sofern standardkonform – zwei Minuszeichen davor „–“. Somit wird die Signatur in nahezu allen E-Mailprogrammen und -services auch als solche erkannt und in den besseren dezent in den Hintergrund gestellt oder mit Funktionserweiterungen ausgestattet.

Warum ist es so wichtig, die Signatur – und nicht den Namen in der Adresszeile – so zu formatieren? Hier zwei Beispiele:

Darstellung einer Signatur in Gmail

Gmail, einer der populärsten E-Mailanbieter, blendet die Signatur dezent aus und ermöglicht es dem Benutzer dadurch, sich vollständig auf den Text zu konzentrieren. Für unerfahrene Empfänger von E-Mails zeigt allein schon die Darstellung der Signatur, dass es sich hierbei um etwas handelt, das nicht zum Nachrichtentext gehört.

Darstellung einer Signatur in Apple Mail (Speichern möglich)

In Apple Mail (und in vielen anderen lokalen E-Mailprogrammen) wird eine Signatur zwar nicht ausgeblendet, sie wird jedoch mit einem Funktionsrahmen, wie im Bild oben dargestellt, angezeigt. Klickt der Empfänger der Nachricht nun auf das kleine Pfeilchen, kann er die Adressdaten direkt in sein Adressbuch übernehmen. Wäre die Signatur anders formatiert, würde das so nicht funktionieren.

Reintext und Zitatauswahl

Der nächste Schritt zu besseren E-Mails ist die Konfiguration von Reintext und Zitatauswahl. Beginnen wir mit dem Reintext.

Reintext bedeutet, dass E-Mails selbst nur aus Text bestehen und keine Formatierungsbefehle (wie fett, kursiv, etc.) enthalten. So sehr es einen auch noch so drängt, bunte Schriften, Tabellen oder Hintergründe in E-Mails zu verwenden, auf Seiten des Empfängers kann das zu Problemen führen.

Gmail und andere Serviceanbieter blenden beispielsweise Bildhintergründe automatisch aus, da diese Hintergründe häufig für Spam eingesetzt werden können. Benutzer von iPhones, Blackberrys, etc. haben automatisierte Systeme, die Hintergründe und Formatierungsbefehle filtern, um dem Empfänger durch zusätzliches Datenmaterial keine Kosten entstehen zu lassen.

Deaktivieren Sie also alle Funktionen in Ihrem E-Mailprogramm, die soetwas ermöglichen. In Thunderbird nennt sich die dementsprechende Funktion – siehe auch Bild – „Nachrichten im HTML-Format verfassen“; diese muss deaktiviert sein! (In Apple Mail muss man als „E-Mail-Format“ die Option „Reiner Text“ auswählen.)

Die „Pflicht“ zum Reintext gilt selbstverständlich auch für die Signatur!

Konfiguration E-Mailprogramm: Reintext und Zitatauswahl

Der zweite, nicht ganz so strenge Punkt, ist die Konfiguration der Zitate.

Konfigurieren Sie Ihr E-Mailprogramm so, dass die Original-Nachricht beim Antworten automatisch zitiert wird, wobei Ihre Antwort über dem Zitat beginnen sollte und die Signatur, wenn überhaupt, unter das Zitat platziert werden soll. Ob Sie die Signatur beim Antworten bzw. beim Weiterleitung beifügen, bleibt Ihnen überlassen.

Zum Thema Zitieren kommen wir noch in einem späteren Kapitel.

Empfangsbestätigungen

Deaktivieren Sie sie. Empfangsbestätigungen sind nicht nur kein Standard, sondern auch ein Eindringen in die Privatsphäre: niemanden geht an, wann Sie ein E-Mail gelesen haben. Außerdem gilt es zu berücksichtigen, dass iPhone, Blackberrys, etc., sofern dafür konfiguriert, auch im Ausland Empfangsbestätigungen senden, was Kosten verursachen kann.

Außerdem bedeutet der Erhalt einer Empfangsbestätigung ja gar nichts: Wenn ein E-Mail in meinem E-Mailprogramm ankommt, dann heißt das noch lange nicht, dass ich es gelesen habe. Gmail und andere Onlineservices ignorieren Empfangsbestätigungen überhaupt.

In vielen Unternehmen ist so eine Empfangsbestätigung üblich, wobei ich mich hier nach dem Sinn frage, denn relevant wird eine Nachricht ja erst, wenn sie tatsächlich beantwortet wird.

Konfiguration E-Mailprogramm: Empfangsbestätigungen

Mit diesem letzten Schritt haben wir nun alle relevanten Einstellungen in unserem E-Mailprogramm vorgenommen.

E-Mails verfassen

Da unser E-Mailprogramm nun vollständig konfiguriert ist, können wir uns daran machen, E-Mails zu schreiben. Hier gibt es ein paar Grundregeln, die es zu berücksichtigen gilt. Fürs Antworten und fürs Weiterleiten von E-Mails habe ich einen eigenen Abschnitt weiter unten.

An, CC, BCC

Ganz wichtig, weil so oft falsch angewendet: Unterscheiden Sie zwischen einem direkten Empfänger (An), dem Empfänger einer Kopie (CC) und Empfängern, die von anderen nicht gesehen werden (BCC).

  • An: Wenn Sie ein E-Mail an eine Person schicken, so setzen Sie ihre E-Mailadresse in dieses Feld ein. Das An-Feld entspricht dem Wählen einer Telefonnummer, mit der Sie Ihren Gesprächspartner erreichen.
  • CC: Wenn, zum Beispiel in einem Projekt, weitere Personen vom Inhalt der Nachricht in Kenntnis gesetzt werden sollen, dann setzen Sie deren E-Mailadressen ins CC-Feld ein. Im Telefonbeispiel wären das die Menschen, die dem Gespräch, das Sie gerade mit Ihrem Gesprächspartner führen, zuhören.
  • BCC: Dieses Feld hat zweifache Bedeutung. Vorab ist es jedoch wichtig zu verstehen, dass im Gegensatz zum An- oder zum CC-Feld, die Empfänger Ihrer Nachricht nicht sehen können, wer im BCC-Feld aufgelistet ist (daher auch der Name: Blind Carbon Copy). Diese Funktion kann man nun entweder dafür nutzen, um weiteren Empfängern, über die weder die Empfänger aus dem An- oder dem CC-Feld bescheid wissen sollen, den Inhalt einer Nachricht zu übermitteln, oder man benützt das BCC-Feld, um leidige Massenmails weiterzuschicken (dazu später).

Betreffzeile

Es gibt nichts schlimmeres als Betreffzeilen, die keine Aussagekraft haben. Außer vielleicht leergelassene Betreffzeilen. Die Betreffzeile entscheidet darüber, ob jemand eine E-Mail sofort oder erst später liest. Sie ist das A und O einer jeden E-Mail und soll dem Empfänger bereits eindeutig vermitteln, worum es im E-Mail geht.

Geben Sie so viel Information wie möglich in die Betreffzeile, sehen Sie aber zu, dass sie nicht mehr als 8 bis 10 Wörter enthält.

Begrüßung und Anrede

Wie Sie jemanden in einem E-Mail begrüßen, bleibt Ihnen überlassen. Es ist sogar in Ordnung, wenn Sie eine Person gar nicht (mehr) begrüßen. Die Regeln hierzu hängen vom E-Mailverkehr ab, grundsätzlich gilt jedoch:

  • Wenn Sie jemanden zum ersten Mal anschreiben, begrüßen Sie die Person auch mit einem formellen: „Sehr geehrte Frau Prof. Maier!“ Benutzen Sie also die Formel „Sehr geehrte/r“, dann – stets ausgeschrieben – entweder „Frau“ oder „Herr“, gefolgt vom abgekürzten Titel (in dem Fall: „Prof.“) und dem Familiennamen.
  • Sollten Sie nicht wissen, wer ein E-Mail bekommt, so begrüßen Sie mit „Sehr geehrte Damen und Herren!“

Markdown

Lernen Sie Markdown und schreiben Sie – sofern nötig – ab sofort alle E-Mails, die Sie verschicken, in Markdown.

Inhalt

Sie schreiben ein E-Mail und keinen Brief. Insofern gibt es hier einige Freiheiten, die Sie sich herausnehmen können.
  • In E-Mails können Sie in lockererem Ton schreiben. Bleiben Sie jedoch höflich.
  • Schreiben Sie niemals in GROSSBUCHSTABEN. Das wird als Schreien gewertet. Wenn Sie etwas betonen wollen, so gibt Ihnen das vorhin erwähnte Markdown die Möglichkeit der _Betonung_ oder der **starken Betonung**. Nutzen Sie sie!
  • Beistriche und Punkt strukturieren Inhalte, also verwenden Sie sie auch!
  • Achten Sie auf Groß- und Kleinschreibung ebenso, wie auf Ihre Rechtschreibung. Wer andauernd Rechtschreibfehler macht, kann noch so intelligente Texte schreiben, sie oder er wird immer ein wenig wie ein Idiot wirken.
  1. Beistriche und Punkte sind keine Zierelemente, sondern sie strukturieren Inhalte.
  2. Wer andauernd Rechtschreibfehler macht, kann noch so intelligente Texte schreiben, er wirkt immer ein wenig wie ein Idiot.
  3. Wer oft Smileys verwendet, wirkt irgendwie dämlich.
  1. Bilder als Anhänge sind okay, aber nur, wenn die Bilder komprimiert und verkleinert sind. Für alle andern Bilder als Anhang gibt es Flickr.
  2. E-Mails sind wie Postkarten: sie sind niemals privat.
  3. E-Mails eignen sich nicht für Stilmittel wie Sarkasmus, Ironie und dergleichen. Der Empfänger versteht sowas mit größter Wahrscheinlichkeit nicht.
  4. Massenmails und Tantramails, die, wenn nicht weitergeschickt, ewiges Unglück versprechen, sind pfui.
  5. Wer sich lächerlich machen will, fügt eine Signatur hinzu, die aussagt, dass nur derjenige die E-Mail lesen darf, der auch wirklich als Empfänger genannt ist.
  6. E-Mail-Anhänge, die 5 MB überschreiten, gehören anders, zum Beispiel per Dropbox, versendet!

Gemeinsam oder Zusammen

Ich mache es mir hiermit zur Aufgabe, Fragen der linguistischen Feinheit, die mir im Alltag widerfahren, an die werte Leserschaft weiterzugeben. Somit hat das Bildungsmoment einen Gießkanneneffekt. Im heutigen Beispiel geht es um die korrekte Anwendung der beiden Wörter „gemeinsam“ oder „zusammen“. Hier das Beispiel:

Judo ist ein Sport, den man grundsätzlich nicht alleine ausüben kann; stets braucht man einen Gegner, den man zu Boden strecken kann. Zwölf Judokämpfer, die für gewöhnlich paarweise miteinander kämpfen, lauschen in der Trainingshalle ihrem Ausbildner (dem „Meister“), der gerade eine komplizierte Fallfigur erklärt, die es ermöglicht einen Gegner nur durch eine bestimmte Art von Zubodenfallen unschädlich zu machen. Da die Verletzungsgefahr für den Gegner bei dieser Figur sehr hoch ist, muss jeder Schüler das Fallen alleine fehlerfrei beherrschen, bevor er es mit seinem jeweiligen Partner (dem sportlichen Gegner) ausprobieren kann. Damit jeder Schüler das Fallen auch korrekt durchführt, möchte der Meister es mehrmals vorzeigen, wobei die Schüler – jeder für sich allein – es zeitgleich mit ihm mitmachen sollen.

Welches Kommando muss nun der Meister geben, damit die Schüler tun, wie er möchte. A oder B?

A: Probieren wir diese Figur nun gemeinsam!
B: Probieren wir diese Figur nun alle zusammen!

Antworten mit Begründung sind in den Kommentaren willkommen und erwünscht!

Opernball war und es hat trotzdem geregnet

Und während ein Prozentsatz des österreichischen Volkes gebannt vor den Fernsehapparaten saß und sich irgendwie nicht entschließen konnte, was es von der Eröffnung, von Paris Hilton und Anderen halten sollte, war ein im Promillebereich angesiedelter Teil des österreichischen Volkes am Ball anwesend und konnte sich auch irgendwie nicht entschließen, wie toll dieser Ball jetzt nun wirklich sei; ob er also sehr toll, toll oder nur nett sei, das war hier die Frage – aber die konnte man ja nicht stellen, weil dieses Gedränge und die Hitze und überhaupt. Im Schreibkammerl von dreitehabee sah es da schon anders aus: Hier waren Schmerzen in Magengegend allgegenwärtig und andauerndes Kopfweh gepaart mit einer ungesunden Müdigkeit vermiesten den Abend. Opernball war, mir war nicht gut und es hat trotzdem geregnet.

Heuer war es ja ganz brav und dezent, was so abgelaufen ist: Da gab es den obligaten Lugnerklatsch, der von den Medien gerademal einen Tag vor dem Ball überhaupt so richtig ans Tageslicht drang samt unspektakulärer Paris Hilton. Da gab es irgendwelche Zwistigkeiten zwischen Holender und Elmayer (aber der ging letztlich nur in Society-Magazinen a.k.a. Klatschblättern nicht unter) und den Einzug einer Pferdekutsche, die von einem echten Pferd (na sieh einer an!) gezogen wurde. Spannend. Spannend auch, worüber man am Sonntag davor in „Frühstück bei mir“ unterrichtet wurde: da ging es um die Biologie des Pferdes und dessen nahrungstechnische Routine und so weiter.

Nun, das war der österreichische Horizont des gestrigen Tages. Wie sieht es aber außerhalb aus? Kann man den Opernball als urösterreichische Marke verkaufen? Sind sich Nicht-Österreicher überhaupt bewusst, womit sie hier beglückt werden? Wohl kaum. Die 10 Top-News in Zusammenhang mit dem Opernball (nach Googlesuche) lauten: Paris Hilton, Paris Hilton, Paris Hilton, Paris Hilton, Paris Hilton, Paris Hilton, Paris Hilton, Paris Hilton, Paris Hilton und Paris Hilton.

Tussi-Test: nicht das, was es zu sein scheint, aber umso aktueller

Was muss ich heute in der Zeitung lesen? Direktoren, Lehrer und Eltern empören sich über den Test, den ein Volkschullehrer seinen Zöglingen vorgelegt hat. Es ist nicht das, wonach es sich anhört, nein, der Lehrer hat von seinen Schülern im Rahmen einer Wörterbuchübung Schimpfwörter nachschlagen lassen.

  • „Eine dumme Frau, die du auch essen kannst?“ Richtige Lösung: „Blunzen“.
  • „Es ist ein Ausscheidungsprodukt, und du findest es auf Seite 537.“ Richtige Lösung: „Scheiße“.
  • „Eine unsympathische Frau?“ Richtige Lösung: „Tussi“.

So. Also damit konfrontiert der Pädagoge seine Schüler. Und alle schreien, dass man das doch nicht machen dürfe. Und Maßnahmen würden, ja müssen den Lehrer nun treffen. Und überhaupt. Und was soll das alles? In der Familie, im Freundeskreis, im Fernsehen, ja sogar in der Schule hören die Kinder davon, sie benutzen diese Wörter selbst und sind sich oftmals nichtmal sicher, was denn die Wörter genau heißen, weil diejenigen, von denen sie sie hören, es oft auch nicht wissen. Und wie man sie schreiben soll, diese so häufig verwendeten Wörter, weiß auch keiner so genau. Wenn ich außer Haus einer Horde von Volksschülern begegne, höre ich noch viel schlimmere Ausdrücke als das, was hier abgefragt wurde – und keines der Kinder, die diese Worte benützen, spricht sie richtig aus; wohl, weil es diese Wörter zwar schon oft gehört, nie aber gesehen, geschweige denn geschrieben hat!

Gäbe es nicht Autoren wie Christine Nöstlinger, die mir durch ihre Bücher Wörter außerhalb der Schriftsprache – beispielsweise das Wort „Kusch!“ (das in Österreich eher wie „Gusch“ ausgesprochen wird) – beigebracht hätten, ich wüsste wohl bis heute nicht, wie man es schreibt, denn irgendwann sieht man dann sowieso nicht mehr nach. Und was für mich gilt, gilt auch für meinen Freundeskreis, in dem sich auch zwei Pädagogen befinden, die beide (noch) der Meinung sind, dass man manche Dinge einfach nicht schreiben dürfe. Und es geht hier sogar weiter, denn dieses Nicht-schreiben-dürfen bezieht sich nämlich nicht nur auf bestimmte Wörter, sondern geht sogar so weit, dass manche Aussagen und Ideen nicht geschrieben werden dürfen! – Und das ist blanker Wahnsinn, denn wer in einem Staat lebt, der zwar die Autoren von Blogs dazu verpflichtet, sich mit Name und Wohnort zu deklarieren, aber ansonsten schon sowas wie freie Meinungsäußerung in seinem Gesetzeskonvolut führt, der sollte das auch von seinen Lehrpersonen noch drei Mal unterstrichen gelehrt bekommen.

Letztlich kann man das wohl so zusammenfassen, wie es der Kommentator „Ober gscheit“ getan hat:

Es gibt nichts aergerliches, als wenn Jugendliche „Drottel“ oder „Oasch“ auf Hauswaende schmieren. Zumindest die Orthografie soll stimmen.

Und wo er Recht hat, da hat er Recht!

World Press Photo

Während ich in den letzten Jahren die Fotos des World Press Photo Contests in ihren Motiven nie wirklich ergreifend fand (wohl aber in ihrer Ausführung, in dem glücklichen Moment des Abdrückens), so stellen sich die Gewinner-Fotos des Jahres 2006 in ihrer inhaltlichen Aufbereitung völlig anders dar. Offensichtlich haben die beteiligten Fotografen (endlich) erkannt, dass sensationslustiges Geschau ein gutes Bild nicht ausmacht, sondern – und es wundert mich, dass diese Art der Fotografie lange ausgesetzt wurde, obwohl sie ja an sich schon vorhanden war – das Auffangen von Gegensätzen, das Ablichten der Sache selbst und nicht die Präsentation durch das Auge des Fotografen. Die World Press Photo-Gewinner des Jahres 2006 übertreffen meiner Meinung nach die der vorangegangenen Jahre bei weitem.

Das Gewinner-Foto von Spencer Platt erinnert doch sehr stark, wenn auch in milderer Form, an das Auftreten so mancher Touristen in Drittweltländern. Aus Erfahrung kann ich über China berichten und über Menschen, die sich mit dem Land auf eine sehr historisch-romantische Art und Weise beschäftigen, was völlig unangebracht ist. Wer mit dem iPod in der Hand durch ein Slum in Südchina spaziert und von einer sozialistischen (oder zumindest anti-kapitalistischen) Weltrevolution schwärmt, möge sich angesprochen fühlen.

Schockierend ist, wie unspektakulär die öffentliche Hinrichtung eines unter Kollaborationsverdacht Stehenden in irgendeinem dreckigen Hinterhof auf einem Schotterhaufen stattfindet und wie nebenbei das abläuft. Die Darstellung des toten Körpers eines Babys ist an Perversion kaum zu übertreffen: selbst die indirekt Betroffenen, die Sanitäter, zeigen diesen toten Menschen den Fotografen als Objekt! Ernüchternd durch seine Simplizität wirkt da fast schon diese Scharfschützen-Attacke (alle Bilder in dieser Serie ansehen!), die von der Attacke über die Verwundung eines Soldaten bis zur Rettung desselben die ganze Geschichte aufzeigt. Auch das Alltägliche des in die Prostitution gezwungenen Mädchens, der tote Blick, die Langeweile beim Rauchen der Zigarette, die lackierten Fingernägel, die triste Umgebung und die Aussichtslosigkeit, die man sogar im unbegrünten Landstück, auf dem sie sich aufhält, zu erkennen vermeint – sie geben keinerlei Hoffnung auf Besserung der Umstände. Fast als Gegenstück zu all dem Leid schwebt dieser Taucher da in seinem heilen Element Wasser, in seinem weißen Anzug, umgeben vom stillen Blau. Westliche, wohlhabende Intensität findet sich da schon in der Anspannung und Dichte des Spiels mit Licht und Schatten, sowie in der Momentaufnahme des Absprungs, in den letzten Zehntelsekunden vor der Anstrengung im Element Wasser.

Zur Homepage des Contests…

Alt-Hietzinger Ball

Through

Auf Bitten Wolfgangs hin habe ich den Alt-Hietzinger Ball (eigentlich: Ball der Alt-Hietzinger) besucht und dort Fotos gemacht. Den Eindruck, den der Ball hinterlassen hat, hier:

Das Durchschnittsalter der Besucher lag beiderseits jenseits der Altersspanne von 18-65 Jahren, die Mehrheit allerdings bei einem geschätzten Durchschnittsalter von 14,5 Jahren. (Wann war das anders?) Fraglich ist bei solch einem Event natürlich, ob bei diesem Altersschnitt nicht der Verein der Jung-Hietzinger, der eine Gegenveranstaltung schräg gegenüber am Hietzinger Platz abgehalten hat, als Veranstalter des Balles nicht passender gewesen wäre als eine bekannte und doch nie gesehene Vereinigung von Alt-Hietzingern. Süßliches Parfum, Geknutsche an allen Ecken und Enden, dazwischen stark geschminkte Lehrerinnen und genervte Lehrer. Irgendwo bei den Ehrengästen, leicht gelangweilt, die beiden Direktoren. Die Luft stickig, von billigen Zigarren der Jugend verpestet. Das Schlosshotel selbst: Heruntergewirtschaftet und renovierungsbedürftig!

Der einstige Charme des Hotels ist gegenwärtigem Graus gewichen: Die Stofftapeten im Festsaal verströmen üblen Geruch und lösen sich von den Wänden, die rote Bijou-Bar ist nur mehr ein Abklatsch ihrer selbst und erinnert auf den ersten Blick mehr an ein Puff denn an eine noble Hotelbar, das Jägerstüberl toppt die Verkehrung von Wahrnehmung und Intention noch mehr: Das Mobiliar, der Charme und vor allem der Witz der Kellner ist zur Gänze gegen einen Bierschuppen in der Nähe eines Stadions austauschbar. In Hietzing gibt es damit schon drei zugrundgehende Institutionen, die nur noch durch die Verfallsignoranz ihrer Besucher am Leben gehalten werden: Das Parkhotel, den Ball selbst und das Dommayer einen Block weiter hinten.

Liftfahren in Österreich

Ich verstehe diese Menschen einfach nicht und/oder Österreich ist nach wie vor ein Land, in dem man Zeichen ignoriert und/oder Österreicher sind einfach zu blöd zum Liftfahren. Sie wollen in den Bereich, der Plaza (ganz oben) genannt wird und stehen im Parkdeck (ziemlich weit unten). Sie wollen also nach oben. Sie drücken den Pfeil nach oben. Der Lift kommt, es macht Ping, die Türen gehen auf, der Pfeil über den Türen zeigt nach unten. Sie steigen ein und ärgern sich, dass es jetzt nach unten geht. Durch die Glastüren hindurch (ein satirisches Freudenfest des Designers) kann man erkennen wie beim Abfahren des Lifts nach unten die Gesichter einen enttäuschten Eindruck machen. Aber, liebe Leute, da seid ihr selbst schuld. Wer die Zeichen falsch deutet, der findet sich wieder im Parkdeck 2.

Ciao Espresso

Gaggia

Heute. Morgen. Der erste selbstgemachte Espresso. Perfekte Crema, perfekte Durchlaufzeit, perfekte Temperatur. Und dass man mit der Stoppuhr dasteht und die Heißwassertemperatur mit dem Thermometer misst, ist Hingabe zum Getränk. Die Zubereitung erfolgt hier mit Liebe und jegliches Argumentieren in Richtung Schnelligkeit oder Herumgepatze ist lächerlich, denn wer die Bedienungsanleitung liest, patzt nicht und braucht auch nicht lange, um seine Maschine zu warten.

Ich bin von meiner Espressomaschine begeistert. Sie ist gar nicht so groß wie befürchtet, überhaupt nicht laut und der Stromverbrauch hält sich ebenfalls in Grenzen. Und obendrein ist sie auch unterhaltsam, denn das Handbuch ist voller Seitenhiebe auf die verschiedensten Kaffee-Verbrechen, die sich in Kaffeehäusern abspielen, beispielsweise:

Un buon caffè preparato seguendo la giusta procedura avrà la tipica „crema“ marrone. In caso contrario consultare „In caso di malfunzionamento“…

(Aus der Gebrauchsanweisung meiner Espressomaschine.)

Und in welchem Kaffeehaus in Wien, frage ich die werte Leserschaft, kann man sich denn auf eine perfekte Crema verlassen? Eben! Und dabei ist es gar nicht so schwer. Mit der Maschine und ein wenig Übung wird der Espresso so richtig gut: er schmeckt gut, er hat eine wunderbar natürliche Crema, das Getränk tut gut und was, liebe Leserschaft, will man als Kaffeetrinker mehr?

Ich habe heute einen Lavazza ausprobiert und ein Illy liegt fürs nächste Mal schon bereit. Man wird ja, fängt man mit dem Kaffeetrinken in dieser Form an, sofort wieder zum Anfänger, denn spielte beim Nespresso lediglich die Wasserqualität eine Rolle, so hat man es bei diesen Maschinen plötzlich mit einer Trias aus Wasserqualität, Kaffeesorte und den Eigenheiten der Maschine zu tun – ganz zu schweigen von Durchlaufzeit, Temperatur, Druck, Röstung, etc., aber das würde hier zu weit führen.

Über den Jänner in Wien

Meierei

Jänner? Sommer? Winter?

Wien im Jänner. Und es hat daheim 25°C bei abgedrehter Heizung und geöffneten Fenstern. Nocheinmal, liebe Leserschaft: Es ist warm bei mir daheim im Jänner bei abgedrehter Heizung und geöffneten Fenstern! Das ist nicht normal, denn normal wäre es, zwanzig Euro pro Tag in Form von Gas zu verbrennen, damit man die wohlige Stimmung zuhause erhalten kann. Normal wäre, wenn es nicht nach Frühlingsblumen in der Wohnung duftete, sondern nach übriggebliebenem Weihnachtsgebäck. Normal wäre das kratzende Geräusch der Schneeschaufeln und nicht der Gesang und das Zwitschern der Vögel. Normal wäre, wenn Raben, Krähen und Tauben sich auf eine heruntergefallene Semmel stürzen würden und nicht, dass man von dieserlei Getier bei gleicher Begebenheit ignoriert wird, weil es sich am Dach des gegenüberliegenden Hauses dem intensiven partnerschaftlichen Beisammensein mit mehreren, rapide wechselnden Partnern hingibt!

Soll das ein Winter sein? Soll das ein Winter am Rande der Alpen sein? Ein Winter im Wiener Becken? Geh! Anstatt, dass der Himmel weiß vor Schnee ist, ist er klar und blau! Blauer Himmel! Sonnenstrahlen. Schulkinder rennen in Pullovern herum. Im Jänner! Und so warm bei mir im trauten Heim bei offenen Fenstern und abgedrehter Heizung! Doch zurück zum Himmel.

Ist der werten Leserschaft schon aufgefallen, dass wir momentan einem stetigen Abwechseln von bewölktem und klarem Himmel ausgesetzt sind? Es ist ganz einfach so: Wenn man fotografieren oder spazieren gehen will oder, ganz allgemein: wenn man sich draußen aufhalten möchte, ist der Himmel auf jeden Fall von einer undurchdringlichen, weißen Wolkendecke bedeckt. Es sind dies keine Regenwolken, aber Wolken. Und sie sind da, wenn man sie nicht braucht. Und wenn man daheim, in der Arbeit oder, wieder allgemein gesprochen: in einem Gebäude sein muss, dann erstrahlt er in klarstem Blau und kein Wölkchen trübt den Blick. Schon aufgefallen? Es lohnt sich ein Blick nach oben! Guter Himmel oder böser Himmel. Man hat’s schnell heraußen. Es ist jeden Falls das falsche Wetter. Egal, ob’s schön oder bewölkt ist.

Kaffee? Wien? Gut?

Weil wir gerade bei gut und böse sind. Guten Kaffee erhält man in Wien kaum. Wirklich! Er wird einfach nicht serviert. Die Stadt des Kaffees und der Kaffeehauskultur lässt einen aber sowas von abblitzen, wenn man seine Qualitätsansprüche mit der Neugier nach diesem Unicum „Kaffeehauskultur“ gleichsetzt und sich daher etwas Besonderes erwartet.

In den meisten Cafés ist der Kaffee schlichtweg eine Zumutung und nur wenige, sehr wenige, sehr sehr wenige Kaffeehäuser legen Wert darauf, guten Kaffee zu servieren. Guter Kaffee, das ist nämlich nicht nur qualitativ hochwertiges Rohmaterial (die Bohne), sondern auch professionelle Zubereitung (der Barista), Starkstrom (die Maschine) und der nötige Aufwand an Pflege (die Reinigung) sowie klares und gutes Wasser (Hochquellwasserleitung). Erst dann folgt Ambiente, Service, etc. Also wenn die werte Leserschaft das nächste Mal im Kaffeehaus sitzt und dieses Irgendwas in sich hineinschüttet, wäre vielleicht doch ein Kommentar dem Kellner gegenüber angebracht. Der wird zwar kaum was ändern, „wäui do komma eh nix mochn, is hoit a so“, aber irgendwann einmal wird auch der abgebrühteste Ober den Kaffee selbst probieren und merken, dass er einfach nix kann. Der Kaffee, nicht der Ober.

Oder man besucht eines dieser Lokale.

Support bei joker.com

Der Support beim Domainregistrar Joker.com ist geduldig. Sehr geduldig. Hier ein Beispiel von Support bei Joker.com:

8.1.07, 13:55
Anfrage an joker.com geschickt.
9.1.07, 13:55
Keine Antwort. (24h sind vergangen.)
10.1.07, 13:55
Noch immer keine Antwort. (48h sind vergangen.)
11.1.07, 02:37
Sorry, at the moment we don’t support these feature.

Na fabelhaft!

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Ööö-Blog über Gusenbauers Kabinett

Aus dem Ööö-Blog der Zeit: Des Kanzlers neue Kleider.

Die Kabinettsliste liest sich gelinde gesagt überraschend, wenn man bedenkt, dass es (wenn auch knapp) nicht die ÖVP war, die stimmenstärkste geworden ist, dafür aber nun u.a. die Ministerien für Finanzen, Inneres, Wirtschaft und Arbeit (sic!), Wissenschaft (!), und nicht zuletzt jenes für Gesundheit, Familie (!) und Jugend besetzt, und damit nicht nur die gewichtigsten Ministerien, sondern auch wichtigsten Kernthemen für die SPÖ-Wählerschaft – während der SPÖ solche glorreichen Siege gelungen sind wie ein Verteidigungsministerium zu besetzen, das nicht weiß, ob, wann und wie 18 Eurofighter bezahlt werden sollen (SPÖ- Wahlkampfforderung: Ausstieg aus dem Vertrag ohne Wenn und Aber!), oder ein abgewertetes Sozialministerium, das die vor ein paar Tagen großspurig verkündete „Grundsicherung“ (ohnehin zur Sozialhilfe neu, sozusagen Hartz V, geschrumpft) umsetzen darf, vielleicht, irgendwann, in drei, vier oder auch 10 Jahren, wenn dann noch ein Hahn danach kräht und der (schwarze) Finanzminister es zulässt….

Shanghai, Hitler, der Burger und die ÖBB

Gestern. Abends. Burger King. Ich esse und ärgere mich über den Rückfall ins Fast-Food-Lager als mich plötzlich ein Asiate (Japaner?, nein, Chinese!) anspricht, ob ich denn „Östeeicha“ wäre. Ja. Sei es denn weit zu Watschau? Watschau? Yes, Watschau! Show me… oh, Wachau! Yes, Wachau! Nein, nicht so weit, da kommt man am besten mit der Bahn hin. Wie genau? Westbahnhof, Bahn… mit dem Zug. Kommt man von Watschau auch nach Melk und von dort nach Krems, von dort nach Salzburg, nach Graz und nach Innsbruck? Ja. Dauert das lange? Kommt ganz auf den mentalen Status des Zugreisenden an. What? Naja, ob man halt schnell genervt ist oder ob man es mag im Zug der vorbeiziehenden Landschaft zuzuschauen. What? Naja, Philosophie im Abteil… dafür sind die ÖBB zu haben. ÖBB? Ja, die Bundesbahnen, so heißt der Zug. Der Zug hat einen Namen? Nein, die… alle Züge werden von einer Firma, den ÖBB, betrieben. Ach das ist nicht die Deutsche Bahn? Nein. Die war einmal, jetzt heißt das ÖBB. Ach so. Und… and is it true that… can I ask you this? What? Darf ich sie was fragen? Ja, bitte. Wissen sie, welcher Ort Hi-la lieber war, Krems oder Melk? Keine Ahnung, so gut habe ich ihn nicht gekannt… warum denn? Interesting. Interessieren… darf ich Du sagen? Yes! Interessierst du dich für Hitler? Yes. Und wieso genau? Yes, Du is okay. Ach so, ja… Kann ich meinen Burger weiteressen? Yes, Du kannst! Gut. Wo seid ihr her, du und deine Freundin? Shanghai! Sieh einer an. Shanghai, Hitler, mein Burger und die ÖBB, das sind Themen kurz vor Neujahr, oder? Yes! Hehe. Nice to meet you. Ganz meinerseits! Grüß euch! Zaijian!

Schon gar nicht merry

Weihnachten ist nicht froh, nicht fröhlich und schon gar nicht merry. Weihnachten ist ruhig, besinnlich und still. Weihnachten ist nicht aktiv, nicht der Christbaum, das Schmücken, das Mahl, das SMSen, das Herrichten, das Schenken und Beschenktwerden, der Kirchgang, das Besuchen der Eltern oder das Singen, das Fernsehen oder der einsame Gang zu Bett, Weihnachten ist Einsamkeit, Nachdenklichkeit und Passivität: der nächtliche Spaziergang am Stadtrand, das gemeinsame Essen mit den Seinen, das Lesen eines Buches, die Abgeschiedenheit des Miteinander, die gelebte Passivität der Fremde zu Hause.

Wir haben mittlerweile kein Motiv mehr, normal oder herkömmlich zu sein. Wir brauchen sogar ein Alibi dafür! Im Gedenken an die traditionellen Ursprünge – und damit als Rechtfertigung aus Entstehungsgründen – ist Weihnachten das Feiern des Normalen im Gegensatz zum Beschwerlichen: Endlich einmal nicht früh aufstehen. Endlich einmal gutes und reichhaltiges Essen. Endlich einmal Ruhe und nicht das befehlsartige Brüllen da draußen. Endlich einmal Passivität! Und das ist Weihnachten: Freude im Inneren über die Möglichkeit, auch wieder einmal ein Motiv für Normalität zu haben!

Was wir Blogger nicht kapieren

Mit der Partizipation im Internet ist das so eine Sache. Sehe ich mich in meiner virtuellen Nachbarschaft um, so kann ich im deutschsprachigen Raum das Blogsterben feststellen. Ein Blog nach dem anderen macht zu und die Autoren behalten sich lediglich die Option vor, eventuell und vielleicht irgendwann einmal wieder was zu schreiben, was dann ab und an auch geschieht, jedoch in stark verminderter und verkürzter Form, schlimmstenfalls als eine Sammlung von kommentierten Links oder Kürzestartikeln, geschmückt mit dem Begriff Tumblelog. Doch das ist nicht, was Bloggen einst war und das ist nicht, was uns Leser befriedigt.

Bloggen, das war das Veröffentlichen von selbst geschriebenen Artikeln auf der eigenen Website. Und diese Artikel hatten immerhin den einen oder anderen Wert: Sie waren entweder informativ und Wissen bringend oder einfach nur unterhaltsam. Solche Artikel kommentierte man als Leser auch ab und zu, vor allem, wenn man die eigene Erfahrung in den Kommentar einbringen konnte. Jeder Blogger weiß, dass plötzlich alle zu Experten werden, wenn es in den Artikeln um Dinge geht, die ein jeder tagtäglich bestreiten muss: Essen, Wohnen, Schlafen, Beziehungen und dergleichen. Bei diesen Themen besteht fast eine hundertprozentige Garantie auf Feedback. Bei anderen Themen, die ein Wissen oder eine Spezialisierung voraussetzen, also im Feedback nach einer Form von Experten verlangen, erscheint es ja nur logisch, dass sich das Feedback drastisch reduziert, qualitativ aber stark verbessert.

Und dennoch: Ich meine, dass das Level der Partizipation, vor allem die Kommunikation durch Kommentare und Anmerkungen zu Artikeln auf Blogs im Allgemeinen dramatisch gesunken ist. Vor allem im deutschsprachigen Raum. Das wundert mich aber, denn ganz im Gegenzug dazu ist es bei anderen Inhalten und anderen Angeboten sehr wohl vorhanden. Das Kommentarvolumen und die Kommunikation per Mail innerhalb eines Services sind, nehmen wir Flickr oder YouTube her, enorm. Und wenn es auch ein einfaches Gefällt oder Gefällt nicht ist, die Leute kommentieren und geben Feedback. Woran liegt das? Warum kommentieren die Besucher dieser Seiten die diversen Inhalte, die Besucher unserer Blogs aber nicht? Sind wir so dermaßen schlecht? Liegt es am Lesen? An der Herkunft? Woran liegt es?

Das Geheimnis des Erfolges dieser Seiten liegt darin, das Unvereinbare vereinbart zu haben, ein zuvor als Gegensatzpaar in Erscheinung Getretenes, nunmehr als Gemeinsames vorzulegen: Die Spezialisierung auf das Alltägliche. Diese Kombination macht alle Menschen zu Experten auf dem Gebiet und jeder, der irgendeine Form der Meinung besitzt, kann seine „Expertenmeinung“ kundtun. Und diese wird durch weitere Experten unterstützt und wieder und wieder und wieder und wir haben hier schon das, was man gemeinhin Web 2.0 nennt ohne eigentlich zu erkennen, dass Web 2.0 die Spezialisierung auf das Alltägliche ist.

Im deutschsprachigen Raum gibt es aber solche spezialisierten Services nicht. Es gibt als einzig partizipatorisches Element der Bewohner dieser Lande lediglich Weblogs. Und die Anzahl derer hält sich – im Vergleich zu anderen Ländern – auch sehr stark in Grenzen. Wir sind halt keine Experten. Offenbar nicht einmal im Alltag. Oder doch?

Doch, ein wenig sind auch wir Experten, denn es gibt sehr wohl einige spezialisierte und offensichtlich ganz gerne gelesene Seiten, bei denen der Wissenskonsum seitens der Leserschaft scheinbar ganz gut funktioniert. Diese Seiten sind hochspezialisiert, allerdings nicht auf Alltagsthemen. Wie sieht es bei solchen Seiten mit der Teilnahme der Leserschaft an der Diskussion aus? Erfolgt sie? Wohl kaum, denn das Gros der Leserschaft eines solchen Blogs ist konsumierende, nicht aber partizipierende Leserschaft. Es wird nicht kommentiert, denn das meiste ist womöglich neu, also existiert die eigene Meinung noch nicht; es wird nicht kommentiert, denn das eigene Unwissen darf nicht ausgestellt werden; es wird nicht kommentiert, denn es ist doch schon alles gesagt und… wir sind ja keine Experten, wenn es nicht um Alltägliches geht! Und diese drei Punkte haben alle einen gemeinsamen Nenner: Unwissen.

Kommunikation auf Blogs erfolgt meist dann, wenn, wie ich schon sagte, beide Seiten eine Ahnung von der Materie haben, egal nun, ob diese auf akademischem Wissen beruht oder als Alltagserfahrung daherkommt. Das zieht sich bis in den kleinsten Bereich fort: Nur wenn beide eine Ahnung haben, wird kommentiert, weiß einer mehr als der andere, bleibt die Partizipation in Form von Kommunikation aus. Freunde, die einen auffordern, diesen oder jenen Artikel zu kommentieren, erhalten aus Freundlichkeit irgendein allgemeines Bla Bla, wenn man nicht selbst über den Inhalt des Artikels noch vor dem Lesen bescheid weiß. Ebenso funktioniert das aber auch auf höchstem wissenschaftlichen Level: Es kommentiert nur, wer Ahnung hat.

Warum aber schweigt sich der deutschsprachige Raum aus, der englischsprachige aber nicht? Dort wird ein Kommentar nach dem anderen abgegeben und es entsteht der Eindruck, dass irgendwie alle von allem Ahnung haben. Stimmt nicht, dort gibt es mittlerweile etwas, was im deutschsprachigen Raum wenn, dann nur marginal vorhanden ist: Die Wissensvermittlung über die Kommunikation der Experten im Medium Blog.

Eine Gemeinsamkeit erfolgreicher Blogs – und das gilt für alle Blogs weltweit – ist die Kommunikation mit anderen Blogs oder zumindest die Kommunikation mit anderen Experten auf der eigenen Seite, denn dieser Dialog der Experten erklärt sehr viel und verdeutlicht das Geschriebene sehr viel mehr als es ein einfach so ins Netz gestellter Artikel es jemals könnte. Experten sind hier gemeint als Menschen, die sich mit dem Inhalt des Geschriebenen auskennen, seien dies nun Freunde, die gemeinsam etwas erlebt haben oder wissenschaftliche Mitarbeiter, die ein bestimmtes Thema diskutieren. Mit der Zeit beteiligen sich in solchen Dialogen immer mehr Menschen am Gespräch und die Expertendiskussion verdünnt sich immer mehr zu Gunsten derjenigen, die zuvor noch keine Ahnung hatten. Doch das ist nichts Schlechtes. Es ist, ganz im Gegenteil, gut so, denn nur so kann der Rest sein Wissen vermehren und auch auf anderen Gebieten Experte werden! Doch das kapieren wir Deutsche, Österreicher und Schweizer offenbar nicht, dass Lernen über Teilnahme und nicht über stillen Konsum erfolgt.

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In die Welt gesetzt, getötet und weggeschmissen

http://www.flickr.com/photos/wend/312751313/

Manchmal kann eines Menschen Laune sich rasch von sehr gut in ziemlich schlecht wandeln. So geschehen, als ich dieses Foto auf Wendys Galerie bei Flickr gesehen habe. Es ist schockierend mitanzusehen, welche Formen der Gewalt ohne Sinn und Nutzen ausgeübt werden. Und obwohl ich kein Vegetarier bin (Fleisch schmeckt mir einfach viel zu gut), empfinde ich sowas wie hier auf dem Bild, als Brutalität und Grausamkeit. Ich habe kein Problem damit ein Tier zu töten, wenn ich es anschließend esse oder anderwertig verwende, aber es zu töten, dann einfach wegzuschmeißen… das grenzt schon an sinnlose Brutalität.

In China ist man schnell damit konfrontiert, dass man das Tier, das man gleich essen wird, oft noch im lebendigen Zustand vor sich hat. Mit Shrimps und Fischen ist das ja noch irgendwie machbar, aber auch da schon hat der eine oder andere auf chinesischen Märkten Probleme bekommen.

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James Bond: Casino Royale

Sehr gut, weil ein junger Bond besser zu einer Figur passt, die auf Dächern herumspringt und mit jungen Frauen ins Bett steigt, James Bond James Bond ist und nicht James Bond mit dem Touch von Pierce Brosnan oder irgendeinem anderen Schauspieler. Man kennt Daniel Craig einfach zu wenig, um seine Charakteristika herauszuerkennen. Weil der Film nicht mehr nur aus einer einzigen Dauerwerbesendung besteht wie die Bonds mit Brosnan und der Film tatsächlich mit Dialogen aufwarten kann, die einen zum Schmunzeln bringen und nicht ganz so platt sind wie die, mit denen sich durch die Bank alle Vorgänger haben herumschlagen müssen. Weil endlich herauskommt, wie die Beziehung zwischen M und Bond wirklich ist und viel Neues daherkommt. Weil bis auf zwei Ausnahmen keinerlei Kameratricks verwendet wurden, die sowieso eine Schnapsidee in „Stirb an einem anderen Tag“ waren. Weil aus „Girls“ Frauen wurden und sie in dem Film nicht ganz so blöd sind wie in den Vorgängerfilmen. Vor allem für Halle Berry tut es mir leid, denn sie wirkt jetzt so richtig dämlich. Weil die verschiedenen Orte, an denen sich der Film abspielt, nicht unnötig gewählt wurden, sondern auch tatsächlich aus der Geschichte heraus notwendig waren. Weil der Vorspann endlich was Neues bietet und nicht mit Frauen, die sowieso schon nicht mehr nackt tanzten, daherkommt. Weil die Szenen im Casino genial gefilmt sind, da sie Spannung erzeugen und halten können obwohl nichts passiert. Weil die Kampfszenen gut gemacht sind und man Craig antrainiertes kämpfen abnimmt während Moore, Brosnan und alle weiteren immer ein bisschen hilflos gewirkt und dennoch gewonnen haben. Weil alle Bond-Clichés, die auf der Basis von Werbeverträgen aufgebaut wurden, mit einem Mal verschwunden sind. (Oder hat irgendwer aus der Leserschaft gewusst, dass Bond Wodka-Martinis getrunken hat, wiel Smirnoff dahinter stand?) Weil Bond zum ersten Mal überhaupt charakterisiert wird, indem man viel über seine Vergangenheit erfährt und über seine momentane Einstellung zu den Dingen mit denen er zu tun hat. Stichwort: Anzug. Weil nicht versucht wurde, irgendwelche Reminiszenzen an alte Bonds zu machen, die sowieso nur die Leute angesprochen haben, die jene Teile „live“ miterlebt haben. Weil der neue Schauspieler die Figur neu definiert, so wie Batman in Batman Begins neu definiert wurde. Weil Bond zum ersten Mal als arbeitender Mensch dargestellt wird, der sehr wohl zwischen Beruf und Privatleben trennen kann.

Sonntagsarabesken #139

Es ist genug. Genug der unbegründeten Ängste, der unnötigen Gespräche und der unergründlichen Gedanken. Kälte kriecht hier durch alle Ritzen. Winter. Die Worte erfrieren, werden unterdrückt, hinuntergeschluckt, erreichen nicht einmal die Lippen des Sprechers. Es gibt ohnehin niemanden, der sie hören könnte. Zeit, sich aus dem Hier fortzudenken, den Strudel der Zeit zu verlassen, den Standort zu wechseln, die Wärme Deines Körpers heraufzubeschwören. Abendstimmung. Durch den feinen Kies des Strandes schäumt warmes Wasser. Zwei Gestalten umarmen sich im wilden Feuerglanz sinkender Sonne, die sich über zart gefältelte Wellenspitzen ergießt, während in ihrem Rücken der Vollmond als silberne Scheibe in violettblauen Himmel steigt. Diese Augenblicke sind einzigartig. In ihrer Schönheit und Vollkommenheit. In ihrem unaufgeregtem Rhythmus, der sich den ruhigen Atemzügen anzugleichen pflegt. Alles ausgelöscht unter Deinen Blicken und neu geboren, alle Sorgen hinfortgespült durch Deine Stimme, an einen fernen Ort getragen und dort bestattet. Wir bewegen uns nicht. Die Augen auf das Glühen hinter dem Küstengebirge gerichtet. Es fällt kein Wort. Unsere Gedanken ineinander verknotet. Eine Ahnung von Unendlichkeit. Ein Hauch des Göttlichen. Ich liebe Dich so sehr, in allen Augenblicken, allen dicht verästelten Haupt- und Nebenstraßen meines Seins, ich liebe und brauche Dich so sehr, dass ich ohne Dich weder aufrichtig lachen noch ruhig schlafen kann. Dieser Zustand ist Qual und Segen in einem, solange Du fern bist. Mit Worten läßt er sich nur ungenügend beschreiben, bleiben sie doch im Grunde immer hohl, unscharf, an der Oberfläche der Dinge und Gefühle entlang gleitend, das Gewesene und Seiende umgarnend, auf der Suche nach einem Kern, der die Bezeichnung „Wahrheit“ für sich in Anspruch nehmen darf. Trotzdem kann ich nicht aufhören, das Geschehen zu kommentieren, die filigranen Schrecknisse der Tage ohne Dich zu verweben mit den kostbaren Szenen, in denen wir miteinander geredet, gelacht, uns geküßt und geliebt haben. Denn sonst bliebe ein Tag so grau und kalt wie der nächste, eine Stunde würde inhaltslos in die andere hinüberfließen und mein Ich wäre nur noch zur Hälfte mit Licht gefüllt. Gegen diesen Zustand des toten Lebens heißt es anschreiben. Das will ich tun.

Kreative politische Werbung

Sieht man sich in Österreich momentan um (oder erinnert sich an diverse Wahlkämpfe), stellt man problemlos fest, dass die Aufmachung der Wahlkämpfe hierzulande langweilig, inhaltslos und größtenteils primitiv und anspruchslos sind. Vor allem fehlt es an Design- und Anspruchselementen, die für die meisten halbwegs gebildeten Bürger dieses Landes schon zum täglichen Brot gehören. Hört man politische Werbungen im Radio oder sieht man sie im Fernsehen und schaltet nicht zwischendurch weg, so fragt man sich immer wieder, ob denn hier nicht eine Nähe zu Sektensprech besteht (vielleicht dieselbe NLP-Agentur?)… Außerdem sind diese Werbungen langweilig.

Ganz anders diese hier, die für den Argentinier Ricardo López Murphy im Fernsehen ausgestrahlt wird. Sie ist nicht nur komplett anders, sondern sie ist eine politische Werbung, die interessant ist, einen zuhören und mitlesen lässt, die optisch ansprechend ist und einen hohen Wiedererkennungswert aufweist. Außerdem ist sie kreativ, äußerst kreativ und damit nicht langweilig.

Spicy Beef, Korean Style

Spicy beef, korean style in Austria

Spicy beef, korean style in China

In Wien koreanisches Essen zu finden, ist fast eine Sache der Unmöglichkeit. Wien nennt sich Groß- und Weltstadt, hat jedoch, was die hiesigen und die fremdländischen Kulinarien betrifft, echten Nachholbedarf. Wien braucht einen ganzen Haufen Einwanderer: Vor allem Köche und Restaurantbetreiber! Nun ja.

Ich hatte Lust, koreanisch zu essen, besonders die koreanische Spezialität Kimchi, das sind Krautblätter, die in einer scharfen Sauce eingelegt wurden, in Verbindung mit Rindfleisch, Reis und Gemüse sind mein Laster. Glücklicherweise gab es das dann auch bei einem (!) Restaurant, nämlich Yoo in der Stumpergasse. (Genaugenommen, gibt’s das bei anderen Restaurants auch, aber die Güte ist hier eine andere…)

Koreanische Restaurants in Wien:

  • Arirang: 1010 Wien, Schellinggasse 3
  • Hanil: 1010 Wien, Singerstraße 13
  • Hanil: 1060 Wien, Gumpendorfer Straße 14
  • Senara: 1010 Wien, Schwarzenbergstraße 4
  • Seo Rae: 1090 Wien, Spitalgasse 1
  • Yoo: 1060 Wien, Stumpergasse 27

Die beiden Bilder zeigen übrigens, falls sich die werte Leserschaft schon gefragt hat, Rindfleisch mit Kimchi, wie es in Österreich (erstes Bild) und wie es in China (zweites Bild) präsentiert wird…

Wieder Wien

Delayed

Zurück in Wien, dieser alten Stadt im alten Europa. Der Flug von Schanghai nach Frankfurt hatte vier Stunden Verspätung und dauerte dann auch noch elf Stunden (und sie haben Narnia gespielt… Narnia!). Der Anschlussflug nach Wien hat gewartet und war es beim letzten Mal so, dass mich die bittere Realität schon im Flugzeug von Schanghai nach Frankfurt eingeholt hat, so hatte ich diesmal Glück und bekam den Österreichschock erst im Flugzeug von Frankfurt nach Wien, dafür aber dann „voi“. Glücklicherweise war es mir vergönnt, wenig von diesem Wahnsinn mitzubekommen, da der Schlaf mich gnädig überkam. Ich wurde erst durch die Ansage des Kapitäns zur Landung wieder munter und die fand in einem Wien voll nächtlicher Kühle statt. Der Koffer war, wie schon im letzten Jahr, in Frankfurt geblieben und wurde später nachgeliefert. (Ach ja, hab ich erwähnt, dass die Waage in Shanghai nicht funktioniert hat? ;-)

Sonntagsarabesken #138

Er hatte das gute Gefühl, nichts sei unerledigt geblieben. Die Fenster waren gegen den drohenden Regen geschlossen, die Vase mit den dreizehn Rosen auf den Tisch gestellt, die Frau zum Abschied geküßt und die Türe doppelt versperrt worden. Auf der Schwelle hatte er sich noch einmal umgewandt, einen kurzen Blick in den Spiegel geworfen und wohlwollend genickt. Dann hinaus auf die Straße. Der Tag berührte ihn mit kalten Fingerspitzen. Er spürte ein Frösteln auf seinen Wangen. Unvorhersehbar, eigentlich völlig unmöglich. Der Schatten einer eisbedeckten schwarzen Marmorplatte streifte seine in Verwirrung geratenden Gedanken; der Hauch eines knisternden Blütenblattes; eine dunkelrote, erstorbene Rose, deren Schwäche es zu Boden gleiten läßt. Blicke, die ihn aus dem Nebel der Vergangenheit anzufallen drohen, die ihn streifen wie tödliche Geschosse, gehüllt in das Samtblau unschuldig verletzten Gewissens. Weiter, sagte er sich, weiter! Doch schon nach wenigen Schritten hüllte ihn die Kälte zur Gänze ein. Seine Finger wollten sich nicht von dem schmiedeeisernen Gitter lösen, das sie vor Jahren krampfhaft umschlossen hatten. Vor ihm der Kiesweg, von Schnee überglänzt, Leichentuch, das unter den ersten schüchternen Sonnenstrahlen dahinschmelzen würde, genau wie die von zwei Stimmen in den rauen Wind geflüsterten Worte. Ein endgültiger Tag. Tagt der Rache Tag den Sünden. Alles ans Licht gezerrt, die schlecht verborgenen Geheimnisse gelüftet, das jämmerliche Gerippe seiner Existenz enthüllt. Er rang nach Atem. An der Ecke mußte er innehalten, sich gegen die Fassade lehnend, den Hemdkragen öffnend. In der wohl verschlossenen Wohnung, zwei Stockwerke über ihm, ordneten blütenweiße Finger die durchsichtigen Vorhänge. Sie wußte es. Sie wartete. Ihre Stunde würde kommen. Mit letzter Kraft schleppte er sich in einen Hauseingang. Verzeihung. Gnade. Verständnis. Nichts war mehr zu erhoffen. Die Gewißheit legte sich mit kalter Hand um sein Herz. Er hatte alles verspielt. Mit geschlossenen Augen lauschte er den Geräuschen des vorüber rauschenden Verkehrs. Das Ende war da. Sie hob den Kopf von den Rosenblüten, an denen sie gerade gerochen hatte, als das Klirren des Schlüssels im Türschloß laut wurde. Mit einem sanften Lächeln nahm sie ihm den Mantel ab. Er war totenbleich. Sie küßte ihn auf die Stirn und wartete. Es waren die längsten Sekunden seines Lebens. Dann begann er zu sprechen, so als ob nie zuvor Worte seine Lippen verlassen hätten. Tief in seinem Kopf hörte er sich selbst, wie in einer großen Muschel, zu ihr redend. Sie streichelte geistesabwesend seinen Nacken und sagte überhaupt nichts. Die Antwort war längst gegeben.

Busfahren, ein iPod und vier Sterne mehr

Sanya

Die Überfahrt von Haikou nach Sanya gestaltete sich angenehmer als erwartet. Erstens verlässt alle zwanzig Minuten ein Bus die Hauptstadt in Richtung Süden, zweitens hatte ich Glück und habe einen vollklimatisierten de luxe Bus erwischt, drittens war der Bus nur zur Hälfte gefüllt. Da sich dennoch jemand neben mir niederließ und das Gepäck sowieso nicht optimal verstaut war und überhaupt, bin ich nach hinten übersiedelt und habe es mir in der vorletzten Reihe neben einer schüchternen Chinesin (ca. 25-30 Jahre alt) gemütlich gemacht, die sich in wenigen Minuten als viel weniger schüchtern als ich dachte herausstellen sollte.

Ich stellte mein Gepäck auf die Rückbank und begab mich ins ipodsche Universum als es plötzlich an meiner Schulter klopfte und die schüchterne junge Dame mich ansprach:

Sie: Geben Sie mir den iPod, ich will Musik hören!
Ich: Nein. Ich will selbst hören.
Sie: Hmpf.
Ich: Na gut, einen Ohrhörer.

Und sie setzte sich zu mir und hörte, sang mit und irgendwann dazwischen, als ich plötzlich einen mechanisch-ziehenden Schmerz in meinem Ohr spürte, tanzte sie gerade im Sitzen! Jedenfalls gelang es dieser Frau meine Sympathien zu wecken – ich weiß nicht, warum! -, ich erbarmte mich ihrer und erklärte ihr, dass da eben nicht nur Musik aus den USA drauf war, sondern dass es auch andere Länder auf dieser Welt gäbe, die Musik machten. Sie war ziemlich erstaunt, neugierig und interessiert, stand ganz besonders auf italienische Musik (weil die Sprache so schön ist, so eine schöne Sprache!). Nun, diese junge Frau verbrachte angenehme drei Stunden, nämlich den ganzen Weg von Haikou nach Sanya mit meinem iPod und Erzählungen über ihren Freund, der in Sanya auf sie wartete, und was sie nicht und überhaupt und sowieso…

Moon over my hotel

Kurz vor der Ankunft in Sanya beendete jedoch der Akku diese… diese… diese Phonophilie und sie fragte mich, in welchem Hotel ich denn untergebracht sei. Ich erklärte ihr, dass es da noch kein fixes Hotel gäbe, ich aber plane, mich in diesem und jenem niederzulassen; es sei mir egal wo, Hauptsache, der Preis übersteigt die 80 RMB pro Tag (8 EUR) nicht. Na, da lässt sich sicherlich was machen, meinte sie und erklärte mir, dass sie auch nur in einem Hotel wohnen würde (mit meinem Freund, der nicht doch das und sogar das und überhaupt…), weil sie hier ein Training mit der Belegschaft von – das hab ich dann icht verstanden, weil der Bus in just diesem Moment hupen musste – durchführen muss (… was auch immer?!??).

Sie telefonierte herum und nach ein paar Minuten erklärte sie mir, dass sie ein Zimmer für mich in ihrem Hotel organisiert hätte um eben jene 80 RMB pro Tag, wenn es mir nicht gefallen sollte, wäre das auch kein Problem, dann könnte ich ja in mein ursprünglich geplantes Hotel fahren, denn einerseits – und hier die Erklärung: das Hotel liegt nicht dort, wo dein – wir waren mittlerweile per Du, wobei das hier lediglich eine interpretatorische Feststellung meinerseits ist, denn im Chinesischen gibt es keine Form für Sie – Hotel liegt, das ist eine andere Gegend und vielleicht gefällt dir sowas ja nicht, aber probieren kannst du es jeden Falls. Warum nicht? Und ausgestiegen, ihr gefolgt.

Wir gingen etwa zehn Minuten zu Fuß – es ist gleich da vorn! – und standen dann vor einem 4 Sterne Hotel mitten in einem Villenviertel als sie meinte, dass es dieses hier sei, ob ich gleich weitergehen wolle oder ob ich vielleicht doch einen Blick da hineinwerfen… Ja? Gut, dann lass uns gehen!

Das Hotel war eine Ansammlung an Luxus wie er mir gerade einmal aus Hotels in Shanghai bekannt war, deren so klingende wie kitschige Namen denen von Stränden und Städten im pazifischen Raum ähneln. Jedenfalls, der langen Rede kurzer Sinn: Ich lebte fortan in einem Zimmer, das etwa 100 EUR pro Tag kostete, um 80 RMB. Den Pool am Dach konnte ich benützen wie und wann es mir beliebte („Es ist besonders schön bei Mondschein über der Stadt zu schwimmen!“), sie hatte mir Freigetränke an der Bar verschafft und Gratisessen in den sieben hoteleigenen Restaurants. Wer war diese Frau und warum tat sie das und wo war der Haken? Und als ich sie danach fragte, kam eine äußerst interessante Antwort:

Du warst zu einer total Fremden freundlich, hast ihr deinen wertvollen mp3-Player geborgt ohne skeptisch zu schauen und ihr sogar die Liedtexte fast drei Stunden hindurch erklärt. Du hast deine Zeit für sie geopfert, also lass sie dir dafür etwas zurückgeben. Ich bin Assistant Manager dieses Hotels. Wenn es dir an irgendwas fehlt, ruf mich an!

Und sie ging. Wir trafen uns am nächsten Tag zum Frühstück und sie begleitete mich am Abend noch zu einem der Strände, der weniger gut erreichbar war. Am Tag der Abreise stand sie ebenso um fünf Uhr morgens auf, verabschiedete sich von mir, wünschte mir einen guten Flug, hoffte, dass ich bald wieder nach Sanya kommen würde und blieb solange winkend auf der Straße stehen, bis ich sie aus dem Taxi heraus nicht mehr sehen konnte.

Sonntagsarabesken #137

Das Schiff, ein schwarzer Punkt am Horizont. Es trägt Dich fort von mir. Die Sonne wärmt Deine Schultern, während Du am Heck stehend meine Gestalt aus dem Blick schon seit einiger Zeit aus dem Blick verloren hast. Kühler Wind läßt mich frösteln. Viel wurde geschrieben, gesagt und gedacht über die grausame, zersetzende Macht von Entfernungen. Menschen, die sich von einander entfernen, scheinen schwächer zu werden, mit jedem Kilometer verblaßt der Andere in unserer Vorstellung, die Distanzen schieben sich zwischen uns und verstellen die direkte Sicht. Ich wende mich langsam ab. Die Wellen schlagen stetig gegen den Beton der Kaimauer. Ich höre Deine Worte, Deine beruhigend geflüsterten Liebesschwüre, ich sehe uns im Halbdunkel der Wohnung, bei gedämpftem Licht, das samtrote Glühen an den Wänden, ich fühle Zufriedenheit und Glück, versuche, soviel wie möglich von diesem Eindruck zu bewahren, aufzusparen. Die Zeiten werden härter. Soviel steht fest. Jedes Gramm Erinnerung wird zählen. Wie ein Ertrinkender klammere ich mich mit wachsender Panik an die letzte Planke, die mir bleibt, von den Gezeiten brutal hin und her geworfen. Die Küstenlinie ist von Wolken verhangen. Das Wetter schlägt um. Du beschließt, unter Deck zu gehen. Die Ahnung meiner Anwesenheit ist hinter den schwarzen Basaltklippen begraben. Schon beginnt das Gefühl der Trauer zu bröckeln; Du sagst Dir: man muß nach vorne schauen! Wie recht Du doch hast. Aber wenn ich das gar nicht will? Wenn ich immer an Dich denken, nach Dir hungern, mich zu Dir sehnen muß? Die Rosen blühen das letzte Mal in diesem Jahr. Der erste Herbst seit langer Zeit, den ich wieder zuhause verbringe. Ohne Dich. In einem Zustand gleichgültiger Existenz, in der ein nichtssagender Tag, angefüllt mit unnötigen Gesprächen und durchsichtigen Menschen, den anderen jagt. Nachrichten, die mein Leben früher aufgewühlt hätten, nötigen mir nicht einmal mehr ein dünnes Lächeln ab. Der Bann ist gebrochen, die Verwunschene wieder zurückgekehrt, die im Angesicht längst verwelkter purpurroter Blütenpracht gemachten Versprechungen könnten Wirklichkeit werden; doch dieser Zweig meiner Erinnerung ist verkümmert, fast abgestorben, geschwunden auch die Anteilnahme, die Liebe, die ich einst für übermächtig hielt. Stattdessen glaube ich, Deine Hüfte unter meiner Hand zu spüren, während die florentinische Sonne Dein Haar erglühen läßt, meine Wange an Deine Schläfe gelegt, den Geruch der Stadt und der Pinien von San Miniato atmend. Ich bin in einer erkalteten Hölle erwacht. Und vermisse Dich. Doch das Schiff ist bereits vom Horizont verschwunden.

Essen, egal ob’s schmeckt oder nicht

Ich habe mich schon des öfteren gefragt, warum denn das so sei, nämlich, dass ich manchmal in der Früh aufwache und Lust habe Dinge zu essen, vor denen mich normalerweise graust. Es geht jetzt nicht darum, welche Dinge ich in der Früh esse, sondern überhaupt. (Das muss hier erwähnt werden, denn es gibt Menschen, die behaupten, dass ein klassisches Frühstück nicht auswechselbar sei gegen Speisen, die normalerweise in unserem Kulturkreis eher einem Mittagessen zuzuordnen wären.)

Nehmen wir beispielsweise die Grauslichkeit par excellence her: Fleischbällchen von Ikea. Farblose, matschige, pürierte Fleischkatschklumpen, die genauso ekelhaft schmecken, wie ihr Name schon klingt: Fleisch-Bällchen. Die Sauce, die der motivierte Ikea-Koch da drauf tut, hat den geschmacklichen Charme von Leim und lediglich die Pommes Frites sind einigermaßen essbar. Zu Ikea Fleischbällchen, wie schon Ronny H auf flickr kommentiert hat, gibt es nur eines zu sagen: Everything on this plate looks like it came boxed and frozen. Disgustingly vulgar porn! nice work! Doch nun weiter.

http://www.flickr.com/photos/michaeeel/247184045/

Ich mag Würstl nicht. Da können sie noch so fein sein, noch so raffiniert gewürzt und mit was-weiß-ich-was verfeinert: ich mag sie nicht. Einen Hot Dog ab und an lasse ich mir einreden, dann liegt aber der Genuss mehr im Ganzen, also der überlaufenden Präsenz an Ketchup und Senf und dem im Verhältnis überdimensionierten Brot, in welchem dann das Würstl steckt. Das war’s dann aber auch schon. Ach ja, wenn es irgendwo ein gutes Gulasch gibt, dann lasse ich mir ein Würstl auch noch einreden, aber dann war es das auch schon wirklich. Und dann geschieht sowas: Ich bin in Haikou unterwegs und alle, wirklich alle essen diese Würstl am Spieß. Jetzt ist es nicht gerade weise, sich in China an die selbsterstellte Regel zu halten, dass alles, was viele essen, auch gut ist. Trotzdem bin ich zum hiesigen Verkäufer gegangen, habe mich nach dem Preis erkundigt (1 RMB) und so ein Ding bestellt. Das Würstl wird ein wenig angebraten, danach mit irgendeinem Fett/Öl/keine Ahnung eingeschmiert, danach mit Chillipulver oder ähnlichem Zeug bestäubt, danach mit Sesam verziert. Und es schmeckt eigenartig, aber gut. Es ist in etwa so, wie wenn man in einen Marshmellow beißt, der in Aussehen und Geschmack einer Wurst ähnelt. Aber diese Gewürzmischung macht es dann aus. Und dass mir jetzt keiner eine Currywurst einredet!

I eat a tree!

Ja, und nun der letzte Kandidat, der mich ob meiner lebensmitteltechnisch nicht vorhandenen Bildung einige Überwindung gekostet hat: 甘蔗 (Ganzhe), aka der Baum. Dieser Baum wird in Haikou praktisch überall verkauft und nicht wenige Einwohner der Stadt sieht man an diesen Ästen kauend in der Gegend herumrennen. In Österreich wäre sowas bestimmt verboten, allein schon aufgrund der potentiellen Gefahr, die von so einem Trumm ausgeht (immerhin ist so ein Ast ja mit seinen fünf bis zehn Zentimetern Durchmesser bestimmt schon eine Waffe!). Totschlag oder so, man weiß ja nie. Jedenfalls habe ich mir so einen Ast gekauft (wieder 1 RMB) und daran herumgekiefelt bzw. gezuzelt, denn: Man kann zwar in den Ast beißen, das Geschmackliche ist jedoch in Form einer süßen Flüssigkeit darin enthalten, die man heraussaugen muss. Aufgrund der Süße dieses Saftes hatte ich die Vermutung, die sich später dann auch in Gewissheit gewandelt hat, nämlich, dass ich hier gerade an einem Zuckerrohr nagte. Gut war’s, hiermit Ende.

Haikou

Haikou Beach

Kunming war nett, aber es hat zu regnen begonnen und überhaupt war es nicht mehr möglich, so der Wetterbericht, in der mir noch verbliebenen Zeit die Provinz zu besuchen, ohne andauernd auf ein wenig Sonne hoffen zu müssen. Somit wurde der Besuch und das Besichtigen der interessanten Geographie Yunnans auf vorläufig ungewisse Zeit verlegt. Allerdings gab es da noch Plan B, die Besichtigung der Insel Hainan, genauer: der beiden Zentren der Insel, nämlich einerseits das im Norden gelegene Haikou, Hauptstadt der Provinz und somit von apriotischem Interesse, andererseits die Tourismushochburg Sanya ganz im Süden der Insel, vor der ich mich aber getreu dem Motto „Einsam ist geil“ ein wenig fürchtete, hörte man doch von den anderen Fluggästen, dass es da unten nur so von Touristen wimmele und eigentlich sei es nicht sehr interessant. Da unten.

Ankunft in Hainan

Gelandet bin ich am Flughafen Haikou, der etwa eine halbe Stunde Busfahrt vom Stadtzentrum entfernt ist. Noch bevor ich überhaupt aus dem Flughafen raus war, hatte ich schon das Ticket des Shuttlebusses in die Stadtmitte, dessen Fahrer mir versicherte, dass er auch bei dem Hotel vorbeifahren würde, das ich als Unterkunft in Planung gehabt hätte. (Es ist nämlich mit diesen Bussen so, dass sie überall und immer dann stehen bleiben, wenn es einer der Fahrgäste wünscht…) Es war aber so, dass dieser Bus nicht einmal in die Nähe des Hotels fuhr, wo ich hinwollte. Er blieb irgendwann mitten in der Stadt mit dem Vermerk „Endstation“ stehen und da war ich nun und hatte keine Vorstellung, wo ich mich eigentlich befand. Es war dann auch egal, denn vor mir war ein großes, sehr nobel wirkendes Hotel, womit sich meine Optionen nun so darstellten:

  1. Ich konnte mir ein Taxi nehmen, zum gewünschten Hotel fahren, dort ein Zimmer belegen und mich touristisch gehen lassen.
  2. Ich konnte in dieses Hotel hineingehen, an der Rezeption mit dem Verhandeln anfangen und hoffen, dass man mir einen guten Preis machen würde.

Der Logik folgend (und was konnte ich verlieren?), bin ich ins Hotel vor mir hineinmarschiert und habe dem Rezeptionisten erklärt, dass ich das Einzelzimmer zum Diskontpreis von etwa 500 RMB pro Tag um 100 RMB pro Tag nehmen würde; ob er denn einverstanden wäre? (…) Irgendwann war er’s und ich bekam das nette Zimmer im zwölften Stock um den von mir gewünschten Preis. Ausblick: traumhaft, das Zimmer: sauber und überhaupt war’s nett. So ganz im Allgemeinen und überhaupt so.

Haikou

Haikou selbst ist eine reizvolle und im Verhältnis zu anderen chinesischen Städten äußerst freundliche Stadt. Die Menschen laufen mit einem Dauergrinser im Gesicht herum, überall wird man mit „Hello!“ begrüßt, aber nicht auf die aufdringliche oder verspottende Art, wie man es teilweise im Norden Chinas zu hören bekommt, sondern auf eine einladende Weise, die zu einem weiteren Gespräch reizt, das auch wirklich geführt werden kann.

Die Stadt hat gewisse Ähnlichkeit mit Havanna, subtrahiert man dessen Bewohner, den Salsa und die Zigarren und addiert man an deren Stelle Chinesen, einen etwas höheren Lärmpegel und diverse Individuen, die das Dasein einer chinesischen Stadt ausmachen. Ansonsten: vieles gleich, ist ja auch kein Wunder, war doch die Stadt, soweit ich das richtig verstanden habe, einst eine portugiesische Kolonialstadt, die als Port für den Handel mit dem in Hainan produzierten Kaffee diente…

Englischlehrer und Bentoboxen

Erster Punkt des Tagesablaufs eines Reisenden ohne Frühstück, ist das Aufsuchen eines geeigneten Lokals zur Einnahme von Nahrungsmitteln. So geschehen und bald gefunden. Es war eine Bento-Box mit Hendl, Gemüse, Reis, irgendeiner scharfen Sauce, irgendeiner sehr scharfen Sauce und irgendeiner höllisch scharfen Sauce. Es war gut und ich hab’s gut überlebt – und das Essen fand nicht einmal in geiler Einsamkeit statt, denn kaum dass ich das Lokal betrat, wurde ich von einer angeblichen Englischlehrerin angesprochen, die einfach nur sprechen üben wollte. „Angebliche“ Englischlehrerin deshalb, weil ich dieser Frau nie und nimmer glauben wollte, dass sie tatsächlich Englisch studiert hat, was sich auch als wahr herausstellen sollte, sie hat es selbst nur in der Schule gelernt, aber das musste für die Volksschüler reichen. (Was lernen die da? Hello!)

Der obligate Stadtspaziergang

Danach Stadtspaziergang in weiter Ausdehnung, also Restaurantviertel (wahrscheinlich sind ein oder zwei Restaurants hier tatsächlich zugelassen), Prostitutions- (keine Lizenz), Spielhöllen- (schon gar keine Lizenz) und Dealer-Viertel (müssen die vielleicht die Lizenzen unterschreiben?), diverse Märkte, Brücken und Parks, wobei der letzte Park, den ich an diesem Tag besuchen sollte mit der Überraschung der Präsenz eines Strandes aufwartete, was sofort meinen Weg diese Strand entlang festigte.

Der Strand

Der Strand mündete in einen befestigten Weg (á la Malecón), der von Straßenmusikanten bespielt, von Pärchen romantisiert und von kleinen Würstelbuden, Garküchen und Ganzhe-Verkäufern als Lokalität benutzt wurde. Kurzum, es war Leben auf dieser Straße und es war ein Vergnügen hier am Meer, bei vollem Komfort infrastruktureller Präsenz, entlangzuspazieren.

Am Ende des ersten Tages wurde mir klar, dass Taxis in Haikou zu den teuersten Taxis China gehörten. Das Taxameter schoss wahrlich in Höhen, die man in China als astronomisch bezeichnen konnte, und meine Vermutung, dass hier Manipulation den Gewinn bringt, wurde durch die Rezeption meines Hotels nach Vorlage der Rechnung mit der Belehrung, dass Taxis in Haikou wirklich teuer seien, zunichte gemacht. Ab ins Zimmer, Ruhe.

Über die Brücke Nudeln

过桥米线 (Guo qiao mi xian)

Nachdem gestern von Eindrücken nahezu schon überladenen Tag, kehrte dann heute doch noch Ruhe ein. Das Wetter wollte mir keinen zweiten solchen Tag vergönnen, war es doch gestern angenehm kühl gewesen, so erwartete mich heute eine Wasserwand vorm Fenster.

Nr. 387, wir erinnern uns, das war die nette Rezeptionistin, die mich am liebsten gleich wieder aus dem Hotel geworfen hätte, ward seit gestern nicht mehr gesehen. Ich habe heute sogar Nr. 169 (Frühstücksvoucherabreisserin) gefragt, ob sie wisse wo denn Nr. 387 sei, aber auch sie wusste es nicht, ebensowenig wie Nr. 20 (wohl eine Art Manager), Nr. 107 (Frühschichtrezeptionistin) und die Dame an der Bar (keine Nummer). Auch schön.

Die Über-die-Brücke-Nudeln habe ich am Heimweg vom Internetcafé auch noch bekommen. Diese Nudeln sind ja mehr Geschichte als echtes Essen und weil die lesenden Massen diese Geschichte auch kennenlernen wollen, voila, hier ist sie in pragmatischer Kurzfassung:

Frau will Mann Essen bringen, weil er ihr ja sonst verhungert, die Nudeln werden aber jedes Mal kalt. Frau kommt drauf, dass wenn man eine Ölschicht auf die Suppe obendrauf tut, sowohl die Suppe als auch die Nudeln in der Suppe länger warm bleiben. Sie muss, um zum Arbeitsplatz des Mannes zu gelangen, über eine Brücke.

Das war’s. Das ist die Geschichte.

Und was sind das nun für Nudeln?, fragt die Leserschaft. Dicke Reisnudeln, die in einer Hühnerbrühe mit einer öligen Schicht obendrauf gekocht werden, nachdem man Unmengen an Zutaten zuvor in die Suppe geworfen hat. Das wird meist von der Kellnerin erledigt, die gestern mit den Worten „The waitress is always friendly!“ 0,8 Sekunden nachdem die Teller mit den Zutaten (von denen ich 95% nicht erkennen konnte und von diesen 95% nach visueller Begutachtung 100% nicht haben wollte) vor mir hingestellt wurden und ich noch gar keine Ahnung hatte, was mich gleich erwarten wird, alle Beilagen in den Suppentopf geworfen hat: Rindfleisch, vier Sorten Fisch, irgendwelche krautartigen Dinge, irgendwas, das fürchterlich stank (ich musste diese Ding jedesmal untertauchen, wenn’s an die Oberfläche kam, so schlimm war das!), Tofukruste, Unmengen an Gemüse, und noch irgendwas, von dem ich nichteinmal sagen konnte, ob’s nun Fisch, Fleisch, Gemüse oder einfach nur Altplastik war – und dann halt noch die 95%. Alles in allem waren die Nudeln okay, die Suppe… auch, das eingeworfene Zeugs habe ich dezent im Topf gelassen und die Beilagen – in Scheibchen geschnittener Aal, Leber mit Scharf (ah, gut Mann!), weiche marinierte Erdnüsse (höllisch scharf!) und sowas wie Salat dazugeworfen. Dann schnell aus dem Lokal. Und nicht einmal das war einfach, denn…

Die Kellnerin, die alles in meinen Nudeltopf befördert hat, war sehr jung. Vielleicht sechzehn oder siebzehn, wenn überhaupt, aber freundlich. Vollkommen fasziniert blättert also das Mädel in meinem Reiseführer, sieht sich in aller Ruhe meine Geldtasche (und meine Fotos in diversen Ausweisen) an, kramt dann in meiner Tasche herum und wäre ich nicht in einem Sackgang (als Äquivalent zur Sackgasse) gesessen und sie im Sackende gestanden, ich wäre wohl wahnsinnig geworden, aber der Tee… ja, der Tee… Naja, jedenfalls hat die junge Dame gar nicht mehr aufhören wollen und vor allem die Euromünzen (warum hatte ich Euromünzen dabei?!??), die sie extrem hässlich fand, haben es ihr angetan. Nein, sie wollte keine haben und keine stehlen, nur genau anschauen. Jetzt war ich also in der Zwickmühle: Auf der einen Seite hat sie mir ja – the waitress is always friendly – diese Nudeln zubereitet und sich redlich bemüht mir zu erklären, wieso, weshalb und überhaupt – auf der anderen Seite war das Zeug einfach nicht gut und ich wollte weg. Wie geht man in so einem Fall vor? Wegschicken? Nein! Sie war zu jung, um mit dieser Form der Ablehnung jetzt schon konfrontiert zu werden. Fotografieren? Nein, das wäre ja dann gemein gewesen. Sagen, dass man ungestört essen möchte – zu spät, ich hatte ja schon probiert während sie sich meine Sachen angeschaut hat. Also was? Irgendeine Gottheit hat es dann doch gut mit mir gemeint und sie musste wieder arbeiten – darauf aufmerksam gemacht mit einem Klapps auf den Hinterkopf durch eine Vorgesetzte, die plötzlich, wie aus dem Nichts, hinter ihr stand (meine Güte, der Tee… da muss man wirklich aufpassen!). Ich werfe also alles, was es da an Ess-Gerät noch gibt (und damit meine ich die Speisen!) in den Nudeltopf, schnappe mein Zeug und bamm!, weg war ich! Und mitten in der Flucht vor einer völlig Fremden kommt mir dann die Frage, die ich kurz zuvor im Internetcafé gelesen habe:

Doch wann beginnt der Kompromiss, und wann hört man auf, man selbst zu sein?

Ich weiss es nicht, aber man merkt es sowieso erst danach und dann ist es zu spät. Gegen die Tür gerannt, heimgegangen.