Dort kritisiert man es, bei uns ist es Programm

Die New York Times berichtet über neue, still eingeführte Regulierungen in der Volksrepublik China, die Neuanmeldungen bei Onlinediensten nur noch mit dem tatsächlichen Vor- und Nachnamen sowie einem Identifikationsnachweis möglich machen. Es war wieder eine Top-Down-Aktion der chinesischen Behörden, die durch öffentliche Meinungsmache nachträglich legitimiert werden musste. Was man in China offenbar noch nicht durchschaut hat? Es geht doch viel einfacher: Wir hier im Westen verschenken unsere intimsten Daten kostenlos und freiwillig.

Hilfe, die Welt will was von uns

Die 20-29-Jährigen sind (1) geschwätzig ohne Inhalte, (2) unfähig, Kritik zu üben, (3) voller Zukunftsängste, (4) ohne Subkultur, sie (5) fürchten die Konfrontation, sind sich (6) für nichts zu schade, (7) lieben ihr gestörtes Körperbild und (8) denken nicht politisch: Hilfe, die Welt will was von uns.

Über die Standardeinstellungen von HandBrake hinaus

Beyond HandBrake’s defaults. Wer auf dem Mac HandBrake zum Codieren von Videos verwendet, könnte diesen Artikel interessant finden, in dem auf die verschiedenen Einstellungen näher eingegangen und der Versuch unternommen wird, Richtlinien für die Kompression und das Codieren von Videos zu erstellen.

Eindrücke unserer Reise entlang der Côte d’Azur

Diese Galerie enthält 12 Fotos.

Eindrücke von unserer Mittelmeer-Reise entlang der spanischen und französischen Mittelmeerküste sowie Venedig. Nach Tarragona (Spanien) bin ich gereist, um Freunde im nahegelegenen Touristendorf Miami Platja besuchen zu können, der Rückweg über die Côte d’Azur schien danach angebracht zu sein. Von Tarragona reisten wir nach Arles, danach gleich weiter nach Marseille, wo wir einige Tage verbrachten. [...]

Ein Besuch bei Kollegen in Miami Platja, Spanien

Exit Miami Platja

Nach knapp 2000 gefahrenen Kilometern nahm ich die Ausfahrt nach Miami Platja, Spanien. Einige Kollegen, manche freudiger, manche weniger, haben sich dort ein Ferienhaus gemietet und sich die Zeit mit dem Planschen im Aquapark, dem Lesen eines (sic!) Buches, dem Sonnen am Strand, dem Kaffeetrinken, dem gemeinsamen Grillen und dem Lungern am sowie dem Schwimmen im Pool vertrieben. Ich war nicht mit dabei, ich hatte eine weniger statische Reise vor mir. Dennoch ließ ich es mir nicht nehmen, die lieben Kollegen, einige von ihnen hatte ich wirklich schon lange nicht mehr gesehen, in Miami Platja zu treffen und mit ihnen einen Vormittag zu verbringen.

Ich kam um etwa 11 Uhr am Vormittag beim Ferienhaus an. M kam mir kurz nach meinem Hupen in der Badehose entgegen, wenig später auch B. Ich betrat das Grundstück (man hatte am Tor des Gartenzauns den Firmennamen samt Schriftzug „Expositur Miami Platja“ befestigt!) und wurde vom Rest der Gruppe begrüßt. Einige Kollegen freuten sich, dass ich da war, anderen konnte man es ansehen, dass es ihnen nicht wirklich in den Kram passte, mich vor Ort zu sehen. Ich nehme ihnen das nicht übel, mir ging es häufig genauso: Erhält man Besuch von zuhause mitten im Urlaub, so entfernt man sich immer ein wenig von seinem Urlaubsgefühl. Ist der Besuch wieder weg, beruhigt sich das erregte Gemüt schnell bald wieder und der Urlaub kann weitergehen.

Wie nicht anders zu erwarten wurde mir von der Umgebung, von der Anreise und von dem Bangen um den Rückflug mit SkyEurope erzählt. Die Kollegen und Kolleginnen haben sich bereits formiert: die Gruppenaufteilung und Rollenzuteilung war bereits abgeschlossen, der gemeinsame Schmäh – jeder hat immer einen Urlaubsschmäh – gefunden und sich auf verschiedene Abfolgen (soll ich Duschordnung?) und Prozeduren geeinigt.

M kochte gar nicht mal schlechten Kaffee. Marke Unbekannt, der Siebträger von Saeco. Irgendwann wurde mir vom Vermieter, der nicht und nicht daherkam, sowie von der deutschen Dame vom Tourismusbüro erzählt, die die gemeinsame Reise von Arbeitskollegen etwas abwegig fand. Ich mochte die Geschichte.

M führte mich durch das Haus. Im obersten Stock gab es ein paar Zimmer, im Kellergeschoß ebenso. Dort, wo normalerweise die Luftmatratzen und der Tischtennistisch steht, lagerten P und A, auf deren Bett es von der Klimaanlage tropfte. Die verschiedenen Sphären, in die man innerhalb der zehn Sekunden, in denen M die Tür offen hielt, eindringen konnte, waren erstaunlich. Da gab es Kollegen, die auf das Nachtkasterl überhaupt keinen Wert legten, Kollegen, die aufgeräumt hatten und solche, die die Decke leicht mit dem Gewand vom Vortag vertauschen könnten, strikte und weniger strikte, aktive und weniger aktive, solche mit etwas stärkerem Körpergeruch und solche, die man gar nicht riechen konnte (das ist jetzt keine Steigerungsform!), kurzum: das volle Spektrum menschlicher Existenz im vollen Umfang seines sozialen Daseins. Dass es letztlich angeblich nur zu einem einzigen Streit gekommen ist, und daran nicht einmal alle beteiligt waren, ist fast schon merkwürdig.

Weiter oben habe ich erwähnt, dass es einige Kollegen gab, denen mein Erscheinen so nicht ganz gepasst hat, weil sie aus dem Urlaub gerissen würden. Mir, und das kann ich nun ja sagen, ging es da nicht anders. Ich war mehrere Stunden von Wien nach Bern und anschließend nach Tarragona gereist und hatte sehr viel Zeit ohne sie verbracht. Im Juli sah ich sie nicht, in der ersten Augustwoche ebensowenig. Und nun waren sie da. Die verschiedenen Meme und Diskurse aus der Firma wurden in Ferien- und Urlaubsmeme/-diskurse gewandelt. Sollte ich mich hier wohlfühlen? Ja! Es war doch möglich. Und Danke für die zwei Espressi!

Facebook, Teil 3: Abbruch und Auf Wiedersehen!

Ein Monat reicht. Facebook, diese Zeitverschwendung ohne Mehrwert, bringt es nicht. Was auch immer ich mir davon erwartet habe wurde nicht erfüllt und besondere Umstände, die es mir erleichtern würden meine Erwartungen ein wenig zurückzuschrauben und stattdessen die Benutzbarkeit hochzuhalten, gibt es nicht. Ich bleibe registriert (schließlich habe ich ja eine tolle Vanity-URL und endgültige Abmeldungen sind ohnehin nicht möglich), doch vorbeischauen werde ich nur noch sporadisch. Der Facebook-Direktlink ist aus meiner Lesezeichenleiste verschwunden, die Facebook-Applikation am iPhone ist auch schon wieder weg, ebenso wie der Link in der Social-Media-Sektion dieser Seite. Facebook verspricht viel, hält aber wenig.

Facebook ermöglicht es dir, mit den Menschen in deinem Leben in Verbindung zu treten und Inhalte mit diesen zu teilen. (facebook.com)

Ja, sicher. Volksschulfreunde, die keinen interessieren, Schulfreunde, die mir schon damals unsympathisch waren, sammelwütige Persönlichkeiten, auf deren Freundesliste man Teil einer Liste wird, ehemalige Kollegen, an die mich nichts mehr bindet – wozu soll ich mit ihnen den Kontakt pflegen? Es ist ein wenig wie bei einem Klassentreffen: Ein Haufen Menschen trifft sich auf Facebook, heuchelt sich was vor und freut sich darüber, dass alle brav mitheucheln. Freundlichkeiten mit meinem Vorgesetzten? Gemütliches Plaudern mit der Exfreundin? Man möchte sich andauernd die Hände waschen! Der Irrsinn an der Sache ist allerdings, dass das dämliche Geplänkel direkt und indirekt dramatische Auswirkungen auf das Leben eines jeden hat, in dessen Umfeld Facebook zur Kommunikation verwendet wird.

Viele kennen heute schon das Gefühl eine Phantomschmerzes, wenn sie mal offline sind. (…) User bekennen, dass der letzte Blick am Abend und der erste am Morgen nicht ihren schlafenden Kindern, sondern dem Display ihres Organizers gilt, dass sie sich ohne ihn unvollständig fühlten. (Alex Rühle: Jenseits der Stille)

Früher, als ich mich mit Freunden getroffen habe, wurde über die Inhalte gesprochen, die man heutzutage als bekannt voraussetzt. In kurzen Statusmitteilungen will A erfahren haben, dass B gerade dieses und jenes macht, C wiederum hat aus einer Statusmeldung von D herausgelesen, dass eigentlich A dafür… und so weiter, der klassische Klatsch und Tratsch, der dem Small-Talk seine Substanz verleiht. Seit Facebook unterhält man sich nicht mehr über die Inhalte an sich, sondern mehr über den Kommunikationsweg dieser Inhalte. Inhaltsleer auch die Gespräche, die man mit Facebook-Addicts führt: Worüber soll man mit jemandem reden, der alle 2 Minuten Statusupdates durchführen oder Chats beantworten muss? Auch das Zusammenarbeiten mit solchen Personen ist nicht mehr möglich, denn sie nehmen die Wartezeit, die sie den Kollegen aufoktroyieren gar nicht mehr wahr. Chat, Statusupdate und Freundschaftsanfragen gehen vor.

Was also tun mit der Facebook-Mitgliedschaft? Abmelden. Und nie wieder anmelden.

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Mickey-Mouse-Wissenschaft

Mickey Mouse-Wissenschaft und Bullshit-PR – Eine hervorragende und kritische Rezension von Stefan Webers „Das Google-Copy-Paste-Syndrom: Wie Netzplagiate Ausbildung und Wissen gefährden“.

The author [...] states that today‘s students follow a process of three steps to create academic texts. Initially, they Google their topic. Then they copy and paste significant parts of text found on the Web. Knowing the importance of the outside appearance they finally layout their produced mosaic. Weber cites American studies proving that 36% of the students have admitted to have copied sentences in the web and have pasted it into their academic work. For Weber this development is the consequence of the omnipresent use of the internet, because it facilitates the appropriation of texts. The author argues that by allowing this “culture without brains” to spread, the elaborate academic system of reference puts itself in danger. Weber‘s position is that a „recycling“ text culture, which permits people to plagiarize, will end up in scientific stagnation.

Jenseits der Stille

Pflichtlektüre für alle, deren letzter Blick am Abend und deren erster Blick am Morgen dem Blackberry/iPhone dient. Au weia!

Michel Foucault beklagte in den siebziger Jahren den Verlust der „Schweigekultur“, das permanente Geplapper der Fernsehgesellschaft würde alle Selbstregulationsfähigkeiten verkümmern lassen. Alexander Mitscherlich sah 1950 den Menschen als hibbeliges Elementarteilchen, ein Wesen, das ,,sich nicht mehr als geschichtliches Wesen kennt, sondern nurmehr als punktuelles, augenblicksbezogenes Triebwesen“.

Tocqueville wunderte sich 120 Jahre zuvor, 1832 auf seiner Amerikareise, über ,,all die Menschen, die sich rastlos im Kreis drehen, um sich kleine und gewöhnliche Vergnügungen zu schaffen, die ihr Gemüt ausfüllen.“ Seiner Meinung nach steckten sie fest in einem ,,Zustand der Kindheit“, in dem sie ,,nichts anderes im Sinn haben, als sich zu belustigen“. So weit, so bekannt. Es ist etwas anderes: Es ist die Gewissheit, dass es keine Einsamkeit mehr gibt. Dass die Menschen nicht mehr in der Lage dazu sind, sinnvoll Zeit mit sich selbst zu verbringen.

Ein sehr absurdes Treffen

Ein sehr absurdes Treffen.

„Thirty hours ago, Euna Lee and I were prisoners in North Korea,“ Ms. Ling said in brief remarks to reporters, blinking back tears. „We feared that at any moment we could be prisoners in a hard labor camp. Then suddenly we were told that we were going to a meeting. We were taken to a location and when we walked through the doors, we saw standing before us President Bill Clinton.“

Gmail mit externem Postausgangsserver nutzen

In Gmail kann man seit langem schon E-Mails verwalten, die von Nicht-Gmail-Konten kommen. Es ist also kein Problem, eine E-Mail im Format adresse@meinedomain.tld über Gmail zu empfangen und zu senden. Da Gmail bislang ausschließlich die eigenen Postausgangsserver für das Versenden solcher E-Mails benutzt hat, war auf alten Outlook-Programmen der Hinweis zu lesen, dass das E-Mail des Absenders adresse@meinedomain.tld im Auftrag von adresse@gmail.com verschickt wurde. Dieses Problem ist jetzt behoben, da Gmail auch externe Postausgangsserver verwenden kann!

Facebook, Teil 2: Ein Fangkorb, der mit Freunden lockt

Vor etwas mehr als einem Monat habe ich mich sehr skeptisch aber doch (wieder) bei Facebook angemeldet und frage mich täglich kopfschüttelnd, wie so ein kontraproduktives Netzwerk mehr als 250 Millionen Mitglieder begeistern und fesseln kann.

Facebook bietet in mickriger Form, was andere Dienste wie Twitter, Flickr, YouTube und delicious vor Jahren schon ausgetüftelt haben, in einem System an, das von AOL und CompuServe in den Anfängen des Internet bereits nach kürzester Zeit wieder eingestellt wurde: beide Internetriesen haben gezeigt, dass das „wilde Internet“, mit Kommentartrollen, falschen Namen und erfundenen Persönlichkeiten mehr Reiz auf uns Web-User ausübt, als die kleine, heile, hinter einem Login versteckte Welt, die sich heute nach der Anmeldung bei Facebook eröffnet.

Aber wir sind ja auch „offizielle“ Kriegsreporter gewohnt und akzeptieren Vorgekautes wie schon lange nicht mehr. Ist Facebook tatsächlich nur ein Fangkorb, der mit Freunden lockt?

Jon Rawlinsons Aquariumvideo

Wir erinnern uns an den seltenen Moment, in dem Paul Potts, der unscheinbare Verkäufer, zum Star mutiert. Jetzt, ein Jahr später, habe ich wieder so einen „seltenen Moment“ entdeckt.

Der Kameramann Jon Rawlinson hat auf jeglichen Schnickschnack verzichtet und seine Canon 5D Mark II inmitten eines der größten Aquarien der Welt aufgestellt. Er nimmt Mensch und Fisch im Kuroshio-Sea-Becken 5 Minuten lang auf, versetzt das Video mit der perfekten musikalischen Untermalung von Barcelona („Please don’t go„, deren Verkäufe dadurch enorm angestiegen sind!), stellt das alles bei Vimeo online und bietet eine 720p HD-Version zum Download (Rechtsklick > Speichern unter…) an, die den Atem des Zusehers schneller werden lässt.

720p-HD-Version herunterladen! im Vollbildmodus Anschauen. Innehalten. Zusehen. Und die tiefe Befriedigung spüren, dass es diese seltenen Momente doch noch gibt.

Blog-Parade: Der Kaffee am Morgen

Roberto Müller ruft zur Blogparade „Der Kaffee am Morgen“ auf und ich habe mich durch Monsieur Bueltge dazu hinreißen lassen mitzumachen. Die 5 Fragen:

Kochst du morgens bewusst Kaffee oder weil es einfach dazu gehört?
Bewusst. Es gibt Tage, da trinke ich keinen Kaffee, es gibt Tage, an denen der Vollautomat bemüht wird, es gibt Tage, da kommt der türkische Kaffee aus dem Topf (Cezve hab ich keine) und es gibt Tage, da mach ich mir einen Mocca in meiner Bialetti.
Kochst du normal in der Kaffeemaschine oder zum Beispiel mit einer French Press?
Siehe oben.
Marken-Kaffee oder No-Name vom Diskonter?
Passalacqua Harem oder Passalacqua Mekico. Daher Marke.
Hast du eine Lieblingstasse?
Nein. Keine Lieblingstasse. Aber keine Glas-Behältnisse (außer für den Mocca).
Milch, Zucker oder Schwarz?
Ein wenig Zucker. Verbessert angeblich die Aromen.

Freuen würde ich mich über Beantwortung der Fragen von all meinen Lesern, entweder in den Kommentaren oder auf euren Websites! Philipp? Matthias? Christian?

Sonntagsarabesken #144

Sie rief ihn an, sobald sie aus dem Flugzeug gestiegen war. Es läutete. Einmal. Zweimal. Dann hob er ab. Ihr Magen verkrampfte sich, als der erste Ton seiner dunklen Stimme ihr Ohr traf. Den ganzen Flug über hatte sie sich diesen Moment ausgemalt. Nein, eigentlich schon seit mehr als einer Woche. Beim Warten auf ein Taxi in der schwülen Abendhitze auf einer dicht befahrenen Straße in Havanna. Auf der Terrasse, das Cocktailglas in der Hand, die angenehme Kälte der Eiswürfel auf ihren Fingerkuppen genießend. Im stickigen feuchten Dickicht des Bergwaldes, während sie versuchte, nicht vom Weg abzukommen. Ihre Gedanken hatten sich verirrt, in eine entfernte Zeit, die ihr doch plötzlich wieder so nahe schien. Sie fühlte die Kühle des Marmorblockes unter ihren Schenkeln, nur einen Herzschlag, nur einen Kuß entfernt von ihm, seinem entspannten Körper, der leicht nach einem ganz bestimmten Parfum duftete. Im Hotel, später, versuchte sie vergeblich, diesen Geruch wiederzufinden, sogar noch, als sie mit ihrem Freund nach dem Essen auf dem Balkon einen letzten Drink nahm, sogar noch, als sie in seinen Armen lag, seinen Atem an ihrem Hals spürte und unter der zarten Vehemenz seiner Bewegungen die Augen schloß. Die Tatsache, dass sie den Duft dieses Abends, die Kühle des Steins und den Klang einer Stimme, seiner Stimme, einer nunmehr verboten fremden Stimme verloren hatte, doch sich zugleich all jene Elemente in ihrem Bewußtsein schmerzlich nahe immer und immer wieder vor Augen führte, führen wollte, verursachte ihr ein körperliches Unwohlsein. Es ließ sie nicht mehr los, bis zu jener Minute, als sie das Flugzeug verließ und wieder festen, scheinbar vertrauten heimatlichen Boden unter den Füßen spürte. Schnell war sie in die Gepäckausgabe gelaufen, hatte ihren Koffer ehestmöglich vom Förderband gerissen, um noch eiliger in die Ankunftshalle zu stürzen, das Mobiltelefon von verkrampften Fingern umschlossen. Es läutete. Einmal. Zweimal. Dann die Stimme. Sie wechselten einige belanglose Sätze. Sie drehte sich hastig um. Ihr Freund, dem sie beim Aussteigen aus der Maschine davongeeilt war, kam in diesem Moment durch die Schiebetür, vorbei an den wartenden Eltern, Kindern, Freunden, Lebenspartnern. Sein Blick war wie versteinert, entgeistert, leblos, fassungslos. Er starrte sie an. Sie starrte zurück. Am anderen Ende der Leitung kurzes Schweigen. Dann kam ein »Gut, dann will ich nicht weiter stören! Hat mich gefreut, wieder von dir zu hören! Mach’s gut!« Sie starrte nach wie vor auf den verzerrten Gesichtsausdruck, auf das Kopfschütteln ihres Freundes, den sie in diesem Augenblick nicht wiedererkannte und auch gar nicht mehr kennen wollte. Das Freizeichen am anderen Ende der Leitung drang nicht zu ihr durch. Es kam aus einem Riß in der Zeit, den sie, das wurde ihr schlagartig bewußt, weder durch Worte, noch durch Taten jemals wieder würde schließen können. Mit einer mechanischen Bewegung steckte sie das Telefon zurück in die Handtasche und lächelte ihrem Freund zu. „Das waren meine Eltern“, sagte sie. „Sie freuen sich, dass wir gut angekommen sind.“ Dann berührte sie mit der Hand sanft seinen Nacken und sagte ihm, dass sie ihn liebte. Und möglicherweise war das in diesem Moment sogar die Wahrheit.

Sonntagsarabesken #143

Wie bewegt sich die Erinnerung? Fließt sie in langsamen Bahnen bergab, ruhig und bedächtig aber zugleich drohend und tödlich wie ein Lavastrom? Oder bahnt sie sich ihren Weg von unten durch die sedimentierte Lebenskruste einer Existenz, deren Oberfläche sich zu keinem Zeitpunkt wirklich zu festigen vermag? Auf den Abschweifungen in das Spiegelkabinett der vergangenen Zeit begegnen wir beiden, den fließenden und den steigenden Erinnerungen, und lukrative Pflicht der Therapeuten ist es, uns davon zu befreien. So ist es möglich, dass man im selben Moment einem kurzen, aber heftigen Sommergewitter beiwohnt und doch zugleich in einem Hauseingang der Altstadt von Salamanca die Zeit verliert. Dass geplatzte Orangen in den Rinnstein rollen, sich beinahe schwebende Tanzschritte über die Viale Bruno Buozzi schlängeln und zwei grüne Augen in einer roten Wiener Winternacht den Himmel auf Erden versprechen. Dass eine Zugfahrt uns über die österreichische Grenze nach Norden trägt, während ein zweiter, nach Süden strebender Zug, uns das Zittern der Zeit auf dem Weg an den Golf von Neapel spüren läßt. All diese Augenblicke, Orte und Bewegungen existieren zugleich und neben- und miteinander. Ebenso wie die Gestalt der an einen Zaun gelehnten jungen Frau, die im Regen stehend auf etwas oder jemanden wartet, im Schatten der Gewitterwolken wie auch auf dem Papier der Bleistiftzeichnung oder in den Absätzen des niemals auf Papier gebrachten Textes. Wie die Wetterlage über Adria und Schwarzem Meer ist all dies sowohl in bestimmten Formen geschehen und festgehalten, als auch durch die Möglichkeit unendlich vieler Variationen und chromatischer Abweichungen für alle Ewigkeit in unsere gemeinsame Sprache und unsere gemeinsamen Vorstellungsbilder eingeschrieben. Die Vielfalt, der Reichtum des Erinnerns, des individuellen wie kollektiven Nicht-Vergessen-Könnens, kann nur als überwältigend, bedrohlich und potenziell lebensgefährlich schmerzhaft bezeichnet werden. Sie ist der Felsbrocken, den wir stetig und immer wieder hangaufwärts wälzen, das ist die Musik, die unser Leben begleitet. Das Vielfache der Träume sind die Wahrheiten, die sich nach dem Erleben in den Strudel der Bilder, Gerüche, Geräusche und Gefühle reihen. Als stumme Gäste der in dieser Welt zu verlebenden Zeit.

Facebook, der Einstieg: Slow down or you'll hit a block

Facebook. Was habe ich nicht schon alles darüber geschrieben. Seit Samstag, irgendwann sehr früh in der Früh, kann man bei Facebook vanity URLs für sein eigenes Profil anlegen, eine Funktion, die Douglas Rushkoff als den Anfang vom Ende von Facebook bezeichnet. Vanity-URLs sind, kurz erklärt, facebook.com/vorname.nachname anstelle von facebook.com/profile.php?id=500094561. So einen Benutzernamen wollte ich haben. Und deshalb habe ich mich bei Facebook registriert. Und weil ich das schon mal vor ein paar Jahren gemacht habe und das Konto nur stillgelegt wurde, musste ich die 31. Mai/15:00 Uhr-Sperre nicht abwarten.

Konto aktiviert, Vanity-URL gesichert, friendship requests beantwortet und selbst neue beantragt. Mittendrin dann die Nachricht „Slow down or you’ll hit a block!“. Nach ein paar dieser Nachrichten habe ich aufgehört, weitere Menschen zu meinen friends zu machen und habe mir die Seite gut angesehen. Auf den Punkt gebracht: Twitter, Flickr und Youtube, aber hinter einem Login und mit echten Namen. Die Frage, die sich mir sofort aufgedrängt hat: Das ist es? Daran können sich 200 Millionen Menschen begeistern? Wow!

Bevor ich jedoch über die Antwort zu meiner Frage nachdenken konnte, wurde auf der Seite rechts unten ein Chat angezeigt: Lade ein Benutzerbild hoch! Währenddessen eine neue Nachricht im Facebook-Posteingang: Lockere deine Datenschutzeinstellungen, man kann ja nichts sehen! Meine Einstiegserfahrung zum Thema Facebook ist mit der von Götz Hamann deckungsgleich:

An diesem ersten Tag lasse ich noch viele Felder frei: Stehe ich auf Frauen oder Männer? Was denke ich politisch? Glaube ich an Gott? Habe ich eine Beziehung? Meine Handynummer und meine Adresse soll auch niemand erfahren! Aber jedes Mal keimt die stille Frage, ob das in Ordnung ist. Oder verstoße ich gegen eine ungeschriebene Etikette und werde Außenseiter sein, sobald ich den ersten Kontakt zu jemandem suche? (…) Soziale Netzwerke im Internet kann man ablehnen, aber nicht mehr ignorieren, weil so viele Menschen nun einmal mit Hilfe der Netzwerke ihre Beziehungen pflegen.

Facebook trägt aber auch durch gezieltes Nerven dazu bei, sich datentechnisch immer mehr zu entblößen: Jedes Mal, wenn ich meine Profilseite besucht habe, wurde ich danach gefragt, ob das für mich geltende Possessivpronomen „sein“ oder „ihr“ sei – bis zu dem Zeitpunkt als ich in meinen Profileigenschaften mein Geschlecht deklariert habe. Dann war zwar damit Schluss, doch schon wurde ich wieder genervt: Ob ich nicht meine Gmail-Kontakte importieren und aus den darin gespeicherten E-Mail-Adressen einige friendship requests erstellen wolle? Wohl eher nicht!

Tag 1 auf Facebook: Gemischte Gefühle und Verwunderung.

Was man sich ab 25 nicht mehr leisten sollte…

Was man sich ab 25 nicht mehr leisten sollte.

If you have reached the age of 25, I have a bit of bad news for you, to wit: it is time, if you have not already done so, for you to emerge from your cocoon of post-adolescent dithering and self-absorption and join the rest of us in the world. Past the quarter-century mark, you see, certain actions, attitudes, and behaviors will simply no longer do, and while it might seem unpleasant to feign a maturity and solicitousness towards others that you may not genuinely feel, it is not only appreciated by others but necessary for your continued survival. Continuing to insist past that point that good manners, thoughtfulness, and grooming oppress you in some way is inappropriate and irritating.

Der superkompetente Mitarbeiter

Vor weniger als einem Monat haben wir uns mit einem Mitarbeiter getroffen, der seit etwa zehn Jahren in jeden Kompetenzbereich, den es in der Firma gibt, eingedrungen ist. Er arbeitet praktisch überall irgendwie mit; die Ergebnisse seiner Arbeit sind dementsprechendes Mittelmaß, bislang hat man sein Tun jedoch wohlwollen akzeptiert, ist er es doch, der sich auf Kosten anderer profilieren möchte; ist er es doch, der aufgrund seines Einkommen die Ausgaben für die anderen Mitarbeiter senkt: Wenn er das um das Gehalt schafft, warum dann nicht der Profi in seinem Bereich?

Da dieser Zustand nicht mehr haltbar war und die Erzeugnisse des besagten Kollegen der Namen der Firma schadeten, beriefen wir eine kleine Krisensitzung ein, die, wie schon gesagt, vor weniger als einem Monat stattgefunden hat. Die verschiedenen Punkte wurden ausdiskutiert und – Erstaunen! – wir konnten uns auf einen modus vivendi einigen: Er konnte nach wie vor seine Nase überall hineinstecken, seine Erzeugnisse müssen aber jedesmal eine Woche vor Veröffentlichung/Auslieferung so aufgelegt werden, dass jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin Zugang dazu haben, sich eine Meinung bilden und eventuell sogar Kritik oder Lob anbringen können. Dass man das Erzeugnis gesehen hat, bestätigt man mit seiner Unterschrift auf einer Liste, die zentral angebracht wird. Das… war vor weniger als einem Monat.

Seit zwei Tagen liegen neue Erzeugnisse des Kollegen in der Firma vor. Er hat sie – an allen vorbei – produzieren lassen und sowohl die Mitarbeiter als auch seinen Chef vor vollendete Tatsachen gestellt. Ob es der Chef weiß, was da geschehen ist, das weiß ich nicht; was ich weiß: wiedereinmal sind die Erzeugnisse des Kollegen grausam anzusehen; wiedereinmal wurde die CI der Firma ignoriert; auf dem Erzeugnis fehlen ganz grundlegende Daten, besonders gravierend: das Firmenlogo!

So ähnlich war das mit dem Kollegen schon einmal. Wird sich das überhaupt jemals ändern?

Pizza Mari’

Pizza Mari'In der Leopoldsgasse 23a im 2. Bezirk befindet sich die beste Pizzeria Wiens: Pizza Mari’. Der Clou: Neben der besten Pizza, die man in der Stadt bekommen kann, serviert man hier auch Passalacqua-Kaffee!

Dazu bitte die Aktualisierungen unten lesen. Mittlerweile ist Mari’ weit davon entfernt, auch nur ansatzweise die „beste“ Pizza herzustellen. Weit, weit, weit!

Über die Qualitäten der Pizzeria kann man im Standard oder in der Presse nachlesen, darüber, dass Österreicher nun mal Österreicher sind, und herummotschkern, wenn der Toastschinken nicht im Emmentaler auf dem Fladenbrot untergeht, beim Datenschmutz oder bei Katz Kulinarisch. Ich bin wohl der erste Blogger, der über Pizza Mari’ positiv berichtet.

Ich habe Pizza Mari’ zum ersten Mal an einem Samstag zu Mittag betreten. Megaphone als Lautsprecher, Tische, Stühle, Kleiderständer, ein Tresen, eine Gaggia und ein Holzkohleofen – das ist es auch schon, was man im Pizza Mari’ vorfindet. Auch die Speisekarte listet nur knapp zehn Pizzen auf, den ganzen anderen Schmafu – Salate, Pastagerichte, bla, bla – gibt es hier zum Glück nicht. Was mir sofort klar war: Bufala (Tomaten, Büffelmozzarella, Basilikum)! Und ich wurde mit der besten Pizza überrascht, die ich in Wien jemals gegessen habe. Das geschmackliche Feuerwerk dieser Pizza, dem ich mit ein wenig Chiliöl noch eine Extra-Zündung verpasst habe, steht in krassem Gegensatz zur Eintönigkeit nach Emmentaler schmeckender Lieferpizza. Wow, war das gut!

Pizza Bufala in der Pizza Mari'Wie auch im wirklichen Leben, erinnert man sich an einen Höhepunkt nur dann wirklich gut, wenn ihm auch gleich ein zweiter folgt. Und der kam in Form eines Espresso. Im Pizza Mari’ serviert man nämlich – Trommelwirbel – Passalacqua Harem-Kaffee, den wohl besten Kaffee, den man bekommen kann. Ursprünlich nur im Radlager zu finden, gibt es nun auch eine Möglichkeit, ihn in einem echten Lokal zu sich zu nehmen. Das Radlager übertrumpft die Zubereitung zwar durch den Liebhaber-Effekt (Faema vs. Gaggia!), aber für einen Espresso danach reicht der im Pizza Mari’ allenfalls!

Was auch immer ich über das Pizza Mari gelesen und gehört habe, ist mir egal: Ich habe in der Leopoldsgasse 23a die wohl beste Pizza Wiens zu mir genommen und werde das Lokal weiter- und weiter- und weiterempfehlen. Und selbst des öfteren auf einen Kaffee vorbeischauen!

Nachtrag 20. Februar 2011

Mittlerweile hat die Qualität bei Mari’ nachgelassen und ich verstehe die altbekannte oder neue Kritik. Vielleicht ist es doch so, dass ich Glück hatte, als ich da war; jedenfalls ist ein Besuch heute nicht mehr mit garantiert guter Pizza verbunden. Hoffentlich fängt Mari’ das wieder auf und produziert wieder konstant gute Pizzen, sonst bleibt einem ja nichts übrig, als zur CapaTosta zu gehen.

Nachtrag 23. Juli 2011

Heute war ich für sehr lange Zeit das letzte Mal in der Mari’. Die Pizza hat mittlerweile nichts mehr mit der gemein, die ich bei meinem ersten Besuch vor zwei Jahren bekommen habe. Hätte der Pizzabäcker anstelle des Basilikumblatts Basilikumpulver verwendet, hätte ich die Mari’-Pizza mit der Take-Away-Pizza aus der Schottentorpassage verwechseln können. Pfui Teufel! Schade um die 10 Euro, die ich für meine Bufala mit Rohschinken bezahlt habe.

Kommentare auf Blogs sind sowas von 2005

Die Dinge haben sich in den letzten drei Jahren so dramatisch verändert. Blogs, wie man sie geläufig noch vor seinem geistigen Auge sieht, gibt es praktisch nicht mehr: Die Abfolge Header, Titel, Überschrift, Artikel, Kommentare, Link und Footer ist heute nur mehr bei Seiten zu finden, die sich als Blog eingenistet, die Weiterentwicklung hin zu noch mehr Vernetzung und Auslagerung jedoch verweigert haben.

Mit meinem Wechsel von WordPress zu Tumblr habe ich einiges an Kommentaren (persönlich oder per E-Mail) in Bezug auf das Fehlen der Kommentarmöglichkeit zu hören oder zu lesen bekommen. Die Behauptung, man könne nun nicht mehr mit mir kommunizieren, ist allerdings nicht ganz richtig, denn es stimmt zwar, dass man nicht mehr direkt in eigens dafür vorhergesehenen Feldern kommentieren kann, es ist aber nicht richtig, dass man seine Meinung überhaupt nicht mehr kundtun kann. Kommentare sind mir, ganz im Gegenteil, sehr willkommen. Per E-Mail, in einem Artikel auf der eigenen Website mit einem Link zu meinem Artikel oder via Twitter.

Warum aber nicht auf der eigenen Seite? Kommentare, wie wir sie bislang kennen, sind mir zu 2005. Damals waren Blogs gerade der Schrei, aber nicht jeder hatte (oder hatte die Möglichkeit), ein Blog zu eröffnen. Blogger war noch nicht bekannt genug (zumindest in Österreich) und wenn man von „eigenem Server“ und Content Management Systemen gesprochen hat, war man sowieso ein Geek. Dennoch konnte man als Besucher einer Seite zu Themen Stellung nehmen, weil es eben diese Funktion gab.

Die Umstände haben sich aber geändert. In meinem Freundeskreis hat nahezu jeder eine eigene Website, einen Account bei Twitter oder zumindest einen Zugang zu Facebook. Man weiß mittlerweile, wie man Texte online publiziert. Das Limit der Kommentarfunktion war, dass man nicht wirklich Stellung nehmen konnte, sondern immer in einem kleinen Zusatzfeld in wenigen Sätzen auf den Punkt kommen musste. Es war nicht möglich, lange Diskussionen zu führen und nur sehr schwierig, Diskussionsabläufe zu verfolgen. WordPress hat mit dem letzten Upgrade die Möglichkeit eingeführt, Kommentare verschachtelt anzulegen. Der Nachteil dieser Form des Kommentieren ist, dass selbst visuell der Artikel nur mehr als Grundlage, nicht aber als Bezugsobjekt der Diskussion verstanden wird. Je verschachtelter die Kommentare angelegt sind, desto eigenständiger und vom eigentlichen Thema losgelöster erscheinen die diversen Statements.

Spätestens seitdem Artikel mit Titeln wie „Kill Blog Comments“ erscheinen und Blogautoren argumentieren, dass Blogs nicht unbedingt als Dialog verstanden werden müssen, wird eine neue Form des Kommentierens nötig. Man möchte nicht mehr in der Sandkiste über den Spielplatz diskutieren, sondern im Büro des Stadtplaners: Diskussionen, sollen Blogs vernetzen und Inhalte mit Meinungen auf verschiedenen ideellen Plattformen präsentieren, wobei das eigene Blog/die eigene Website den Gipfel des Olymp darstellt, Twitter und twitter-ähnliche Dienste den Autoren gelegentliche „Guter Artikel!“ bis hin zu „You suck!“-Blurbs freien Lauf lassen.

Trotzdem bleiben Reaktionen auf die eigene Arbeit interessant und so bleibe auch ich dem Kommentieren auf einfachster Ebene treu. Ab sofort hat jeder Text-Artikel einen Link, der das Kommentieren auf den präsentierten Inhalt ermöglicht. Dafür ist lediglich ein Twitter-Account nötig, das aber ratzfatz eingerichtet ist. Alternativ nehme ich natürlich auch Meinungsäußerungen per E-Mail (m.kalina auf dieser Domain) jederzeit entgegen. Das Kommentieren per Twitter verstehe ich als kleine Hemmschwelle: Die Meinungsäußerung ist für jeden sichtbar, da ich zwar die Reaktion als Antwort an mich deklariere (@mkalina), allerdings dem Tweet auch eine Referenzurl zum betreffenden Artikel mit auf den Weg gebe. Jede und jeder Interessierte kann dadurch selbst nachlesen, worauf sich diese Äußerung bezieht und sich selbst seine Meinung bilden.

Die dritte Alternative? Selbst einen Beitrag verfassen und auf meinen Verlinken! Irgendwann taucht der Beitrag in meinen Referrern auf und die Ferndiskussion kann beginnen.

Das bringt Leben ins Web, das macht Spaß. Und Kommentare auf Blogs gehen über ins Jahr 2009!

Login, der Nimbus des Jagens und Sammelns

Wer sich hinter Logins versteckt, braucht sich nicht zu wundern, dass er dort auch nicht wieder herauskommt.

Neulich fiel mir auf, dass N., ein lieber Freund und angenehmer Zeitgenosse, all seine kreativen Werke – Text in Form von Blog-Artikeln und Fotografien/Illustrationen auf Flickr – entfernt hat. „Bewusst!“, so seine Antwort auf meine Frage, weil er das aus beruflichen Gründen nicht mehr für jederman verfügbar lassen konnte.

So stimmt das allerdings nicht, denn schon lange davor ist es zu einem Wechsel seiner Internetpolitik gekommen: Es kam der Tag, an dem er die zugänglichen Kanäle (Blog, Flickr, Forum) verlassen und Facebook betreten hat. Nur wenig später wurden die noch abrufbaren Einträge gelöscht und mehrere Jahre seines hinterlassenen Profils sind dahin. Er ist damit, zumindest für mich, hinter einem Login verschwunden und tut dahinter, was eine Clique, nicht aber jederman sehen kann.

Ich habe, besonders geschlossenen Systemen wie Facebook gegenüber, Vorbehalte. Während Flickr, MySpace und die meisten Foren private wie auch öffentliche Bereiche haben und nur sehr wenig dafür spricht, wirklich alles auf ganz privat und für Besucher von außerhalb nicht auffindbar zu machen, ist Facebook anders. Es zwingt zur Anmeldung, um an Inhalte heranzukommen, die größtenteils problemlos auch öffentlich sein könnten. Das Login vermittelt jedoch Existenz innerhalb einer Gruppe, einer Gemeinschaft von denen, die auch dabei sind. Fälschlicherweise, denn wo liegt der Unterschied zu früher? Ja, richtig, der unbekannte Dritte (die einzige Identifikation!) kann nicht auftauchen, er wird systematisch zu einem Mitglied einer Gemeinschaft, die ihn ablehnt oder akzeptiert. Wichtig aber: er wird, da bereits mit seiner alleinigen Präsenz in einem Dialog, nicht mehr als Dritter, als Fremder angesehen.

N. hat sein gesamtes Onlinedasein bei Facebook eingesperrt. Er stellt keine seiner Fotos auf Flickr (mit Ausnahme von Urlaubsfotos und Schnappschüssen) und er verfasst keine relevanten Text-Inhalte mehr. Aus einer geometrischen Form ist eine Kugel geworden, die instabil ist und auf jede Bewegung mit Ausweichen und dem Weg des geringsten Widerstandes reagiert. Ich finde das schade.

Das Login trennt alle von uns. Wir sind dabei, wir machen unsere Regeln, so das als implizit vermittelte PR-Marketing der sozialen Netzwerke. Klar erliegt man diesen Regulativen sehr schnell, doch die Wahrheit sieht anders aus. Hunderte Kontakte bei Facebook sind keinen Pfifferling wert, ihre Anwesenheit bei der letzten Feier gleichzusetzen mit dem leeren Echo einer längst verblassten Bekanntschaft früherer Jahre. Man wird zum Sammler dieser friends, verliert den Jäger, doch wo, wenn nicht in der Konfrontation, findet die Reduktion aufs Wesentliche, das endgültige Aufeinanderprallen charakterlicher Eigenschaften statt?

Gegen den Sammler sträubt sich die Psyche und groß ist die Verlockung, Gossip zum Inhalt zu machen, Fehden aufzupauschen und den Streit – oder gar das Berichten über das Ereignis – als Mittel seiner Charakterisierung zu wählen. Viel bleibt ja nicht übrig, denn die Funktionalität hinter dem Login lässt nicht mehr zu. Tatsächlich Relevantes als Status Update? Lächerlich!

Was aber, wenn nun N. in die Mühlen eines anderen Systems gerät und viel zu spät entdeckt, wie sehr er sich auf Strukturen verlassen hat, die ihm Leichtigkeit vorgegaukelt haben, die er außerhalb des Logins nie erfahren hätte? Es ist ein ganz einfaches Prinzip, das hier zu wirken beginnt: Ein geschütztes Umfeld verhindert Evolution, fehlende Konkurrenz und liebliches Schmeicheln weichen unsere Schutzmechanismen auf und der Sammler steht vor seinem Tod bar seiner Waffen dem Wild hilflos gegenüber.

Macht uns Google dumm?

Ein Artikel darüber, warum wir uns immer weniger merken und uns immer kürzer konzentrieren können, wieso Google daran schuld ist und warum unser Gehirn anders arbeitet als noch vor hundert Jahren. Der Artikel ist nicht nur Pflichtlektüre für alle, die schon einmal vom Internet gehört haben, sondern auch für all jene, die immer schon wussten, dass die Maschinen, die wir bauen, uns letztlich genauso beeinflussen wie wir sie: Is Google Making Us Stupid?.