In Wien guten, also geschmackvollen und richtig zubereiteten Kaffee serviert zu bekommen ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unmöglich, es sei denn, man weiß, wohin man gehen muss. Ebenso ist es schwierig, Geschäfte und Caffè-Bars zu finden, in denen entweder frisch geröstet oder qualitativ hochwertiger Kaffee verkauft wird.
Ich habe hier eine leider sehr kleine Liste an Pilgerstätten zusammengestellt, damit niemand, der in Wien Kaffee trinken möchte, in die gleiche unangenehme Situation wie einst Abraham Lincoln gedrängt wird und sagen muss: Kellner, falls dies Kaffee ist, bringen sie mir Tee; falls dies aber Tee ist, bringen sie mir Kaffee.
Letzte Aktualisierung: 2. Februar 2012.
CaffèCouture
Im CaffèCouture (@caffecouture, FB), Garnisongasse 18, 1090 Wien, erhält man ganz wunderbaren Kaffee. Georg Brannys Blend schmeckt nicht nur vorzüglich und macht munter, er wird meist auch stilecht vom Staatsmeister selbst serviert. Bezahlt wird für jeden Kaffee – mit einer Ausnahme: Eiskaffee – „so viel, wie dir guter Kaffee wert ist“.
Seit kurzem kann man im Showroom auch Bohnen oder gemahlenen Kaffee (zu 400 Gramm und knappe 10 Euro das Päckchen) kaufen. Woher allerdings die Bohnen kommen, erfährt man nicht. Ich habe den Kaffee nun schon einige Male probiert, leider wird er nicht halb so gut wie in Brannys Marzocco, ebenso verliert er nach längstens 5-7 Tagen sehr viel an Geschmack. Macht aber nichts, schließlich ist Georg Branny von Montag bis Freitag immer von 9-16 Uhr im Showroom, wo er den Kaffee frisch zubereitet. Und wenn das einmal nicht so ist, dann postet er das auf Twitter.
Kaffeefabrik
In der Kaffeefabrik (FB), Favoritenstraße 4-6, 1040 Wien, bekommt man nicht nur verschiedene Kaffeesorten in verschiedenen Zubereitungsarten, sondern auch Bohnen - Reinsorten wie Blends - verschiedener Herkunft zu kaufen. Außerdem erfährt man von Tobias Radinger sehr genau, woher der Kaffee kommt, wie er geröstet wird, was seine Besonderheiten sind, etc., etc..
Im winzigen Lokal erhält der preisbewusste Kaffeekonsument das 1/4kg-Packerl Kaffee für 5 Euro. Auch die Preise an der Kaffeebar für Espresso und Cappuccino sind völlig in Ordnung und wer öfter vorbeischaut, profitiert noch zusätzlich von einem Bonussystem.
Bei meinem Besuch war ich von sowohl dem Kaffee als auch von der gelassenen Freundlichkeit Radingers begeistert und sehe die Kaffeefabrik bereits weit oben in der Liste der Top-Coffeeshops in Wien stehen. Die Kaffeefabrik ist von Montag bis Freitag jeweils von 8:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, wobei die Öffnungszeiten eher als Richtwerte zu verstehen sind…
POC Cafe „People On Caffeine“
Im soeben eröffneten POC Cafe „People On Caffeine“ (FB), Schlösselgasse 21, 1080 Wien, gibt es nicht nur guten Kaffee, sondern auch allerlei Utensilien, um ihn zuhause nachmachen zu können. Das winzige Lokal ist im Seitentrakt der Alserkirche untergebracht und eigentlich nur an der geöffneten Türe zu erkennen. Wer es allerdings betritt, wird von einem ganz eigenen Einrichtungsstil (die große Marzocco steht auf einem Schraubstock, daneben ein alter Gasherd, …) und der irrsten Nebeneinanderplatzierung von Schriftarten begrüßt.
Kaffee- und Kaffeemaschinen-Kenner können sich vom Besitzer das lasergestochene Sieb des Siebträgers vorführen lassen, Freunde milder Extraktion und/oder geschmacksintensiver Kaffees können ihren Kaffee in der Filtermaschine, im Syphon oder in der AeroPress herstellen lassen! Bei meinem Besuch im POC wurde mir der belgische Caffènation-Kaffee serviert, den es in Zukunft auch zu kaufen geben wird.
POC ist von Montag bis Freitag jeweils von 8:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, wobei auch hier die Öffnungszeiten als Richtwerte zu verstehen sind…
Baristarie
In der Linzerstraße 403/2B, 1140 Wien (FB), gleich ums Eck von Yume, aber trotzdem fast nicht zu finden, versteckt sich die Baristarie (noch nicht ganz fertig und noch keine fixen, aber immerhin: Öffnungszeiten). Der Röster, Christian Kring, geht die Sache lässig und unprätentiös an: Blends und Reinsorten sind ebenso eine Selbstverständlichkeit wie, zusätzlich zur Zubereitung in der Espressomaschine, die Verwendung der Ritualgerätschaften AeroPress, Syphon, Filter und – Applaus, Applaus! - Bacchi.
Abgesehen davon röstet er – und das sehr, sehr mild, wodurch selbst die Espresso-Mischung interessante Geschmacks-, vor allem aber Duftnoten in jeder Phase ihres Daseins entfaltet: Als Bohne, gemahlen, im Siebträger, in der Tasse und im Gaumen! Gut so! Der Westen Wiens ist endlich aufgewertet!
Vienna School of Coffee
Obwohl nur am Wochenende geöffnet (Sa 10:00-15:00 Uhr), lohnt es sich, der Vienna School of Coffee (FB) einen Besuch in der Hahngasse 22, 1090 Wien, abzustatten. Die Schule ist an sich kein Café, doch gibt es dort immer Kaffees zu probieren und zu kaufen, die entweder direkt von Johanna Wechselberger (Die Rösterin, FB) geröstet oder aus Qualitätsbetrieben zugekauft werden. Welchem Kaffeeliebhaber es gelingt, kürzer als 30 Minuten dort drinnen zu schauen, zu gustieren und sich mit Johanna Wechselberger zu unterhalten, weiß ich nicht.
Kaffeeküche
In der Schottentor-Passage 8, 1010 Wien, strategisch perfekt vorm Ausgang zur Uni Wien gelegen, befindet sich die Kaffeeküche. Von Montag bis Freitag, jeweils von 7:00 bis 20:00 Uhr erhält man dort Tribeka-Kaffee, nachdem man sich für ein paar Minuten angestellt und den Kaffeewunsch in die Menge gebrüllt hat. Im Winter schmeckt er ein bisschen wässrig, im Sommer etwas zu verbrannt; das liegt wohl an der Umwelt, die auf das kleine Kaffeelokal im Untergeschoss stark einwirkt.
Ich würde die Kaffeeküche sehr gerne empfehlen, die Schwankungen in der Qualität der Zubereitung sind mir jedoch etwas zu groß. Trotzdem ist es ein Versuch jederzeit wert! Besser als das in 99,9% aller Kaffeehäuser in Wien ausgeschenkte Gesöff ist der Kaffee alle mal!
Caffè Intermezzo
Ganz weit weg von mir, gut aber für die Bewohner der Praterstraße und generell des zweiten Bezirks, liegt Robert Dullnigs Caffè Intermezzo in der Schrottgießergasse 1, 1020 Wien. Ein paar Tische, etwas zu Essen, vor allem aber: guter Diemme-Kaffee, der stilecht zubereitet und serviert wird (50 Cent billiger an der Bar). Robert schenkt nicht selbst aus, sondern hat Angestellte, doch sind diese gut geschult: Auf meine Frage, welchen Kaffe ich hier bekommen würde, wurde mir die Marke (und nicht die Zubereitungsart) genannt. Bravo!
Cafe der Provinz
Unschlagbar günstigen (EUR 0,80 für den Stehkaffee!), und dabei auch noch guten Simonelli-Kaffee gibt’s im Cafe der Provinz (FB) in der Maria-Treu-Gasse 3, 1080 Wien. Zubereitet wird er in einer Faema E61, davor gemahlen in einer Faema-Mühle! Besonders fein sind nicht nur das Ambiente und die Crêpes, sondern auch die österreichischen, deutschen und schweizerischen Qualitätszeitungen.
Radlager
Das Radlager (FB), zur Zeit gerade in der Westbahnstraße 16, 1070 Wien angesiedelt, ist nicht nur Fahrradwerkstätte, sondern auch selbsternannte Caffè-Bar. Einst konnte man hier herrlichen Passalacqua Harem aus der Faema E61 in freudiger und sonnenschirmbestückter Atmosphäre genießen, das geht nun leider nicht mehr: einerseits wird im Radlager hemmungslos geraucht, andererseits wurde „grindig“ die am häufigsten verwendete Beschreibung in E-Mails, die ich als Feedback zu dieser Seite übers Kontaktformular bekommen habe. Grindig bezieht sich hierbei auf das Lokal, nicht den Kaffee! Es gibt zwar Öffnungszeiten, sie jedoch hier zu nennen, ist unnötig, da sich scheinbar niemand im Radlager so wirklich daran hält.
wakeup espressomaschinen
In der Landstraßer Hauptstraße 105, 1030 Wien, gibt es einen kleinen, unscheinbaren Laden, den man, wenn nicht explizit darauf hingewiesen, leicht übersehen kann: wakeup espressomaschinen (FB, Mo-Fr: 10-19:30, Sa: 10-17). Zum Glück verkauft Mario Sciurti dort eben nicht nur Espressomaschinen, sondern schenkt auch Ristretti aus zwei immer wieder wechselnden Espressomischungen aus. Nicht wundern, wenn es bei der Extraktion leise bleibt: Die alte Faema arbeitet mit Federn und nicht mit elektronischen Druckpumpen. Empfehlung!
Pizza Mari’
Auch Pizza Mari’ in der Leopoldsgasse 23a, 1020 Wien, serviert ab und zu kräftigen Passalacqua, den man dort auch direkt kaufen kann (Bohnen der Marke „Vesuvio“, aber auch gemahlenen Kaffee der Marken „Harem“ und „Mekico“). „Ab und zu“ deswegen, weil es sehr stark von der jeweiligen Bedienung abhängig ist, wie gut der Espresso schmeckt. In letzter Zeit waren die Negativkommentare weitaus häufiger zu hören als die positiven. Auch hier: leider. Das gilt – das nur nebenbei – auch für die Pizze.
Blaustern
Im Café Blaustern am Döblinger Gürtel 2, 1190 Wien wird ganz passabler, selbst gerösteter Blaustern-Kaffee ausgeschenkt, an den man sich von Mal zu Mal mehr gewöhnt. Die Cimballi, die dort ihre Dienste tut, dürfte schon länger nicht mehr überprüft worden sein, ebenso wie die Arbeitsweise des Barista, der bei meinem letzten Besuch mehr damit beschäftigt war, sein wellendes Haar in Lage zu halten als den frisch gemahlenen Kaffee ordntlich zu tampen. Wer allerdings zuhause über eine vernünftige Kaffeemaschine verfügt, dem sei der Kauf frisch gerösteter Bohnen nahegelegt. Für gewöhnlich röstet die Chefin zu Wochenbeginn, ab Mittwoch ist der Kaffee dann verfügbar! Oder man geht gleich hin frühstücken.
Caffè a Casa
Ich habe das Caffé a Casa (FB), Servitengasse 4A, 1090 Wien, lange außen vor gelassen. Warum, weiß ich eigentlich nicht, denn schließlich besuche ich die keine 5 Minuten entfernte School of Coffee ja auch regelmäßig. Ilker Amurabens Kaffees sind mir persönlich etwas zu säuerlich und noch nie habe ich einen Espresso so richtig gut gemacht bekommen, aber das scheint die Gäste seines sterilen Lokals nicht zu stören; sie kommen, um zu trinken. Ich lasse Caffè a Casa lieber wieder außen vor.
Grand Cacao
Passalacqua – und zwar alle drei Sorten: Harem, Vesuvio und Mekico – bekommt man auch im Grand Cacao in der Schleifmühlgasse 15, 1040 Wien. Dort kostet allerdings der Passalacqua Harem stolze 42 Euro!
Eissalon Tuchlauben
Der Eissalon Tuchlauben in der Tuchlauben 15, 1010 Wien, schenkt als einziges Lokal in Wien den rauchigen Goppion-Kaffee aus. Wenn man ihn nachdrücklich „wirklich gut gemacht“ verlangt und das „wirklich“ mehrfach gegenüber den üblicherweise grantigen Kellnerinnen betont, schmeckt er ab und zu auch. Kaufen kann man den Kaffee dort allerdings nicht…
Heissenberger
Heissenberger am Kohlmarkt 11, 1010 Wien, hat guten Kaffee (Bohnen/gemahlen), probiert man ihn gleich vor Ort, kann man sich in ein Hinterzimmer zurückziehen, dass sehr ans Wohnzimmer der Großtante erinnert. Auch hier gilt: Die Qualität des Kaffees variiert sehr stark je nachdem wer ihn herstellt. Mir persönlich sind fast alle Heissenberger-Kaffees zu rauchig und malzig, viele Mit-Tester jedoch schwören auf den Geschmack. Kann aber auch sein, dass die Maschine zu heiß eingestellt ist oder der Kellner unfähig.
Emporio del Caffè
Das Emporio del Caffè (FB) in der Kettenbrückengasse 17, 1050 Wien bereitet sehr gute Espressi zu. Tische gibt es keine, lediglich eine knapp 90cm lange Bar. Die ausgeschenkte Marke wechselt mit den Lieferungen, kaufen kann man sowohl Bohnen als auch gemahlenen Kaffee direkt vor Ort. Brigitte Bartmann hat sich im Emporio del Caffè auf Bendinelli-Kaffee spezialisiert, verkauft aber auch Musetti, Moreno, Portioli und Passalacqua.
Schräg gegenüber vom Laden gibt es eine Garageneinfahrt, die häufig von Kaffeeliebhabern genutzt wird, um als Ultrakurzzeitparkplatz für den schnellen Kaffee bei Frau Bartmann zu dienen.
Alt Wien Kaffee
In der Rösterei Alt Wien in der Schleifmühlgasse 23, 1040 Wien, wird geröstet was das Zeug hält. Im Halbstock kann man aber auch eine Auswahl an 5-7 Kaffees verkosten, bevor man sich für eine der zahlreichen Mischungen oder Reinsorten entscheidet. Mich hat die Verkostung bislang jedoch immer davon abgeschreckt dort Kaffee zu kaufen, doch auch wie im Fall Heissenberger gibt es genügend Fans.