Frühstücken in Wien kann man gut, lange und bis spät in den Tag hinein. Ein Frühstück um 15:00 Uhr ist in den meisten Lokalen kein Problem, doch stellt sich die Frage, ob nicht einige Cafés und Restaurants empfehlenswerter sind als andere. Anders gefragt: Wo gibt es das beste Frühstück in Wien?
Die Bewertung ist natürlich absolut subjektiv, dennoch ein Mittelwert aus mehreren Meinungen, denn ich war niemals alleine frühstücken. Gefrühstückt habe ich stets pikant, immer war frisches Gebäck, Schinken, Käse, Ei und natürlich der doppelte Espresso mit dabei.
Café Blaustern
1190 Wien, Döblinger Gürtel 2, Telefon: 369 65 64
Das Blaustern, Stammlokal von 1190 Wien und Niki Lauda, hat das günstigste und beste Frühstück von allen! Um knappe 10 Euro bekommt man Schinken, Käse, Salami, Aufstrich, Prosciutto, frisches Gebäck, ein Ei im Glas, einen frisch gepressten Orangensaft, Kaffee/Tee und samstags auch noch Niki Lauda in der Loge. Der Kaffee ist gewöhnungsbedürftig, vor allem als Espresso, doch trinkt man ihn im Blaustern ohnehin nur als Caffé Latte. Obwohl das Café zwischen den meistbefahrenen Gürtelabschnitten Wiens liegt und die starke thematische Relevanz des Begriffs Bobo nicht zu leugnen ist, ist das Blaustern absoluter Testsieger in der Frühstücksbewertung.
Café Rochus
1030 Wien, Landstraßer Hauptstraße 55-57, Telefon: 710 10 60
Freundliches Café mit einem äußerst kreativen, jedoch unaufdringlichen Konzept, das alle Speisen und jegliche Beschriftung umfasst (zB: drei.eier.speise). Das Frühstück ist top, die Basisbox (kleines Frühstück) kostet um die 5 Euro, ein erweitertes Set (Basisbox, Eierspeise mit Trüffel, Schinken- und Käseteller und ein doppelter Espresso) knappe 12 Euro. Die Qualität der Speisen ist immer hervorragend gewesen und der (italienische) Kaffee ist einer der besseren, die man in einem Café in Wien bekommen kann. Empfehlung!
Freiraum
1060 Wien, Mariahilfer Straße 117, Telefon: 596 96 00
Ein gelungener “Ableger” des Rochus, der das Original an Originalität fast sogar übertrifft. Der Kaffee ist gut, die Auswahl an Frühstücksoptionen schlichtweg unschlagbar und die Trüffel-Eierspeise ein Gedicht. Wer ins Freiraum frühstücken geht, sollte sich allerdings tunlichst an die Menüs in der Karte halten, sonst wächst die Rechnung ganz schnell auf über vierzig Euro. Trotz Wirtschaftskrise kümmert das offenbar nur wenige, fürs Wochenendfrühstück ist eine Reservierung praktisch Pflicht. Empfehlung!
Café Berg
1090 Wien, Berggasse 8, Telefon: 319 57 20
Von außen könnte man das Café Berg glatt mit einem aufpolierten Bierlokal vom Stadtrand verwechseln, wer einmal drinnen ist wird aber von superfein hergerichteten Frühstücksvariationen überrascht. Die Auswahl an Frühstücksmöglichkeiten lässt keine Wünsche offen, die Portionen gehen ganz locker als Brunch durch. Ich hatte die Frühstücksplatte für eine Person (EUR 13,50) und statt dem Kännchenkaffee einen doppelten Espresso (Aufpreis 2 Euro, Autsch!). Wie die Dinge im Berg hergerichtet werden, ist Augenschmaus. Der Kaffee ist grauenhaft, ebenso wie die Lautstärke der Musik im Lokal.
Café Einstein
1010 Wien, Rathausplatz 4, Telefon: 405 26 26
Was für ein Frühstück erwartet einen in einem Studenten-/Bierlokal? Ein reichhaltiges und gutes zu einem unschlagbaren Preis von 7,50 Euro. Wer gut und billig frühstücken möchte und aufs Ambiente weniger Wert legt, kann im Einstein auf seine Kosten kommen. Wem der mäßige Kaffee nicht schmeckt, kann die hervorragenden Teesorten ausprobieren oder gegen den Durst gratis Himbeersaft aus Plastikbechern trinken.
Zum Schwarzen Kameel
1010 Wien, Bognergasse 5, Telefon: 533 81 25
Ein Klassiker für Brötchenliebhaber, ein feiner Ort um zu gaffen oder um angeglotzt zu werden. Frühstücken ist hier ab 8:00 Uhr möglich, frische Brötchen und Illy-Kaffee warten darauf, verzehrt und getrunken zu werden. Für ein sättigendes Frühstück samt Kaffee zahlt man ca. 10 Euro. Das Flair ist wohl einzigartig und die Mischung aus Aufstrich- und belegten Brötchen erspart den Weg zu Trzesniewski, Duran oder Tauber.
Kent Restaurant
1150 Wien, Märzstraße 39, Telefon: 789 80 38
Eine mediterrane Neuentdeckung ist das Kent. Wer von Oliven, Schafskäse und anderen mediterranen Köstlichkeiten nicht genug bekommen kann, der sollte unbedingt hier vorbeischauen. Das Peynirli Omlet (Omelette mit Schafskäse) ist ein Gedicht, ebenso wie das frisch gemachte Ballonbrot, dazu ein hervorragender türkischer Kaffee (den man “stark” bestellen sollte!) und man hat eigentlich schon genug. Leider hat das Kent die Preise in den letzten Monaten ein wenig angehoben, wodurch es bei weitem nicht mehr das günstigste, preislich aber dennoch in Ordnung ist. Empfehlung!
Café Dommayer
1130 Wien, Auhofstraße 2, Telefon: 877 54 65-0
Das Dommayer, Stammlokal von 1130 Wien und allen japanischen Schönbrunn-Touristen, hat sich wieder zu einem Café hochgemausert, in dem man auch frühstücken kann. Die Preise sind akzeptabel und das Frühstück besteht nicht mehr ausschließlich aus Süßigkeiten. Leider sind Raucher und Nichtraucher im gleichen Raum untergebracht. Der Kaffee ist nach wie vor ekelhaft, das scheint aber die Milchkaffeetrinker nicht zu stören. Wer einen Vormittagsspaziergang in Schönbrunn plant, sollte sich ein Frühstück im Dommayer ebenso überlegen. Reservierung, vor allem an Wochenenden im Winter, ist eine Notwendigkeit. Eine wirklich Empfehlung kann ich auch nicht aussprechen.
Mario
1130 Wien, Lainzer Straße 2, Telefon: 876 90 90
Gleich neben Plachutta und Dommayer gibt es auf der Lainzer Straße 2 das Mario. Für knappe zehn Euro bekommt man das Mario-Frühstücks-Tablett, also gezählte 2 (!) Blätter Prosciutto, eine Scheibe Käse, ein Schälchen Marillenmarmelade, ein Schälchen Kräuteraufstrich, ein bisschen Butter, einen Orangensaft, richtig flüssiges Joghurt mit Obst drauf und ein Körberl mit hausgemachtem Gebäck. Der Kaffee – Illy – ist nicht inkludiert, er kostet jedoch bis 10:30 Uhr genau 1 Euro pro Tasse. Für eine Eierspeise muss man mit etwa 4 Euro rechnen. Frühstück gibt es nur bis 11:00 Uhr und im Lokal wird geraucht. Wertung: Eher nicht.
Café de l’Europe
1010 Wien, Am Graben 31, Telefon: 532 14 69
Das einzige Café, in dem mir der Kännchenkaffee besser schmeckt als der Espresso. Die Frühstückspreise sind hoch, die Miete wohl auch, zum Brunch eignet sich das de l’Europe aber hervorragend. Frühstücken kann man um etwa 10 Euro, ein Brunch gibt es ab 17 Euro. Definitiv dem Café Gloriette vorzuziehen, wenn man Wert auf qualitativ hochwertige Speisen legt.
Café Griensteidl
1010 Wien, Michaelerplatz 2, Telefon: 535 26 92
Ein nobles Kaffeehaus, klimatisiert und erst kürzlich renoviert, zudem auch noch eines der ersten 100% Nichtraucherlokale. Dennoch: Das Frühstück ist ganz, ganz schlecht. Billige Zutaten, bei all meinen Besuchen alte und weiche Semmeln, der Kaffee ist grauenhaft (der Tee ebenso) – und für all das zahlt man auch noch um die 10 Euro. Außer dem Ambiente kann das Griensteidl lediglich mit einer äußerst anspruchsvollen Auswahl an Tages- und Wochenzeitungen sowie einer Komplettausgabe des Brockhaus aufwarten. Leider, leider, keine Frühstücks- und schon gar keine Kaffee-Empfehlung.
Café Gloriette
1130 Wien, Schloßpark Schönbrunn (Gloriette), Telefon: 879 13 11
Das Café Gloriette ist eine Touristenfalle mit gesalzenen Preisen für ein mittelmäßig bis schlechtes Buffet. Der Graus des dort ausgeschenkten Kaffees ist mittlerweile international bekannt. Wer ein Brunch in schönem Ambiente und mit kitschigem Namen – Sisi Buffet – haben will, der kann ja hingehen, wem es aber auf die Qualität von Speis und Trank ankommt, weicht besser woanders hin aus. Der Pauschalpreis für das Buffet liegt bei etwa 25 Euro.