Ich habe mir in letzter Zeit immer wieder Movable Type und Textpattern im Vergleich zu Wordpress angesehen und festgestellt, dass Wordpress ohne riesige Menge an Plugins nichteinmal die Basisfunktionen der beiden anderen System erfüllt. Hier ein kleiner kommentierter Überblick über die Unmenge an Plugins, die auf dreitehabee zum Einsatz kommt.
- Antispam Bee entfernt vollautomatisch und ohne die Daten irgendwohin zu übertragen Kommentar- und Trackbackspam. Das wuchtige Akismet ist hierfür nicht nötig.
- Clean Notifications: Die Kommentar- und Trackbackbenachrichtigungen von WordPress sind eine Ansammlung unnützer Daten, die dieses Plugin aufs Wesentliche herunterkürzt.
- Google XML Sitemaps: WordPress selbst erstellt und verwaltet keine Sitemap, das Plugin Google XML Sitemaps übernimmt diese Funktion und bietet einiges an Konfigurationsmöglichkeiten.
- Intypo: WordPress unterstützt von Haus aus lediglich die englische Typografie. Wer auf Deutsch schreibt, sollte das Plugin Intypo installieren, um zumindest korrekte Anführungszeichen zu verwenden.
- No Self Pings: WordPress kann mittels Pingbacks Verknüpfungen zu themenrelevanten Artikeln herstellen. Leider sendet WordPress Trackbacks auch an sich selbst. No Self Pings verhindert genau das.
- o42-clean-umlauts: Veröffentlich man in WordPress einen Beitrag, dessen Titel Umlaute enthält, werden diese in der Beitrags-URL schlichtweg entfernt. Das Plugin hilft, diesen Fehler zu vermeiden, indem Umlaute in ihre Buchstabenkombinationen umgewandelt werden: Aus “a” wird “ae”, aus “ß” “ss”, usw.
- Redirection: WordPress besitzt über kein eigenes Umleitesystem für URLs. Redirection erledigt das problemlos: Ändert sich die URL eines Artikels, erstellt Redirection eine Umleitung und alle Links funktionieren nach wie vor.
- Search Excerpt: Nein, ich will nicht den ganzen Artikel lesen, der meinen Suchbegriff enthält, sondern lediglich die Passage, die sie enthält. Search Excerpt macht das.
- Subscribe To Comments: Ich habe mich noch nie mit Kommentarfeeds anfreunden können. Weitere Kommentare als E-Mail zugesandt bekommen scheint mir wesentlich logischer.
- wpSEO: Wordpress-Vorlagen sind meist schlecht bis gar nicht suchmaschinenoptimiert. Das kostenpflichtige wpSEO beziehungsweise das kostenlose All In One SEO schaffen hier Abhilfe. Ich empfehle (und setze selbst ein): wpSEO.
- WP Super Cache oder W3-Total-Cache: Weil Wordpress von Haus aus nichts mit Zwischenspeichern am Hut hat, ist eines der beiden Plugins sehr zu empfehlen. Beide beschleunigen den Seitenabruf durch den Benutzer, beide reduzieren die Prozessorbelastung des Servers. W3-Total-Cache ist “besser”, weil es vor dem Caching auch noch komprimiert und den Quelltext neu ordnet (zB Javascripts in den Footer).
- cforms II oder Contact Form 7: Beide Kontaktformular-Plugins können sehr individuell konfiguriert werden, beide sind zu empfehlen. cforms II ist ein Wunder an Konfigurationsmöglichkeiten, kann jedoch nicht automatisch aktualisiert werden.
Ich habe diese List von Wordpress-Plugins erstellt, weil ich mir selbst klar werden wollte, wie sehr man mit diesem System von Drittanbietern abhängig ist. Wordpress an sich ist nicht gegen Spam gefeit. Was, wenn Akismet irgendwann kostenpflichtig wird? Will man auf Deutsch schreiben, sind mindestens 2 Plugins nötig (o42-clean-umlauts und Intypo), und so weiter, und so fort. Mehrere Plugins, also, ohne die Wordpress zwar ein gutes Content Management System wäre, das jedoch an allen Ecken und Enden Kompromisse vom Benutzer erzwingen würde.
Ich habe anfangs Textpattern und Movable Type erwähnt. Beide sind genausowenig perfekt wie Wordpress, doch während die Entwicklung beider System genau diese Probleme beseitigen soll, scheint mir Wordpress einen anderen Weg zu gehen: Hier bemüht sich meiner Ansicht nach Matt Mullenweg nur mehr, ein System zu schaffen, dass wordpress.com dienlich ist, die Wordpress(.org)-Gemeinde, aber nicht zu sehr abschreckt. Ob der Trend, seine Seiten auf Wordpress laufen zu lassen, tatsächlich so vorteilhaft ist, weiß ich nicht, möchte aber vorsichtig auf “leichtes Risiko” setzen.
Updates
12.1.2010: Ich habe einige Plugins entfernt bzw. ausgetauscht.
10.2.2010: All In One SEO ist so schlecht programmiert, dass es DreamHost verbietet (Material Products > Pkt. 8).
Vor allem WP 2.5 richtet sich doch sehr an WP.com, die Entwicklung geht immer weiter auf den DAU ein, die “Profis” bleiben außen vor.
Im übrigen würde das “perfekte System” komplett Plugin basiert sein, also jede Funktion in einem Plugin (auch ganz grundsätzliche Funktionen wie Write Post, etc), dadurch liesen sich schlechte Systemkomponenten sehr leicht austauschen. Es ist ja oft eine Geschmacksfrage wie das Interface aussehen soll bzw. welche Funktionen ein System haben muss und welche stören.
Du sagst es: Man sieht WP2.5 meiner Meinung nach extrem an, dass es eigentlich für wp.com gebaut wurde. Das fängt nicht nur mit der “Reiterleiste” ganz oben an (”Übersicht” – und auf wp.com noch alle anderen Blogs, die man hat), sondern geht auch noch weiter in zB Dashboard oder Kommentarfunktion. Ja selbst das Hochladen anderer Dateiformate als Medien jedweder Art ist praktisch unmöglich geworden…