Immer mehr Kaffeehäuser und andere Lokale in Wien bieten gratis WLAN an. Sehr viele machen das über Freewave, die anderen bieten ihr eigenes Netz an (bei helge.at gibt es eine Liste mit Hotspots in Wien), wenige jedoch, dennoch gehören hier sowohl Starbucks als auch McDonald’s dazu, gehen den falschen Weg: Beide Ketten bieten Internet über kostenpflichtige Dienste an. Starbucks steckt mit T-Mobile unter einer Decke, McDonald’s mit A1. Bei Starbucks kann man das WLAN eine halbe Stunde lang gratis nutzen, danach kostet es, bei McDonald’s zahlt man ab der ersten Minute (A1, eh klar!).
Als die ersten Kaffeehäuser WLAN-Service anboten, zweifelte ich an der Idee. Was sollte das bringen? Wäre das ganze Kaffeehaus nicht nur voll mit Leuten, die zwar das Internet, nicht aber die Angebote der Speise-/Getränkekarte nutzten? Würde es tatsächlich irgendwen geben, der sein Kaffeehaus nach dem Kriterium WLAN aussucht? Und die Antwort lautet, jetzt nach mehreren Jahren dieses Services: ja!
- Der Kaffee, den man bei Coffee Day bekommt, ist wahrscheinlich nur als Latte tatsächlich genießbar, aber ich bin oft dort mit Kollegen — weil es WLAN gibt.
- Das Café Drechsler an der Wienzeile habe ich eigentlich nur deshalb kennengelernt, weil einmal im Mocca Club das WLAN ausgefallen ist, ich aber gedachte zu arbeiten.
- Ronahi? Ich wäre wohl niemals dorthin gekommen, würde das Lokal nicht in einer Hotspots-Liste stehen!
- Das Café Blaustern hat nicht nur großartiges Frühstück, sondern auch gratis WLAN von Freewave. (Oftmals ein Grund, warum ich es dem Rochus vorziehe.)
- Das Museumsquartier ist eine künstlerisch gestaltete Betonwüste. Gäb es kein WLAN im Hof, wäre dieser wohl weniger stark besiedelt.
…und so könnte ich die Liste weiter und weiter fortsetzen. Doch zurück zu Starbucks und McDonald’s. Dass ich bei McDonald’s ins Internet wollte, wäre verwunderlich — so eilig kann es gar nicht sein, dass ich den Gestank auf mich nehmen würde. Bei Starbucks (Nichtraucher, löblich!) sieht es schon anders aus. Doch obwohl man zahlen muss für etwas, das man woanders gratis bekommt, sitzen die Menschen dort in Massen mit ihren aufgeklappten Notebooks und surfen übers T-Mobile-Netzwerk. Wer sich das einmal live anschauen will, dem empfehle ich den Starbucks in der Millennium-City am späten Nachmittag. (Wer sich allerdings das völlige WLAN-Konzentrat geben will, der blicke in der Zeit von 14:00—19:00 Uhr ins Coffee Day gegenüber der Hauptuni!)
Schade finde ich, dass Wiens Traditionskaffeehäuser nicht auch auf die WLAN-Welle aufspringen: Sie können es ja meinetwegen nur zeitweilig anbieten. Aber wäre es nicht herrlich (sofern der Kaffee besser wäre), wenn man gegen 20:00 Uhr in einer Ecke im Griensteidl sein Notebook aufklappen und im Internet surfen könnte? Wäre es nicht ein Vergnügen, beim Dommayer im Gastgarten an einem Sonntag Nachmittag die Wochenendausgabe der New York Times online zu lesen oder in den Comments seine Meinung dazu abzugeben? Wäre es nicht geradezu der Gipfel des Olymp, wenn man am Freitag oder am Samstag in der Früh nebst seinem Frühstück im Rochus auch gleich darüber bloggen könnte? Sollten sich all jene Kaffeehäuser endlich dazu entscheiden WLAN anzubieten, dann bleibt nur noch zu hoffen, dass sie sich für Freewave oder ihr eigenes gratis WLAN entscheiden, nicht aber für die für den Kunden kostenpflichtigen Dienste von T-Mobile oder noch schlimmer – A1!
Im Hummel (das ich im Zuge eines flickr-Treffens kennengelernt habe) gibt’s auch freewave-WLAN (und das Spiegelei auf Speck hat mir dazu sehr gut gemundet). Über den Kaffee sag’ ich nix, da ich da kein Maßstab bin und die Kellner waren ok.
Muss man wirklich überall Zugang ins Internet haben?
Meiner Meinung nach soll es ruhig nach wie vor Kaffeehäuser geben, die auf W-Lan verzichten. Das persönliche Gespräch der Gäste untereinander soll im Kaffeehaus gepflegt werden, der menschliche Umgang miteinander zelebriert und geschätzt werden. Der Mensch nicht in eine sinnlose Abhängigkeit der TEchnik gegenüber verfallen.
O Wunder!
Was gibt`s für herrliche Geschöpfe hier!
Wie schön der Mensch ist! Schöne neue Welt,
Die solche Bürger trägt!
-Shakespeare: Der Sturm
Ps.: Wann wird das Café Raimann einem 3th.be-Test unterzogen? Eine Stimme dafür gibt es bereits.
No Internet, no life ;-)
Gibt’s im Raimann Internet?
Ich glaube nicht, dass es im Raimann Internet gibt.
Würde auch keinen Sinn machen, denn die Klientel ist eine andere.
Ja und ob Wiens Traditionskaffeehäuser auf die Welle aufspringen! Bin schon im Café Central gesessen (oder ist das zu touristisch?) und habe mich munter durch die weiten WWW-Welten bewegt.
Hier gibt’s noch mehr:
http://www.freewave.at/en/hotspots
oder zählen Prückel, Landtmann nicht zu den traditionellen?
Hmm. Doch, klar zählen die dazu. Ich warte nur noch auf Griensteidl, de l’Europe und Dommayer.
Ad Central: Letztens habe ich dort knappe 8 Euro für einen Tee bezahlt. Das ist dann schon ein wenig übertrieben… (Vor allem, wenn man heißes Wasser und einen Teebeutel serviert bekommt!)
@John Stone: Nun, das mit der Klientel ist so eine Sache. Oft kann eine Änderung in diesem Sinne (also das Anbieten von Internet) die Klientel ändern.
Ist es nicht eher eine Frage der Zeit, bis die Datenpakete der Mobilfunker so billig sind, dass keiner mehr nach WLAN an oeffentlichen Plaetzen fragen wird (ausser vielleicht, die deren iPod Touch kein Bluethooth hat ;-)) ?
Uebrigens laesst sich Dein Blog in China wunderbar konsumieren.
Also zwischen billig und gratis ist jedenfalls ein Unterschied. Soweit ich weiß, ist WLAN außerdem viel schneller… Grüße nach China, M.
Sicher, schneller auf jedenfall. Aber UMTS geht auf jeder Parkbank und gratis versus billig ist immer relativ.
Auf jeden Fall habe ich gerade gelesen, dass McDonalds in UK schon gratis WLAN anbietet, also vielleicht geht Dein Wunsch hier auch bald in Erfuellung…
Gruesse retour, W.
Auf eine Surfsession mit BigMac-Begleitung ;-)
Na, zum Essen sollten wir vielleicht doch rueber in die Annagasse zum Burger King gehen… ;-))
Erinnere mich bitte bloss nicht an Fastfood, ich habe vor zwei Tagen gerade die traditionelle Symptome eines KFC Besuchs in China erleiden muessen. (Man moechte sich fast an das Kuebel-Syndrom erinnert fuehlen…)