Sonntagsarabesken #143

Wie bewegt sich die Erinnerung? Fließt sie in langsamen Bahnen bergab, ruhig und bedächtig aber zugleich drohend und tödlich wie ein Lavastrom? Oder bahnt sie sich ihren Weg von unten durch die sedimentierte Lebenskruste einer Existenz, deren Oberfläche sich zu keinem Zeitpunkt wirklich zu festigen vermag? Auf den Abschweifungen in das Spiegelkabinett der vergangenen Zeit begegnen wir beiden, den fließenden und den steigenden Erinnerungen, und lukrative Pflicht der Therapeuten ist es, uns davon zu befreien. So ist es möglich, dass man im selben Moment einem kurzen, aber heftigen Sommergewitter beiwohnt und doch zugleich in einem Hauseingang der Altstadt von Salamanca die Zeit verliert. Dass geplatzte Orangen in den Rinnstein rollen, sich beinahe schwebende Tanzschritte über die Viale Bruno Buozzi schlängeln und zwei grüne Augen in einer roten Wiener Winternacht den Himmel auf Erden versprechen. Dass eine Zugfahrt uns über die österreichische Grenze nach Norden trägt, während ein zweiter, nach Süden strebender Zug, uns das Zittern der Zeit auf dem Weg an den Golf von Neapel spüren läßt. All diese Augenblicke, Orte und Bewegungen existieren zugleich und neben- und miteinander. Ebenso wie die Gestalt der an einen Zaun gelehnten jungen Frau, die im Regen stehend auf etwas oder jemanden wartet, im Schatten der Gewitterwolken wie auch auf dem Papier der Bleistiftzeichnung oder in den Absätzen des niemals auf Papier gebrachten Textes. Wie die Wetterlage über Adria und Schwarzem Meer ist all dies sowohl in bestimmten Formen geschehen und festgehalten, als auch durch die Möglichkeit unendlich vieler Variationen und chromatischer Abweichungen für alle Ewigkeit in unsere gemeinsame Sprache und unsere gemeinsamen Vorstellungsbilder eingeschrieben. Die Vielfalt, der Reichtum des Erinnerns, des individuellen wie kollektiven Nicht-Vergessen-Könnens, kann nur als überwältigend, bedrohlich und potenziell lebensgefährlich schmerzhaft bezeichnet werden. Sie ist der Felsbrocken, den wir stetig und immer wieder hangaufwärts wälzen, das ist die Musik, die unser Leben begleitet. Das Vielfache der Träume sind die Wahrheiten, die sich nach dem Erleben in den Strudel der Bilder, Gerüche, Geräusche und Gefühle reihen. Als stumme Gäste der in dieser Welt zu verlebenden Zeit.

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Facebook, der Einstieg: Slow down or you‘ll hit a block

Facebook. Was habe ich nicht schon alles darüber geschrieben. Seit Samstag, irgendwann sehr früh in der Früh, kann man bei Facebook vanity URLs für sein eigenes Profil anlegen, eine Funktion, die Douglas Rushkoff als den Anfang vom Ende von Facebook bezeichnet. Vanity-URLs sind, kurz erklärt, facebook.com/vorname.nachname anstelle von facebook.com/profile.php?id=500094561. So einen Benutzernamen wollte ich haben. Und deshalb habe ich mich bei Facebook registriert. Und weil ich das schon mal vor ein paar Jahren gemacht habe und das Konto nur stillgelegt wurde, musste ich die 31. Mai/15:00 Uhr-Sperre nicht abwarten.

Konto aktiviert, Vanity-URL gesichert, friendship requests beantwortet und selbst neue beantragt. Mittendrin dann die Nachricht „Slow down or you‘ll hit a block!“. Nach ein paar dieser Nachrichten habe ich aufgehört, weitere Menschen zu meinen friends zu machen und habe mir die Seite gut angesehen. Auf den Punkt gebracht: Twitter, Flickr und Youtube, aber hinter einem Login und mit echten Namen. Die Frage, die sich mir sofort aufgedrängt hat: Das ist es? Daran können sich 200 Millionen Menschen begeistern? Wow!

Bevor ich jedoch über die Antwort zu meiner Frage nachdenken konnte, wurde auf der Seite rechts unten ein Chat angezeigt: Lade ein Benutzerbild hoch! Währenddessen eine neue Nachricht im Facebook-Posteingang: Lockere deine Datenschutzeinstellungen, man kann ja nichts sehen! Meine Einstiegserfahrung zum Thema Facebook ist mit der von Götz Hamann deckungsgleich:

An diesem ersten Tag lasse ich noch viele Felder frei: Stehe ich auf Frauen oder Männer? Was denke ich politisch? Glaube ich an Gott? Habe ich eine Beziehung? Meine Handynummer und meine Adresse soll auch niemand erfahren! Aber jedes Mal keimt die stille Frage, ob das in Ordnung ist. Oder verstoße ich gegen eine ungeschriebene Etikette und werde Außenseiter sein, sobald ich den ersten Kontakt zu jemandem suche? (…) Soziale Netzwerke im Internet kann man ablehnen, aber nicht mehr ignorieren, weil so viele Menschen nun einmal mit Hilfe der Netzwerke ihre Beziehungen pflegen.

Facebook trägt aber auch durch gezieltes Nerven dazu bei, sich datentechnisch immer mehr zu entblößen: Jedes Mal, wenn ich meine Profilseite besucht habe, wurde ich danach gefragt, ob das für mich geltende Possessivpronomen „sein“ oder „ihr“ sei – bis zu dem Zeitpunkt als ich in meinen Profileigenschaften mein Geschlecht deklariert habe. Dann war zwar damit Schluss, doch schon wurde ich wieder genervt: Ob ich nicht meine Gmail-Kontakte importieren und aus den darin gespeicherten E-Mail-Adressen einige friendship requests erstellen wolle? Wohl eher nicht!

Tag 1 auf Facebook: Gemischte Gefühle und Verwunderung.


Dieser Artikel ist Teil einer Serie über Facebook.

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Vor weniger als einem Monat…

…haben wir uns mit einem Mitarbeiter getroffen, der seit etwa zehn Jahren in jeden Kompetenzbereich, den es in der Firma gibt, eingedrungen ist. Er arbeitet praktisch überall irgendwie mit; die Ergebnisse seiner Arbeit sind dementsprechendes Mittelmaß, bislang hat man sein Tun jedoch wohlwollen akzeptiert, ist er es doch, der sich auf Kosten anderer profilieren möchte; ist er es doch, der aufgrund seines Einkommen die Ausgaben für die anderen Mitarbeiter senkt: Wenn er das um das Gehalt schafft, warum dann nicht der Profi in seinem Bereich?

Da dieser Zustand nicht mehr haltbar war und die Erzeugnisse des besagten Kollegen der Namen der Firma schadeten, beriefen wir eine kleine Krisensitzung ein, die, wie schon gesagt, vor weniger als einem Monat stattgefunden hat. Die verschiedenen Punkte wurden ausdiskutiert und – Erstaunen! – wir konnten uns auf einen modus vivendi einigen: Er konnte nach wie vor seine Nase überall hineinstecken, seine Erzeugnisse müssen aber jedesmal eine Woche vor Veröffentlichung/Auslieferung so aufgelegt werden, dass jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin Zugang dazu haben, sich eine Meinung bilden und eventuell sogar Kritik oder Lob anbringen können. Dass man das Erzeugnis gesehen hat, bestätigt man mit seiner Unterschrift auf einer Liste, die zentral angebracht wird. Das… war vor weniger als einem Monat.

Seit zwei Tagen liegen neue Erzeugnisse des Kollegen in der Firma vor. Er hat sie – an allen vorbei – produzieren lassen und sowohl die Mitarbeiter als auch seinen Chef vor vollendete Tatsachen gestellt. Ob es der Chef weiß, was da geschehen ist, das weiß ich nicht; was ich weiß: wiedereinmal sind die Erzeugnisse des Kollegen grausam anzusehen; wiedereinmal wurde die CI der Firma ignoriert; auf dem Erzeugnis fehlen ganz grundlegende Daten, besonders gravierend: das Firmenlogo!

So ähnlich war das mit dem Kollegen schon einmal. Wird sich das überhaupt jemals ändern?

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Pizza Mari‘

Pizza Mari'

In der Leopoldsgasse 23a im 2. Bezirk befindet sich die beste Pizzeria Wiens: Pizza Mari‘. Der Clou: Neben der besten Pizza, die man in der Stadt bekommen kann, serviert man hier auch Passalacqua-Kaffee!

Über die Qualitäten der Pizzeria kann man im Standard oder in der Presse nachlesen, darüber, dass Österreicher nun mal Österreicher sind, und herummotschkern, wenn der Toastschinken nicht im Emmentaler auf dem Fladenbrot untergeht, beim Datenschmutz oder bei Katz Kulinarisch. Ich bin wohl der erste Blogger, der über Pizza Mari‘ positiv berichtet.

Ich habe Pizza Mari‘ zum ersten Mal an einem Samstag zu Mittag betreten. Megaphone als Lautsprecher, Tische, Stühle, Kleiderständer, ein Tresen, eine Gaggia und ein Holzkohleofen – das ist es auch schon, was man im Pizza Mari‘ vorfindet. Auch die Speisekarte listet nur knapp zehn Pizzen auf, den ganzen anderen Schmafu – Salate, Pastagerichte, bla, bla – gibt es hier zum Glück nicht. Was mir sofort klar war: Bufala (Tomaten, Büffelmozzarella, Basilikum)! Und ich wurde mit der besten Pizza überrascht, die ich in Wien jemals gegessen habe. Das geschmackliche Feuerwerk dieser Pizza, dem ich mit ein wenig Chiliöl noch eine Extra-Zündung verpasst habe, steht in krassem Gegensatz zur Eintönigkeit nach Emmentaler schmeckender Lieferpizza. Wow, war das gut!

Wie auch im wirklichen Leben, erinnert man sich an einen Höhepunkt nur dann wirklich gut, wenn ihm auch gleich ein zweiter folgt. Und der kam in Form eines Espresso. Im Pizza Mari‘ serviert man nämlich – Trommelwirbel – Passalacqua Harem-Kaffee, den wohl besten Kaffee, den man bekommen kann. Ursprünlich nur im Radlager zu finden, gibt es nun auch eine Möglichkeit, ihn in einem echten Lokal zu sich zu nehmen. Das Radlager übertrumpft die Zubereitung zwar durch den Liebhaber-Effekt (Faema vs. Gaggia!), aber für einen Espresso danach reicht der im Pizza Mari‘ allenfalls!

Was auch immer ich über das Pizza Mari gelesen und gehört habe, ist mir egal: Ich habe in der Leopoldsgasse 23a die wohl beste Pizza Wiens zu mir genommen und werde das Lokal weiter- und weiter- und weiterempfehlen. Und selbst des öfteren auf einen Kaffee vorbeischauen!

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Kommentare auf Blogs sind sowas von 2005

Die Dinge haben sich in den letzten drei Jahren so dramatisch verändert. Blogs, wie man sie geläufig noch vor seinem geistigen Auge sieht, gibt es praktisch nicht mehr: Die Abfolge Header, Titel, Überschrift, Artikel, Kommentare, Link und Footer ist heute nur mehr bei Seiten zu finden, die sich als Blog eingenistet, die Weiterentwicklung hin zu noch mehr Vernetzung und Auslagerung jedoch verweigert haben.

Mit meinem Wechsel von WordPress zu Tumblr habe ich einiges an Kommentaren (persönlich oder per E-Mail) in Bezug auf das Fehlen der Kommentarmöglichkeit zu hören oder zu lesen bekommen. Die Behauptung, man könne nun nicht mehr mit mir kommunizieren, ist allerdings nicht ganz richtig, denn es stimmt zwar, dass man nicht mehr direkt in eigens dafür vorhergesehenen Feldern kommentieren kann, es ist aber nicht richtig, dass man seine Meinung überhaupt nicht mehr kundtun kann. Kommentare sind mir, ganz im Gegenteil, sehr willkommen. Per E-Mail, in einem Artikel auf der eigenen Website mit einem Link zu meinem Artikel oder via Twitter.

Warum aber nicht auf der eigenen Seite? Kommentare, wie wir sie bislang kennen, sind mir zu 2005. Damals waren Blogs gerade der Schrei, aber nicht jeder hatte (oder hatte die Möglichkeit), ein Blog zu eröffnen. Blogger war noch nicht bekannt genug (zumindest in Österreich) und wenn man von „eigenem Server“ und Content Management Systemen gesprochen hat, war man sowieso ein Geek. Dennoch konnte man als Besucher einer Seite zu Themen Stellung nehmen, weil es eben diese Funktion gab.

Die Umstände haben sich aber geändert. In meinem Freundeskreis hat nahezu jeder eine eigene Website, einen Account bei Twitter oder zumindest einen Zugang zu Facebook. Man weiß mittlerweile, wie man Texte online publiziert. Das Limit der Kommentarfunktion war, dass man nicht wirklich Stellung nehmen konnte, sondern immer in einem kleinen Zusatzfeld in wenigen Sätzen auf den Punkt kommen musste. Es war nicht möglich, lange Diskussionen zu führen und nur sehr schwierig, Diskussionsabläufe zu verfolgen. WordPress hat mit dem letzten Upgrade die Möglichkeit eingeführt, Kommentare verschachtelt anzulegen. Der Nachteil dieser Form des Kommentieren ist, dass selbst visuell der Artikel nur mehr als Grundlage, nicht aber als Bezugsobjekt der Diskussion verstanden wird. Je verschachtelter die Kommentare angelegt sind, desto eigenständiger und vom eigentlichen Thema losgelöster erscheinen die diversen Statements.

Spätestens seitdem Artikel mit Titeln wie „Kill Blog Comments“ erscheinen und Blogautoren argumentieren, dass Blogs nicht unbedingt als Dialog verstanden werden müssen, wird eine neue Form des Kommentierens nötig. Man möchte nicht mehr in der Sandkiste über den Spielplatz diskutieren, sondern im Büro des Stadtplaners: Diskussionen, sollen Blogs vernetzen und Inhalte mit Meinungen auf verschiedenen ideellen Plattformen präsentieren, wobei das eigene Blog/die eigene Website den Gipfel des Olymp darstellt, Twitter und twitter-ähnliche Dienste den Autoren gelegentliche „Guter Artikel!“ bis hin zu „You suck!“-Blurbs freien Lauf lassen.

Trotzdem bleiben Reaktionen auf die eigene Arbeit interessant und so bleibe auch ich dem Kommentieren auf einfachster Ebene treu. Ab sofort hat jeder Text-Artikel einen Link, der das Kommentieren auf den präsentierten Inhalt ermöglicht. Dafür ist lediglich ein Twitter-Account nötig, das aber ratzfatz eingerichtet ist. Alternativ nehme ich natürlich auch Meinungsäußerungen per E-Mail (m.kalina auf dieser Domain) jederzeit entgegen. Das Kommentieren per Twitter verstehe ich als kleine Hemmschwelle: Die Meinungsäußerung ist für jeden sichtbar, da ich zwar die Reaktion als Antwort an mich deklariere (@mkalina), allerdings dem Tweet auch eine Referenzurl zum betreffenden Artikel mit auf den Weg gebe. Jede und jeder Interessierte kann dadurch selbst nachlesen, worauf sich diese Äußerung bezieht und sich selbst seine Meinung bilden.

Die dritte Alternative? Selbst einen Beitrag verfassen und auf meinen Verlinken! Irgendwann taucht der Beitrag in meinen Referrern auf und die Ferndiskussion kann beginnen.

Das bringt Leben ins Web, das macht Spaß. Und Kommentare auf Blogs gehen über ins Jahr 2009!

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Artikel einer Kategorie nach Inhalt eines Spezialfelds sortieren

In WordPress sollen veröffentlichte Artikel einer bestimmten Kategorie, die allesamt ein Spezialfeld (Custom Field) haben, das ein Datum im Format JJJJ-MM-TT, also z.B.: 2009-12-20, enthält, nach eben diesem Spezialfeld aufsteigend sortiert ausgegeben werden, sofern das Datum nicht bereits in der Vergangenheit liegt.

Sort articles with a custom-field that includes a date in the form yyyy-mm-dd by this very custom field, if the articles are published, are all in the same category, and the date in the custom-field is now or in the future.

Hier die Lösung (und hier auf Pastebin):


<?php

        $querystr = "
                SELECT * FROM $wpdb->posts
                LEFT JOIN $wpdb->postmeta ON($wpdb->posts.ID = $wpdb->postmeta.post_id)
                LEFT JOIN $wpdb->term_relationships ON($wpdb->posts.ID = $wpdb->term_relationships.object_id)
                LEFT JOIN $wpdb->term_taxonomy ON($wpdb->term_relationships.term_taxonomy_id = $wpdb->term_taxonomy.term_taxonomy_id)
                WHERE $wpdb->term_taxonomy.term_id = [[ Category-ID ]]
                AND $wpdb->term_taxonomy.taxonomy = 'category'
                AND $wpdb->posts.post_status = 'publish'
                AND $wpdb->postmeta.meta_key = '[[ Name of Custom Field ]]'
                AND STR_TO_DATE($wpdb->postmeta.meta_value, '%Y-%m-%d') >= NOW()
                ORDER BY $wpdb->postmeta.meta_value ASC
        ";

        $posts = $wpdb->get_results($querystr);
        foreach ($posts as $post) :
                setup_postdata($post);

?>

        <!-- Whatever shall be displayed -->

<?php endforeach; ?>

Super, nicht?

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